Unfallkasse Sachsen

Schwitzbad ohne Risiko

i-Punkt Ausgabe 03/2004

Sicherheit

 

Saunabäder und Kneipp-Anlagen in Kindertagesstätten (Teil 1 Sauna)
Ärzte sind sich einig: Schwitzen ist gesund. Als „Heilfieber" bezeichnet man deshalb auch, was die wohltuende Wärme in unserem Körper auslöst. Um die Körpertemperatur konstant zu halten, produzieren Millionen von Drüsen unaufhörlich Schweiß. Dessen Verdunstungskühle verhindert, dass unser Körper nicht völlig überhitzt und kollabiert. Und noch eine gute Eigenschaft hat der zu Unrecht geschmähte Körpersaft. Mit ihm verlassen zahlreiche Giftstoffe unseren Körper. Kein Wunder also, dass zahlreiche Kitas das Schwitzbad für sich als Profilierungskonzept entdecken wollen.

Kinder vor der Sauna in der Kneipp-Kita
Jeden Montag ist Sauna-Tag in der Kneipp-Kita in Thiendorf

Jeder kennt die gesundheitsfördernde Wirkung von Sauna oder Kneippanwendungen. Für unsere Jüngsten ist die Wirkung von Heißluftbädern, von warmem und kaltem Wasser eine wichtige Erfahrung, die gemeinsam mit Freunden ein ganz besonderes Erlebnis ist. Klar, dass Spaß und Freude im Vordergrund stehen sollten. Damit diese möglichst ungetrübt bleiben, sollten Sie die folgenden Sicherheitshinweise zum Einbau und der Benutzung von Saunen beachten. In unserer nächsten Folge widmen wir uns dann den Kneipp-Anwendungen.

Kinder in der Sauna
Schwitzen ist gesund und macht Spaß

Sie wollen in Ihrer Kindereinrichtung eine Sauna einbauen und haben die Finanzierungshürde genommen? Herzlichen Glückwunsch! Bei der Suche nach einer geeigneten Sauna stellen Sie sich natürlich die Frage, welche sicherheitstechnischen Forderungen sind zu beachten. In den „Richtlinien für Kindertagesstätten“ sind keine Aussagen zu Bau, Ausrüstung und Betrieb einer Sauna bzw. Kneippanlage enthalten. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass es keine gibt. Wir möchten Sie auf die Wichtigsten hinweisen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sauna

Berührungsschutz in der Sauna in einer Kita
So ein Berührungsschutz ist in Kitas Pflicht!

Ist die Errichtung mit dem Träger der Kindertagesstätte abgesprochen, können Sie die geeignete Sauna auswählen. Wenn Größe und Anforderungen für den Anwendungsfall erfüllt sind, können Sie selbstverständlich handelsübliche Fertigteilsaunas einbauen lassen. Unserer Checkliste hilft Ihnen, einen geeigneten Anbieter auszuwählen. Der Standort der Saunakabine ist so zu wählen, dass Dusche und Ruheraum in der Nähe sind, möglichst auf gleicher Ebene.

Auf diese Punkte sollten Sie unbedingt achten:

  • Bestätigt der Hersteller die Einhaltung der derzeit gültigen technischen Regeln?
  • Ist die Saunakabine von außen vollständig einsehbar?
  • Sind alle Glasflächen (Tür ggf. Fenster) aus Sicherheitsglas oder gleichwertigen Materialien?
  • Ist ein vollständiger Berührungsschutz des Saunaofens gewährleistet? Verhindert die Verkleidung ein Durchgreifen?
  • Besteht zwischen Saunaofen und Sitzbank ein ausreichender Abstand oder Gang?
  • Sind Leuchten, Mess- und Anzeigegeräte außerhalb des Zugriffsbereichs der Kinder angebracht?
  • Wurden Stolpergefahren und scharfe Kanten vermieden?
  • Ist Quetschgefahr für Kinderfüße an der Saunatür durch den Abstand des Türblattes zum Bodenbelag ausgeschlossen (maximal 8 mm)?
  • Schlägt die Saunatür nach außen auf, und kann sie auch durch Kinder geöffnet werden?
  • Sind die Sitzbänke, und besonders die Sitzflächen der Größe der Kinder angepasst? Zum Hochsteigen braucht man keinen Hocker, und der Abstand zur Kabinendecke beträgt mind. 1 m. (Körpergröße mit 3 Jahren: ca. 0,95 m, mit 5 Jahren: ca. 1,10 m). Zwei Ebenen sind in der Regel ausreichend.
  • Wurde der Abstand der Banklatten so gewählt ist, dass keine Fangstellen für Füße und Finger entstehen (möglichst 25 mm)?
  • Bestehen die Banklatten aus splitterfreiem Material?
  • Ist der Bodenbelag rutschhemmend (Bewertungsgruppe A) und leicht zu reinigen? Holzroste auf dem Fußboden sind unhygienisch und deshalb ungeeignet.
  • Kann jederzeit eine zweite Aufsichtsperson zu Hilfe gerufen werden? (zum Beispiel durch Notruftaster in oder an der Kabine)
  • Sind alle Elektroinstallationen incl. Abschaltvorrichtung des Ofens gegen Überhitzung nach DIN VDE 0100 Teil 703 ausgeführt? (Bei vorhandenem Wasserbecken auch DIN VDE 0100 Teil 702 beachten)
  • Wird eine ausreichende Beleuchtung auch außerhalb der Kabine gewährleistet (Sicherheitsbeleuchtung)?
  • Bestehen Wände und Decke aus Holz, die nicht chemisch behandelt sind?
  • Ist eine ausreichende Belüftung gewährleistet?
  • Ist die Hausalarmierung auch im Bereich der Sauna hörbar?

unzureichender Berührungsschutz am Saunaofen
Gefährlich! Der Berührungsschutz am Ofen ist völlig unzureichend.
Anzeigeninstrumente in der Sauna
Anzeigeninstrumente sind nichts für Kinderhände

Der Standort

Mit einer Saunakabine allein ist es meist nicht getan. Auch das Drumherum muss stimmen. Dazu unsere Tipps:
Sehen Sie ausreichende Ablagemöglichkeiten für Handtücher, Bademäntel usw. vor.
Die Bodenbeläge müssen in der Rutschhemmung den geforderten Bewertungsgruppen entsprechen (Merkblatt GUV-I 8527):

Rutschhemmung für Bodenbeläge

(Angabe in Bewertungsgruppen)
Dusche: B
Ruhebereich, weitgehend trocken: A
Umkleidebereich: A
Sauna: A
Wasseranwendungen: B

Die Abläufe für das anfallende Wasser sollten außerhalb von Verkehrswegen sein. Die Abläufe sind so abzudecken, dass Öffnungen nicht größer als 8 mm sind. Achten Sie ebenfalls auf die Rutschhemmung. Aufgrund der zu erwartenden Luftfeuchtigkeit ist eine ausreichende Belüftung vorzusehen. Zu Reinigungs- und Abkühlzwecken sind mindestens zwei geeignete Duschen, unbedingt mit Handbrause und verschiedenen „Strahlvarianten“, davon eine mit Kneippschlauch zu installieren. Dass die Wassertemperatur auf 45° begrenzt sein muss, ist Ihnen sicher bekannt.

Betriebsanweisungen / Saunaordnung

unzureichende Saunaordnung
Dies reicht nicht als Saunaordnung

Für den Betrieb Ihrer Sauna ist die Erstellung einer Betriebsanweisung, zum Beispiel als „Saunaordnung“, notwendig.
In den Anweisungen sind die wichtigsten Festlegungen und Voraussetzungen zur Durchführung der Saunagänge festzuhalten, auch als Grundlage für die Unterweisung der Mitarbeiter. Die örtlichen Bedingungen und die Maßnahmen der ersten Hilfe sind unbedingt zu berücksichtigen. Diese Anweisung, als „Ordnung“ oder „Grundregeln“, ist regelmäßig zu prüfen und bei Bedarf zu aktualisieren.

Diese Hinweise sollten Sie dabei beachten:

  • Liegt die Einverständniserklärung der Eltern vor? (Informationspflicht)
  • Sind alle Kinder gesundheitlich geeignet? • Werden die Anlagen regelmäßig geprüft? (Saunaofen, Notrufeinrichtungen, Auslauftemperatur an Wasserentnahmestellen, Prüfzyklus festlegen und im Prüfkataster aufnehmen)
  • Wie ist die erste Hilfe organisiert? Ist eine zweite erwachsene Person schnell vor Ort?
  • Wie erfolgt in Notfällen die Evakuierung aus der Sauna?
  • Ist die Hausalarmierung der Einrichtung auch in der Sauna zu hören?
  • Wie ist der Ablauf der Anwendungen (z. B. Zeitdauer der Saunagänge, Ruhepausen, Temperaturen in der Sauna ..., wobei das Alter und die Gewöhnung der Kinder zu berücksichtigen sind).
  • Wie verhält man sich in der Sauna (Vorreinigung, Abkühlen ...)?
  • Wie viele Kinder dürfen gleichzeitig in der Saunakabine sein?
  • Welche und wie viele Aufsichtspersonen sind notwendig? (Ausreichend ist, wenn die Erzieherin zur Aufsicht vor der Kabine steht, da mehrere Saunagänge für das Personal eine gesundheitliche Belastung darstellen).
  • Wurde die Benutzung privater elektrischer Geräte (Fön) untersagt?
  • Gibt es eine Kontrolle der Saunakabine vor und nach dem Saunagang?
  • Wurde das Ablegen von Handtüchern oder Matten auf dem Saunaofen untersagt (Brandgefahr!)? (Auszug)

In diesen Vorschriften oder technischen Regeln finden Sie allgemeine oder spezielle Forderungen:

  • UVV „Allgemeine Vorschriften“ GUV-V A 1 (bisher GUV 0.1)
  • UVV „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ GUV-V A 2 (bisher GUV 2.10)
  • „Richtlinien für Kindergärten - Bau und Ausrüstung“ GUV-SR 2002 (bisher GUV 16.4)
  • Checkliste 8.7 aus GUV-SI 8459 „Checklisten zur Gefährdungsbeurteilung in Kindertageseinrichtungen“
  • „Bodenbeläge für nassbelastete Barfußbereiche“ GUV-I 8527 (bisher GUV 26.17)
  • Verwaltungsvorschrift zu § 10 Sächsisches Kita-Gesetz
  • Richtlinien für den Bau von Saunaanlagen
  • Sicherheitsregeln Bäder GUV-R 1/111 (bisher GUV 18.14)
  • DIN VDE 0100 - 703 „Räume mit Saunaheizgeräten“
  • DIN VDE 0100 - 702 „Becken von Schwimmbädern und andere Becken“
  • KOK-Richtlinien für den Bäderbau (Auszug)

Der Beitrag wird im nächsten Heft fortgesetzt.

Carin Böhme

Noch Fragen: boehme@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 09

Mehr Infos: www.sauna-bund.de