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Unfälle im Feuerwehrdienst

i-Punkt Ausgabe 02/2008

Gesundheit

 

Die Jahresauswertung 2007.
Brände, Explosionen, Verkehrsunfälle. Feuerwehralltag ist riskant: Unbekannte Einsatzorte, unwegsames Gelände, Dunkelheit und schlechtes Wetter. Dazu: Stress und traumatische Erlebnisse. Feuerwehrleute nehmen persönliche Entbehrungen in Kauf, damit wir im Notfall schnellste Hilfe bekommen. Deshalb gilt den Kameraden unsere besondere Aufmerksamkeit.

Am 1. August änderte sich die sächsische Verwaltungslandschaft gewaltig. Die Funktionalreform und Kreisneugliederung traten in Kraft. Das Innenministerium möchte damit jährlich rund 160 Mio. € einsparen. Umfangreiche staatliche Aufgaben werden auf Landkreise und Kreisfreie Städte übertragen. Eine Reform, die auch an den Feuerwehren nicht spurlos vorübergehen wird. Von zentraler Bedeutung ist, dass die Sicherheit unserer Feuerwehrangehörigen nach wie vor auf hohem Niveau erhalten bleibt. Wie wichtig eine den Erfordernissen gemäße Ausstattung der Feuerwehrhäuser, den Anforderungen entsprechende Ausrüstung und eine fachkundige Ausbildung sind, zeigen Einsatzberichte der Feuerwehren. Die täglichen Einsätze offenbaren, Feuerwehrdienst ist auch gefährlich. Die gemeldeten Unfälle sächsischer Feuerwehren ging 2007 gegenüber dem Vorjahr erneut zurück um 56 Unfälle, von 881 auf insgesamt 825. Von den freiwilligen Feuerwehren wurden 784 Unfälle angezeigt und von Berufsfeuerwehren 41. In besonderem Maße wurde ein anteiliger Rückgang im Regierungsbezirk Dresden erzielt.

Vergleich Unfallzahlen mit den Vorjahren (nur freiwillige Feuerwehren in Sachsen)
Vergleich Unfallzahlen mit den Vorjahren (nur freiwillige Feuerwehren in Sachsen)

Zum Vorjahr sind das 8 % weniger. Ein Ergebnis, das möglich wurde, weil in vielen Landkreisen nach wie vor Sicherheitsbeauftragte der Feuerwehren und Kreisausbilder unter manchmal nicht einfachen Bedingungen ihre Aufgaben engagiert wahrnehmen, mit dem Anspruch, Unfälle zu verhüten und damit einen Beitrag zur Einsatzbereitschaft zu leisten.

Betrachtet man die Unfälle in Abhängigkeit von den Dienstarten (Diagramm 2) zeichnet sich ein deutlicher Unterschied zwischen Berufsfeuerwehren und freiwilligen Feuerwehren ab. Bilden bei freiwilligen Feuerwehren vor allem Einsätze bei Bränden und technischer Hilfeleistung den Schwerpunkt, so werden von Berufsfeuerwehren überwiegend Unfälle im Dienstsport angezeigt. Allerdings ist bei den Berufsfeuerwehren zu berücksichtigen, dass nur Unfälle von Angestellten bei der Unfallkasse angezeigt werden. Weitere Unfallschwerpunkte waren Übungen und Ausbildungsmaßnahmen sowie Arbeitsund Werkstattdienst.

Bei den Jugendfeuerwehren konnte die Zahl der angezeigten Unfälle um 1 % auf 11 % gesenkt werden. Im Wesentlichen bilden hier vor allem Verletzungen bei sportlichen Betätigungen und Aufenthalten in Zeltlagern den Schwerpunkt.

Unfälle freiwillige Feuerwehren und Berufsfeuerwehren in Sachsen 2007 – nach Dienstarten
Unfälle freiwillige Feuerwehren und Berufsfeuerwehren in Sachsen 2007 – nach Dienstarten

Diese Körperteile sind am

Bei über zwei Drittel aller angezeigte Unfälle waren Hände, Arme, Beine und Füße von Feuerwehrangehörigen betroffen. Hinsichtlich der Verletzungsfolgen sind vor allem Kopf- und Augenverletzungen und Verletzungen des Rumpfes einschließlich innerer Organe sowie Hals- und Wirbelsäulenverletzungen als kritisch zu betrachten.

Unabhängig, ob es sich um Übung, Ausbildung oder Einsatz handelt, bei den Unfalluntersuchungen wurde immer wieder deutlich, Feuerwehrdienst birgt erhebliche Gefährdungen. Daher ist für die Sicherheit der Feuerwehrangehörigen die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften von besonderer Bedeutung. Welche Rolle dabei auch die persönliche Schutzausrüstung spielt und wie wichtig das richtige einsatztaktische Verhalten ist, soll an einigen Unfällen verdeutlicht werden.

Fall 1: Verätzung bei Einsatz im Freibad

In einer Oktobernacht so gegen 2.00 Uhr wurde der Leitstelle der Feuerwehr ein Brand im Freibad gemeldet. Das Bad war seit mehreren Wochen geschlossen. Als die Feuerwehr eintraf, stand ein kompletter Gebäudeteil – die Gaststätte – in Flammen. Durch das schnelle Handeln der Einsatzkräfte konnte ein Flüssiggastank gesichert werden und man verhinderte, dass das Feuer auf den Verbindungsbau zum Technikraum übergriff. So blieb die Badbetriebstechnik unversehrt.
Der Feuerwehr war bekannt, dass sich im Technikraum eine Chlorgasanlage befand, die nur während des Badbetriebes genutzt wird. Ebenso wusste man, dass im Technikraum auch Chemikalien gelagert werden, wie Natronlauge, Schwefelsäure, Chlorgranulat und Desinfektionsreiniger. Das wurde schon seit 1993 so gehandhabt. Das Freibad wird alle zwei Jahre von der Feuerwehr inspiziert. Die letzte Einsatzübung fand im September des Vorjahres statt.

Nach der Meldung „Feuer aus“, wurden die Gebäudeteile nach Glutnestern durchsucht, so auch der teils beschädigte Kassenraum. Man begann mit der Brandberäumung, die sich kompliziert gestaltete, da die Dachkonstruktion des Gaststättengebäudes herabgestürzt und von der Hitze stark deformiert war. Die Kameraden trugen bei den Beräumungsarbeiten Einsatzkleidung. Kamerad R. öffnete die Tür zum ehemaligen Kassenraumes und stellte fest, dass sich eine erhebliche Menge Löschwasser angesammelt hatte. Im Raum standen noch ein beschädigter Schrank und vor diesem eine Anzahl Kunststoffkanister mit unbekanntem Inhalt. Gefahrenhinweise oder Kennzeichnungen gab es nicht. Erst als der Trupp die Behälter ins Freie trug, bemerkten sie, dass die 30-l-Kanister leckten. Die Behälter waren durch den Brand beschädigt und eine unbekannte Flüssigkeit trat aus. Kurz darauf verspürte R. an beiden Beinen ein starkes Brennen. Der Rettungsdienst brachte ihn ins Krankenhaus, wo man Verätzungen an beiden Knien und am Oberschenkel feststellte.

Die Unfalluntersuchung ergab, dass seit 1993 über die Wintermonate erhebliche Mengen hochgiftiger Chemikalien im Kassenraum lagerten und nicht wie vorgesehen bei der Chlorgasanlage im Technikgebäude. Am Unfalltag befanden sich etwa 30 Kanister im Kassenraum. Weder in den Unterlagen der Stadt noch in den Einsatzplänen der Feuerwehr war dies vermerkt. Auch bei der regelmäßigen Inspektion wurde die Feuerwehr vom Badbetreiber nicht auf die Gefahr im Kassenraum hingewiesen.

Das Freibad nach dem Brand. Der Gaststättentrakt ist komplett abgerissen. Im weißen Verbindungsbau lagerten die Kanister.
Das Freibad nach dem Brand. Der Gaststättentrakt ist komplett abgerissen. Im weißen Verbindungsbau lagerten die Kanister.

Fall 2 Absturz von einer Anhängeleiter

Die Anhängeleiter vor der Kastanie. Links unten der abgesägte Ast.
Die Anhängeleiter vor der Kastanie. Links unten der abgesägte Ast.

Der Wehrleiter der freiwilligen Feuerwehr hatte kurzfristig eine zusätzliche Ausbildung angesetzt. Insbesondere junge Mitglieder des aktiven Dienstes sollten den Umgang mit einer Anhängeleiter üben. Von der benachbarten Ortsfeuerwehr wurde dazu eine Anhängeleiter ausgeliehen (AL 18, Baujahr 1972). Aufsicht und Leitung übernahm der Wehrleiter selbst. Die Übung sah vor, von der AL 18 aus eine etwa 25 m hohe Kastanie mit einer Motorkettensäge auszuästen. Die AL 18 wurde in Stellung gebracht, abgestützt und ausgefahren.

Der Wehrleiter stieg auf der AL 18 etwa 8 Meter hoch und begann mit der Kettensäge zu arbeiten. Große Äste wurden vom Boden aus mit Arbeitsleinen durch die Übungsteilnehmer gesichert. Beim Führen eines Trennschnittes riss an einem sehr schweren Ast die Arbeitsleine, der Ast brach ab und stieß mit voller Wucht an den oberen Leiterpark. Der Motorkettensägenführer verlor den Halt, rollte die Leiter hinab und stürzte schließlich aus 4 m Höhe über die seitliche Umgurtung der Leiter ab. Er zog sich mehrfache Brüche und innere Verletzungen zu.

Die Unfalluntersuchung ergab, es fehlten die erforderliche Gefährdungsbeurteilung und geeignete sicherheitstechnische Maßnahmen der Ausbildungsaktion. Die Entästung an der 25 m hohen Kastanie vom Leiterkopf einer Anhängeleiter ermöglichte weder einen sicheren Stand noch die Motorkettensäge sicher zu führen. Eine Absturzsicherung erfolgte nicht. Der Kamerad trug lediglich einen veralteten Feuerwehrhakengurt. Die benutzte Anhängeleiter war geprüft, wies aber sichtbare Mängel auf, die auf eine unzureichende Wartung, Instandhaltung und Unterbringung zurückzuführen waren.

 

Ronald Patzak

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