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Psychosoziales

Inhalt

Spiel - Mensch ärgere dich nicht

Wir bieten Beratung übergreifend für alle Einrichtungen des öffentlichen Dienstes, für alle Versicherten wie Mitarbeiter, Führungskräfte, Kinder und Jugendliche, die in diesen Einrichtungen tätig sind oder diese besuchen.

Insbesondere leisten wir aus psychologischer Sicht Hilfe in folgenden, für alle Personen- und Beschäftigtengruppen wichtigen Fragen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes: Subjektive Einflussfaktoren auf den Arbeitsprozess (Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz, Umgang mit sich selbst), Suchtverhalten, Motivation und Arbeitszufriedenheit, psychische Auswirkungen der Arbeit auf den Menschen (wie z.B. Stress, Burnout), Methoden der Gefährdungsbeurteilung für psychische Belastungen, Möglichkeiten zur psychischen Gesunderhaltung und Leistungssteigerung (durch Veränderung von Arbeitsumgebung, Arbeitsorganisation und Arbeitsinhalt sowie individuelle Stressbewältigungsstrategien). Für arbeitsbedingte Krisensituationen mit psychischer Extrembelastung geben wir Unterstützung beim Aufbau eines Notfallmanagements.
Spezielle Personengruppen unter den Versicherten können wir unterstützen bzw. beraten zu:  Lehrergesundheit, psychische Belastungen und Gestaltungsmögichkeiten im Pflegebereich, Gewaltprävention im Kindes- und Jugendalter (z.B. durch Schülerstreitschlichtung und Schülersanitätsdienst) sowie Verkehrserziehung für Kinder und Jugendliche (z.B. durch die Busschule).
Seit 2005 besteht zusätzlich die Möglichkeit, plötzlich eintretende arbeitsbedingte psychische Krisensituationen mit einer Unfallanzeige der Unfallkasse zu melden. Daraufhin besteht für die Versicherten die Möglichkeit eine schnelle psychologische Beratung oder Unterstützung zu erhalten.

Aktuelles

Soziales Verhaltenstraining für Schüler auch in berufsbildenden Schulen

Zum Lernen sozialer Verhaltensweisen ist es nie zu spät!

Die Unfallkasse Sachsen fördert auf Antrag die Durchführung von Trainings zur Verbesserung der Sozialkompetenz von Schülern. Für Berufsschüler werden derartige Seminare mit vielen praktischen Übungen (z.B. zur zwischenmenschlichen Kommunikation, zur gewaltfreien Konfliktbewältigung) von unseren Kooperationspartnern, Experten in der Sozialarbeit, durchgeführt.

Psychische Belastungen und Gewalt im Sozialamt -ernstzunehmende Probleme

Arbeitsbedingte psychosoziale Gesundheitsgefahren nehmen zu? warum?

Die Entwicklung der Erwerbsarbeit ist derzeit charakterisiert durch sich verändernde Arbeitsanforderungen. Der Anteil manueller Produktionstätigkeiten nimmt ab und geistige Tätigkeiten, Mischarbeitsformen sowie Pflegetätigkeiten prägen immer stärker die Berufsbilder. Diese letztgenannten Tätigkeiten finden sich in verschiedenen Zweigen der kundenorientierten Dienstleistung. Dazu zählt auch der Verwaltungsbereich mit mehr oder weniger unmittelbarem Bürgerkontakt. Kennzeichnend für diese Arbeit ist u.a.: Eine hohe Fallzahl an Kunden (Bürgern) ist mit immer weniger Personal in kürzester Zeit zu bearbeiten. Gleichzeitig wächst die Informationsmenge pro Fall. Hinzu kommt ein hoher Erwartungsdruck der Kunden, der sich bei dessen Nichterfüllung in den letzten Jahren immer häufiger in Aggressionen gegenüber den Beschäftigten entlädt ? in erster Linie in Form psychischer, d.h. vor allem verbaler, aber leider auch schon durch körperliche Gewalt. So geschehen in einem sächsischen Sozialamt.

Psychosoziale Arbeitsbelastungen sind zu untersuchen? durch wen?

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz sind die Unternehmen bzw. Einrichtungen verpflichtet, Gefährdungsbeurteilungen an den Arbeitsplätzen durchzuführen. Dazu zählen neben Analysen klassischer Arbeitsschutzfaktoren wie z.B. Lärm, Klima, Beleuchtung auch entsprechende Untersuchungen psychosozialer Gesundheitsrisiken. Letztgenannte arbeitsbedingte Gefährdungen erfahren häufig noch eine nachrangige Bedeutung. Ursachen dafür sind methodische Probleme, schwer zu ergründende Ursache-Wirkungs-Beziehungen und fehlende Möglichkeiten bzw. Zeitgründe, eigenes und geeignetes Personal für diese wichtige Aufgabe frei zu schalten. Deshalb war es Anliegen des vorliegenden Kooperationsprojektes eines sächsischen Regierungspräsidiums, Abteilung Arbeitsschutz ? als staatlicher Aufsichtsbehörde ? mit der Unfallkasse Sachsen, Abteilung Prävention - als gesetzlichem Unfallversicherungsträger ? das o.g. Sozialamt bei dessen psychosozialer Gefährdungsbeurteilung zu unterstützen. Ein geeignetes Instrumentarium wurde zur Verfügung gestellt, und gemeinsam mit der Stadtverwaltung wurde die Datenerhebung durchgeführt.

Gefährdungsbeurteilung ist durchzuführen? wie?

Die Untersuchung mit dem Ziel der Leistungs- und Gesundheitsförderung verfolgte sowohl in der Analyse als auch in der Gestaltung einen ganzheitlichen Arbeitsschutzansatz, d.h. es wurden technische, organisatorische und personelle (beschäftigtenbezogene) Daten erfasst. Für die Analyse klassischer Arbeitsschutzfaktoren kamen in Beobachtungsinterviews und mündlichen Interviews drei inhaltlich verschiedene Erhebungsbogen zum Einsatz, mit denen standortbezogene, arbeitsplatzbezogene Daten sowie Daten zur Arbeitsschutzorganisation erhoben wurden. Speziell die Ermittlung der klassischen arbeitsplatzbezogenen Gefährdungen erfolgte an 242 der 248 Arbeitsplätzen. Die anonyme Datenerhebung der psychosozialen Gefährdungen unter den Beschäftigten wurde mit einem Fragebogen und einem Interviewleitfaden durchgeführt. Die Methoden fußen auf wissenschaftlich gesicherten arbeitspsychologischen Erkenntnissen. Teil 1 der schriftlichen Befragung von Mitarbeitern und Vorgesetzten widmete sich dem Arbeitserleben. Dazu zählen an Arbeitsbelastungen: Arbeitsinhalt/ Arbeitsorganisation/ Weiterbildung, Zusammenarbeit im eigenen und außerhalb dieses Arbeitsbereiches (einschl. Führungstätigkeit), Arbeit mit Bürgern /Kunden (einschl. Fragen zum gewalttätigen Verhalten der Bürger; zu Gewalt zählen die Autoren: psychische, d.h. verbale und nichtverbale Gewalt, körperliche Übergriffe, Sachbeschädigungen und strukturelle Gewalt aufgrund der Hierarchisierung der Unternehmensstruktur). Der 2.Teil des Fragebogens bestand aus den drei validierten Skalen mit Normwerten: Erholungsunfähigkeit, emotionale Erschöpfung (als der entscheidende Faktor für Burnout) und psychosomatische Beschwerden als subjektive Auswirkungen der erlebten Arbeitsbelastungen auf die psychische Gesundheit. Im Teil 3 wurden Aktivitäten zu Stressbewältigung und Lebensgewohnheiten erfasst. An der schriftlichen Befragung waren 136 Beschäftigte beteiligt (Rücklaufquote von 55%) und an den mündlichen Interviews 40 Beschäftigte.
Auch zur Erleichterung der Akzeptanz der abzuleitenden Umgestaltungsmaßnamen durch die Beschäftigten hat es sich methodisch bewährt, sie als Experten ihrer Tätigkeit sowohl in der Analyse klassischer als auch psychosozialer Gefährdungsfaktoren um konkrete Verbesserungsvorschläge zu bitten (in Form freier Meinungsäußerungen), wovon auch reger Gebrauch gemacht wurde.

Untersuchung verweist auf Gestaltungsdefizite? auf welche?

Die programmtechnische Auswertung der erhobenen Daten erfolgte mit einer spezifischen Software für sozialwissenschaftliche Daten (SPSS) durch Mitwirkung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit.
Im o.g. Sozialamt war man bisher im Arbeitsschutz nicht tatenlos. Dennoch zeigten sich im Ergebnis dieser Untersuchung noch Mängel wie z.B. häufige Unterbrechungen bzw. Störungen bei der Arbeit (u.a. durch PC-Ausfall oder amtsinterne operative Sofortaufgaben), ungenügende Vor- und Nachbereitungszeit für Fall-Bearbeitungen außerhalb der Sprechzeit, zu wenig Arbeitsrückmeldungen durch Vorgesetzte und Fehlen von Anerkennung. Für den Fall der Gefährdung durch aggressive Bür-ger ist für noch mehr Präsenz des Wach- bzw. Sicherheitsdienstes im Objekt zu sorgen; Alleinarbeitsplätze (außerhalb von Ruf- und Sichtweite) sind zu vermeiden; teilweise noch fehlende sicherheitstechnische Hilfen (vor allem personenbezogene Notrufsysteme) sind umgehend einzurichten. Derzeit werden das Randalieren im Arbeitsumfeld und verbale Bedrohungen vor Ort als die häufigsten Gewalttaten wahrgenommen.
Für eine Vielzahl erlebter Arbeitsbedingungen und erlebter Arbeitsanforderungen konnten statistisch signifikante, d.h. statistisch gesicherte Zusammenhänge mit dem psychischen Befinden nachgewiesen werden. Derartige Bedingungen, die nicht nur als Mängel sondern zugleich auch als relevant für psychische Gesundheit ausgewiesen wurden, sind die Schwerpunkte arbeitsgestalterischer Veränderungen. Allein das Ergebnis, dass rund ein Fünftel der 136 Befragten kritische Werte der emotionalen Erschöpfung als dem entscheidenden Signal für (drohendes) Burnout (Ausbrennen, psychische Erkrankung mit Langzeitausfall) aufweist, unterstreicht die unbedingte Notwendigkeit von Veränderungen im Arbeitsprozess. Nachgewiesen werden konnte auch folgender Zusammenhang mit statistischer Signifikanz: Je mehr Freude die Arbeit macht, umso geringer ist die emotionale Erschöpfung ausgeprägt (und damit dürfte auch die Arbeitsleistung steigen).
Bedeutsam für die Arbeitsorganisation und die Personalpolitik in dieser Stadtverwaltung ist folgendes Ergebnis: Für Beschäftigte über 40 Jahre und für Beschäftigte mit zunehmender Beschäftigungsdauer in der jetzigen oder in früherer ähnlicher Tätigkeit nehmen die psychischen Beeinträchtigungen zu. Der nachgewiesene Zusammenhang zwischen Beschäftigungsdauer und psychischer Gesundheit gilt vor allem für jene Beschäftigte mit häufigem Bürgerkontakt. Es stellt sich also die Frage, wie lange darf man Beschäftigte im häufigen unmittelbaren Bürgerkontakt in der sog. ? ersten Reihe? belassen, um erhebliche Leistungseinschränkungen und psychische Erkrankungen zu vermeiden?! Wäre hier das bekannte, aber leider bisher wenig realisierte Arbeitsorganisationskonzept der ?Job-Rotation? eine mögliche Lösung?

Ausblick

Über die Untersuchungsergebnisse wurden und werden die Beschäftigten informiert. Die Umsetzung des erarbeiteten Maßnahmeplanes (auch mit den konkreten Vorschlägen der Befragten) wird von der staatlichen Arbeitsschutzbehörde und der Unfallkasse im Rahmen der jeweiligen Zuständigkeiten begleitet ? durch Überwachungs- und Beratungsaufgaben und durch die Realisierung von Seminaren (z.B. zur Führungstätigkeit und zur Deeskalation). Die Barmer Ersatzkasse bietet für alle Beschäftigten Kurse zur Stressbewältigung, zur Bewegung und Ernährung an.
Die vorliegende Untersuchung hat gezeigt, dass es sehr nutzbringend ist, Gefährdungsbeurteilungen im Arbeitsprozess ganzheitlich durchzuführen, mit Methoden sowohl zur Erhebung ? klassischer? als auch psychosozialer Gefährdungen. Die hier eingesetzten Methoden sollen weiterentwickelt und zur Nachnutzung angeboten werden. Vor ab wird durch eine erste Überarbeitung durch die Autoren selbst eine Vorversion erstellt. Speziell aus dem Fragebogen für die Beschäftigten soll von autorisierter Stelle ein Instrument erarbeitet werden, das im Rahmen von Beobachtungsinterviews eine objektive, bedingungsbezogene Analyse und Gestaltung erlaubt (schriftliche subjektive Mitarbeiterbefragungen in einem solchen Umfang - wie hier angewendet - sind für den Zweck einer Gefährdungsbeurteilung aus verschiedenen Gründen kaum zu realisieren). Vorgesehen ist dieses Instrument für die Anwendung im Verwaltungsbereich mit kundenorientierter Dienstleistung im unmittelbaren Bürgerkontakt. Eingesetzt werden kann dann das gesamte Methodeninventar von im Arbeitsschutz tätigen und arbeitswissenschaftlich vorgebildeten Personen wie von Beschäftigten der staatlichen Arbeitsschutzbehörden und Unfallversicherungsträgern aber auch von Unternehmen/Einrichtungen/Institutionen selbst ? durch den dortigen Arbeitssicherheitstechnischen Dienst, durch Sicherheitsfachkräfte und ggf. auch Sicherheitsbeauftragte und Betriebsärzte.

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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