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Nie wieder ohne!

i-Punkt Ausgabe 01/2005

Sicherheit

 

Gesichtsschutz bei Infektionsgefahr
„Als ich im OP diesen Gesichtsschutz angelegt hatte, spürte ich tiefste Abneigung. Aber als ich ihn nach der Operation wieder abnahm und die unzähligen Blutspritzer sah, die an dem Visier statt an meinem Gesicht klebten, war ich überzeugt: Nie wieder ohne!“

Mit den Augen nimmt der Mensch einen Großteil der Sinneseindrücke wahr. Nichts hütet er so sehr wie seine Augäpfel. Aber manche Gefahren sind ihm dann doch nicht ganz so bewusst. Über die Schleimhaut der Augen können nämlich auch Krankheitserreger in den menschlichen Körper gelangen. Im Gesichtsbereich ist der Zugang für die Erreger auch über Mund und Nase möglich. Um den Erregern diese Wege zu versperren, ist der Einsatz von Gesichts- bzw. Augen- /Mundschutz bei allen Tätigkeiten, bei denen mit dem Verspritzen oder Versprühen infektiöser oder potenziell infektiöser Materialien oder Flüssigkeiten zu rechnen ist, notwendig, sofern technische Maßnahmen keinen ausreichenden Schutz gewährleisten. Alle Beschäftigten, deren Gesicht der Einwirkung biologischer Agenzien (Biostoffe) ausgesetzt sein kann, müssen ihre Augen, Nase und Mund schützen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dies zu ermöglichen, indem er geeignete persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung stellt. Die Pflicht, Augen-/Gesichtsschutz zu tragen, i st in verschiedenen Vorschriften und Regeln festgelegt (beispielsweise: GUV-R 192 - bisher GUV 20.13, GUV-R 120 - bisher GUV 16.17, GUV-V C8 - bisher GUV 8.1, TRBA 250).

Der Gesichts- bzw. Augen-/Mundschutz muss in allen Bereichen des Klinikums zur Verfügung gestellt und bei Tätigkeiten getragen werden, bei denen mit einer Gefährdung durch spritzende potenziell infektiöse Materialien, Flüssigkeiten oder Aerosolbildung zu rechnen ist, etwa in Laboratorien, Allgemeinstationen, Intensivstationen, OPs, Spülräumen, oder der Wäscherei. Diesbezüglich wurden im Klinikum der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz verschiedene Pilotprojekte durchgeführt, deren Ergebnisse intern als Richtlinien dienen.

In den Laboratorien des Klinikums ist ständiges Tragen von Augenschutz grundsätzlich vorgeschrieben. Die dort verantwortlichen Vorgesetzten können nach sorgfältiger Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen darüber entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen von der Tragepflicht des Gesichts- bzw. Augen-/Mundschutzes abgesehen werden kann. Vergleichbar zur Regelung im Labor muss der jeweils zuständige Vorgesetzte im Pflegedienst oder im Ärztlichen Dienst (PDL, Klinikdirektor) anhand der Gefährdungsbeurteilungen entscheiden, wann die Beschäftigten zum Tragen des Gesichts- bzw. Augen-/Mundschutzes verpflichtet sind. Diese Festlegungen sind als Betriebsanweisung zu dokumentieren, durch den Vorgesetzten zu unterschreiben und die betroffenen Beschäftigten darüber in Kenntnis zu setzen. Diese Unterlagen sind vor Ort zur Einsichtnahme (z. B. auch für Aufsichtsbehörden) bereitzuhalten. Die so festgelegte Tragepflicht von Gesichts- bzw. Augen-/Mundschutz gilt für alle gefährdeten Personen (auch Gastärzte, Schüler, Studenten sowie Technische Assistenten).

Der Vorgesetzte entscheidet personen- und tätigkeitsbezogen, welche der folgenden Gesichts-/Augenschutzarten zur Verfügung gestellt werden:

  • Bügelbrille mit Seitenschutz
  • Bügelbrille mit und ohne Korrekturgläser
  • Überbrille
  • Korbbrille
  • Gesichtsschutzschild
  • Mund-/Visier-Kombination (Einweg)

Die Blutspritzer am Visier überzeugen
OP-Arzt mit Visier

Um die Entscheidung zu erleichtern, wurde über jeden in Frage kommenden Tragekörper eine Zusammenfassung der Vor- und Nachteile mit entsprechenden Hinweisen erstellt. Die über die Tragepflicht erstellten Betriebsanweisungen dienen als Grundlage für die Unterweisung der Beschäftigten. Um für die festgelegte Vorgehensweise die notwendige Akzeptanz bei den Beschäftigten zu erreichen, müssen sich die Vorgesetzten ihrer Vorbildfunktion stets bewusst sein und sich selbst jederzeit sicherheitsgerecht verhalten.

Beispiele von Tätigkeiten, wo Tragepflicht besteht:

  • Endotracheales Absaugen
  • Diskonnektion des Beatmungssystems vom Tubus, notwendig z. B. bei Wechsel der Gänsegurgel mit Anfeuchtungsfilter, Bronchoskopie
  • Absaugen (falls kein geschlossenes Absaugsystem verwendet wird)
  • Alle operativen Eingriffe auf Stationen wie Tracheotomie, IABP-Implantation, Re-Thorakotomie
  • Entleeren von Beuteln mit Ultrafiltrat oder Urin
  • Entleeren von allen Drainagen, ob aus Beuteln oder aus Gefäßen

Beispiele von Tätigkeiten im Laborbereich, bei denen zufolge der durchgeführten Gefährdungsbeurteilung keine Tragepflicht besteht:

  • Arbeiten am Bildschirmarbeitsplatz (z. B. Messwertfreigabe, Qualitätskontrollpflege, Befundschreibung)
  • Bearbeitung von Papiervorlagen (z. B. Arbeitsplatzlisten, Ergebnislisten)
  • Umgang mit ausschließlich geschlossenen Probenröhrchen (z. B. zentrale Annahme, Hämatologisches Labor)
  • Mikroskopieren von Differentialblutbildern, Liquor- und Fluoreszenzpräparaten
  • Durchführung von Atemtests an Patienten
  • Auf- und Nachfüllen von abgepackten Labormaterialien (z.B. Pipettenspitzen, Testkits)

Optimaler Schutz für Augen, Mund, Nase
OP-Ärztin mit Mundschutz und Visier

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass nicht-medizinisches Personal mit potenziell infektiösem Material in Berührung kommt, etwa wenn der Handwerker einen verstopften Abflusssiphon ausbaut, ohne dabei Gesichts- oder Augen-/Mundschutz zu tragen. Gerade das gelegentlich gefährdete Personal muss immer wieder auf diese Gefährdungen aufmerksam gemacht werden.

Dass das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung durchaus als sinnvoll empfunden werden kann, bestätigen immer wieder Mitarbeiter, die auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit sensibilisiert worden sind, die z. B. am Pilotprojekt teilgenommen haben. Die Pflegedienstleiterin der Orthopädischen Klinik und Poliklinik, Frau Angela Sauer, über das Tragen von Mund-/Gesichtsschutz: „... Der kombinierte Mundschutz mit Augenschutz wurde Ende 1999 für das Personal im OP eingeführt. Das Pflegepersonal ist damit sehr zufrieden. Zurzeit benutzen die Mitarbeiter auf den Stationen, auch aus Sicherheitsgründen, diesen Mund- und Augenschutz...“, oder das Schreiben der Leitenden Oberärztin, Frau Prof. Dr. Anke Eckardt, aus dem OP-Bereich der gleichen Klinik: „Gerne bestätigen wir, dass sich der Einsatz des Visier-Mundschutzes im OP bestens bewährt hat. Er wird von allen am Tisch stehenden Kollegen des ärztlichen und pflegerischen Dienstes regelmäßig benutzt. Hierdurch ist ein Spritzschutz für den unbedeckten Teil des Gesichtes gewährleistet, der Tragekomfort ist hoch und übertrifft den der herkömmlichen im Operationssaal verwendeten Schutzbrillen eindeutig. Wir können uns daher nicht mehr vorstellen, auf den Einsatz des Visier-Mundschutzes zu verzichten und empfehlen die weitere Anwendung auch anderen chirurgischen Disziplinen.“

Die positive Resonanz bestätigt die These: „Ein informierter Mitarbeiter ist ein motivierter Mitarbeiter“ (und ein sicherheitsbewusster auch).

Michael Torma

Der Autor ist Fachkraft für Arbeitssicherheit am Klinikum der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

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