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Sicherheit im Feuerwehrhaus

i-Punkt Ausgabe 01/2005

Sicherheit

 

Feuerwehrtürme für Übung und Schlauchpflege
Sichere Feuerwehrhäuser müssen „so eingerichtet und beschaffen sein, dass Gefährdungen von Feuerwehrangehörigen vermieden und Feuerwehrgeräte sicher untergebracht sowie bewegt oder entnommen werden können“. Diese Forderung aus der UVV „Feuerwehren“ ist besonders zutreffend für die sichere Gestaltung von Feuerwehrtürmen, denn bei groben Sicherheitsmängeln können diese zur Unfallquelle werden. Sie erhalten Hinweise für die Gefährdungsbeurteilung und Sicherheitsforderungen für Neubau oder Rekonstruktion.

Flop: Steigerturm ohne Treppe
Flop: Steigerturm ohne Treppe
Flop: Steigleiter mit Absturzhöhe von mehr als 5 m ohne Absturzsicherung
Flop: Steigleiter mit Absturzhöhe von mehr als 5 m ohne Absturzsicherung

Der so genannte Steigerturm hat Tradition, er wurde häufig bereits von den Gründern der Freiwilligen Feuerwehr errichtet und ist teilweise auch heute noch so zu sehen. Oft besteht der Wunsch, dieses Bauwerk als Symbol der Feuerwehr zu erhalten und als Übungswand und zum Schlauchtrocknen weiter zu nutzen. Dagegen bestehen in der Praxis nicht selten erhebliche Sicherheitsbedenken, weil die Anforderungen an die Baustatik und vor allem an die Ausrüstung nicht erfüllt werden. Die Nutzung von Feuerwehrtürmen ist nur unter Einhaltung aller Sicherheitsanforderungen, die im Wesentlichen in der DIN 14092-3 „Feuerwehrhäuser, Teil 3 Feuerwehrturm, Übungswand“ zu finden sind, zulässig.

Bei der Entscheidung über die Zukunft eines Feuerwehrturmes (Sanierung oder Abbruch) muss berücksichtigt werden, dass für Übungen mit moderner Feuerwehrtechnik zum Anleitern oder Selbstretten heute in den Landkreisen in aller Regel gut ausgerüstete Feuerwehrtechnische Zentren (FTZ) und Berufsfeuerwehren über sicherheitsgerechte Übungsanlagen verfügen, die von den Freiwilligen Feuerwehren genutzt werden können. Die Nutzung des Feuerwehrturms zur Schlauchtrocknung hat nur dann eine Berechtigung, wenn die Voraussetzungen für eine vollständige Schlauchpflege in der Feuerwehr gegeben sind. Wenn dies fehlt, wird der Schlauch der vorgeschriebenen Druckprüfung mit 12 bar entweder nicht unterzogen oder unter höchster Unfallgefahr der beteiligten Personen durchgeführt. Berstende Kupplungsteile oder schlagartig entspannte Schläuche können nur in einer geschützten Prüfapparatur sicher gehandhabt werden. Das Prüfen der Schläuche am Löschfahrzeug ist deshalb unzulässig!

Übungswände

Flop: mangelhafte Aufhängeeinrichtung, nicht sicher erreichbar
Flop: mangelhafte Aufhängeeinrichtung, nicht sicher erreichbar

Die Übungswand kann mit Fensteröffnungen oder mit davor liegenden begehbaren Flächen ausgerüstet sein. Die Brüstungshöhe muss 1 m , ab 12 m Höhe 1,1 m betragen. Die lichte Fensteröffnung soll ein Mindestmaß von 0,9 mal 0,9 m haben; Die begehbare Fläche je dargestelltem Geschoss muss mindestens 3,5 m2 und der Abstand zur Brüstung mindestens 1 m betragen. Die Oberkanten der Brüstung (Grenzmaße) liegen in 3,5 m, 7 m , und 12 m Höhe.

Top: Übungsturm mit Übungswand
Top: Übungsturm mit Übungswand

Die Übungsflächen müssen mit Treppen verbunden sein. Bei älteren Übungstürme sind die Übungsflächen oft mit einer durchgehenden Leiter verbunden, das ist unzulässig. Bei bestehenden Feuerwehrtürmen muss mindestens eine Leiter je Geschossebene vorhanden sein, die so gestaltet ist, dass ein Herunterfallen über mehrere Ebenen ausgeschlossen ist. Alle Ebenen im Feuerwehrturm mit Absturzgefahr müssen mit stationären Absturzsicherungen ausgerüstet sein (Geländer mit Handlauf, Knie- und Fußleiste).
Werden am Feuerwehrturm Übungen zum Retten und Selbstretten durchgeführt, dann müssen redundante Anschlagmittel mit einer Höchstzugkraft von mindestens 25 kN vorhanden sein. Diese wichtige Forderung ergibt sich aus der Feuerwehrdienstvorschrift FwDV 1/2 Grundtätigkeiten Punkt 14 „Sichern und Eigensicherung“. Anschlagpunkte sind im Mauerwerk verankerte Ösen oder stabile Konstruktionsträger oder auch Stahlgeländer im Treppenbereich, wenn sie nachweislich über die geforderte Höchstzugkraft verfügen. Die Anschlagpunkte sind zu kennzeichnen.

Steigleitern

Steigleitern müssen bei Absturzhöhen von mehr als 5 m mit Einrichtungen zum Schutz gegen Absturz von Personen ausgerüstet sein, z.B. mit Rückenschutz, beginnend in 3m Höhe. Bei mehr als 10 m Absturzhöhe müssen Steigleitern mit Steigschutz ausgerüstet sein. Dies bedingt zwingend für die aufsteigende Person das Tragen von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (Auffanggurt, Steigschutzschiene, Verbindungsmittel usw., siehe Regeln für den Einsatz von PSA gegen Absturz GUV R 198). Steigleitern müssen an der Austrittsstelle eine Haltevorrichtung sowie eine Absturzsicherung, z. B.Schwingtür oder Bügel zwischen Arbeitsplattform und der Steigleiter, haben.

Schlauchtrockentürme

Top: Anschlagmittel für die Sicherung und Eigensicherung
Top: Anschlagmittel für die Sicherung und Eigensicherung

Gefährdungen sind insbesondere zu erwarten durch „herabfallende Gegenstände“ - also Schläuche. Ein Druckschlauch nach DIN 14811 C 42 wiegt im trockenen Zustand etwa 12 kg, das Nassgewicht dürfte mindestens doppelt so hoch sein. Besonders gefährlich wird es, wenn bei einem herabfallenden Schlauch das Kupplungsteil Personen trifft. Deswegen müssen Arbeitsplätze und Verkehrswege unter oder neben aufgehängten Schläuchen gegen eventuell herunterfallende Schläuche gesichert sein, z.B. durch Trennung der Verkehrswege und Arbeitplätze durch Abschrankungen oder durch Schutzdächer, die herunterfallende Teile auffangen. Bedienungselemente von Schlauchaufhängeeinrichtungen müssen so angeordnet sein, dass Bedienende nicht gefährdet werden, d.h. sich nicht im Fallbereich aufhalten müssen. Verkehrswege in Schlauchtrockentürmen sollen als Treppen ausgeführt sein. Steigleitern in Türmen sind nur zulässig, wenn der Einbau einer Treppe betrieblich nicht möglich ist und diese nur zu Kontrollund Wartungsarbeiten benutzt werden. Die Unfallgefahr ist als hoch einzuschätzen, wenn das Besteigen des Turmes zum Einund Aushängen der Schläuche notwendig ist.

Aufhängeeinrichtungen

Top: kombinierter Übungs- und Schlauchtrockenturm
Top: kombinierter Übungs- und Schlauchtrockenturm

Das manuelle Aufhängen von Schläuchen durch Hochziehen mit Seil und Überschlagen über einen Balken ist in mehrfacher Hinsicht mit einer hoher Unfallgefahr verbunden. Es gehört daher in die Rubrik Feuerwehrhistorik.
Handbetriebene mechanische Aufhängeeinrichtungen müssen sicherheitstechnisch einwandfrei funktionieren, dazu ist mindestens einmal pro Jahr eine Prüfung durch einen Sachkundigen nötig. Die Prüfung erstreckt sich im Wesentlichen auf die Vollständigkeit, Eignung und Wirksamkeit der Sicherheitseinrichtungen sowie auf den Zustand des Gerätes, der Tragmittel, der Rollen und der Tragkonstruktion. Eine Sicherheitseinrichtung ist z.B. die Rückschlagsicherung, die verhindert, dass Kurbeln oder Handräder unter Last nicht mehr als 15 cm zurückschlagen können. Für Altanlagen gelten die Bestimmungen der UVV Winden-, Hub- und Zuggeräte sowie die UVV Lastaufnahmeeinrichtungen. Bei Neuanlagen sind die Anforderungen nach Gerätesicherheitsgesetz, 9. Verordnung, Maschinenverordnung zu erfüllen.
Die elektromechanische Maschinerie moderner Aufhängeeinrichtungen bedarf der regelmäßigen Inspektion durch eine Fachfirma. Die Einrichtung selbst unterliegt den Anforderungen des Gerätesicherheitsgesetzes, 9. Verordnung, Maschinenverordnung. Der Hersteller bzw. Verkäufer ist verpflichtet, mit der Übergabe der Anlage eine Konformitätserklärung über die Einhaltung aller relevanten Sicherheitsnormen zu übergeben.

Gerhard Gutteck

Noch Fragen: gutteck@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 02

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