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Null-Toleranz für Wackelkandidaten

i-Punkt Ausgabe 01/2006

Sicherheit

 

Sicherheitsmanagement für Schultafeln
Tafeln sind ein robustes und langlebiges Inventar, abgesehen von „kleinen“ Mängeln. Was so ein „kleiner Mangel“ auslösen kann, spürte jüngst eine Schülerin aus Potsdam. Die 7-Jährige erlitt einen doppelten Schädelbasisbruch. Eine Wandtafel kippte vor ihr aus der Verankerung. Kontrollen dürfen deshalb nie vernachlässigt werden. Kennt sich der Hausmeister aus, sind kleine Defekte meist schnell zu beheben. Aber Vorsicht! Tafeln stellen nicht nur wegen ihres hohen Gewichts (bis zu 300 kg) eine ernste Gefahr dar!

Damit Schultafeln nicht zu einem Sicherheitsproblem werden, sind sie:

  • sicher zu gestalten, zu befestigen und aufzustellen,
  • regelmäßig instand zu halten und
  • regelmäßig zu prüfen.

Rechtliche Grundlagen der Prüfung

Mit der zum 01. April 2005 eingeführten Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (GUV-V A 1) entfiel die bisherige UVV „Allgemeine Vorschriften“ und damit er bisher als Prüfgrundlage herangezogene § 39 (1). Neue rechtliche Grundlage ist die UVV „Schulen“ (GUV-V S1), § 3, 4 und 11 (3) in Verbindung mit der GUV-Information „Sichere Schultafeln“ (GUV-SI 8016). Diese Vorschrift richtet sich ausschließlich an den Schulträger und enthält Schutzziele für die bauliche Gestaltung schulischer Anlagen und Einrichtungen zum Schutz der Schülerinnen und Schüler. Schultafeln sind Einrichtungen zur funktionalen Ausstattung von Schulgebäuden und fallen damit in jedem Fall unter den Geltungsbereich dieser Vorschrift.

Nach § 2 (1) der Betriebssicherheitsverordnung gehören Werkzeuge, Geräte, Maschinen oder Anlagen zu den Arbeitsmitteln, für die nach § 3 (3) insbesondere Art, Umfang und Fristen erforderlicher Prüfungen zu ermitteln sind. Schultafeln zählen zu den Arbeitsmitteln. Die Prüfer werden als befähigte Person bezeichnet. Befähigte Personen müssen sachkundig sein. Die Sachkunde wird als gegeben angesehen, wenn die erforderlichen Fachkenntnisse durch Berufsausbildung, Berufserfahrung oder zeitnahe berufliche Tätigkeit nachgewiesen werden. Die Entscheidung, ob die Sachkunde vorhanden ist, trifft der Arbeitgeber. Anstelle der bisherigen Bezeichnung „Sachkundiger“ als Prüferqualifikation für Arbeitsmittel ist der Begriff „Befähigte Person“ getreten.

Anerkannte Regeln der Technik sind keine Rechtsvorschriften. Da aber Wandtafeln für Bildungseinrichtungen unter das Geräteund Produktsicherheitsgesetz fallen, sind die in der Norm enthaltenen sicherheitstechnischen Festlegungen für Hersteller und Prüfer relevant. Ein erteiltes GS-Zeichen weist darauf hin, dass das Produkt die sicherheitstechnischen Festlegungen der Norm erfüllt.

Für Schultafeln einschlägig ist seit März 2005 die DIN EN 14434: 2005-03 „Wandtafeln für Bildungseinrichtungen – Ergonomische, technische und sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren“.

Schultafeln sind vor der ersten Inbetriebnahme, regelmäßig wiederkehrend und nach außergewöhnlichen Ereignissen durch befähigte Personen zu prüfen. Die Ergebnisse der Prüfungen sind zu dokumentieren. Verantwortlich für die Prüfung ist der Schulträger.

Die Fristen für die Wiederholungsprüfungen und der Umfang der Prüfungen sind durch eine Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln. Bis zur Herausgabe einer speziellen Technischen Regel zur Betriebssicherheitsverordnung BetrSichV kann die GUV-Information GUV-SI 8016 als eine solche angesehen werden. Bei abweichenden Bedingungen sind andere Fristen betrieblich festzulegen. Neben den regelmäßigen Prüfungen sollte ein Sicherheitsmanagement organisiert und durchgeführt werden. Die Festlegungen in DIN EN 14434 bezüglich der Sicherheitsanforderungen gelten als (europaweit) anerkanntund sind zu beachten.

Das Wichtigste: die Befestigung

Befestigung von Wandtafeln
Befestigung von Wandtafeln
Achten Sie auf lose Scharnierschrauben!
Achten Sie auf lose Scharnierschrauben!

Das Hauptaugenmerk liegt auf einer sachgerechten dauerhaften Befestigung. Die zwei häufigsten Tafelarten in Schulen sind Klapp-Schiebe-Tafeln an einem Rahmen und Schiebetafeln an Pylonen (Säulen).

Die Rahmen sind meist nur an der Wand befestigt, die Säulen oben an Wand bzw. Decke und unten an Wand bzw. Fußboden. Bei falscher oder ungenügender Befestigung kann im schlimmsten Fall die Tafelanlage aus heiterem Himmel umstürzen! Deshalb sind Kenntnisse über die auftretenden Lasten, die verschiedenen Baustoffe als Ankergrund und die Befestigungsmöglichkeiten erforderlich. Die Situation vor Ort ist individuell zu prüfen.

Bei neuen Tafeln gehört der Nachweis der Standsicherheit und der Befestigung in die Verantwortung der Lieferund Montagefirma, damit auch die Überwachung und Dokumentation der Befestigung.

Eine Neubefestigung kann aber auch nach Sanierungen (z. B. Nutzlänge durch Neuputz zu kurz) oder Tafelumsetzungen erforderlich werden. Hier sind die Verantwortlichkeiten klar zu regeln!

Da es die verschiedensten Befestigungsmöglichkeiten (einbetonierte Gewindebolzen, Klebeanker, Bolzen mit angeschweißter Ankerplatte u. Ä.) gibt, sind alle relevanten Punkte schriftlich festzuhalten.

Bei einer Anker-Dübel-Befestigung können das z. B. sein:

  • Angaben zu Ankergrund (Baustoff ),
  • Bohrverfahren (Dreh-, Schlag- oder Hammerbohren),
  • Montageart (Vorsteck-, Durchsteck- oder Abstandsmontage),
  • Nutzlänge und Verankerungstiefe,
  • gewählte Dübel, Anker o. Ä. (Anzahl/Bezeichnung).

Befestigung an der Wand

Eine bauaufsichtliche Zulassung von Dübeln ist immer an einen ausreichend tragfähigen Ankergrund gebunden. Ist eine Einstufung des Ankergrundes nicht möglich, muss eine Überprüfung des Baustoffes erfolgen (z.B. Entnahme eines Probezylinders). Auch bei Vorschäden durch Feuer und Wasser sollte der Ankergrund untersucht werden. Es besteht auch die Möglichkeit, bereits gesetzte Dübel vor Ort einer Zugprüfung zu unterziehen. Mittels einem Zuggerät werden die Dübel einer Belastungsprüfung ausgesetzt.

Auf alle Fälle ist zu dokumentieren, dass die Befestigungen ordnungsgemäß ausgeführt wurde. Aus der Befestigungsdokumentation sollte hervorgehen, welche Tafel wo und wie befestigt wurde (bei Dübeln und Ankern zusätzlich die o. g. Punkte einzeln bestätigen). Sie ist vom Verantwortlichen zu unterzeichnen und vor der Abnahme dem Schulträger zu übergeben. Werden für neue Tafeln Ausschreibungsunterlagen erstellt, muss im Leistungsverzeichnis zu jeder Tafel die geplante Befestigung erscheinen. Zur Preiskalkulation benötigt die Fachfirma dazu genaue Angaben zum Ankergrund, evtl. sind Voruntersuchungen erforderlich.

Was bedeutet Sicherheitsmanagement?

Überprüfung der Sicherheit

Zum Sicherheitsmanagement gehört mehr als die jährliche Hauptprüfung: regelmäßige Wartungen, Zustandskontrollen und Prüfungen durch befähigte Personen. Alles sollte so dokumentiert werden, dass die Angaben ein unbeteiligter Dritter nachvollziehen kann. Die mit den Zustandskontrollen oder der Prüfung beauftragte Person (z. B. durch Dienstanweisung) erhält eine Inventarliste und soweit verfügbar die Montageanleitung und Produktinformation. Nach EN 14434, Abs. 13 muss diese mindestens Name und Anschrift des Herstellers, Angaben zur Instandhaltung und Warnhinweise enthalten.

Ein Sicherheitsmanagement erfordert folgende Punkte: Inventarliste Fristen- und Prüfplan für
• Sicht- und Funktionskontrollen
• Verschleißkontrollen
• Jahreshauptprüfung
• Instandhaltungsarbeiten
• Dokumentation und Prüfkontrolle

Werden bei den Kontrollen schwerwiegende Mängel festgestellt, genügt ein einfacher Vermerk in einem „Kontrollbuch“ nicht mehr. Außer der detaillierten Mängelbeschreibung sind die eingeleiteten Maßnahmen zu protokollieren (z. B. Stilllegung, Demontage, Meldung des Sicherheitsbeauftragten an den Schulträger). Die Nutzer (Lehrer) sind zu informieren, bei wem auftretende Mängel zu melden sind (z. B. im Sekretariat der Schule). Achtung! Montieren Sie nicht leichtsinnig ohne Fachkenntnis an Schultafeln oder schrauben Sie daran herum. Sollten Sie ernsthafte Zweifel an der Befestigung ihrer Tafeln oder deren Allgemeinzustand haben, wägen Sie ab, ob die Tafeln sicher der Nutzung zu entziehen sind (sofort sperren) oder ob Sie in Ruhe eine erforderliche Überprüfung einleiten können. Besteht Gefahr für Leben und Gesundheit, gibt es auch die Möglichkeit, zusätzliche Sicherungselemente am Tafelrahmen nachzurüsten.

Bei allen beweglichen Teilen kann es zu Materialermüdung oder Verschleiß kommen. Aber wo fangen kleine Defekte an und wo hören sie auf? Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte der Schulträger in einer Dienstanweisung festlegen, welche Instandhaltungsarbeiten selbst durchgeführt werden können und wann auf eine Fachfirma zurückgegriffen werden muss.

Checkliste - Was gehört zur jährlichen Hauptprüfung?

1. Sichtkontrolle

  • Sind Teile beschädigt oder fehlen sie ganz?
  • Sind Verbindungsmittel gelockert?
  • Existieren Quetschstellen für Finger/Hände oder Einzugsstellen für Kleidung?
  • Gibt es Verformungen oder Fehlstellungen?
  • Ist metallischer Abrieb erkennbar?
  • Sind in der Nähe der Befestigung Risse erkennbar?

2. Funktionskontrolle

  • Sind Tafelteile in ihrer vorgesehenen Betriebsweise schwer zu bewegen?
  • Entstehen bei der Bewegung der Tafelteile nicht erklärbare Geräusche?
  • Sind Stopper (Federn/Gummipuffer) an den Endanschlägen vorhanden und funktionstüchtig?

3. Belastungskontrolle

  • Ist die obere Rahmen-/Säulenverankerung gelockert?
  • Ist die Tafelhalterung locker?
  • Haben Lagerungen (von Welle/Achse bzw. Umlenkrolle) oder Führungsschienen zu viel Spiel?
  • Lassen sich Verbindungen (z.B. Schrauben, Muttern, Niete) unzulässig bewegen?

Die Unfallkasse Sachsen bietet für die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Mitarbeiter der zuständigen Ämter spezielle Seminare an. Auch Hausmeister können sich sachkundig machen, um ihre Aufgabe als „Erster vor Ort“ verantwortungsvoll wahrzunehmen.

Susanne Bergmann

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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