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Nur eine lästige Pflicht?

i-Punkt Ausgabe 01/2006

Gesundheit

 

Im Integrationsamt nachgefragt
Zurzeit machen die Integrationsämter noch eher die Erfahrung, dass Arbeitgeber im betrieblichen Eingliederungsmanagement eine zusätzliche Verpflichtung sehen, es mehr als Last, denn als hilfreiches Instrument empfinden. Es gibt allerdings auch diejenigen, die bereits damit arbeiten und gute Erfahrungen machen, zum Beispiel in der sächsischen Automobilindustrie oder in der Finanzverwaltung des Freistaates.

Was hat der Betrieb vom Eingliederungsmanagement?

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) soll die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen, erhalten und im Krankheitsfall schnellstmöglich wiederherstellen. Dafür muss man sich zunächst einmal vor Augen führen, wie viele Stunden des Tages die Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz verbringen und dass sie hier ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten einsetzen. Von daher ist es fast zwingend, Fragen der Gesundheit nicht allein dem privaten Bereich zu überlassen. Hier hat der Arbeitgeber eine Verpflichtung. Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit, Motivation und Zufriedenheit der Belegschaft sind Zielgrößen des Eingliederungsmanagements.

Betriebe, die darauf ein besonderes Augenmerk legen, profitieren ebenfalls von den positiven Auswirkungen. Gesunde und zufriedene Arbeitnehmer sind motivierter und leistungsfähiger und haben weniger Fehlzeiten. Rein betriebswirtschaftlich gesehen kosten Zeiten der Arbeitsunfähigkeit den Arbeitgeber Geld – eine Senkung der Fehlzeiten ist in seinem eigenen Interesse. Von daher ist es völlig richtig und konsequent, wenn der Gesetzgeber einen Teil der Verantwortung für die Gesundheit der Beschäftigten dem Betrieb oder der Dienststelle überträgt.

Was passiert, wenn die Regelung nicht umgesetzt wird?

Das Gesetz sieht keine unmittelbare Sanktion vor. Aber der Arbeitgeber, der die Regelung ignoriert, tut sich keinen Gefallen. Denn der Gesetzgeber hat mit dem betrieblichen Eingliederungsmanagement die Anforderungen an eine krankheitsbedingte Kündigung verschärft. Zum einen ist es im Interesse der Arbeitgeber, den Krankenstand zu verringern und insbesondere qualifizierte Mitarbeiter zu halten. Die Ziele des betrieblichen Eingliederungsmanagements bringen zum Ausdruck, dass die Kündigung das letzte Mittel sein soll, also die Ultima Ratio. Betriebe, die das betriebliche Eingliederungsmanagement nicht versucht haben, werden sich fragen lassen müssen, was sie unternommen haben, um die Kündigung zu vermeiden. Betroffene Beschäftigte können sich auf das betriebliche Eingliederungsmanagement berufen, und sowohl die Integrationsämter als auch die Arbeitsgerichte werden der neuen Regelung sicherlich Beachtung schenken.

Wie unterstützt das Integrationsamt die Beteiligten?

Die Integrationsämter unterstützen die Betriebe und Dienststellen durch Beratung bei der Einführung eines BEM. Dazu gibt es branchenübergreifende Schulungen. Erste Modellprojekte gibt es in der Automobilindustrie. Zurzeit werden auf der Basis dieses Modells von den Integrationsämtern der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe mit einer Gruppe von Schwerbehindertenvertretungen und mit einer Gruppe von Arbeitgebervertretern weitere Handlungsempfehlungen erarbeitet.
Das im Einzelfall zuständige Integrationsamt wird andererseits tätig, wenn es darum geht, Leistungen der Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben zu erbringen. Eine Maßnahme zum Einstieg in das betriebliche Eingliederungsmanagement könnte zum Beispiel sein, die Führungskräfte zu schulen – das Integrationsamt bietet hier seine Unterstützung an. Außerdem sieht die gesetzliche Regelung vor, dass das Integrationsamt Prämien für die Einführung eines betrieblichen Eingliederungsmanagements erbringen kann.

Wann erhalten Betriebe eine Prämie?

Genauso wenig wie die Unternehmen haben die Integrationsämter ein fertiges Konzept für das Eingliederungsmanagement. Sie treten jedoch sehr für den betrieblichen Ansatz ein, weil sie sich nur davon eine echte Wirkung versprechen. Bei der Entscheidung über eine Prämie werden zwar die hier genannten Anforderungen für eine Beurteilung zugrunde gelegt, doch darüber hinaus sind die Integrationsämter offen für viele gute Ideen. Entscheidend ist für sie, dass das Konzept geeignet ist, die Ziele des betrieblichen Eingliederungsmanagements spürbar zu erreichen.
Die Integrationsämter können Beispiele für ein besonders gutes Eingliederungsmanagement mit einer einmaligen Prämie von bis zu 20.000 Euro auszeichnen. Voraussetzung ist, dass der Betrieb die Beschäftigungsquote erfüllt oder spürbare Maßnahmen ergriffen hat, um diese zu steigern. Je nach betrieblichen Verhältnissen soll ein Betriebsoder Personalrat und auch eine Schwerbehindertenvertretung vorhanden sein. Erwartet wird außerdem eine schriftliche Vereinbarung über die Einführung eines Eingliederungsmanagements, zum Beispiel in Form einer Integrationsvereinbarung. Diese Vereinbarung muss deutlich über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen und besondere Regelungen für schwerbehinderte Menschen enthalten.

Und wie fängt man an?

Ein betriebliches Eingliederungsmanagement ist ein dynamisches Instrument. Wichtig ist, damit auch tatsächlich zu arbeiten. Das heißt, Erfahrungen zu sammeln und es auf dieser Grundlage kontinuierlich weiter zu entwickeln. Ein bis ins letzte Detail ausgereiftes Konzept nützt niemandem, wenn es nicht gelebt wird. Also, nicht so lange am Konzept arbeiten, dass es für die Praxis zu kompliziert wird, eher abschreckt als hilfreich ist und – in der Schublade landet! Für den Anfang ist es sicher besser, mit weniger Regelungen auszukommen und zu starten.

Die Integrationsämter unterstützen Betriebe durch:

  • Beratung bei der Einführung eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements,
  • Prämien für Beispiele eines besonders gelungenen Eingliederungsmanagements,
  • Leistungen im konkreten Einzelfall für schwerbehinderte oder gleichgestellte behinderte Mitarbeiter, zum Beispiel durch Zuschüsse für eine behinderungsgerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes.

Quelle: ZB-Zeitschrift Hrsg. Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter, c Universum Verlag GmbH & Co KG, Wiesbaden, und Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales – Chemnitz

Mehr Informationen:
www.integrationsaemter.de

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