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Schülerunfälle auf Rekordtief

i-Punkt Ausgabe 01/2006

Information

 

Unfallgeschehen in Schulen und Kindertageseinrichtungen 2004
Was gibt es Schöneres für eine Präventionsabteilung – die Unfallzahlen sinken. Fast 20.000 Unfälle wurden uns im letzen Jahr weniger als im Jahr 2000 gemeldet. Basis für die Auswertung des Schülerunfallgeschehens 2004 bilden hauptsächlich die Daten der 3-%-Statistik (Hochrechnung) sowie die Software GUSO. Bei der Auswertung schenkten wir der Entwicklung der letzten 5 Jahre besondere Beachtung.

1 Gesamtzahlen der Schülerunfälle

In den letzten 5 Jahren nahmen sowohl die absoluten Schülerzahlen als auch die Anzahl der meldepflichtigen Unfälle ab (Tabelle 1). Beides ins Verhältnis gesetzt, ergibt die Tausend-Mann-Quote – nur so ist ein sinnvoller Vergleich möglich. Im Jahr 2004 wurde mit rund 82 Unfällen pro 1000 versicherte Schüler der niedrigste Wert seit Beginn unserer statistischen Erfassung erreicht.

Tabelle 1: Meldepflichtige Unfälle

1) Der Begriff Schüler umfasst hier Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder, Schüler allgemein- und berufsbildender Schulen sowie Studierende. 2) Die Tausend-Mann-Quote ist eine Unfallhäufigkeitsmessziffer (Quotient aus Zahl der Unfälle und Zahl der Versicherten, multipliziert mit Tausend).

Auch die Anzahl der tödlichen Unfälle ist wieder gesunken (Tabelle 2). Gerade die Schulwege haben ein hohes Gefahrenpotential, und die Einflussmöglichkeiten der Unfallkasse Sachsen sind nur bedingt.
Umso mehr ist diese niedrige Zahl ein Erfolg aller, die Projekte zur Verkehrssicherheit umgesetzt haben und regelmäßig durchführen. Zielgruppe hier sind vor allem die Berufsschüler, die am häufigsten von schweren und tödlichen Unfällen betroffen sind. 2004 gab es bundesweit 79 tödliche Schulwegunfälle.

Tabelle 2: Tödliche Schülerunfälle

Tabelle 2: Tödliche Schülerunfälle

2 Unfallgeschehen und Schulart

Bei der Auswertung der Unfälle nach Schularten (Abb. 1) zeigt sich eine interessante Entwicklung. In Kindertageseinrichtungen ist der Anteil der Unfälle i. e. S. von 11,7 % im Jahr 1998 auf 18,3 % im Jahr 2004 gestiegen. Demgegenüber ist der Anteil der Unfälle in Grundschulen rückläufig. Auch bei den Wegeunfällen gibt es diesen Trend.

Abbildung 1: Unfallgeschehen nach Schulart
Abbildung 1: Unfallgeschehen nach Schulart

Tabelle 3: Unfälle gesamt in allgemeinbildenden Schulen
Tabelle 3: Unfälle gesamt in allgemeinbildenden Schulen

Mittelschulen liegen beim Unfallgeschehen nach wie vor an erster Stelle. Bei den Unfällen in der Schule bzw. im Unterricht (Unfälle i. e. S.) folgen die Gymnasien und Grundschulen. Rein prozentual ist der Anteil der Unfälle in Förderschulen gering. Um hier reale Vergleichswerte zu erhalten, müssen auch die jeweiligen Schülerzahlen pro Schulart berücksichtigt werden (Tausend-Mann-Quoten).

Betrachtet man das Alter der Unfall-Schüler, so zeigt sich, dass ein Drittel zwischen 11 und 14 Jahren und eine weiteres Drittel zwischen 15 und 18 Jahren alt war. Nach dem Geschlecht entfallen 54 % der Unfälle auf Jungen und 46 % auf Mädchen.

Bei den Wegeunfällen ist das Verhältnis anders. Hier liegen Mittelschulen, Berufsschulen und Gymnasien vorn. Altersmäßig liegen hier die 15- bis 18-Jährigen vorn (37,7 %) gefolgt von den 11- bis 14-Jährigen (25,7 %). Auch verunfallten auf Schulwegen Mädchen mit 56 % häufiger als Jungen mit 44 %.

Im Vergleich zum Vorjahr sank die Tausend-Mann-Quote in allen Schularten.

In Tabelle 3 sind die Durchschnittswerte sowie die Spannweiten (beste und schlechteste Schule) für allgemeinbildende Schulen zusammengestellt. Hier kann sich wieder jede Schule selbst einordnen. Liegt der Wert deutlich über dem Durchschnitt, sollte unbedingt den Ursachen nachgegangen werden. Mittels einer eigenen Unfallstatistik können Schwerpunkte im Unfallgeschehen an der Schule ermittelt und geeignete Schutzmaßnahmen in die Wege geleitet werden. Für Berufsschulen konnten die Tausend-Mann-Quoten aufgrund unvollständigen Datenmaterials (Schülerzahlen pro Schule) nicht ermittelt werden.
Der Durchschnittswert für berufliche Schule lag im Vorjahr bei 40.

3 Unfälle in Schulen

Abbildung 2: Schulunfälle nach Unterrichtsart
Abbildung 2: Schulunfälle nach Unterrichtsart

Im Sportunterricht ereignen sich nach wie vor die meisten Unfälle (Abb. 2). Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Anteil der Sportunfälle etwa konstant geblieben. Erfreulich ist der weitere Rückgang der Pausenunfälle. Dafür hat sich der Anteil der Unfälle bei besonderen Veranstaltungen (Ausflüge, Exkursionen, Landheimfahrten, Betriebspraktika und Veranstaltungen mit Freizeitcharakter) etwas erhöht.

 

 

 

 

 

 

Die Verteilung der Sportunfälle auf die einzelnen Sportarten hat sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum geändert (Tabelle 4). Bei den Ballspielen sind die unfallträchtigsten Sportarten Volleyball (27,9 % der Ballspielunfälle), Fußball (19,3 %) und Basketball (19,1 %).

Tabelle 4: Sportunfälle nach Sportart (Auswahl)
Tabelle 4: Sportunfälle nach Sportart (Auswahl)
Kinder spielen Basketball

4 Unfälle in Kindertageseinrichtungen

Abbildung 3: Unfälle an Spielplatzgeräten
Abbildung 3: Unfälle an Spielplatzgeräten

In Kindertageseinrichtungen erlitten 12.129 Kinder einen Unfall. Dieser Wert ist deutlich gegenüber den Vorjahren gestiegen (2002 waren es 10.213 Unfälle). Allerdings nehmen auch die Kinderzahlen wieder zu. Die Tausend-Mann-Quote (TMQ) für 2004 liegt bei 62,5. Im Jahr 2002 betrug der Wert 57, so dass wir es tatsächlich mit einem Anstieg der Unfälle im Kita-Bereich zu tun haben. Nach wie vor sind Krippenkinder am gefährdetsten (TMQ ca. 77), gefolgt von den Kindergartenkindern (TMQ ca. 67) und den Hortkindern (TMQ ca. 62).  

Fast ein Viertel der Kita-Unfälle ereigneten sich an Spielplatzgeräten (Abb. 3). Schwerpunkt ist das Klettergerüst. Hierbei spielt zum einen die Gerätesicherheit eine Rolle, vor allem die Qualität des Fallschutzes, als auch verhaltensbedingte Aspekte wie Drängelei oder Überschätzung der eigenen Fähigkeiten.

5 Wegeunfälle

Die Schulwegunfälle sind insgesamt rückläufig (s. Tabelle 1). Bei der Auswertung nach Art der Verkehrsbeteiligung (s. Tabelle 5) zeigt sich, dass der Anteil der Fußgängerunfälle um über 10 % zurückgegangen ist. Dafür sind die Anteile der Fahrradunfälle und Pkw-Unfälle um jeweils 3,7 % und 7,6 % gestiegen. Diese Werte sprechen für die Auswirkungen längerer Schulwege. Die Werte für Unfälle mit öffentlichen Verkehrsmitteln haben sich nicht mehr wesentlich verändert.

Tabelle 5: Straßenverkehrsunfälle nach Art der Verkehrsbeteiligung
Tabelle 5: Straßenverkehrsunfälle nach Art der Verkehrsbeteiligung

6 Fazit

Auch wenn die Unfallzahlen weiter sanken, ist dies noch kein Grund zum Ausruhen. Die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand haben sich in der „Potsdamer Erklärung“ am 30. November 2005 das hohe Ziel gesetzt, bis 2011 die Zahl der Unfälle, insbesondere der tödlichen Unfälle, um 30 % zu senken, denn Kinder haben ein Recht auf Sicherheit!

Die Unfallkasse Sachsen wird sich in diesem Sinn weiter für die Prävention stark machen. Einerseits gilt es, bestmögliche technische Sicherheit zu erreichen, andererseits müssen zur Erreichung des Zieles der „Sicheren und Gesunden Schule“ Gesundheitsförderung und Prävention verpflichtende Bestandteile des Erziehungs- und Bildungsauftrages werden.

Doch die Unfallzahlen zeigen, dass wir ein verstärktes Augenmerk auch auf die Kindertageseinrichtungen legen müssen. Hier gilt es, die Ursachen für den Anstieg der Unfälle zu ermitteln, um dann gezielt Präventionsmaßnahmen durchzuführen.

Beate Mierdel

Noch Fragen: fischer@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 21

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