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Sonderkraftstoff statt Normalbenzin

i-Punkt Ausgabe 01/2006

Gesundheit

 

Sachsenforst praktiziert erfolgreiche Prävention
Motorsägen sind unverzichtbare Helfer der Forstleute. Meist mit Zweitaktmotoren ausgerüstet, blasen sie ihren benzolhaltigen „Gefahrstoffcocktail“ unmittelbar in die Atemluft der Waldarbeiter. Schritt für Schritt wurden jetzt in einer Aktion der Sächsischen Landesforstverwaltung die gesundheitsgefährlichen Kraftstoffsor ten ersetzt.

Normalbenzin ist als krebserregend (karzinogen) Kategorie 1 eingestuft. Bei Tätigkeiten mit derartigen Gefahrstoffen sind nach Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ergänzende Schutzmaßnahmen (Schutzstufe 3 bzw. 4) notwendig. Als wichtigste Maßnahme ist für diese Stoffe ein Substitutionsgebot verankert. Dieses Gebot ist zu befolgen. Es sei denn, dass es technisch nicht umsetzbar ist bzw. der Rechtsgrundsatz der Zumutbarkeit verletzt würde. Da der Sonderkraftstoff (SK) mit wesentlich geringerer Gefährdung für die Beschäftigten zur Verfügung steht, ist dies in diesem Fall nicht relevant.

Im Gegensatz zum Autofahrer hat der Motorsägenführer mit dem Kraftstoff und seinen Dämpfen und insbesondere mit den Motorabgasen unmittelbaren Kontakt, sei es über die Haut z. B. an den Händen und über das Einatmen und/oder Verschlucken von Dämpfen bzw. Abgasen über Nase bzw. Mund.

Beim Umfüllen und Betanken der Motorsägen (MS) sind ca. 300 – 1000 derartige Vorgänge pro Jahr mit ca. 400 l je Waldarbeiter (im typischen Fichtenstandort) z. T. unter schwierigen Umgebungsbedingungen und unter wechselnden Witterungsbedingungen erforderlich. Zum Vergleich: Bei PKW-Nutzung: ca. 25 Betankungsvorgänge pro Jahr i. d. R. an ordnungsgemäßer Tanksäule mit unwesentlichem bzw. ohne unmittelbaren Kontakt.

Die Eigenschaften des verwendeten Kraftstoffs und seiner Verbrennungsprodukte beeinflussen erheblich die daraus resultierenden Gesundheitsgefahren. Die Verwendung von SK für Zweitaktmotoren entsprechend der schwedischen Norm SS 155461 bewirkt eine Minderung des Gesundheitsrisikos von Motorsägenführern durch die deutliche Verringerung gesundheitsschädlicher und krebserzeugender Abgasbestandteile! Auch die Umwelt wird weitaus weniger belastet!

Die gesetzliche Forderung zur Minimierung von Gesundheitsrisiken der Beschäftigten bei der Arbeit gebietet die Ablösung von Normalbenzin durch Alkylatbenzin (SK) beim professionellen Einsatz von MS und/oder handgeführten Motorgeräten bzw. in waldarbeitereigenen MS im Staatsbetrieb Sachsenforst.

Zusammenfassung zum Vergleichen:

Normal Benzin:Sonderkraftstoff (Norm SS 155461):
Gefahrstoffsymbole: F+, T, N
Kohlenwasserstoffgemisch aus paraffinischen, cycloparaffinischen, aromatischen und olefinischen Kohlenwasserstoffen
Gefahrstoffsymbole: F, Xn
Paraffinische Kohlenwasserstoffe
R 12 Hoch entzündlich
R 45 Kann Krebs erzeugen (karzinogen)
R 48/20/21/22 Gesundheitsschädlich: Gefahr ernster Gesundheitsschäden bei längerer Exposition durch Einatmen, Berührung mit der Haut und durch Verschlucken.
R 65 Gesundheitsschädlich: Kann beim Verschlucken Lungenschäden verursachen.
R 67 Dämpfe können Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.
R 51/53 Giftig für Wasserorganismen, kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben.
R 11 Leicht entzündlich
R 65 Gesundheitsschädlich: Kann beim Verschlucken Lungenschäden verursachen.
R 38 Reizt die Haut
R 67 Dämpfe können Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.
Verbrennungsprodukte enthalten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, n-Hexan, Ruß, Kohlenmonoxid u.a. Wirkung narkotisierend, auf Atemorgan, Nervensystem, Gene.Verbrennungsprodukte enthalten deutlich weniger Schadstoffe als bei Normalbenzin (Benzol < 3% von VK Normal, Polyzykl. Aromate < 30% von VK Normal, verbrennt rußfrei.

Und weitere Argumente für SK:

für Motor(en)
Die Einstellung bleibt unverändert. Sonderkraftstoff ist klopffester, verbrennt ruhiger und bildet keine Ölkohle im Brennraum – eine wesentliche positive Auswirkung auf Lebensdauer und Verschleiß des Motors!
Neben den deutlich reduzierten Gesundheitsbelastungen für den Praktiker ein zusätzlicher Effekt, der nicht zu unterschätzen ist : SK entmischt sich nicht.
Somit ist insbesondere für Einsatzgebiete,
wo handgeführte benzingetriebene Geräte diskontinuierlich eingesetzt werden (z.B. Feuerwehr, Bauhof, Straßenunterhaltung, Grün- und Baumpflege, Privatbereich u. a.) der Einsatz von SK von großem Vorteil für die Funktion der Geräte.

Für den Transport (öffentliche Straße)
Kein Unterschied zu Normalkraftstoff – außer dass SK „nur“ als „leicht entzündlich“ klassifiziert ist.
Die Originalgebinde sind vollständig gekennzeichnet, ein weiteres Transportdokument, Fahrzeugkennzeichnung usw. ist nicht erforderlich, wenn die Gesamtmenge je Fahrzeug 300 l nicht überschreitet (und keine anderen Gefahrgüter geladen sind). Die Ladung ist zu sichern, das Rauchen usw. ist in der Nähe der Ladung verboten, geschlossene Fahrzeuge sind zu belüften (mind. 2 x 100 cm2)

Für die Lagerung
Kein Unterschied zu Normalbenzin – außer dass SK „nur“ als „leichtentzündlich“ klassifiziert ist:

  • Max. 20 l im Keller (Gesamtkeller) von Wohnhäusern, in Garagen
  • Anzeigefreie Lagerung in spez. Lägern bis 450 l (Lagerung in/über Auffangwanne, ausreichende Lüftung, keine Zündquellen

Ausblick und gegenwärtiger Sachstand

Mit Gründung des Staatsbetriebes Sachsenforst zum 1. Januar 2006 ist die Verwendung von Sonderkraftstoff auch in den waldarbeitereigenen MS Pflicht.

Aus Sicht der Unfallkasse Sachsen ist von allen staatlichen und kommunalen Betrieben, die entsprechende benzingetriebene Maschinen und Geräte im Einsatz haben, die Umsetzung des nach GefStoffV geforderten Substitutionsgebotes zu erfüllen und dem Beispiel des Staatsbetriebes Sachsenforst zu folgen. Ebenso sollte auch im privaten Bereich beim Betreiben von Motorkettensägen, Rasenmähern, Freischneidern mit Otto-Motoren ernsthaft diese Herangehensweise durch den Einsatz und die Verwendung von Sonderkraftstoff erwogen werden.

Die Preise für SK sind derzeit sicherlich noch relativ hoch bzw. gegenwärtig wieder hoch (ca. 2,60 Euro pro Liter). Mit stärkerer Marktverbreitung bzw. Nutzung ist jedoch in absehbarer Zeit eher eine Angleichung an Normalbenzinpreise zu erwarten.

Problem und Lösung

Handgeführte Motorgeräte werden überwiegend mit einfachen Zweitaktmotoren ausgerüstet. Die Abgase enthalten neben den Verbrennungsprodukten einen unverbrannten Anteil von ca. 25 % des eingesetzten Kraftstoffs. Die Abgase werden unmittelbar in der Nähe der Beschäftigten freigesetzt und dabei insbesondere auch mit der Atemluft aufgenommen. Die Abgase von Normalbenzin enthalten Benzol, welches beim Menschen Krebs erzeugen kann. Nach Angaben des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik liegt die mittlere Benzolbelastung in der Atemluft des Motorsägenführers bei 0,7 mg/m3 bzw. 0,22 ppm. Dazu kommt noch Hautkontakt beim Betanken und Warten der Geräte. Deshalb ist Sonderkraftstoff einzusetzen.

Weitere Informationen hält Ihr zuständiger Forstbezirk sowie die Sicherheitsfachkraft des Staatsbetriebes Sachsenforst bereit.


Gertrud Laube


Noch Fragen: laube@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 11

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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