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Hauptsache schnell handeln

i-Punkt Ausgabe 01/2007

Gesundheit

 

Wissen Sie noch, wie man Erste Hilfe leistet?
Davor haben viele Angst: Sie kommen als erste an eine Unfallstelle, sollen dem Verletzten helfen, aber wissen nicht wie. Dabei kann diese Situation jedem jederzeit passieren. Und das nicht nur im Straßenverkehr. Denn im Haushalt passieren immer noch die meisten Unfälle. Dabei gibt es nur einen Fehler: Nichts zu tun.

Mal ehrlich: Wissen Sie noch, wie man Erste Hilfe leistet? Oder gehören Sie auch zu denen, die hoffen, nie in eine Situation zu geraten, in der ihre Hilfe dringend gebraucht wird? Eine trügerische Hoffnung, verunfallen doch allein auf Deutschlands Straßen jährlich fast 440.000 Personen. Bei Verkehrsunfällen werden im Schnitt täglich 15 Menschen getötet, Gott sei Dank mit sinkender Tendenz (Quelle: Statistisches Bundesamt). Auf den Punkt gebracht benötigen jeden Tag zirka 1.200 Unfallopfer dringend medizinische Hilfe. Gar nicht mitgerechnet die vielen häuslichen Unfälle, deren Zahl sogar noch darüber liegt.

Notärzte klagen

Wer schon einmal Zeuge eines Unfalls war, kennt das Gefühl des Ausgeliefertseins. Momente, in denen Minuten zu qualvollen Stunden werden. Momente, in denen Panik von uns Besitz ergreift. Wo man glaubt, alles ist vergessen. Was soll man bloß tun? In Ballungsräumen braucht der Notarzt bestenfalls acht Minuten bis zum Unfallort, in ländlichen Räumen bis zu einer Viertelstunde. Notärzte klagen, dass Angehörige oder Passanten meist hoffnungslos mit der Situation überfordert sind. Zu selten nur erleben sie, dass die Menschen vor Ort mehr tun als Händchenhalten. Oft ist beim Eintreffen wenig passiert. Die Leute stehen hauptsächlich rum. Gaffen können alle gut. Dabei ist mit wenigen Handgriffen meist viel geholfen, nur traut sich oft keiner. Über 40 % aller Bundesbürger haben Bedenken, Erste Hilfe zu leisten. Jeder Dritte würde abwarten, ob nicht ein anderer hilft, und immer noch 35 % meinen, man sollte das ausschließlich Profis überlassen. 

Erste Hilfe ist Pflicht

Doch vor Fehlern braucht niemand Angst zu haben. Noch nie ist jemand verurteilt worden, weil er als Unfallhelfer und medizinischer Laie etwas falsch machte. Wohl aber wegen unterlassener Hilfeleistung. Denn Erste Hilfe ist mehr als Ehrensache, jeder ist dazu verpflichtet.  

Juristisch ist die Sache klar: Wir machen uns strafbar, wenn wir jemand bei einem Notfall keine Erste Hilfe leisten. Allerdings muss die Hilfeleistung zumutbar sein. Niemand muss sich durch die Erste Hilfe selber in Gefahr bringen.

Bei den meisten überwiegt jedoch die Angst, Fehler zu machen und dafür belangt zu werden – völlig unbegründet. Das würde nur passieren, wenn man dem Unfallopfer vorsätzlich Schaden zufügt. Oder eben, wenn man nicht hilft. Dann nämlich drohen Geldund Freiheitsstrafe. Übrigens: Als Ersthelfer ist man über die gesetzliche Unfallversicherung ausreichend abgesichert (Mehr dazu in unserem Beitrag "Information"-"Retter in der Not").

Unterlassene Hilfeleistung (§ 323c Strafgesetzbuch)
Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Die Angst vor der Ersten Hilfe steckt tief. Es ist die Angst, etwas falsch zu machen, rechtlich belangt zu werden, die Angst, zu versagen. Ekel vor Blut, Ekel vor Erbrochenem lähmen. Dabei ist das, was man im Notfall tun kann, oftmals simpel. Am Unfallort soll nicht geheilt werden, sondern kompetent geholfen. Weitere Gefahren abwehren und den wie auch immer gearteten Gesundheitszustand stabilisieren. Wer sich absolut nicht traut, kann trotzdem viel tun. Hilfe holen, ist das Allermindeste. Weiter: Die Unfallstelle absichern,  Verletzte vor Schaulustigen abschirmen, sie vor Wärmeverlust bewahren oder Rettungskräften den Weg weisen. Geben Sie sich einen Ruck. Meist braucht es jemand, der all die Unschlüssigen zum Handeln auffordert und die notwendigen Aufgaben verteilt. Reden Sie beruhigend auf die Verletzten ein. Sagen Sie ihnen, dass Hilfe unterwegs ist.

Im Notruf: 112

Rettungskräfte brauchen unbedingt präzise Angaben. Beschreiben Sie möglichst genau, auf welcher Strecke Sie sich befinden. Ortsfremde sollten erzählen, was sie von ihrem Standort aus sehen, wohin sie unterwegs waren oder wo sie als Letztes vorbeifuhren. Wichtig sind Angaben zur Zahl der Verletzten und der Schwere der Verletzungen. Warten Sie immer, ob die Rettungsleitstelle noch Rückfragen hat.

So setzen Sie richtig einen Notruf ab. Nennen Sie der Rettungsleitstelle Ihren Namen und gehen Sie nach diesem Schema vor. Die fünf W’s:
Wo geschah es?
Was geschah?
Wie viele Personen sind verletzt?
Welche Verletzungen?
Warten Sie auf Rückfragen!

Wenn jede Minute zählt

Reagieren Verletzte nicht, wenn man sie anspricht, prüfen Sie, ob sie bei Bewusstsein sind. Rütteln Sie an deren Schulter. Erwachen sie nicht und zeigen auch sonst keine Reaktion, ist schnelle Hilfe besonders dringend. Dann sollte man sofort die Atmung kontrollieren, denn bei Atem- oder Herzstillstand besteht akute Lebensgefahr. Fehlt Bewusstsein und Atmung, müssen Sie unbedingt Ruhe bewahren. Jetzt kommt es wirklich auf jede Minute an, solange bis der Rettungsdienst eintrifft. Lesen Sie unseren Beitrag „Leben retten – jetzt noch leichter“ auf Seite 7. Und nicht   ergessen: Händchenhalten und beruhigende Worte sind wichtig. Verletzte brauchen das Gefühl, nicht allein zu sein.

Erste Hilfe kann man lernen

Mund-zu-Mund-Beatmung

Unfälle passieren immer plötzlich. Trotzdem kann man sich vorbereiten. Jeder Führerscheininhaber musste in seinem Leben schon einmal einen Erste-Hilfe-Kurs bestehen. Doch meist war’s das. Bei den meisten Autofahrern liegen diese Kurse im Durchschnitt 15 Jahre zurück, nicht selten auch länger. Alle zwei bis drei Jahre sollte man seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auf Vordermann bringen. Das baut die Angst vor Fehlern ab. Viele Hilfsorganisationen bringen Sie in sogenannten Auffrischungskursen auf den neuesten Stand. Diese Kurse dauern wenige Stunden und kosten etwa 20 Euro. Und noch ein Tipp: Werfen Sie mal einen Blick auf Ihren Verbandskasten und das Warndreieck.

Man kann nichts falsch machen. Aber gar nichts machen, das ist das Schlimmste.

Mehr Informationen unter

www.drk.de
Stichwort: Erste-Hilfe-Tipps Online mit
Quiz „Der kleine Lebensretter“

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Unfallkasse Sachsen
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