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Sicher nach oben

i-Punkt Ausgabe 01/2007

Sicherheit

 

Arbeiten auf Leitern
Unsachgemäßer und sorgloser Umgang mit Leitern ist eine häufige Unfallursache. Das Risiko, auf einer Leiter zu verunglücken, ist fünfmal höher als das Arbeiten an einer Kreissäge. Dabei ist weniger die bloße Überwindung des Höhenunterschiedes das Problem, sondern falsche Auswahl des Leitertyps oder unsicherer Stand. Wir sagen Ihnen, wie sie künftig sicher nach oben kommen.

Vor der Benutzung einer Leiter sind einige wesentliche Fragen zu klären. Denn die geplanten Tätigkeiten sind entscheidend für den Leitertyp und die möglichen Gefährdungen:

  • In welcher Höhe wird gearbeitet?
  • Wie lange dauert diese Tätigkeit?
  • Muss Material transportiert werden? Wie wird der Transport organisiert?
  • Muss mit Handwerkzeug oder einer Maschine (z.B. Bohrhammer) gearbeitet werden? Welche Kräfte treten hier auf ?
  • Brauche ich Hilfseinrichtungen, um Material oder Werkzeug ablegen zu können?
  • Kann ich mich beim Auf- oder Absteigen gut festhalten?
  • Wie sieht die Aufstandsfläche aus? Habe ich einen standsicheren Untergrund oder gibt der Boden bei Belastung nach?
  • Kann die Leiter beim Besteigen wegrutschen? Brauche ich zur Sicherung einen Helfer, oder habe ich andere Sicherungsmöglichkeiten?
  • Gibt es sonstige Gefährdungen, wie vorbeifahrende Fahrzeuge, Türen und Tore in Verkehrswegen oder vorbeilaufende Personen?

Anleitung zur Benutzung von Leitern

Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann die geeignete Leiter ausgewählt werden. Steht eine entsprechender Typ nicht zur Verfügung, sollten keine Kompromisse eingegangen werden. Eine Stehleiter darf niemals als Anlegeleiter verwendet werden. Fehlt der nötige Leitertyp, ist eine Beschaffung unumgänglich.

Leitern sind genormte Arbeitsmittel und werden nach der DIN EN 131 (z.Z. in Überarbeitung) produziert. Da sie häufig hoher Belastung ausgesetzt sind, sollte die Qualität gegenüber dem Preis im Vordergrund stehen. Bei häufiger Benutzung und unter rauen Bedingungen ist eine Profi-Leiter die bessere Wahl. Die Möglichkeit, kleinere Instandsetzungsarbeiten selbst ausführen zu können oder die Existenz einer Fachfirma in der Region, die diesen Service bietet, sollte in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Alle Hersteller haben eine Betriebsanleitung zu erstellen, welche meist als Piktogramm auf der Leiter angebracht ist und in überschaubarer Form Hinweise für den Nutzer liefert.

Ist die neue Leiter dann geliefert, sollte sie inventarisiert werden. Nur so bleibt dauerhaft gewährleistet, dass sie in den Zyklus der notwendigen Prüfungen einbezogen wird. Die Prüfung ist von einer beauftragten Person wiederkehrend in Abhängigkeit von den betrieblichen Beanspruchungen durchzuführen (§ 29 Abs. 1 UVV „Leitern und Tritte“, GUV-V D 36). Wir empfehlen, entsprechende Kontrollblätter oder Kontrollbücher zu führen. Unabhängig von diesen Prüfungen hat sich auch jeder Benutzer vor der Verwendung von Zustand und Eignung für die gedachte Tätigkeit zu überzeugen. Denken sie auch in diesem Zusammenhang an die regelmäßige Unterweisung der Benutzer. Denn diese sind mindestens einmal jährlich über den Umgang mit Leitern und deren bestimmungsgemäße Verwendung zu unterweisen; was zu dokumentieren ist (§ 4 UVV „Grundsätze der Prävention“ GUV-V A 1).

Dies sind die gebräuchlichsten Leiterarten:

Anlegeleitern

  • Anlegewinkel bei Sprossenanlegeleitern 65 bis 75°
  • Sicherung gegen Abrutschen oder Abgleiten am Leiterfuß oder Leiterkopf, zweite Person zum Halten bei Sicherung am Leiterkopf wird empfohlen
  • Leiter muss 1 m über die Austrittstelle hinausragen
  • nur an sichere Stützpunkte anlehnen (nicht geeignet: Dachrinnen, Glasscheiben, unverschlossene Türen u. Ä.)
  • Sicherung in Verkehrsbereichen durch Absperrung

Anlegeleitern als Arbeitsplatz

Hier dürfen nur Arbeiten geringen Umfanges ausgeführt werden (§ 4 UVV „Bauarbeiten“ GUV-V C 22). Dabei ist zu beachten, dass:

  • der Standplatz auf der Leiter nicht höher als 7,00 m über der Aufstellfläche liegt,
  • bei einem Standplatz von mehr als 2,00 m Höhe die von der Leiter auszuführenden Arbeiten nicht mehr als 2 Stunden umfassen,
  • das Gewicht des mitzuführenden Werkzeuges und Materials 10 kg nicht überschreitet,
  • keine Gegenstände mit einer Windangriffsfläche über 1 m2 mitgeführt werden,
  • keine Stoffe oder Geräte benutzt werden, von denen für den Beschäftigten zusätzliche Gefahren ausgehen,
  • Arbeiten ausgeführt werden, die keinen größeren Kraftaufwand erfordern, als den, der zum Kippen der Leiter ausreicht, und
  • der Beschäftigte mit beiden Füßen auf einer Sprosse steht.

Stehleitern
• Standsichere Aufstellung auf festem Untergrund
• Funktionsfähige Spreizsicherung in Form von Ketten, Gurten oder Gelenken
• Einsatz auf Treppen mit entsprechenden Holmverlängerungen
• Nicht als Anlegeleiter benutzen (Ausnahme: spezielle Steh-/Anlegeleiter)
• Kein Überstieg von der Stehleiter auf andere Flächen oder Arbeitsplätze

Podestleitern

  • Die Tragfähigkeit und Standsicherheit ist zu gewährleisten.
  • Stufen, Flachsprossen und Podeste sind rutschhemmend auszuführen, z. B. durch profilierte Trittflächen.
  • bei Podestleitern von mehr als 1 m Höhe sind Absturzsicherungen (3-teiliger Seitenschutz) notwendig.
  • Größe der Plattform min. 500 x 500 mm
  • Ausstattung der Podestleiter mit Sicherungen gegen unbeabsichtigtes Verfahren, z. B. bei Podestleitern mit einem Eigengewicht bis zu 50 kg durch federgelagerte Lenkrollen, welche selbsttätig wirken
  • Schraubverbindungen müssen gegen unbeabsichtigtes Lösen gesichert sein.

Für die Sicherheit spielt das richtige Verhalten des Benutzers eine Rolle. Besteigen Sie Leitern nur mit Schuhen, die dem Fuß ausreichenden Halt geben. Beseitigen Sie Verschmutzungen an den Sohlen. Öl- oder Fettreste setzen die Trittsicherheit deutlich herab. Vermeiden Sie beim Besteigen Hast und Eile, so bringen Sie möglichst wenig Bewegung in die Leiter. Springen Sie von Leitern nie ab. Auch nicht von der drittletzten oder vorletzten Sprosse, denn Verstauchungen oder Frakturen sind leider keine Seltenheit.
Vermeiden Sie bei Arbeiten auf der Leiter ein seitliches Hinauslehnen, solche Verschiebungen des Körperschwerpunktes können zum Verrutschen oder Umkippen der Leiter führen. Arbeiten Sie vorausschauend und Setzen Sie die Leiter dafür lieber häufiger um. Eine Alternative zu Leitern sind Fahrgerüste oder Hubarbeitsbühnen, bei denen meist größere Arbeitsflächen zur Verfügung stehen. Ein sicheres Arbeiten ist allerdings hier auch nur gegeben, wenn diese Arbeitsmittel technisch in Ordnung sind und entsprechend der Aufbau- und Bedienungsanleitung des Herstellers benutzt werden.
Wenn Sie bei der Vorbereitung und Ausführung Ihrer Tätigkeiten unsere Hinweise berücksichtigen und dabei auch ein Auge auf Ihre Arbeitskollegen haben, wird sich die Zahl der Leiterunfälle künftig verringern.

Unser Tipp:

Die Abteilung Prävention der Unfallkasse bietet jährlich die Seminare „Arbeitssicherheit an hoch gelegenen Arbeitsplätzen“ und „Prüfung von Leitern und Tritten“ an.


Uwe Büttner

Noch Fragen: buettner@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 10

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
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01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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