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Der sichere Schnitt

i-Punkt Ausgabe 02/2006

Sicherheit

 

Arbeitssicherheit in der Grünflächenpflege
Gärten, Parks, Friedhöfe – Sachsens Kommunen baden im Grün. Doch meist gedeihen unsere grünen Lungen nur mit intensiver Pflege. Rasen trimmen, Beete harken, Sträucher schneiden. Tätigkeiten, die wir auf Grundlage der Erfahrungen der letzten Grünflächensaison sowie eingetretener Arbeitsunfälle näher betrachten wollen.

Der Unternehmer muss eine Vielzahl technischer und organisatorischer Voraussetzungen schaffen. Er hat entsprechende Maschinen und Geräte bereitzustellen und die notwendige persönliche Schutzausrüstung. Er hat mögliche Gefährdungen in der Arbeitsausführung zu beurteilen, geeignetes Personal auszuwählen und es einzuweisen.
Und: Er muss die erste Hilfe sicherstellen.

Vorbereitungen

Bereits die Wintermonate sollten genutzt werden, die vorhandenen Maschinen und Geräte (Rasenmäher, Freischneider, Heckenscheren u.a.) durch eigenes Personal oder Fachfirmen für den kommenden Einsatz wieder fit zu machen. Ebenso ist auch die persönliche Schutzausrüstung zu prüfen, die beim harten Einsatz in der Praxis sehr beansprucht wurde und entsprechende Gebrauchsspuren zeigt. Wenn sicherheitsrelevante Eigenschaften nicht mehr erfüllt werden, ist sie zu erneuern.
Bei der Auswahl der Versicherten ist zu berücksichtigen, welche konkreten Vorkenntnisse vorhanden sind und wie es um die körperliche Leistungsfähigkeit bestellt ist. Fachliche Defizite lassen sich durch eine entsprechende Ausbildung oder Einweisung über eine Fachfirma regulieren. Für medizinische Fragen sollte der Betriebsarzt konsultiert werden. Auch sollten bei der Vorbereitung die möglichen Besonderheiten der zu bearbeitenden Grünflächen betrachtet werden, z. B.:

  • Größe der Grünfläche
  • Unebenheiten oder feste Einbauten im Gelände z. B. herausstehende Schachtabdeckungen
  • Böschungen
  • Arbeiten im Verkehrsraum von Straßen
  • parkende Fahrzeuge

Grundsätzlich sollten größere Flächen durch Fahrzeuge mit Anbaugeräten oder Aufsitzrasenmäher bearbeitet werden. Ist das nicht möglich, kommen handgeführte Geräte wie Balkenmäher, Rasenmäher oder Freischneider in Betracht. Wichtig sind in jedem Fall die Bedienungsanleitungen der Maschinen und Geräte, da hier entsprechende Details zu Einsatzbedingungen (z. B. Einsatz am Hang bis 15° o. a.) konkret enthalten sind. Vor dem eigentlichen Beginn der Arbeiten hat dann eine Unterweisung der Versicherten zu erfolgen, die praxisbezogen an den zu verwendenden Maschinen und Geräten durchgeführt werden sollte.

Drei typische Arbeitsunfälle der letzten Jahre haben wir ausgewählt und wollen sie kurz kommentieren.

Fall 1:

Rasenflächen an Gewässerbegrenzungen sind besonders gefährlich
abgestürzter Rasentraktor im Bach

In einer Gemeinde war eine trapezförmige Rasenfläche von ca. 60 m2 zu mähen. Eine Seite dieser Fläche endete an einer Stützmauer, 3 m tiefer liegt der Dorfbach. Der Versicherte musste, bedingt durch Form und Größe der Fläche, mehrfach vor- bzw. rückwärtsfahren. Dabei geriet er mit dem Rasentraktor über die Stützmauer und stürzte in den Dorfbach, wobei er sich eine Fraktur an der Wirbelsäule zuzog.

Auswertung:

Der Rasentraktor war für diese Fläche nur bedingt geeignet. Der Versicherte verwechselte bei der Rückwärtsfahrt das Pedal und fuhr somit vorwärts in Richtung Stützmauer.

Fall 2:

Zwei Mitarbeiter eines kommunalen Bauhofes führten Mäharbeiten im Bereich eines Parkplatzes aus, eingesetzt wurden handgeführte Benzin-Rasenmäher.
Das Gerät war nach eigenen Angaben ausgeschaltet, als eine der Beschäftigten den Grasfangkorb entfernte und entleerte. Danach kippte sie den Rasenmäher auf die rechte Seite und griff mit der linken Hand in den Bereich des Schneidwerkes, um hier eine Verschmutzung zu beseitigen. Das Schneidwerkzeug war jedoch noch in Betrieb, so dass sie sich erhebliche Schnittverletzungen an der Hand zuzog, welche zur teilweisen Amputation von Fingergliedern führte.

Auswertung:

Die Sicherheitsschaltung (Motorstopp mittels Haltebügel) am Rasenmäher war nicht funktionsfähig. Das Gerät war in dieser Form nach Einbau eines anderen Motors aus der Fachwerkstatt gekommen. Bei funktionsfähiger Sicherheitsschaltung wäre das Schneidwerkzeug zum Halten gebracht worden und der Unfall nicht eingetreten.

Fall 3:

Der Gemeindearbeiter war in der Grünflächenpflege mit einem Freischneider beschäftigt. Gearbeitet wurde auf einem brachliegenden Baugrundstück, welches vorher beräumt worden war. Bei der Bearbeitung geriet das Dickichtmesser an einen im Boden befindlichen Stein, wobei ein Metallsplitter vom Werkzeug abgerissen wurde und den Versicherten schwer am rechten Auge verletzte.

Auswertung:

Bei der Tätigkeit wurde lediglich ein Visier getragen, welches nur ungenügenden Schutz gegen wegfliegende Teilchen bot. Durch die Verwendung einer Schutzbrille unter dem Visier wäre diese Verletzung vermieden worden.

Auch für die Tätigkeiten in der Grünflächenpflege ist eine systematische Arbeitsvorbereitung unumgänglich. Die Hauptlast liegt hier beim Unternehmer, welcher die technischen und organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen hat.

Bei der eigentlichen Arbeitsausführung ist dann allerdings der Versicherte in die Pflicht genommen, seine vorhandenen Kenntnisse und Fertigkeiten entsprechend umzusetzen. Dazu gehört auch die bestimmungsgemäße Benutzung der bereitgestellten persönlichen Schutzausrüstung sowie die Einhaltung festgelegter Sicherheitsabstände.

Wenn das Zusammenspiel zwischen Technik, Organisation und dem Verhalten der Versicherten funktioniert, sollte es auch in der diesjährigen Grünflächensaison gelingen, die Gefährdungen weiter zu minimieren und  solche Unfälle wie diese zu verhindern.

 

Uwe Büttner

Noch Fragen: buettner@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 10

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