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Lass es Kribbeln im Bauch

i-Punkt Ausgabe 02/2006

Sicherheit

 

Risikosportarten bei Klassenfahrten
Sportarten, die den gewissen „Kick“ vermitteln, liegen im Trend. Inlineskaten über Ramps und Pipes, Snowboarden oder Hochseilgärten faszinieren Schüler eher als traditioneller Schulsport. Doch wie viel Risiko ist ver tretbar?

Schulsport fördert grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Voraussetzung sind für viele so genannte Trendsportarten. Dies sollte man nie vergessen! Ein vielseitiger fundierter Sportunterricht ist somit Grundlage für alle mit Bewegung verbundenen Aktivitäten im Schulleben, aber auch außerhalb der Schule. Der Begriff „Wagnis“ taucht auch in Sachsens Lehrplänen auf und veranlasst viele Sportlehrer zu fragen: „Was darf ich im Unterricht anbieten und was sprengt den Rahmen?“ Die Antwort kann nur das Sächsische Staatsministerium für Kultus (SMK) oder das zuständige Regionalschulamt als unmittelbar nachgeordnete Schulaufsichtsbehörde geben.

Doch auch die Unfallkasse Sachsen erreichen regelmäßig Anfragen, was vor allem bei Klassenfahrten oder Wandertagen an „Risikosportarten“ durchgeführt werden darf und was bei der Vorbereitung zu beachten ist. Gelten schon Besuche eines Erlebnisbades als riskant? Darf ich Hochseilgärten besuchen? Was muss ich bei der Planung eines Ski- oder Wasserfahrsportlagers beachten?

Grundsätzlich gilt für außerunterrichtliche Aktivitäten die Verwaltungsvorschrift des SMK zur Durchführung von Schulfahrten (VwV-Schulfahrten). Hier finden sich Hinweise für die Vorbereitung von Schulfahrten mit erhöhtem Sicherheitsrisiko (Ziffer 4.7). Entscheidungen über die Durchführung dieser  Veranstaltung trifft folglich auch in diesem Bereich die Schulaufsicht.

Wir geben Ihnen folgende Hinweise:

Die verantwortliche Lehrkraft muss die geplante Veranstaltung so organisieren, dass das Verletzungsrisiko so gering wie möglich gehalten wird. Dabei ist zu berücksichtigen, welche Schülerklientel teilnehmen wird. Sicher ist ein Ausflug mit Inlineskatern für eine 4. Klasse anders zu planen als mit einer 12.

Verantwortung trägt immer der Lehrer

Auch für außerunterrichtliche Sportveranstaltungen ist die für den Sportunterricht geforderte Qualifikation der Lehrkräfte zu beachten. Das heißt, wer z. B. zur Klassenfahrt mit den Schülern eine Kletterhalle besucht, muss selbst den Fortbildungslehrgang mit Kletterprüfung durch SALF/RSA-Lehrbefähigung nachweisen und Ersthelfer sein oder eine zuverlässige Person mit dieser Qualifikation auswählen. Die Verantwortung für die Schüler verbleibt jedoch immer beim Lehrer. Das Genehmigungsverfahren für die Nutzung künstlicher Kletterwände ist zu berücksichtigen (vgl. GUV-SI8451 Sicherer Schulsport – Eine Handreichung für Sportlehrer). Für Skilager oder Inlineskaten gilt dies vergleichbar. Was im Schulsport gefordert wird, muss auch außerunterrichtlich eingehalten werden.

Einige Sportarten dürfen nur mit vollständiger persönlicher Schutzausrüstung durchgeführt werden. So sind für das Inlineskaten Helm, Ellbogenschützer, Knieschützer und Handgelenksschützer unabdingbar. Auch für Fahrradtouren wird das Tragen von Helmen dringend empfohlen, obwohl die Straßenverkehrsordnung dies nicht zwingend vorschreibt. Für den alpinen Skisport empfehlen wir ebenfalls Helme zutragen.

Besonders angesagt: Hochseilgärten

Nachfragen! Erfüllt der Hochseilgarten die ERCA-Normen?
Kinder im Hochseilgarten

In den letzten Jahren schießen diese Einrichtungen wie Pilze aus dem Boden und werben vor allem in Schulen um Kunden. Für den Schulsport ist eine Nutzung der Anlagen nicht gewünscht. Außerhalb des Unterrichts sind für die Auswahl geeigneter Anlagen einige Kriterien zu beachten. Wie in anderen Bereichen auch, gibt es auf dem Markt einige schwarze Schafe, deren Sicherheitsmaßnahmen beim Errichten und Betreiben der Anlage äußerst bedenklich sind. Leider sind in diesem Zusammenhang auch schon schwere Absturzunfälle bekannt geworden.  

Zurzeit gibt es noch keine einheitlichen deutschen oder europäischen Normen, nach denen Hochseilgärten errichtet und betrieben werden müssen. Allerdings hat die ERCA (European Ropes Course Association) Standards erarbeitet, an die sich seriöse Betreiber von Hochseilgärten halten. Hier werden z. B. Mindeststandards für die technische Installation, die Sicherheitsausrüstung, die Inspektionen und die Ausbildung des Personals festgelegt. Sollten also Hochseilgärten besucht werden, wird empfohlen, vom Betreiber einen Nachweis zu verlangen, dass die Anlage nach den ERCA-Kriterin errichtet wurde und betrieben wird.

Die Verantwortung für die Schüler verbleibt auch hier beim Lehrer. Er hat sich im Vorfeld über die Sicherheit der Anlage zu informieren und einzuschätzen, ob er allen Schülern einen Besuch im Klettergarten zutrauen kann.

Fazit: Bei sorgfältiger Organisation und Planung können auch viele Sportarten, die den gewissen „Kick“ vermitteln, mit Schülern durchgeführt werden.

Ulrike Jäger

Noch Fragen: jäger@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 20

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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