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Lieber zweimal hinschauen

i-Punkt Ausgabe 02/2007

Sicherheit

 

Verwechslungsgefahr durch geänderte Farbkennzeichnung bei Druckgasflaschen
Mit der neuen Normung sollen international einheitliche Standards geschaffen werden. In der Übergangszeit von alter auf neue Farbkennzeichnung besteht allerdings erhöhte Verwechslungsgefahr. Besondere Vorsicht ist zum Beispiel bei Druckgasflaschen geboten.

Gasdruckflasche - neue Normung

Die Farbkennzeichnung von Druckgasflaschen ist eine sinnvolle und wichtige Sicherheitsinformation. Hierdurch sind die Eigenschaften des Gasinhaltes (giftig, brennbar, oxidierend, inert) bereits erkennbar, wenn der Gefahrgutaufkleber wegen zu großer Entfernung noch nicht lesbar ist oder aus einem anderen Grund nicht mehr gelesen werden kann. Dies kann z. B. für Feuerwehren im Einsatz lebensrettend sein, weil sie im Brandfall bereits aus der Ferne erkennen können, von welchem Gefahrenpotential auszugehen ist.

Druckgasflaschen müssen an der Flaschenschulter nach einem normierten Farbcode lackiert sein. Bereits im Juli 1997 wurde die neue Norm DIN EN 1089-3 „Ortsbewegliche Gasflaschen – Gasflaschen-Kennzeichnung – Teil 3: Farbcodierung“ veröffentlicht (siehe auch: Sichere Chemiearbeit 5/1998). Die neue Farbkennzeichnung war für die Übergangsphase nicht zwingend vorgeschrieben, wurde aber zunehmend angewandt. Nach Ablauf der Übergangsfrist ist sie nun seit 1. Juli 2006 verbindlich. Seither dürfen neue Druckgasflaschen nur noch nach dem neuen Farbcode gekennzeichnet sein.

Verwirrend ist dabei, dass sich die neue Farbkennzeichnung teilweise erheblich von der bisherigen Farbcodierung unterscheidet. So wird die gelbe Kennfarbe, die man früher bei Acetylenflaschen kannte, nunmehr für giftige und/oder ätzende Gase verwendet.

Für einige gebräuchliche Gase gibt es eine spezielle Kennzeichnung. Die erwähnten Acetylen-Druckgasflaschen sind zum Beispiel nun nicht mehr mit einem gelben, sondern mit einem kastanienbraunen Anstrich versehen. Es können auch zwei Farben bei zwei verschiedenen gefährlichen Eigenschaften der Gase angebracht sein.

Erschwerend kommt hinzu, dass die neue Norm lediglich die Farbe der Flaschenschulter vorgibt, aber keine verbindlichen Festlegungen zur Farbe des zylindrischen Flaschenmantels trifft. Um eine möglichst einheitliche Zuordnung zu den Haupteinsatzgebieten zu erleichtern, hat die deutsche Gase-Industrie zwar im Rahmen von Kennzeichnungsgrundsätzen und Vereinbarungen eine Farbgebung des Flaschenmantels festgelegt. Diese orientiert sich aber weniger am Inhalt, sondern im Wesentlichen am Einsatzgebiet und weicht insofern im Allgemeinen von der Schulterfarbe ab. Zudem sind diese Vereinbarungen weder national noch international verbindlich.

Um die Verwechslungsgefahr zu minimieren, wurden in der Übergangsphase Druckgasflaschen mit neuer Farbkennzeichnung zusätzlich mit einem „N“ (Neu, New, Nouveau) auf der Flaschenschulter gekennzeichnet (Abbildung). Diese Zusatzkennzeichnung muss nun nach Ablauf der Übergangsfrist 1. Juli 2006 nicht mehr zwingend angebracht werden. Da für einen Teil der Druckgasflaschen die neue Farbkennzeichnung noch nicht vollständig umgestellt werden konnte, empfiehlt der Industriegaseverband (IGV) seinen Mitgliedern, Druckgasflaschen, bei denen Verwechslungsgefahr besteht, und Druckgasflaschen, die mit gefährlichen, toxischen oder korrosiven Gasen gefüllt sind, bis zum Juni 2009 weiterhin mit „N“ zu kennzeichnen.

Momentan sind allerdings auch noch sehr viele nach alter Norm gekennzeichnete Flaschen im Umlauf. Insofern ist damit zu rechnen, dass in einer längeren Übergangsphase bestimmte Druckgasflaschen mit gleichem Inhalt, aber unterschiedlicher Farbkennzeichnung in Gebrauch sein werden.

Eine Verpflichtung zur „Umlackierung“ älterer, bereits im Gebrauch befindlicher Flaschen gibt es zwar nicht, der IGV fordert aber von seinen Mitgliedern, Druckgasflaschen nur noch zu füllen oder wiederkehrend zu prüfen, wenn sie der neuen Farbkennzeichnung entsprechen. Da Druckgasflaschen alle zehn Jahre wiederkehrend überprüft werden müssen, ist damit zu rechnen, dass bis 2016 auch alle älteren Flaschen sukzessive mit der neuen Farbkennzeichnung ausgestattet sind.

Bis dahin gilt es, Druckgasflaschen vor dem Gebrauch besonders sorgfältig zu kontrollieren, um Verwechslungen auszuschließen. Der Blick auf den Gefahrgutaufkleber lohnt sich doppelt, denn er allein enthält die verbindliche Aussage über den Inhalt der Gasflasche und die Gefährdungen, die davon ausgehen.

Alte und neue Kennzeichnungen sind übersichtlich im Faltblatt „Informationen zur neuen Farbkennzeichnung nach EN 1089-3“ des Industriegaseverbandes e.V. (IGV) abgebildet. Auf der Homepage der BG Chemie kann dieses über den Pfad www.bgchemie.de > Prävention > Gefahrstoffe > aktuelle Gefahrstoffinformationen aufgerufen werden.


Dr. Michael Glück

Der Autor leitet das Referat Vorschriften und Regeln der BG Chemie.

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