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Unfallverhütung in der Sächsischen Polizei

i-Punkt Ausgabe 02/2007

Sicherheit

 

Ein Mitgliedsunternehmen stellt sich vor
Bedienstete in der Sächsischen Polizei haben einen gefährlichen Beruf. Doch die Gefahren für Unfälle lauern nicht nur bei der Jagd nach Straftätern. Auch in der polizeilichen Aus- und For tbildung, bei der Bedienung von Spezialtechnik und auch im Büro an Bildschirmarbeitsplätzen und Kopierern ist die Kompetenz der Fachkräfte für Arbeitssicherheit gefragt.

Die Sächsische Polizei besitzt zehn hauptamtliche Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Diese sind an die Landespolizeidirektion Zentrale Dienste Sachsen angegliedert. Dort bildet der Arbeits- und Gesundheitsschutz ein eigenständiges Referat. Von hier aus werden alle Polizeidienststellen des Freistaates Sachsen, das Sächsische Staatsministerium des Innern sowie ausgewählte Landesbehörden aus dessen Geschäftsbereich betreut. Diese Organisationsstruktur wurde mit der Neuorganisation der Sächsischen Polizei 2004/2005 eingeführt. Damit wurde eine moderne und effiziente sicherheitstechnische Betreuung der Polizeidienststellen geschaffen.

Die Aufgaben der Fachkräfte für Arbeitssicherheit in der Sächsischen Polizei sind auf vielen Gebieten identisch mit den Arbeitsfeldern der Kolleginnen und Kollegen außerhalb der Polizei. Dennoch gibt es eine ganze Reihe polizeispezifischer Problemfelder, die sich erheblich unterscheiden. Solche Bereiche sind neben vielen weiteren: Die Schießausbildung in der Polizei, die Technische  Einsatzeinheit (Bereitschaftspolizei), der Dienst an speziellen, gefährdeten Orten (z. B. Autobahn), die Polizeihubschrauberstaffel, die Polizeireiterstaffel, der Kampfmittelbeseitigungsdienst, die Brandursachenermittlung und, und, und, die Liste könnte noch lange weitergeführt werden.

An drei Beispielen sollen die Tätigkeitsfelder der Fachkräfte für Arbeitssicherheit in der Sächsischen Polizei näher verdeutlicht werden.

Die Schießausbildung der Polizei

Polizist am Schießstand

Die Anwendung der Schusswaffe ist für den Polizisten die „Ultima Ratio“. Es ist das letzte der möglichen Mittel bei der Durchsetzung von Recht und Ordnung. So erklärt sich, warum die Polizeiwaffen in der Praxis so selten zum Einsatz gebracht werden. Das „Nichtschießen“ und damit das Anwenden milderer polizeilicher Mittel ist das Ziel. Dieser Leitsatz ist Grundsatz der polizeilichen Aus- und Fortbildung. Ein sogenanntes milderes Mittel ist zum Beispiel der Einsatz körperlicher Gewalt. Trotzdem oder gerade deswegen hat die Aus- und Fortbildung im Schießen bei der Polizei einen besonders hohen Stellenwert. Auch ein im Training abgefeuerter Schuss ist gefährlich.

Waffen erfordern ein Höchstmaß an technischem Wissen und eine sehr verantwortungsbewusste Einstellung bei ihrem Einsatz. Schusswaffen werden nach den modernsten Möglichkeiten der Technik gefertigt, technisch aufwendig geprüft, sind zertifiziert und für den Schützen bei korrekter Anwendung ungefährlich. Beim Schuss werden große Kräfte freigesetzt. Hierin bestehen Gefahren für den Schützen selbst, aber auch für das unbeteiligte Umfeld.

Im Zusammenhang mit Waffen denkt man zuerst an das Projektil, das verschossen wird. Eine ganz andere Gefahrenquelle ist der Lärm, der bei einem Schuss unvermeidbar entsteht. Es können je nach Art der Waffe ca. 140 bis 165 dB (A) erreicht werden. Aus Schalldämpferwaffen verschossene Unterschallmunition erzeugt am Ort ihrer Entstehung immer noch um 90 dB (A). Dieser Gefährdung ist nicht nur der Schütze ausgesetzt. Der Schall unterscheidet nicht, ob ich selbst der Schütze bin oder als Trainer daneben stehe. Hier gilt es, für alle am Schießtraining Beteiligten wirksame Schallschutzmaßnahmen zu ergreifen.

Die Schießanlagen selbst sind immissionsschutzgerecht und schalldämmend auszuführen. Alle am Schießen Beteiligten haben zum Schutz die entsprechend geeignete persönliche Schutzausrüstung für Gehör und Augen zu tragen. Ein weiterer Aspekt für den Arbeits- und Gesundheitsschutz ist die Munition. Wird Munition verschossen, entstehen Luftschadstoffe. Für Raumschießanlagen sind Ab- und Belüftungsanlagen gesetzlich vorgeschrieben. Es muss auf die Einhaltung der Mindestluftgeschwindigkeit von 0,33 m/s (Ausführung als Kolbenstromprinzip vorteilhaft) und auch auf die Wartung der Raumluftanlage besonderer Wert gelegt werden. Durch diese Maßnahmen werden die gesetzlichen Vorschriften für Schadstoffemissionen eingehalten und Schütze wie Schießtrainer vor gesundheitlichen Schäden bewahrt.
Die abgefeuerten Geschosse müssen ohne Gefährdung für den Schützen und Unbeteiligte aufgefangen werden. Dazu dienen Geschossfänge. Sie garantieren, dass keine Umweltgifte aus den Geschossen, wie z.B. Blei, in die Umwelt gelangen. An dieser Stelle treffen die Wirkbereiche der Fachkräfte für Arbeitssicherheit, der Schießstandsachverständigen, der Schießtrainer und der Konstrukteure der Waffen und Anlagen zusammen. Gemeinsam schaffen sie Voraussetzungen für einen sicheren Schießbetrieb. Dieser Prozess beginnt bei der Konstruktion von Waffen und Schießanlagen und setzt sich fort bis zur Verordnung von Vorschriften und Regelungen durch Gesetze. Aufgrund einer Gefahrenanalyse trifft die Fachkraft für Arbeitssicherheit in ihrem Betreuungsbereich die notwendigen Festlegungen. Persönliche Schutzausrüstung, Betriebsanweisungen, Sicherheitskennzeichnungen, ausreichende Beleuchtung und Lüftung sind Gegenstand des Arbeitsschutzes.

Die Überwachung der Einhaltung der Sicherheitsparameter der Anlagen und Einrichtungen, die arbeitsmedizinische Vorsorge und die Durchsetzung der Forderungen der Arbeitssicherheit sind zum Schutz der Beschäftigten und der Umwelt eng verzahnt.

Technische Einsatzeinheiten (TEE) der Bereitschaftspolizei

Technische Einsatzeinheiten (TEE) der Bereitschaftspolizei

Eine interessante Facette im weitgefächerten Spektrum der polizeilichen Arbeit sind die Technischen Einsatzeinheiten der Bereitschaftspolizei, kurz TEE genannt. Ihre Aufgaben sind so vielfältig wie ihre technische Ausstattung. Von Großgeräten wie Wasserwerfern, geschützten Sonderwagen, Lichtmastkraftwagen, Booten bis zum Tauchgerät und Handwerkerausstattungen für Schlosser oder Elektriker reicht die Palette des Geräts. Eine vollständige Aufzählung des Maschinen- und Geräteparks ist an dieser Stelle nicht möglich. Eine Technische Einsatzeinheit ist in drei Gruppen mit verschiedenen Aufgabenstellungen gegliedert:

1. Die Technische Gruppe
2. Die Wasserwerfer-/ Sonderwagengruppe und
3. Die Informations- und Kommunikationsgruppe

Alle Bediensteten der TEE sind „Multifunktionäre“. Sie sind nicht nur Fahrzeugführer, sie sind zugleich Bootsführer, Maschinisten oder Bordschütze im Wasserwerfer oder Sonderwagen. Sie sind nicht nur Taucher, sondern auch Motorkettensägenführer und Bediener des Kranes des „Unimog“. Die TEE ist durch ihre umfangreiche technische Ausstattung äußerst vielseitig einsetzbar. Beispielsweise unterstützt sie die polizeiliche Arbeit bei der Suche und Sicherung von Beweismitteln an Land und im Wasser, sie leuchtet Kontrollstellen und andere Einsatzorte aus, bestreift und sichert Seen und Wasserwege und sichert und betreibt Funknetze und Funkverbindungen. Hinzu kommt, dass alle Angehörigen der TEE im täglichen Polizeidienst ihren Mann (oder Frau) stehen.

So vielfältig die Ausstattung ist, so vielfältig sind auch die einzuhaltenden Sicherheitsbestimmungen, Betriebsanleitungen und -anweisungen. Die Anzahl der regelmäßig durchzuführenden Prüfungen der einzelnen Betriebsmittel und Geräte ist größer als bei manchem mittelständischen Unternehmen. Die Funktionsträger der TEE haben ein hohes Spezialwissen. Sie sind sicherheitsbewusst und sensibilisiert auf die Vermeidung  von Unfällen. Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit kontrollieren die Einhaltung der Spezialvorschriften und unterstützen mit fachlicher Beratung bei auftretenden Problemen.

Die Autobahnpolizei Sachsen

Bergung eines Fahrzeugs aus einem See

Einsätze bei schweren Unfällen, Verfolgungsjagden bei hohen Geschwindigkeiten – der Berufsalltag der Autobahnpolizei ist alles andere als harmlos. Die Einsätze auf deutschen Autobahnen stellen höchste Ansprüche an Körper und Psyche der Polizistinnen und Polizisten. Ein Hauptaufgabengebiet der Autobahnpolizei ist die Absicherung der Unfallstellen und die Aufnahme von Unfällen. Das ist bei fließendem Verkehr eine gefährliche Arbeit. Wenn Verletzte oder Tote zu beklagen sind, stehen die Beamten zusätzlich unter einer hohen psychischen Belastung. An dieser Stelle müssen die Beamten einerseits die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer gewährleisten und dürfen dennoch die Eigensicherung nicht vernachlässigen.
Die Vorbeugung von Unfällen ist deshalb eine der wichtigsten Aufgaben der Autobahnpolizei geworden. Mit Verkehrsüberwachungsmaßnahmen soll an Schwerpunkten die Unfallgefahr gemindert werden. Mit stationären und mobilen Radarkontrollen werden Geschwindigkeitsüberschreitungen, zu dichtes Auffahren, aber auch aggressives Drängeln und Rasen dokumentiert und geahndet. All diese Maßnahmen müssen bei fließendem Verkehr, hohen Geschwindigkeiten vorbeifahrender Fahrzeuge und oftmals ungünstigen Witterungsbedingungen durchgeführt werden. Das macht jeden Einsatz auf der Autobahn gefährlich.

Weitere Aufgabenfelder der Autobahnpolizei sind die Verkehrskontrollen des Güter- und Personenverkehrs. Die Kontrollen an Bussen und Lkws erfordern ganz spezielle Fachkenntnisse. Ob Kontrolle der Ladung, Lenkzeitüberschreitung, Reifenprofiltiefe oder defekte Beleuchtung, stets sind bei diesen Kontrollen echte Spezialisten gefordert. Die Kriminalitätsbekämpfung gewinnt auch auf den Autobahnen zunehmend an Bedeutung. Bei Kriminalitätsbekämpfung ist sofort das Bild des flüchtenden Straftäters vor Augen. Aber auch die Bekämpfung von Schleuserkriminalität und Menschenhandel gehören zum Alltag der Autobahnpolizei.

Der Dienst bei der Autobahnpolizei birgt viele Gefahrenquellen. Sie verlangt von den Beamten höchste Konzentration und polizeiliche Professionalität. Wichtigste Aufgabe der Fachkräfte für Arbeitssicherheit ist es, die Bediensteten in der Sächsischen Polizei für die bestehenden Gefahren in ihrer täglichen Arbeit zu sensibilisieren und die Führungskräfte bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen und der damit verbundenen Gefährdungen sowie der zu treffenden Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu unterstützen. Insbesondere die Einhaltung der Rangfolge von Arbeitschutzmaßnahmen, wo bekanntlich die letzte Maßnahme die Nutzung von PSA darstellt, sowie die Berücksichtigung des Standes der Technik sowie sonstiger gesicherter arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse sind wichtige Kriterien ihrer Arbeit. Auch die Mitwirkung bei der Beschaffung und Auswahl zweckmäßiger persönlicher Schutzausrüstung bildet zurzeit einen Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Weiterhin führt das Referat Arbeitssicherheit in der Sächsischen Polizei die Fortbildung ihrer Sicherheitsbeauftragten eigenständig durch. Die Organisation von einem jährlichen Gesundheits- und Arbeitsschutztag im Sächsischen Staatsministerium des Innern sowie die Unterstützung der Durchführung des auch jährlich stattfindenden Sächsischen Arbeitsschutzkongresses in Kriebstein runden die präventive Tätigkeit ab.


Heiko Petzold
Wolfgang Körner
Bernd Gorodsinsky

Die Autoren sind Mitarbeiter der Landespolizei Zentrale
Dienste Sachsen

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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