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Bewegung hilft, schützt und macht Spaß

i-Punkt Ausgabe 03/2004

Gesundheit

 

Das Expertengespräch
Deutsche Kinder werden zu immer größeren Bewegungsmuffeln. Sechs- bis Zehnjährige liegen und sitzen jeweils neun Stunden am Tag und stehen fünf. Die eine Stunde, in der sich Kinder aktiv bewegen, treiben sie jeweils nur 15 bis 30 Minuten Sport. Dieser Bewegungsmangel kann später zu gravierenden Gesundheitsproblemen führen. i punkt unterhielt sich dazu mit dem Direktor der Universitätskinderklinik Leipzig, Prof. Dr. med. Wieland Kiess.

Herr Professor: Was bewirkt Bewegung und was geschieht, wenn man zu wenig Bewegung hat?

Unter „Bewegung“ sind körperliche Bewegung im normalen Alltag gemeint, wie zu Fuß gehen, Treppen steigen statt den Aufzug benutzen, Fahrrad fahren statt mit dem Auto zur Schule gebracht werden sowie Spiele und Bewegung im Freizeitbereich. Bewegung im Rahmen von sportlicher Betätigung, wie z. B. im Vereinssport und im Leistungssport, sind darüber hinaus geeignete Möglichkeiten, körperliche Bewegung Kindern und Jugendlichen anzubieten und die körperliche Fitness zu steigern.
Körperliche Bewegung im weitesten Sinne unterstützt das Wachstum und die Entwicklung von Muskeln und Knochen. Damit werden Gelenke stabilisiert, die Knochen geschützt und der Blutfluss erleichtert.
Bedrohliche Erkrankungen im Erwachsenenalter, wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Zuckerkrankheit, können in ihrer Entstehung verhindert oder lange hinausgezögert werden. Im Rahmen von spielerischen Sportangeboten werden außerdem Teamgeist und Aufmerksamkeit, Koordinationsvermögen und Gleichgewichtssinn entwickelt und gefördert.

Wie wirkt Bewegung auf die Gesundheit?

Prof. Dr. med. Wieland Kiess
Prof. Dr. med. Wieland Kiess

In den vergangen Jahren wurden neue Erkenntnisse gewonnen, wie denn Bewegung und körperliche Betätigung den Körper vor Bluthochdruck, Altersdiabetes und den oben erwähnten Erkrankungen schützen kann. Dabei wurde klar, dass einerseits die Körperzusammensetzung, andererseits biochemische Abläufe an den Körperzellen direkt schon bei einem geringen Maß an Bewegung in positiver Weise gefördert und unterstützt werden. Insbesondere werden auch die sauerstoffunabhängige und sauerstoffabhängige Kondition, der Fettstoffwechsel und der Zuckerstoffwechsel direkt unterstützt. Neuere Untersuchungen zeigen auch, dass die Leistung des Gehirns und vieler anderer lebenswichtiger Organe durch Bewegung verbessert und langfristig einer besseren Entwicklung zugeführt werden kann.

Wann wirkt Bewegung günstig auf die Gesundheit?

Körperliche Bewegung wirkt in jedem Lebensalter günstig auf die Gesundheit: Bereits im Säuglingsalter sind „gesundes Sichbewegen“ und körperliche Aktivität wichtig. Entsprechend sollten Kleinstkinder luftig und die Bewegung nicht einschränkend angezogen werden (Strampler, Schlafsäcke, Möglichkeiten für körperliches Betätigen und aktives Spielen geben). Im Kleinkindes-, Kindergarten- und Vorschulalter ist es wichtig, dass im Rahmen von körperlicher Bewegung auch die Gefahren, die durch höhere Mobilität der Kinder entstehen können, bedacht werden: Besonders die Risiken im Straßenverkehr sowie im Haushalt (Treppen, Vorsicht vor unbeaufsichtigten Badestellen, für eine Umzäunung von Gartenteichen sorgen, Schutz vor Verbrennung, Vergiftung und Verletzung durch z. B. Garten- oder Küchengeräte) müssen bedacht werden. Im Schulkindesalter ist es insbesondere wichtig, dass der Konsum von neuen Medien, wie Fernsehen, Computerspiele und Internetzugang, auf ein gesundheitsförderliches Maß (z. B. nicht mehr als zwei Stunden Dauer pro Tag) geregelt wird. Gerade im Schulalter ist der Umgang von sportlicher Betätigung im Verein mit Gleichaltrigen besonders wichtig und fördert Kameradschaft, Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und gesundes Konkurrenzdenken der Kinder. In der Jugendzeit steht insbesondere die Bedeutung von Bewegung zur Vorbeugung von Gelenkschäden, Wirbelsäulenbeschwerden und Übergewicht mit allen darauf folgenden Folgeerkrankungen (Gicht, Zuckerkrankheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) im Vordergrund.

jung und dick?

Wie wirkt Bewegung auf die Gesundheit?

In den vergangen Jahren wurden neue Erkenntnisse gewonnen, wie denn Bewegung und körperliche Betätigung den Körper vor Bluthochdruck, Altersdiabetes und den oben erwähnten Erkrankungen schützen kann. Dabei wurde klar, dass einerseits die Körperzusammensetzung, andererseits biochemische Abläufe an den Körperzellen direkt schon bei einem geringen Maß an Bewegung in positiver Weise gefördert und unterstützt werden. Insbesondere werden auch die sauerstoffunabhängige und sauerstoffabhängige Kondition Computerspiele und Internetzugang, auf ein gesundheitsförderliches Maß (z. B. nicht mehr als zwei Stunden Dauer pro Tag) geregelt wird. Gerade im Schulalter ist der Umgang von sportlicher Betätigung im Verein mit Gleichaltrigen besonders wichtig und fördert Kameradschaft, Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und gesundes Konkurrenzdenken der Kinder. In der Jugendzeit steht insbesondere die Bedeutung von Bewegung zur Vorbeugung von Gelenkschäden, Wirbelsäulenbeschwerden und Übergewicht mit allen darauf folgenden Folgeerkrankungen (Gicht, Zuckerkrankheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) im Vordergrund.

Die Fernsehgeneration

Wie viel Bewegung braucht ein Kind oder ein Jugendlicher?

Insgesamt ist so viel Bewegung empfohlen und erlaubt, wie sie von den Kindern als positiv und erfreulich erlebt und aufgenommen wird: Bewegung soll Spaß machen, Bewegung soll ein Gemeinschaftserlebnis sein und Gelenke, Muskeln und Herz-Kreislauf nicht über das Maß hinaus belasten. Letztere Einschränkung ist allerdings bei gesunden Kindern und Jugendlichen kaum nötig im Alltag zu beachten, da die Ausdauertrainierbarkeit und Belastbarkeit von Gelenken und Knochen für normale Ausdauer, Freizeitsport und tägliche Bewegungsabläufe keinerlei Einschränkungen birgt. Für Kinder mit chronischen Erkrankungen gelten mit dem Arzt abzusprechende Besonderheiten, die insbesondere bei den Kinderärzten und entsprechenden medizinischen Kinderzentren erfragt werden können.

Was kann Bewegung nicht bewirken?

Bewegung und körperliche Aktivität können keine angeborenen Behinderungen heilen, können nicht vor genetisch bedingten Erkrankungen schützen und sind bei schweren Infektionskrankheiten, Krebserkrankungen, Anfallsleiden und ähnlichen Krankheiten nicht als Heil- und Wundermittel zu empfehlen. Bei den genannten Erkrankungen kann aber wiederum körperliche Bewegung und aktives Training unterstützend für Heilungsprozesse oder einen besseren Umgang mit der Erkrankung hilfreich sein. Auch hier gibt es in den einschlägigen kindermedizinischen Zentren in Sachsen Erfahrungen und Angebote.

Was geschieht, wenn sich Kinder zu wenig bewegen?

Mangel an Bewegung lässt die Körperfettmasse zu rasch und in zu großem Umfang anwachsen, das inzwischen weltweite Problem von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ist das Ergebnis. Im Rahmen von Übergewicht sind bereits bei Kindern und Jugendlichen erhöhter Blutdruck, eine Verschlechterung des Fett- und Zuckerstoffwechsels sowie häufig Gelenkerkrankungen und Rückenschmerzen zu verzeichnen. Dies bedeutet, dass im Lebensalter, das von besonderer Gesundheit und Lebensqualität gekennzeichnet sein sollte, nämlich dem Kinder- und Jugendalter, bereits chronische Leiden und Zivilisationskrankheiten um sich greifen.

Bewegungsmangel führt auch zur schlechteren Befindlichkeit, einer eingeschränkten Lebensqualität sowie zu messbaren Einschränkungen in der schulischen Leistungsfähigkeit. Insgesamt ist es wichtig, zu betonen, dass Bewegung und Sport für Kinder und Jugendliche Spaß machen sollen Selbstverständlichkeit bleiben bzw. wieder werden sollen, und insgesamt eine nicht zu überschätzende positive Wirkung auf das gesamte Leben und Erleben von Kindern und Jugendlichen haben. Dabei gilt sicherzustellen, dass gerade die körperliche Bewegung im Alltag beim Treppensteigen, Fahrradfahren, leichtem Sport und Spiel in der Freizeit die entscheidenden Bewegungsangebote darstellt. Darüber hinausgehende Vereins- und Leistungssportangebote sind auf vielerlei Arten wichtig und ergänzend.

Wo kann man sich mit seinen Fragen hinwenden?

Tipps und Empfehlungen geben alle Kinderärzte, Sportvereine, der Landessportbund Sachsen sowie die medizinischen Kinderzentren im Freistaat Sachsen. An der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche der Universität Leipzig sind zum Beispiel Sportangebote über die Adipositasambulanz, die Kinderkrebsstation, die Pulmonologische Arbeitsgruppe sowie die Diabetesarbeitsgruppe für die entsprechenden Patientengruppen zu erfragen. In diesen Einrichtungen wird besonders Bewegung und körperliche Aktivität bei zu Grunde liegenden chronischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen verstärkt angeboten und gefördert.

Mehr Infos

www.ifss.uni-karlsruhe.de/seite_19.html (Studie von Klaus Bös, Universität Karlsruhe)

www.adipositas-ambulanz.de/index.php/Bewegungsmangel

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