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Persönliche Schutzausrüstung im Rettungsdienst

i-Punkt Ausgabe 03/2004

Sicherheit

 

Die neue GUV-Regel - GUV-R 2106
Jeder neunte Bundesbürger braucht einmal im Jahr den Rettungsdienst. Deshalb sorgen Tausende Einsatzkräfte rund um die Uhr dafür, dass Hilfe immer dort zur Stelle ist, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Alle Einsatzkräfte verdienen dafür nicht nur unsere Anerkennung, sondern auch die für ihren Dienst nötige Sicherheit.

Zu finden: im Medienkatalog als Download
Druckschrift GUV-Regel: Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen im Rettungsdienst

Diese neue Regel wurde bereits im Entstehungsprozess von einigen Herstellern aufmerksam begleitet und teils kontrovers diskutiert. Warnschutzfarben, Reflexstreifen oder Klimamembran hießen die Reizworte. Ein Sturm im Wasserglas? Wir meinen: Ja! Gleich zu Beginn: die GUV-R 2106 stellt keine neuen Forderungen auf! Sie weist lediglich auf seit langem bestehende Zusammenhänge hin. Bedauerlicherweise hat dies bei einigen Anwendern zu erheblicher Verunsicherung geführt. Die GUV-R 2106 ist ein Service-Produkt. Sie bietet dort Hilfe an, wo sie als Arbeitgeber oder Verantwortungsträger Entscheidungen treffen zur Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA).

Mit der neuen GUV-Regel hat sich nicht nur die Bezeichnung geändert (bisher GUV 27.10). Wesentliche inhaltliche Änderungen berücksichtigen den aktuellen Stand von Gesetzen, Verordnungen und DIN EN-Normen, die direkt oder indirekt auf die Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen im Rettungsdienst Einfluss nehmen. Im Mittelpunkt steht die Gefährdungsbeurteilung nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes - danach sind Art und Umfang der persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) festzulegen. Die aus der Gefährdungsbeurteilung für notwendig erachteten Qualitätsanforderungen finden sich in Qualitätsstandards, in DIN EN-Normen.

Die vollständige GUV-Regel kann im Internet eingesehen und heruntergeladen werden. ist dies nicht möglich, kann sie über die Unfallkasse Sachsen bezogen werden.

Sicherheitstechnische Anforderungen an PSA

Sicherheitstechnische Anforderungen an PSA

Persönliche Schutzausrüstungen unterliegen den Bestimmungen des Geräte- und Produktsicherheitsgesetzes - GPSG und der 8. Verordnung über das Inverkehrbringen von persönlichen Schutzausrüstungen (8.GPSGV).

Danach ist PSA für den Rettungsdienst nur  dann zulässig, wenn der Hersteller bzw. Verkäufer mit dem Produkt den schriftlichen Nachweis liefert über:

 

  • Baumusterprüfung durch eine zugelassene Stelle (Prüfinstitut),
  • EG-Konformitätserklärung über Einhaltung zutreffender Rechtsvorschriften (z.B. DIN EN),
  • Kennzeichnung auf dem Produkt.

Welche Schutzwirkungen das Produkt erfüllen soll, muss der Anwender (Käufer) in der Gefährdungsbeurteilung festlegen. Die Qualitätsnormen legen für den Hersteller genau fest, wie das Produkt beschaffen sein muss, um das gestellte Schutzziel zu erreichen.

Gefährdungsbeurteilung

Sanitäter mit Schutzausrüstung

Würden alle im Rettungsdienst tätigen Personen die gleiche Tätigkeit unter den gleichen Bedingungen ausüben, dann brauchte man nur eine „General-Gefährdungsbeurteilung“ und nur eine Festlegung zur nötigen PSA. Die praktischen Aufgaben und Betriebsbedingungen der Rettungsdienste unterscheiden sich jedoch deutlich. Der Umfang an PSA richtet sich nach den auftretenden Gefahren an der Arbeits- oder Einsatzstelle.

 

 

 

 

PSA für den Rettungsdienst sollten folgende Schutzeigenschaften bieten:

  • Warnwirkung für Tätigkeiten im öffentlichen Verkehrsraum
  • Schutz vor mechanischen Einwirkungen (z.B. trittsicheres Schuhwerk)
  • Schutz vor klimatischen Einwirkungen (Wetterschutz)
  • Schutz vor Infektionen und Gefahrstoffen

Ist beim Einsatz vor Ort mit einer erhöhten Gefährdung zu rechnen, wird das die in der GUV-Regel empfohlenen Anforderungen erhöhen. Werden umgekehrt bei der Auswahl die Empfehlungen der GUV-Regel unterschritten, sollten die Gründe hierfür dokumentiert werden.

Kopfschutz, Augen- und Gesichtsschutz

Für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung ist ein Schutzhelm zur Verfügung zu stellen. Es wird empfohlen, einen Feuerwehrschutzhelm nach DIN EN 443 zu verwenden. Der Feuerwehrschutzhelm bietet auch den notwendigen Gesichtsschutz durch das Visier; da jedoch der Schutzhelm in vielen Situationen nicht getragen werden braucht, ist das Zur-Verfügung-Stellen einer Schutzbrille gegen Verspritzen von Gefahrstoffen notwendig. Es wird empfohlen, Schutzbrillen mit indirekter Belüftung und seitlichem Spritzschutz auf den Einsatzfahrzeugen vorzuhalten.

Schutzkleidung

Fluoreszierender Farbanteil und retroreflektierendes Material genügt Klasse 3 DIN EN 471
Sanitäter mit Schutzkleidung mit fluoreszierendem Farbanteil und retroreflektierendem Material

Wenn das Personal des Rettungsdienstes im öffentlichen Verkehrsraum tätig wird, dann muss die Schutzkleidung Warnwirkung haben. Diese Eigenschaft ist in DIN EN 471 definiert. Entsprechend der Aufenthaltshäufigkeit und -länge kommt nur Warnkleidung der Klasse 2 oder 3 in die Auswahl. Die mit dieser Einstufung festgelegten Mindestflächen an retroreflektierendem Material und Hintergrundmaterial brauchen vom Käufer oder Anwender weder quantitativ noch qualitativ überprüft zu werden - es genügt die Herstellererklärung mit Baumusterprüfung, verbunden mit der vorgeschriebenen Etikettierung. Die Forderung nach Warnschutzkleidung für das Rettungsdienstpersonal und damit die Anwendung der DIN EN 471 ist nicht neu. Die aktuelle Ausgabe der DIN EN 471 vom Dezember 2003 hat in den diskutierten Fragen nach Hintergrundmaterial und retroreflektierendem Streifen keine Änderung gegenüber der Ausgabe vom August 1994 gebracht. Das heißt, als Hintergrundmaterial ist nach DIN seit 10 Jahren nur fluoreszierendes Gelb oder Orange-Rot oder Rot zulässig, und die notwendigen Mindestflächen des sichtbaren Materials liegen ebenso lange im Qualitätsstandard fest. Die neue GUV-Regel rückt diese bestehende Forderung deutlicher als bisher in das Bewusstsein.

Zum Schutz vor Hitze und Flammen wird in der GUV-Regel ein begrenzter Schutz vor Flammenausbreitung empfohlen. Dieser ist dann erfüllt, wenn der Hersteller mit dem Dokument der Baumusterprüfung die Anforderung nach Prüfverfahren DIN EN ISO 15025 Verfahren A mit Beflammungsdauer von 3 Sekunden nachweisen kann.
In den meisten Anwendungsfällen wird die Schutzkleidung auch einen Wetterschutz bieten müssen (Schutz vor klimatischen Einwirkungen). Dieser ist erfüllt, wenn der Hersteller die Einhaltung der DIN EN 343 bestätigen kann. Praktisch bedeutet das, dass die Schutzkleidung aus Materialien besteht, die wasserdicht sind und dennoch einen Wasserdampfaustausch ermöglichen.

Die Waschbehandlung der Schutzkleidung darf nicht dazu führen, dass die Schutzwirkung verringert oder zerstört wird, andererseits ist eine Desinfektionswirkung, wie bei Krankenhauswäsche, zwingend notwendig. Im Anhang 2 der GUV-R 2106 werden Empfehlungen und Erläuterungen zum Desinfektionswaschverfahren nach Richtlinie des Robert-Koch-Instituts gegeben. Die Mitgliedsbetriebe der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege e.V. mit Hygienezeugnis nach RAL-Gütezeichen 992/2 haben sich verpflichtet, Schutzkleidung nach Desinfektionswaschverfahren der RKI-Richtlinie zu reinigen.

Beispiel für eine Etikettierung

Handschutz

Handschuhe schützen vor Verletzungen
Schutzhandschuhe

Für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung ist ein Paar Schutzhandschuhe zur Verfügung zu stellen. Es wird empfohlen, Feuerwehrschutzhandschuhe nach DIN EN 659 zu verwenden. Diese bieten unter anderem auch gegen die Gefahr, sich an Glassplittern oder scharfen Blechkanten zu schneiden, Schutz. Die richtigen Handschuhe zum Schutz vor Infektionen werden im Rahmen des Infektionsschutzes benannt.

Fußschutz

Beispiel: S2-Sicherheitsschuh, Typ B
Beispiel: S2-Sicherheitsschuh, Typ B

Wird im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festgestellt, dass für das Personal im Rettungsdienst mit Verletzungen durch Umknicken, Ausrutschen, Vertreten oder durch mechanische oder chemische Einwirkungen zu rechnen ist, sollten mindestens Sicherheitsschuhe der Kategorie S 2 Typ B (knöchelhoch) verwendet werden. Sicherheitsschuhe sind Schuhe nach DIN EN 345 (Kennzeichnung am Produkt und Herstellererklärung mit Baumusterprüfung beachten!).
Diese Empfehlung berücksichtigt den gesteigerten Tragekomfort von Sicherheitsschuhen und entspricht der in DIN EN 179 „Rettungsdienstfahrzeuge und deren Ausrüstung“ geforderten Mindestausrüstung.

Schutz vor Infektionen

Die Empfehlungen der GUV-R 2106 unterteilen sich in 3 Gefährdungsszenarien:

  • höchste Infektionsgefahr bei Notfallrettung mit Kontakt zu Blut und Ausscheidungen
  • Infektionsgefahr bei Krankentransport mit Kontakt zu Patienten
  • geringe Infektionsgefahr bei Krankentransport (Verlegungstransport)

Vollständiger Schutz gegen Infektionseinwirkung

Vollständiger Schutz gegen Infektionseinwirkung
Mann in Infektionsschutzkleidung

Entsprechend den Gefährdungen unterscheiden sich Art und Umfang der PSA, die im Einsatz getragen werden müssen. Um allen Situationen gerecht zu werden, sind auf dem Fahrzeug mindestens pro Person zwei Infektionsschutz-Sets Inhalt (siehe Kasten oben) mitzuführen.

Inhalt des Infektionsschutz-Sets

Kostenübernahme

Der Arbeitgeber hat die erforderlichen persönlichen Schutzausrüstungen kostenlos zur Verfügung zu stellen und für die notwendige Instandhaltung und Reinigung zu sorgen.

Gerhard Gutteck

Noch Fragen: gutteck@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 02

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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