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Kleine grüne Welt

i-Punkt Ausgabe 03/2005

Sicherheit

 

Vegetation in Kindereinrichtungen
Sie sind Bestandteil unserer Nahrung, lindern Erkrankungen, spenden Sauerstoff und schützen gegen Sonne, Regen, Wind und Lärm. Pflanzen gehören zu unserer Welt und in jede kindgerechte Umgebung. Wir erfreuen uns an ihrer Schönheit, ihrer Farbenvielfalt, ihrem Duft. Pflanzen können Gefahrenquellen sein, aber auch Gefahren mindern. Eine sicherheitsrelevante Betrachtung zwischen Nutzen und Risiko.

Kletterpflanzen mildern die Sterilität von Fassaden
Kletterpflanzen mildern die Sterilität von Fassaden

Pflanzen sind ein wichtiger Bestandteil der Freiflächen, die für Kinder gestaltet werden. Insbesondere naturnahe Freiflächen bieten einen gewissen Ersatz für den immer kleiner werdenden Lebensraum der Kinder. Dabei finden Pflanzen(teile) Verwendung als Baumaterial, sei es in der Form einer Weidenhütte, als Spielplatzgerät oder als Bastelmaterial. Pflanzen können Kindern Raum spenden zum Sitzen, Klettern, Verstecken und Ausruhen. Denn Kinder wollen mehr als einen kurzgeschorenen Rasen und ein Klettergerüst.

Einsatzgebiete von Pflanzen

Der Pflanzstreifen verwehrt den Zugang zu den Fenstern
Der Pflanzstreifen verwehrt den Zugang zu den Fenstern

Pflanzen können unfallverhütend wirken. In den Fällen, wo Pflanzen alternativ zu technischen Maßnahmen oder ergänzend zu diesen eingesetzt werden können, sollten sie Verwendung finden. Pflanzen haben teilweise aber auch Eigenschaften, die Gefahrenquellen darstellen. Deshalb sind Maßnahmen zu treffen, die das Wirksamwerden der Gefahrenquelle ausschließen.

Pflanzen als Barriere oder Einfriedung

Pflanzgefäße verhindern diese Durchfahrt
Pflanzgefäße verhindern diese Durchfahrt

Verglasungen in Kindereinrichtungen, die von außen zugänglich sind, müssen bis zu einer Höhe von 1,50 m in Kindergärten bzw. 2 m in Horten, Schulen aus Sicherheitsglas bestehen. Ein 1 Meter breiter Pflanzstreifen davor ermöglicht eine Ausführung in Floatglas.

Schmiedeeiserne Zäune in Altbauschulen haben oft gefährliche Lanzen, die aus Denkmalschutzgründen nicht entfernt werden sollen. Hier können Pflanzungen gegen Beklettern schützen, ebenso kann der nicht bestimmungsgemäße Gebrauch von Mauern z.B. als Sitzgelegenheit durch Pflanzstreifen vermieden werden.

Hecken bieten die Chance, nicht gesehen zu werden bzw. Dinge zu verstecken oder dem Zugriff zu entziehen. Sie schlucken sowohl Staub als auch Lärm und können bei entsprechender Anordnung Spielplätze in verschiedene Bereiche einteilen.Man kann Mülltonnen hinter Hecken verschwinden  lassen und durch den Einbau eines verschließbaren Tores diese vollständig vor unerlaubtem Zugriff schützen.

Hecken als Einfriedungen müssen mindestens 1 m hoch sein. Sie müssen so dicht sein, dass Kinder nicht hindurchschlüpfen können. Werden Neuanpflanzungen vorgenommen auf Flächen, die an Gewässer, Bahnstrecken oder Hauptverkehrstraßen grenzen, muss zusätzlich noch ein Zaun vorhanden sein.

Pflanzen als Sicht- und Windschutz

Gestapelte Äste bilden diesen Naturzaun
Gestapelte Äste bilden diesen Naturzaun

Sichtschutz lässt sich mit Hilfe von fest geschichtetem Trockenholz und gestapelter Äste herstellen. Solche Einfriedungen bilden einen Lebensraum für viele Kleinlebewesen. Es muss aber darauf geachtet werden, dass – ebenso wie beim Bau von Einrichtungen aus Weide – keine Spitzen hervorstehen, an denen man hängen bleiben kann bzw. die in die Augen stechen können.

 

 

 

Pflanzen als Absturzsicherung

Gefahrstellen wie Abhänge, steile Böschungen oder Gräben müssen gesichert werden. Dies muss nicht zwingend mit Geländern geschehen. Auch Pflanzen können als Absturzsicherung Verwendung finden, wenn Höhe und Breite dies zuverlässig gewährleisten.

Diese Schräge wird von einer Hecke geschützt. Jedoch ist Lebensbaum giftig und kann zu allergischen Hautreizungen führen.
Diese Schräge wird von einer Hecke geschützt. Jedoch ist Lebensbaum giftig und kann zu allergischen Hautreizungen führen.
Diese Begrenzung aus Weiden sieht gut aus und bietet einen tollen Blick
Diese Begrenzung aus Weiden sieht gut aus und bietet einen tollen Blick

Pflanzen als Spielplatzgeräte

Das Netz im Baum verhindert das Überklettern
Das Netz im Baum verhindert das Überklettern

Das Klettern auf einem Baum ist viel abenteuerlicher und romantischer als auf einem Klettergerüst. Aber nicht jeder Baum, der bekletterbar ist, kann als Kletterbaum genutzt werden. Es sind klare Festlegungen zu treffen, welcher Baum beklettert werden darf und welcher nicht. Der auserkorene Baum ist besonders zu kontrollieren. Ein Abbrechen von tragenden Ästen ist zu verhindern. Es ist eine Höhe zu vereinbaren, bis zu welcher geklettert werden darf. Das Spannen eines Netzes verhindert das Höherklettern (Achtung, keine Fangstellen schaffen!)
Tipp: Markieren Sie die maximal erlaubte Kletterhöhe Die maximal zulässige freie Fallhöhe für Spielplatzgeräte liegt bei 3 m, höher darf also nicht geklettert werden. Über der zulässigen Fallhöhe (Kletterhöhe, Standfläche) muss der Baum noch ausreichende Möglichkeiten bieten, an denen sich die Kinder sicher festhalten können, d.h., er sollte mindestens 1 m höher sein als die letzte zulässige Standfläche.

Der Untergrund unter dem Baum muss Fallschutzeigenschaften haben. Im Fallraum dürfen sich keine Gegenstände befinden, auf die der Fallende auftreffen kann. Es muss besonders auf oberflächliche Wurzeln, herumliegende Steine und Äste geachtet werden, auch Kinderspielzeug, Roller u.Ä. haben im Fallraum nichts zu suchen.

Ein Abstand von Ast zu Ast zwischen 0,4 und 0,6 m wird als günstig angesehen. Die Äste müssen natürlich kräftig sein, so dass sie beim Beklettern nicht brechen. Der Baum muss fest stehen und darf nicht kippen. Der Kletterbaum darf nicht massiv mit Schädlingen befallen sein, andernfalls ist das Klettern zu untersagen. Abgesehen vom unangenehmen Gefühl, mit Läusen in Berührung zu kommen, können auch Gesundheitsgefahren lauern. Die Raupen des Eichen- bzw. Kiefernprozessionsspinners können Hautausschläge oder Atemwegsprobleme hervorrufen. 

Pflanzen als Sonnenschutz

Licht und Schatten – Bäume schützen vor Sonnenstrahlen
Licht und Schatten – Bäume schützen vor Sonnenstrahlen

Wie gefährlich sich Spielplatzgeräte an heißen Sommertagen aufheizen können, kennt man von Rutschen, die nach Süden ausgerichtet sind. Um dieses Problem zu lösen, muss nicht zwingend der Standort verändert werden. Bäume mit dichtem Blätterdach schützen zuverlässig vor intensiver und schädlicher Sonneneinstrahlung.

Pflanzen als Fallschutz

Rasen ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil jeder Freifläche. Rasen- und Wiesenflächen sind zum Spielen vielfältig nutzbar. Es sind ideale Ruheflächen. Rasen kann als Fallschutz unter Spielplatzgeräten eingesetzt werden. Er besitzt dämpfende Eigenschaften, vorausgesetzt, die Grasnarbe ist geschlossen. Nach DIN EN 1177 darf Rasen bis zu einer Fallhöhe von 1,50 m als Fallschutz verwendet werden. An stark frequentierten Stellen geht die Grasnarbe jedoch in der Regel kaputt, und die Fallschutzeigenschaft ist weg. Deshalb ist es günstiger den Rasen nur bis zu einer Fallhöhe von 1,00 m als Fallschutzmaterial einzusetzen.

Pflanzen für Unterricht und Hort

Lernen im Grünen, egal ob mit natürlichem Anschauungsmaterial in Form von beschilderten und Früchte tragenden Bäumen, ist in jedem Fall verlockender als trockene Theorie aus so manchem Buch. Wie wäre es mit einem Klassenzimmer im Grünen oder einem Kräuterbeet im Schulgarten? 

Ein Kräuterbeet im Schulgarten
Ein Kräuterbeet im Schulgarten
Ein Klassenzimmer im Grünen
Ein Klassenzimmer im Grünen

Pflanzen mit Gefahrenpotential

Werden Pflanzungen auf Kinderspielplätzen angelegt, so ist vorher zu überlegen, welche Kinder diese später nutzen sollen. Die geistigen und körperlichen Vorraussetzungen sind zu berücksichtigen. Planen Sie eine Neuanlage, so ist diese auf alle Fälle mit dem Träger, den Erzieherinnen und, sofern möglich, mit den Eltern abzustimmen. Jede Neugestaltung erfordert eine individuelle Lösung – in Abhängigkeit von den vorhandenen natürlichen Gegebenheiten. Wir empfehlen die Verwendung heimischer Gewächse. Das Pflanzen von Gehölzen ist immer von einem Fachmann vorzunehmen. Gehölze sind nach ihren Eigenschaften auszuwählen, wie Höhe, Breite, Wachstumsschnelligkeit, Blütezeit, Laubfarbe, Fruchtbildung, Wurzelbildung, Brüchigkeit, Giftigkeit, Standortanforderungen.
Entsprechend ihrem Entwicklungsstand müssen Kinder lernen, kalkulierbare Risiken und Gefahren einzuschätzen. Irreparable gesundheitliche Schäden sind mit allen geeigneten Mitteln zu vermeiden. Gefährdungen, die von Pflanzen ausgehen, sind zu beurteilen.
Jeder weiß, wie unangenehm die Berührungen mit Brennnesseln sind. Doch während diese lediglich unangenehm, aber letztlich harmlos sind, gibt es andere Pflanzen, die besonders für jüngere Kinder weitaus gefährlicher sein können. Pflanzen, die so giftig sind, dass der Verzehr von Teilen oder Früchten zu schwersten gesundheitlichen Schäden oder gar zum Tod führen kann. Andere wiederum verursachen Allergien oder führen mit Dornen und Stacheln leicht zu Verletzungen.

In unserer nächsten Ausgabe werden wir uns ausführlich mit diesen Gefährdungen und speziell mit Giftpflanzen beschäftigen.

Monika Kirsten

Noch Fragen: kirsten@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 19

Wir sind für Sie da.

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+49 (0)3521 7240
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