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Licht ins Dunkel bringen

i-Punkt Ausgabe 03/2005

Sicherheit

 

Sicherheitsbeleuchtung in Kindertageseinrichtungen und Schulen
Von den fünf Sinnen des Menschen ist das Sehvermögen der weitaus Wichtigste. Etwa 90 % aller aufgenommenen Informationen sind optischer Natur. Auch unsere Handlungen werden zumeist über den Sehapparat kontrolliert. Sehen bedarf jedoch des Lichtes als Mittler. Erst Licht macht das Umfeld, Gestalten und Farben für uns sichtbar, und je höher die Anforderungen an das Sehen und Erkennen sind, desto besser muss die Beleuchtung sein. Ihr muss daher für alle Aktivitäten des Menschen, insbesondere bei seiner Arbeit, ein entsprechend hoher Stellenwert eingeräumt werden.

Es liegt demzufolge nahe, „Sicherheitsanweisungen“, die für Leben und Gesundheit von Menschen eine hohen Bedeutung haben können, auf visuellem Wege zu geben. Dies trifft insbesondere für besonders schutzwürdigende Personen wie Kinder, selbstverständlich aber auch für deren Erzieher und Lehrer zu.

Zahlreiche Rechtsvorschriften (siehe Kasten) verlangen, Arbeitsstätten, Fluchtwege und Notausgänge mit einer Sicherheitsbeleuchtung auszurüsten, wenn die Beschäftigten insbesondere bei Ausfall der allgemeinen Beleuchtung Unfallgefahren ausgesetzt sind und das gefahrlose Verlassen der Arbeitsstätte nicht gewährleistet ist. So fordert die Schulbaurichtlinie, dass „in notwendigen Fluren, notwendigen Treppenräumen und fensterlosen Aufenthaltsräumen eine Sicherheitsbeleuchtung vorhanden sein muss, diese über eine Sicherheitsstromversorgung verfügen muss und Räume mit Rettungsweg- und Brandschutzzeichen auszustatten sind.

Dagegen erwähnt die Empfehlung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales zu den räumlichen Anforderungen an Kindertageseinrichtungen das Erfordernis von Sicherheitsbeleuchtungen nicht. Die Träger der Kindertageseinrichtungen und Schulen haben vor der Errichtung von Beleuchtungsanlagen Planungsunterlagen durch Fachleute erstellen zu lassen. Im Rahmen dieser Planung ist zu entscheiden, ob eine Sicherheitsbeleuchtung erforderlich ist.

Hier finden Sie Forderungen zur Sicherheitsbeleuchtung

Verordnung über Arbeitstätten (Arb-StättV) vom 12.08.2004, Anhang zu § 3 Absatz 1, Abschnitte 2.3 und 3.4 GUV-Regel für Sicherheit und Gesundheitsschutz an Arbeitsplätzen mit künstlicher Beleuchtung und für Sicherheitsleitsysteme (GUV-R 131), Abschnitt 4.10 (wird zurzeit überarbeitet)
Richtlinie über den Bau und Betrieb von Schulen (Schulbaurichtlinie – Schulbau-R), veröffentlicht im Sächsischen Amtsblatt Sonderdruck Nr.11/1999 vom 24.12.1999, insbesondere Abschnitt 2.3, 2.6 und 3.2

Zu befürworten ist die Erfordernis einer Sicherheitsbeleuchtung in einer Kindertageseinrichtung und einer Schule jedenfalls grundsätzlich. Denn bei Ausfall der Stromversorgung der allgemeinen Beleuchtung, z. B. durch einen Brand, starke Gewitter, Erdund Baggerarbeiten, muss diese als Orientierung dienen und Paniken sowie Unfälle verhindern, die sich aufgrund mangelnder Sicht ergeben können. Dieser Sachverhalt ist aufgrund des besonderen Schutzbedürfnisses von Kindern und Jugendlichen bei ihrer Anwesenheit in Kindertageseinrichtungen und Schulen heranzuziehen, sollte aber auch seine Geltung im Sinne der Verkehrssicherungspflicht haben. Die „Öffnungszeiten“ von Kindertageseinrichtungen und Schulen reichen durchaus vom frühen Morgen bis in den späten Abend, Bezug nehmend z.B. auf Veranstaltungen in Schulaulen und -sporthallen trifft dies regelmäßig auch für die Wochenenden zu.

Die Sicherheitsbeleuchtung (als Unterbegriff der Notbeleuchtung) unterscheidet sich in

  • Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege,
  • Antipanikbeleuchtung und
  • Sicherheitsbeleuchtung für Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung.

Hier sind Errichtung, Betrieb und Wartung geregelt (Auszug)

  • DIN VDE 0108 Starkstromanlagen und Sicherheitsstromversorgung in baulichen Anlagen für Menschenansammlungen regelt die elektrotechnischen Anforderungen an Planung, Errichtung und Betrieb,
  • DIN EN 60598-2-22 Leuchten, besondere Anforderungen an Leuchten für Notbeleuchtung definiert die sicherheits- und elektrotechnischen Anforderungen an Leuchten für die Notbeleuchtung und
  • DIN EN 1838 Angewandte Lichttechnik, Notbeleuchtung enthält die lichttechnischen Anforderungen an die Sicherheitsbeleuchtung.

Kennzeichnung von Treppen

Die Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege muss ausreichende Sehbedingungen zur Orientierung geben, außerdem müssen Sicherheits- und Brandbekämpfungseinrichtungen leicht auffindbar sein. Es sind Leuchten zur Beleuchtung der Rettungswege und Rettungszeichenleuchten bzw. beleuchtete Rettungszeichen zur Kennzeichnung der Rettungswege erforderlich. Beachtet werden muss, dass einerseits die Mindestbeleuchtungsstärke von 1 lx einzuhalten ist, andererseits aber eine zu hohe Lichtstärke eine physiologische Blendung zur Folge haben kann, insbesondere wenn dadurch das Erkennen von Hindernissen oder Zeichen erschwert wird oder nicht mehr möglich ist.

Die Leuchten sind u. a.

  • mindestens 2 m über dem Boden angebracht,
  • an Notausgängen und Ausgängen im Verlauf des Rettungsweges vorzusehen,
  • als Rettungszeichen mit Richtungsangabe erforderlich, wenn ein Notausgang nicht direkt zu sehen ist,
  • erforderlich an Treppen, um jede Stufe zu beleuchten,
  • wichtig an jeder Erste-Hilfe-Stelle, Einrichtung der Brandbekämpfung und Meldeeinrichtung (Notruftelefon).

Antipanikbeleuchtung hat die Aufgabe, die Wahrscheinlichkeit einer Panik zu verringern und durch ausreichende Sehbedingungen ein sicheres Erreichen der Rettungswege – beispielsweise in Schulaulen, die der Versammlungsstättenrichtlinie unterliegen – zu ermöglichen. Sie sollte direkt nach unten gerichtet sein und Hindernisse bis zu 2 m über dem Boden beleuchten, die Beleuchtungsstärke darf 0,5 lx nicht unterschreiten.

Bei der Sicherheitsbeleuchtung für Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung kommt es darauf an, eine gefährliche Arbeitstätigkeit bzw. einen gefährlichen Arbeitsablauf risikolos beenden zu können. Dies kann z. B. in Arbeits- bzw. Praxisräumen mit Maschinen der Metall- bzw. Holzbearbeitung, Laboratorien von Berufsschulen erforderlich sein. Der erforderliche Wartungswert der Beleuchtungsstärke darf 15 lx nicht unterschreiten, besonders zu beachten ist die Vermeidung störender stroboskopischer Effekte durch Leuchten mit elektronischem Vorschaltgerät. Die Einschaltverzögerung darf 0,5 s nicht unterschreiten (im Unterschied zur Sicherheitsbeleuchtung auf Rettungswegen und zur Antipanikbeleuchtung, hier darf die Einschaltverzögerung 5 s bis zum Erreichen von 50 % und 60 s bis zum Erreichen von 100 % der geforderten Beleuchtungsstärke betragen).

Nicht unerwähnt sollte sein, dass in Sporthallen eingebaute Sicherheitsbeleuchtung, um die Anforderungen aus DIN 18032 Sporthallen, Teil 1 zu erfüllen, ballwurfsicher ausgeführt bzw. entsprechend gesichert sein muss, z.B. mit Drahtkorb und die Anbringungshöhe mindestens 2 m über der Sportfläche zu betragen hat.

Sicherheitsbeleuchtung braucht, da sie – wie bereits erwähnt – für den Fall des Versagens der allgemeinen künstlichen Beleuchtung erforderlich ist, eine eigenständige Energieversorgung: Einzelbatterie, Gruppenbatterie, Zentralbatterie, Aggregate oder ein besonders gesichertes Netz. Die Nennbetriebsdauer muss für mindestens eine Stunde gewährleistet sein. Bei Gelten des Versammlungsstättenrechtes sind konkretisierende, d. h. verschärfende Anforderungen an Sicherheitsbeleuchtungen, wie beispielsweise die Dauerschaltung der Rettungszeichen, die Gewährleistung einer größeren Nennbetriebsdauer, zu beachten.

Zu vergessen ist keinesfalls, dass Flucht- und Rettungspläne gut erkennbar anzubringen sind. In den Plänen muss auf die Sicherheitsbeleuchtung Bezug genommen werden, d. h. es müssen u. a. die Standorte der Sicherheitsleuchten eingetragen sein.

Frank Schubert

Noch Fragen: schubert@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 05

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