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Voll das Risiko

i-Punkt Ausgabe 03/2005

Sicherheit

 

Schülerunfälle im Betriebspraktikum
Betriebspraktika stehen bei Schülern hoch im Kurs. Was für 8- bis 10-Klässler Pflicht ist, spielt für die Vermittlung wirtschaftlichen Wissens eine große Rolle. Das hautnahe Erleben der Arbeitswelt erleichter t die berufliche Orientierung, den Übergang in den Beruf und macht meist auch noch Freude. Doch bei manchen Gefahren kann einem dieselbe schnell vergehen.

Praktikanten beim Experimentieren

Schülerinnen und Schüler sind während Betriebspraktika durch die gesetzliche Schüler-Unfallversicherung abgesichert. Mit der Besonderheit, dass sie bei dem für die Schule zuständigen Versicherungsträger versichert sind und nicht bei der Berufsgenossenschaft des jeweiligen Praktikumsbetriebes. Das heißt dann konkret, dass über jeden Unfall im Praktikumsbetrieb und auch auf dem Weg zwischen diesem und der Wohnung unverzüglich die Schule informiert werden muss.

Für die Unfallverhütung in den Praktikumsbetrieben selbst gelten allerdings nur die branchenspezifischen Regelwerke für eben diese Betriebe. Zu Beginn ihres Praktikums müssen die Schülerinnen und Schüler daher durch den Betrieb über die für „ihren“ Betrieb geltenden Vorschriften und Maßnahmen im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes informiert werden. Als Praktikanten unterliegen auch sie diesen Regelungen. Dass es damit leider nicht immer zum Besten steht und zwischen Anspruch und Wirklichkeit oft Welten liegen, sei an den nachfolgenden Unfällen geschildert.

Unfall an einem Rasenmäher

Der 15-jährige Gymnasiast war dem Hausmeister zugeteilt. Am Unfalltag sollte er Rasen auf dem Betriebsgelände mähen. Zwar war ihm die Aufgabe nicht neu, dennoch wurde er formal in die Bedienung des Rasenmähers eingewiesen. Ihm wurde der Hinweis gegeben, dass bei Störungen und beim Entfernen der Grasfangeinrichtung das Gerät auszuschalten ist. Was er jedoch nicht erfuhr, die Vorderachsenlagerung war defekt. Es kam, was kommen musste. Plötzlich hing sich die Vorderachse aus und rutschte unter das Mähergehäuse. Der Schüler versuchte, ohne den Mäher anzukippen, die Vorderachse wieder in die Lagerung einzusetzen. Dabei geriet er mit der rechten Hand an das laufende Schneidwerkzeug. Laut rufend lief er zu dem in der Nähe arbeitenden Hausmeister. Dieser hatte den Unfall nicht bemerkt und wurde auf das Geschehen erst durch die Schreie aufmerksam. Als Ersthelfer versorgte er die Wunden notdürftig mit sauberen Taschentüchern und fuhr den Schüler zum Arzt. Die Folgen: Verletzung zweier Finger mit offener Fraktur und tiefe Fleischwunden.

Die Unfalluntersuchung ergab gravierendste Verstöße:

Der Rasenmäher (US-Fabrikat) entsprach nicht den Anforderungen des Gerätesicherheitsgesetzes. Es fehlte eine Konformitätserklärung, die Schilder für Gerätekennzeichnung sowie Hinweis- oder Warnschilder am Rasenmäher. Es existierte keine Betriebsanweisung. Der Hausmeister veranlasste Arbeiten mit defektem Arbeitsgerät, das zudem noch sicherheitswidrig manipuliert war, die Sicherheitsbremsstange war mit Draht am Führungsholm festgebunden und damit ohne Funktion. Diese Mängel hätten mit Durchführung der Gefährdungsanalyse festgestellt und beseitigt werden müssen. Eine allgemeine persönliche Unterweisung zum Beginn des Betriebspraktikums erfolgte nicht, der Schüler erhielt nur ein entsprechendes Merk-/Hinweisblatt. Der Hausmeister selbst wurde nie in den Umgang mit Rasenmähern eingewiesen. Er vertraute auf seine Erfahrungen. Es ist daher fraglich, ob er den Schüler überhaupt hätte sachkundig einweisen können. Der Schüler befolgte nicht die Weisung des Hausmeisters. Er führte die „Schadensbeseitigung“ bei laufendem Motor durch.

Unfall an einer Kreissäge

Der 15-jährige Mittelschüler arbeitete in einem Sägewerk. Am Unfalltag erhielt er die Arbeitsaufgabe, an einer Pendelkreissäge Kantholz anzuspitzen. Der Betriebsinhaber wies ihn ein, indem er die Handhabung der Maschine vorführte. Er demonstrierte die Schnitte und beobachtete anfangs die Ausführung. Dann arbeitete der Schüler allein ohne unmittelbare Aufsicht. Der Schüler trug bei der Arbeit Handschuhe, was dem Chef bekannt war und auch als üblich angesehen wurde. Plötzlich verstummte die Säge und die Ehefrau des Betriebsinhabers hörte laute Schreie. Sie lief sofort zur Unfallstelle und fand den Schüler vor dem „Auflagetisch“ kniend, die linke Hand vom Sägeblatt erfasst. Ihr eilends herbeigerufener Gatte entfernte schnellstens die Verkleidung des Sägeblattes sowie das Sägeblatt selbst und befreite den Schüler. Danach leisteten beide sofort erste Hilfe, bis der Rettungshubschrauber ihn ins Krankenhaus flog. Die Folgen: erhebliche Schnittverletzungen.

Zum unmittelbaren Unfallhergang gab es keine Zeugen. Die Rekonstruktion des Unfalls ergab, dass der Schüler ein am Sägeblatt verklemmtes Holzstück mit der handschuhbekleideten linken Hand entfernen wollte und dabei vom Sägeblatt erfasst wurde. Auch hier wurde eine Reihe von Vorschriften und Sicherheitsbestimmungen in gravierendster Weise verletzt:

Die Maschine entsprach nicht den geltenden Sicherheitsvorschriften. Sie hatte eine zu große Durchtrittsöffnung für das Sägeblatt (20 statt 8 mm), eine unzureichende Sägeblattverkleidung, keine Festhaltevorrichtung, keine Notbefehlseinrichtigung zum sofortigen Stillsetzen, keinen ebenen Auflagetisch und keine Möglichkeit zum Führen oder Einspannen von Werkstücken. Der Schüler wurde mit einer gefährlichen Arbeit beauftragt, die nach Jugendarbeitsschutzgesetz nicht zulässig ist. Die benutzten Handschuhen sind nach PSA-Benutzungsverordnung nicht zulässig. Der Betriebsinhaber hatte mangelnde Kenntnisse im Arbeitsschutz und der Unfallverhütung. Eine Gefährdungsbeurteilung erfolgte nicht. Die Schule prüfte nicht (Vorgabe der VwV-Betriebspraktika), ob die Firma als Praktikumsbetrieb geeignet war. In dem Unternehmen wurden seit Jahren Schülerpraktika durchgeführt.

Unser Tipp

Die Firmen sind für die Sicherheit der Schüler bei allen Arbeitstätigkeiten im Betriebspraktikum verantwortlich. Der Unternehmer muss für sichere Maschinen, Anlagen und Ausrüstungen sorgen, die Zulässigkeit von Arbeiten beurteilen, die Einweisung in diese Arbeiten vornehmen und selbstverständlich auch die Schüler durch einen Praktikumsbeauftragten beaufsichtigen.

Die Schulleitung und der als Praktikumsleiter benannte Lehrer haben rechtzeitig Kontakt zum Praktikumsbetrieb aufzunehmen. Informieren Sie sich, welche Arbeiten durchzuführen sind. Keinesfalls dürfen Schüler mit Arbeiten betraut werden, die für sie aufgrund mangelnder Erfahrung oder mangelnden Sicherheitsbewusstseins gefährlich sind. Der praktikumsleitende Lehrer und die Schulleitung haben über die Eignung von Unternehmen als Praktikumsbetrieb unter Berücksichtigung der Abwendung von Gefährdungen zu entscheiden.

Gibt es Zweifel, ob bestimmte Tätigkeiten geeignet sind, können sich Schulen an ihre Schulaufsicht wenden, an die Fachleute der Abteilung Arbeitsschutz in den Regierungspräsidien (ehemals der Staatlichen Gewerbeaufsichtsämter), die Fachberufsgenossenschaften der Betriebe und die Unfallkasse Sachsen.

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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