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Wie im Blindflug

i-Punkt Ausgabe 03/2005

Sicherheit

 

Rückwärtsfahren von Nutzfahrzeugen
Rückwärtsfahren ist ein heikles Fahrmanöver. Die eingeschränkte Sicht erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Der Einsatz eines Einweisers schafft zwar Abhilfe, doch ist dieser Job nicht ganz ungefährlich. Deshalb setzt man zunehmend auf technische Hilfsmittel. Aber bringen die wirklich absolute Sicherheit?

Beim Rückwärtsfahren kommt es bedingt durch die Anwesenheit anderer Personen, durch die Verkehrssituation und damit verbundene Einschränkungen der Sicht immer wieder zu Gefährdungen von Personen, aber auch zur Schädigung von Sachwerten. Von 1992 bis 2000 kam es bei rückwärtigen Transportvorgängen zu 158 tödlichen Arbeitsunfällen (Quelle: Forschungsbericht 999 der BAuA). Der innerbetriebliche Transport und Verkehr ist bei diesen tödlichen Arbeitsunfällen der Unfallschwerpunkt. Gefährdet sind insbesondere Transporthelfer sowie nicht am Transport beteiligte Beschäftigte, die sich im Gefahrbereich aufhalten bzw. in diesen hineinbewegen.

Die Vorschriften

Im innerbetrieblichen Transport dürfen Fahrzeugführer nur rückwärts fahren oder zurücksetzen, wenn sichergestellt ist, dass Versicherte nicht gefährdet werden. Kann dies nicht garantiert werden, hat er sich durch einen Einweiser einweisen zu lassen (§ 46 Abs. 1 der UVV „Fahrzeuge“ GUV-VD 29). Das Rückwärtsfahren und das Zurücksetzen (z.B. beim Wenden), so die entsprechende Durchführungsanweisung, stellen so gefährliche Verkehrsvorgänge dar, dass diese nach Möglichkeit vermieden werden sollten. Kann darauf nicht verzichtet werden, sind besondere Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Eine Gefährdung von Versicherten kann z.B. nicht ausgeschlossen werden, wenn Fahrzeuge, an deren Heck sich Versicherte betriebsüblich aufhalten (z. B. Müllwerker am Müllsammelfahrzeug), rückwärts fahren oder zurücksetzen. Auf das Einweisen des Fahrzeugführers kann dabei nicht verzichtet werden. Sobald die Fahrzeuge am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, ist § 9 Abs.5 der Straßenverkehrsordnung (StVO) maßgebend.

Die Sicherheitstipps

Eine Gefährdung von Versicherten kann vermieden werden durch:

  • Abschrankung des Gefahrbereiches,
  • Anordnung von Verkehrsspiegeln, die dem Fahrzeugführer das Überblicken des Gefahrbereiches ermöglichen oder
  • Funksprechverkehr oder Fernsehverbindung.

Rückfahrscheinwerfer verbessern das Signalbild des Fahrzeuges und tragen dadurch zu mehr Sicherheit beim Rückwärtsfahren bei. Einweiser müssen ausreichende Kenntnisse haben, um Verkehrsvorgänge beurteilen zu können. Geeignete Handzeichen (s. Bilder) sollen die Kommunikation unterstützen.

Abfahren
Handzeichen zum Abfahren
Abstand verringern
Handzeichen zum Abstand verringern
Entfernen
Handzeichen zum Entfernen
Herkommen
Handzeichen zum Herkommen
Rechts fahren
Handzeichen zum Rechts fahren
Links fahren
Handzeichen zum Links fahren

Technische Hilfsmittel

Zur Unterstützung werden auf dem Zubehörmarkt Rückfahrkameras mit Farbdisplay angeboten, welche automatisch beim Einlegen des Rückwärtsganges eingeschaltet werden. Eine Montage dieser Kamera ist jedoch nicht an allen Fahrzeugen bzw. Aufbauten möglich, auch ist eine Orientierung bei Nebel oder Dunkelheit eingeschränkt. Für den Fahrzeugführer ergibt sich eine erhöhte Belastung, da er nach hinten und in die Rückspiegel sehen muss und zudem über das Display den rückwärtigen Raum zu überwachen hat. Damit ist die Möglichkeit von Fehlhandlungen gegeben, bei denen Personen oder Hindernisse übersehen werden können. Die im Fahrbetrieb eintretende Verschmutzung der Kamera durch Feuchtigkeit, Staub oder Salznebel (Winterdienst) ist ebenfalls nicht unproblematisch.

Eine weitere Variante sind akustische Warngeräte (Signalgeber), welche mit dem Einlegen des Rückwärtsganges aktiviert werden und durch Hupsignale Personen im Bereich des Fahrzeughecks vor Fahrbewegungen warnen soll. Der Fahrzeugführer bekommt hier allerdings keine Informationen, ob sich im Gefahrenbereich Personen aufhalten. Die Schutzwirkung ist daher eher gering einzuschätzen.

Einen anderen Weg beschreiten die Rangier-Warneinrichtungen. Bei diesen Varianten der Rückraumüberwachung werden Ultraschallsensoren zum Einsatz gebracht. Der Fahrzeugführer wird durch optische und akustische Signale über Hindernisse und Objekte im Überwachungsbereich informiert und kann dann das Fahrzeug rechtzeitig zum Stillstand bringen. Auch diese Warneinrichtungen weisen jedoch noch Schwächen auf (z.B. nicht hinreichend sichere Erkennung von Objekten u.a.), wie in einem Forschungsbericht (Fb 999) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin nachzulesen ist. Soweit die Nachrüstung von Nutzfahrzeugen mit diesen Rangier-Warneinrichtungen beabsichtigt ist, sollte darauf geachtet werden, dass die ausgewählte Variante dem Anforderungsprofil der DIN 75031 „Nutzkraftwagen und Anhängefahrzeuge–Rangier-Warneinrichtungen–Anforderungen und Prüfungen“ entspricht.

Anfrage über das Rückwärtsfahren mit Kamera-Systemen

(Drucksache 12/4206 des Deutschen Bundestag)

„Von Rückfahrscheinwerfern abgesehen, enthalten die StVZO und die internationalen Regelwerke keine besonderen Maßnahmen zur Scherung von Lkw, Kraftomnibussen und Arbeitsmaschinen beim Rückwärtsfahren. Verkehrsrechtliche Vorschriften stehen der Anbringung von technischen Hilfen grundsätzlich nicht entgegen. Eine obligatorische Einführung von Rückfahrhilfen für Lkw und Busse z.B. durch Videotechnik oder akustische Warnanlagen kann nicht gefordert werden, da diese zum Verzicht auf einen Einweiser, der wirksamer als technische Systeme ist, führen könnte. Auch wenn technische Hilfsmittel im Fahrzeug vorhanden sind, hat sich der Fahrzeugführer, sofern er den Raum hinter seinem Fahrzeug nicht einsehen kann, eines Einweisers nach § 9 Abs. 5 Straßenverkehrsordnung zu bedienen.“

Als rechtliche Konsequenz lässt sich daraus ableiten, dass der Einsatz der o.g. technischen Hilfsmittel nicht mit dem Verzicht auf einen Einweiser gleichzusetzen ist und somit den Fahrzeugführer nicht von seiner besonderen Verantwortung beim Rückwärtsfahren befreit.

Betrieblich sind daher im Rahmen der notwendigen Gefährdungsbeurteilung die Arbeitsplätze bzw. Tätigkeiten auch im Hinblick auf das Rückwärtsfahren zu bewerten. Bei Fahrten in Bereiche, in denen bekanntermaßen keine Wendemöglichkeiten bestehen, wird man z.B. beim Winterdienst oder der Abfallentsorgung auch künftig nicht auf den Einweiser verzichten können, welcher durch seine Kenntnis der Verkehrsvorgänge und der notwendigen Zeichengebung dafür die entsprechenden Voraussetzungen besitzt.

Sofern sich Änderungen oder Ergänzungen in der Rechtsprechung zu diesem speziellen Problem ergeben, werden wir Sie rechtzeitig informieren.

Uwe Büttner

Noch Fragen: buettner@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 10

Fazit

Während für den betrieblichen Bereich der Einsatz einer Rückfahrkamera bzw. Rangier-Warneinrichtung zumindest vorstellbar ist, gibt es für den öffentlichen Straßenverkehr keinen Verweis auf zugelassene technische Hilfsmittel.

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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