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Unfälle im Feuerwehrdienst

i-Punkt Ausgabe 03/2006

Sicherheit

 

Die Jahresstatistik 2005
Unfallmeldungen wie kürzlich aus Wolmirstedt zeigen uns immer wieder, dass Feuerwehrangehörige im Einsatz und im Übungsdienst besonderen Gefahren ausgesetzt sind. Persönliches Leid und hoher Sachschaden sind die traurige Bilanz solcher Unfälle. Aber Feuerwehren und andere Hilfeleistungsorganisationen kommen nun mal gerade dort zum Einsatz, wo erhebliche Gefährdungen eingetreten sind und andere Menschen die Gefahrenstelle verlassen oder Hilfe benötigen. Das tägliche Einsatzgeschehen zeigt, Feuerwehrdienst ist immer wieder gefährlich. Deshalb gilt dem Schutz von Leben und Gesundheit der Feuerwehr-Angehörigen unsere besondere Aufmerksamkeit.

Im Folgenden wollen wir Unfälle im Feuerwehrdienst aus dem Jahr 2005 auswerten und ihre Ursachen etwas näher betrachten. Die Anzahl gemeldeter Unfälle sächsischer Feuerwehren stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht an. Die rückläufige Tendenz angezeigter Unfälle bei den Berufsfeuerwehren Sachsens von 2003 konnte 2005 nicht fortgesetzt werden. Die Unfalllast für Freiwillige Feuerwehren und für Berufsfeuerwehren in Sachsen wuchs 2005 gegenüber dem Vorjahr um 49 Unfälle auf insgesamt 884. Das ist eine Steigerung um 6 %. Davon waren im besonderen Maße die FFW des Regierungsbezirkes Chemnitz betroffen.

Vergleich Unfallzahlen mit den Vorjahren (nur Freiwillige Feuerwehr)

Hinsichtlich der verschiedenen Dienstarten in Feuerwehren zeichnet sich ein deutlicher Unterschied zwischen Berufsfeuerwehren und Freiwilligen Feuerwehren ab. Machen den Schwerpunkt des Unfallaufkommens bei Einsätzen (33%) die Freiwilligen Feuerwehren aus, so haben die Berufsfeuerwehren ihren Schwerpunkt am Unfallgeschehen eindeutig im Dienstsport (11%) zu verzeichnen. Weiterhin sind Schwerpunkte der Unfallhäufigkeit bei Übungen und Ausbildungsmaßnahmen (16%) sowie beim Arbeits- und Werkstattdienst (13%) festzustellen. Bei den Jugendfeuerwehren wurden zum Vorjahr (11,4%) die Unfälle gesenkt, so dass noch 9% aller angezeigten Unfälle der Freiwilligen Feuerwehren im Bereich der Jugendfeuerwehren zu verzeichnen waren.

Unfälle Freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr in Sachsen 2005 nach Dienstarten

Bei zwei Drittel aller angezeigte Unfälle 2005 wurden Hände, Beine und Füße von Feuerwehrangehörigen verletzt. Unabhängig davon, ob es sich um eine Übung, Ausbildung oder einen tatsächlichen Einsatz handelte, bei den durchgeführten Unfalluntersuchungen wurde immer wieder deutlich, mit dem Feuerwehrdienst sind erhebliche Gefährdungen verbunden. Daher ist für die Sicherheit der Feuerwehrangehörigen die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften und damit das einsatztaktisch richtige Verhalten von besonderer Bedeutung. Welche Rolle dabei auch der persönlichen Schutzausrüstung zukommt und wie wichtig das einsatztaktisch richtige Verhalten im Feuerwehrdienst ist, soll an einigen Unfallbeispielen, die zu Verletzungen von Feuerwehrangehörigen führten, verdeutlicht werden:

Unfälle Freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr in Sachsen 2005 nach Verletzungsarten

Fall 1 - Leitersturz

Im Rahmen einer geplanten Ausbildung im Umgang mit Motorkettensägen sollte durch die Freiwillige Feuerwehr E. in einer Gartensparte ein 12 m hoher Baum gefällt werden. Damit ein benachbartes Gebäude nicht beschädigt wird, wollte man zunächst stärkere Äste mit einer Handsäge abtrennen. Kamerad R. bestieg die angelegte Steckleiter und wollte sich in ca. 4 m Höhe am Baum sichern. Bevor er dazu kam, rutschte die Leiter seitlich weg. R. verlor den Halt und stürzte aus 4 m Höhe auf den Boden. Dabei zog er sich einen offenen Bruch des rechten Schienbeins und des rechten Sprunggelenkes zu. Bei näherer Betrachtung der Unfallstelle (Skizze 1) fragt man sich, welche weiteren Unfallfolgen hätten eintreten können.

Skizze 1: Unfall durch Absturz von der Leiter
Skizze 1: Unfall durch Absturz von der Leiter

Fall 2 – Noch ein Sturz von der Leiter

Unfallstelle
Unfallstelle

Der Kamerad der Freiwilligen Feuerwehr B. hatte die Aufgabe, im Rahmen von Wartungsarbeiten für ein Feuerwehrfahrzeug Winterreifen von einem Lagerboden im Feuerwehrhaus zu holen. Dazu wollte der Gerätewart mit einem Steckleiterteil Typ B auf einen ca. 2 m hohen Lagerboden steigen. Beim Besteigen der Steckleiter rutschte diese auf dem Betonfußboden weg und der Kamerad stürzte mit der Leiter zu Boden. Dabei verletzte er sich so schwer, dass er sich eine Trümmerfraktur des rechten Sprunggelenkes zuzog. Bei der Unfalluntersuchung wurde festgestellt, dass unter den vorhandenen Bedingungen im Feuerwehrhaus (Betonfußboden) eine bestimmungsgemäße Benutzung der Steckleiter nicht gegeben war und darüber hinaus das erforderliche Einsteckteil A nicht benutzt wurde. Des Weiteren befanden sich im Feuerwehrhaus weitere Lagerregale mit einer Höhe von mehr als 3 m. Geeignete Leitern aber für eine sichere Beschickung/Entnahme von Material und Ausrüstung (Schläuche, Armaturen usw.) waren nicht vorhanden. Eine alte Stehleiter aus Holz war weder geprüft noch standsicher noch von ihrer Länge her geeignet. Der vorhandene Lagerboden (2 m Höhe) konnte begangen werden, eine erforderliche Absturzsicherung (Geländer, Handlauf, Knieleiste, Fußleiste) fehlte jedoch. Zur Durchsetzung eines sicheren Betriebes und einer sicheren Lagerhaltung im Feuerwehrhaus mussten von der Unfallkasse Sachsen die erforderlichen sicherheitstechnischen Maßnahmen angeordnet werden.

Fall 3 – Sturz in eine Arbeitsgrube

Skizze 2: Sturz in eine Arbeitsgrube
Skizze 2: Sturz in eine Arbeitsgrube

Am Unfalltag war im Feuerwehrhaus an der Arbeitsgrube der Farbanstrich der Metalleinfassung erneuert worden. Um den feuchten Anstrich nicht zu beschädigen, wurden zwei Teile der Grubenabdeckungen (Gitterroste) nicht aufgelegt. Zur Sicherung waren lediglich zwei leichte Metallböcke aufgestellt und mit rot-weißem Band verbunden. Der später verunfallte D. nahm gegen 20:30 Uhr an einer kurzfristig angesetzten Beratung des Feuerwehr-Ausschusses teil, die im 1. Obergeschoss stattfand. Kurz vor 21 Uhr verließ Herr D. die Beratung und wollte das Feuerwehrhaus durch den Nebenausgang, der sich im Werkstattbereich befindet, verlassen. Nach eigenen Angaben hatte er dadurch einen kürzeren Heimweg. Auf dem Weg zum Nebenausgang musste er die Waschhalle, in der sich die Arbeitsgrube befindet, durchqueren (Skizze 2). Die Tür zur Waschhalle stand offen. Ohne die Beleuchtung einzuschalten, wollte er den kürzesten Weg Richtung Werkstatt (Nebenausgang) einschlagen. Der Verkehrsweg zur Werkstatt führt unmittelbar an der nur mit Metallböcken abgeschirmten offenen Arbeitsgrube vorbei. Im Vorübergehen sah er die beiden Metallböcke zu spät, stolperte über einen und stürzte mit diesen in die Arbeitsgrube hinein. Dabei zog er sich eine Fraktur des rechten Schultergelenkes, eine Gehirnerschütterung sowie eine Prellung des linken Unterschenkels und der linken Hand zu.
Der Unternehmer hat nach § 9 Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ dafür zu sorgen, dass Unbefugte Betriebsteile nicht betreten, wenn dadurch eine Gefahr für Sicherheit und Gesundheit entsteht. Befinden sich Arbeitsöffnungen von Arbeitsgruben und Unterfluranlagen unmittelbar hinter einem Zugang zum Arbeitsraum, sind nach Punkt 4.6.10 der Regel „Fahrzeug-Instandhaltung“, GUV – R 157, besondere bauliche Maßnahmen gegen Hineinstürzen von Personen erforderlich. Auf die Gefährdung von Personen durch die Arbeitsöffnung muss an allen Zugängen durch das Warnzeichen „Warnung vor einer Gefahrstelle“ und einem Zusatzzeichen mit der Aufschrift „Vorsicht Grube!“ hingewiesen sein; die Zeichen müssen der UVV „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz“ (GUV-V A 8, bisher GUV 0.7) entsprechen. Erforderlichenfalls ist der Zugang zu diesen Gefahrenbereichen zeitweilig zu verschließen. Weitere besondere Maßnahmen sind z. B. Brustwehr oder herausnehmbare Geländer hinter dem Zugang.


Ronald Patzak

Noch Fragen: patzak@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 03

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