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Berührung unerwünscht

i-Punkt Ausgabe 03/2007

Sicherheit

 

Elektrosicherheit in Elektro-Ausbildungsstätten
In Schulen dürfen elektrische Betriebsmittel nur verwendet werden, wenn sie vollständig gegen Berührung geschützt sind. Anders in Ausbildungsstätten für Elektroberufe. Hier wird mit berührungsgefährlicher Spannung experimentiert, die es gebietet, besondere Maßnahmen zu treffen.

Für die ortsfeste Anlage sind grundsätzlich die allgemeinen Errichtungsbestimmungen der Normenreihe DIN VDE 0100 (die genaue Bezeichnung im Anhang) sowie die Zusatzfestlegungen von DIN VDE 0100 Teil 723 anzuwenden. Hier werden detailliert Schutzmaßnahmen gegen direktes und bei indirektem Berühren von aktiven Teilen gefordert.

Schutzmaßnahmen

Der Schutz gegen elektrischen Schlag soll vorzugsweise durch Schutzkleinspannung (SELV) vorgesehen werden oder durch Funktionskleinspannung mit sicherer Trennung (PELV). Neben dem Schutz durch Isolierung von aktiven Teilen ist ein zusätzlicher Schutz durch den Einsatz einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von ≤ 30 mA erforderlich. Alle leitfähigen Teile, die sich im Handbereich eines Experimentierplatzes befinden, sind mit einem Potenzialausgleichsleiter untereinander zu verbinden und mit dem Schutzleiter der Stromversorgung an einer zentralen Stelle. Das kann in der Elektroverteilung sein oder über eine Potenzialausgleichsschiene. Der Querschnitt muss mindestens 4 mm2 (Kupfer) betragen. Steckdosen außerhalb von Experimentierplätzen, die zum Experimentieren vorgesehen sind, müssen als solche gekennzeichnet werden.

Für Notfallsituationen sind Not-Aus-Betätigungseinrichtungen an den Ausgängen und an jedem Experimentierstand vorzusehen. Damit müssen alle Stromkreise an Experimentiereinrichtungen eines Raumes zugleich getrennt werden können. Alle nicht geerdeten Leiter sämtlicher Stromkreise eines Raumes müssen durch ein zentrales Schaltgerät allpolig getrennt werden können. Dabei kann die Zuschaltung einzeln erfolgen, gruppenweise oder zentral. Bei einer zentralen Zuschaltung ist darauf zu achten, dass alle Arbeitsplätze vom Schaltort aus gut einsehbar sind. Der Hauptschalter muss sich gegen unbefugtes und unbeabsichtigtes Schalten sichern lassen. Der Schaltzustand muss durch eine Signallampe zu erkennen sein.

Fußböden sollen isolierend ausgeführt sein. Isoliermatten im Bereich der Experimentierplätze sind auszulegen nach VDE 0680 Teil 1. Der Isolationswiderstand des Bodens darf 50 kΩ nicht unterschreiten. Elektrostatisch ableitfähige, antistatische Böden sollen einen Widerstand von 100 MΩ nicht überschreiten. Die Arbeitsplatten der Tische für Versuchs- und Übungsaufbauten sollen aus nichtleitenden Materialien bestehen.

Werden Spannungen über 25 V AC (Wechselspannung) oder über 60 V DC (Gleichspannung) verwendet, sind einpolige Anschlussstellen (Laborbuchsen) und Stecker berührungssicher auszuführen. Die sogenannten „Bananenstecker“ und „Krokodilklemmen“ an einpoligen Experimentierleitungen sind gegen fingersichere Verbindungen im Sinne der Norm VDE 0660 Teil 514 auszutauschen.

Im Wesentlichen sind beim Experimentieren mit elektrischer Energie in Praktikumsräumen Festlegungen aus den elektrotechnischen Regeln der VDE 0105 Teil 100, VDE 0105 Teil 12 und der VDE 0104 zu beachten.

Für Elektro-Ausbildungsstätten mit Experimentiereinrichtungen ist eine Gefährdungsbeurteilung durch den Verantwortlichen durchzuführen und zu dokumentieren (§§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz). Das Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen der Experimentiereinrichtung ist grundsätzlich verboten!
Es sind die fünf Sicherheitsregeln zu beachten.

Unterweisungen

Lehrlinge Elektroniker

Über das sicherheitsgerechte Verhalten bei der Verrichtung elektrotechnischer Arbeiten und über die Gefahren des elektrischen Stroms sind vor den ersten Übungen Unterweisungen durchzuführen. Die Unterweisungen sind zu dokumentieren und durch die Anwesenden schriftlich zu bestätigen. Schwerpunkt sollten hier die zu treffenden Maßnahmen im Gefahrfall sowie die Anordnung und Wirkungsweise von Not-Aus-Einrichtungen sein.

Große Gefahren können von Mess- und Prüfgeräten ausgehen, da sie in der Regel unter Spannung benutzt werden. Speziell beim Einsatz von Multimetern sind aufgrund der Messbereichsvielfalt Fehlhandlungen möglich. Bei falscher Messbereichsauswahl, z. B. Strommessung im Spannungsmessbereich, können Kurzschlussströme in der Größenordnung bis ca. 10 kA auftreten (Lichtbogen). Deshalb ist vor dem Einschalten der  Spannungsversorgung grundsätzlich auf den richtigen Messbereich zu achten. Fest angeschlossene Messleitungen sind im spannungsfreien Zustand ab- oder anzuklemmen (Prüfspitzen und Strommesszangen bilden eine Ausnahme).

Die Freischaltung der Stromkreise und Inbetriebnahme der Experimentiertische mit entsprechenden Aufbauten darf erst erfolgen, wenn keine Gefährdungen bestehen und eine Überprüfung durch den Ausbilder stattgefunden hat. Gegebenenfalls sind weitere technische, organisatorische oder persönliche Sicherheitsmaßnahmen festzulegen und durchzuführen. Neben der Sichtprüfung, die vor jeder Benutzung durchzuführen ist, sind in regelmäßigen Abständen die elektrischen Anlagen zu prüfen, die ortsfesten Betriebsmittel sowie die ortsveränderlichen (§ 5 UVV „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ und VDE 0104). Die Prüfungen sind durch eine Elektrofachkraft durchzuführen und entsprechend zu dokumentieren. Not-Aus-Einrichtungen, Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen und andere sicherheitsrelevante Einrichtungen sind täglich auf ihre Funktion zu überprüfen.

Wolf Bönisch

Der Autor ist Aufsichtsperson bei der Unfallkasse Sachsen-Anhalt.

Normen-Verzeichnis:

DIN VDE 0100 „Errichten von Starkstromanlagen mit Nennspannungen bis 1000 V“

DIN VDE 0100 Teil 723 „Unterrichtsräume mit Experimentierständen“

VDE 0104 „Errichten und Betreiben elektrischer Prüfanlagen“

VDE 0105 Teil 12 „Betrieb von Starkstromanlagen; Besondere Festlegungen für das Experimentieren mit elektrischer Energie in Unterrichtsräumen“

VDE 0105 Teil 100 „Betrieb von elektrischen Anlagen – Allgemeine Festlegungen“

VDE 0680 Teil 1 „Körperschutzmittel, Schutzvorrichtungen und Geräte zum Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen bis 1000 V – Isolierende Körperschutzmittel und Isolierende Schutzvorrichtungen“

VDE 0660 Teil 514 „Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Schutz gegen elektrischen Schlag, Schutz gegen unabsichtliches direktes Berühren gefährlicher aktiver Teile“

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