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Der Zukunft über die Schulter geschaut

i-Punkt Ausgabe 03/2007

Information

 

Unfallversicherung: Wer ist für Praktika zuständig?
Weil Praktika aufs Arbeitsleben vorbereiten und die Berufswahl erleichtern, sind sie Pflicht für jeden Schüler. Für Studenten sind sie meist fester Bestandteil des Studiums und Türöffner zum ersehnten Traumjob. Klipp und klar: Auch im Praktikumsbetrieb besteht Unfallschutz. Schwieriger wird’s bei der Zuständigkeit.

Anfragen zur Unfallversicherung bei Praktika sind Dauerbrenner am Service-Telefon. Im ipunkt 2-2003 haben wir bereits über Schüler- Praktika informiert. Aufgrund des regen Interesses greifen wir das Thema nochmals auf.

Gleich vorweg: Für Praktika in Deutschland besteht immer Unfallversicherungsschutz. Doch wer nach Unfällen zuständig ist – Unfallkasse oder Berufsgenossenschaft – ist nicht so einfach zu beantworten.

Schülerbetriebspraktika

Betriebspraktika sind verbindliche Schulveranstaltungen (Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus zur Durchführung von Betriebspraktika im Freistaat Sachsen vom 13. Juli 2000 in der Fassung vom 11. März 2002). Dies gilt für alle öffentlichen Mittelschulen, allgemeinbildenden Gymnasien und Förderschulen mit Ausnahme der berufsbildenden Förderschulen des Freistaates Sachsens. Die Betriebspraktika sollen den Schülern die Möglichkeiten bieten, die Berufs- und Arbeitswelt unmittelbar kennenzulernen und dadurch die Berufswahl zu erleichtern.

Der von der Schule benannte Praktikumleiter (Lehrer) hat die Aufgabe, die Schüler bei der Auswahl des Praktikumbetriebes zu unterstützen, die Ableistung des Betriebspraktikums in dem Praktikumbetrieb zu genehmigen, einen Ablaufplan für das Praktikum zu erstellen und mit dem Schüler und dem Praktikumbeauftragten des Betriebes während der Betriebspraktika Kontakt zu halten.

Gesetzlicher Unfallversicherungsschutz ist grundsätzlich über die Unfallkasse Sachsen gegeben da die Schule wesentliche Einflussmöglichkeiten auf die Durchführung und die Form des Praktikums hat. Der Unfallversicherungsschutz erstreckt sich auf die eigentliche Praktikumtätigkeit im Betrieb sowie auf den Wegen von und zur Praktikumstelle. Ereignen sich im Praktikum Unfälle, sind die Schulen zur Anzeige verpflichtet.

Eine Besonderheit gilt es bei Praktika in anderen Bundesländern oder im Ausland zu beachten. Vor Genehmigung eines Praktikumsbetriebes ist von dem Praktikumsleiter der Schule sicherzustellen, dass die organisatorischen und inhaltlichen Einwirkungsmöglichkeiten während des Praktikums vor Ort gewährleistet sind. Fehlt es an den Einwirkungsmöglichkeiten durch den Lehrer vor Ort, kann man nicht mehr von einem Praktikum im organisatorischen Verantwortungsbereich der Schule sprechen. Im Ausland entfällt dann der Unfallversicherungsschutz von Anfang an. In anderen Bundesländern besteht der gesetzliche Unfallversicherungsschutz der Schüler über den für den Praktikumsbetrieb zuständigen Unfallversicherungsträger (Fach-Berufsgenossenschaft).

Hochschulpraktika

Plakat: 3. Schulgesundheitsforum Sachsen

Studierende an allgemeinen Hochschulen oder Fachhochschulen leisten ein Praktikum, das in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschrieben ist, entweder vor, während oder nach Abschluss ihres Studiums.

Im Zusammenhang mit dem Studium sind auch nicht vorgeschriebene Praktika denkbar, die aus Zweckmäßigkeitsgründen abgeleistet werden. Unfallversicherungsschutz ist grundsätzlich nicht über die Unfallkasse gegeben, sondern über den Unfallversicherungsträger, der für das Praktikumsunternehmen zuständig ist, die Fach-Berufsgenossenschaft. Warum ist das so? Bei Hochschul- bzw. Fachhochschulpraktika besteht kein unmittelbarer Einfluss der Hochschule oder der Fachhochschule auf die Art und Weise der Durchführung sowie auf den Ablauf der Praktika, wie wir es von den Schülerpraktika her kennen. Die Studierenden gliedern sich während des Praktikums in den Betriebsablauf ein und erfüllen somit die Voraussetzungen für abhängig Beschäftigte. Für die unfallversicherungsrechtliche Bewertung der Praktika ist es egal, ob diese in den Studienoder Prüfungsordnungen zwingend vorgeschrieben sind oder freiwillig geleistet werden. Es zählen einzig und allein die inhaltliche und organisatorische Einwirkungsmöglichkeit der Hochschule  auf die Praktika.

Sonderfall: Medizinstudenten

Eine Ausnahme gibt es: Medizinstudenten. Diese haben ein sogenanntes medizinischpraktisches Jahr an einer Universitätsklinik oder an einem außeruniversitären Lehrkrankenhaus abzuleisten. Bei Ableistung des medizinisch-praktischen Jahres bleibt der Unfallversicherungsschutz über die Hochschule bestehen, also bei der Unfallkasse. Denn die klinisch-praktische Ausbildung der Medizinstudenten ist hochschulrechtlich, inhaltlich-ausbildungsmäßig und organisatorisch in das Gesamtstudium der Medizin integriert. Aber auch hier ist zu beachten, dass gesetzlicher Unfallversicherungsschutz nur innerhalb Deutschlands besteht. Auslandspraktika verlaufen außerhalb des organisatorischen Verantwortungsbereichs der Hochschulen. Hier fehlt an der wesentlichen Einflussmöglichkeit auf die Durchführung und die Form des Praktikums.
Daneben sieht die Approbationsordnung der Ärzte Ausbildungsabschnitte (Krankenpflegedienst und Famulatur) vor. Hier besteht kein Unfallversicherungsschutz über die Hochschule, sondern es gelten die Ausführungen zum allgemeinen Hochschul- bzw. Fachhochschulpraktikum.


Katrin Schuster

Noch Fragen: schuster@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 42 07

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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