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Gesundheitserziehung vom ersten Tag an

i-Punkt Ausgabe 03/2007

Gesundheit

 

Berufsorientierter Sportunterricht an Berufsschulen
Maurer, Lageristen oder Krankenpfleger sind typische Hebe- und Trageberufe. Berufe, die durch falsche Bewegungen, täglich über viele Berufsjahre wiederholt, unweigerlich mit Rückenbeschwerden einhergehen. Der neue berufsorientierte Sportunterricht tut dagegen etwas. Wie man richtig sitzt, steht, hebt und trägt, gehören jetzt zur Ausbildung.

Der Sportunterricht an Berufsschulen bietet die Möglichkeit, Sport und Bewegung aus allgemeinbildender und berufsbezogener Perspektive zu thematisieren sowie praktisch zu erschließen. Voraussetzung dafür ist eine Entwicklung von sich wechselseitig durchdringenden und ergänzenden Kompetenzen, die in eine spezifische Handlungskompetenz münden.

Die Schüler werden in die Lage versetzt, Bewegungstechniken, präventive Übungen, Bewegungsprogramme und Entspannungstechniken auszuwählen, zu erstellen und ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend anzuwenden. Diese Bewegungsprogramme können zum einen kurzfristig motorische Defizite bei den Bewegungsanforderungen am Arbeitsplatz ausgleichen und zum anderen langfristig die im Berufsalltag notwendige Bewegungskompetenz entwickeln. Im Vordergrund hierbei steht, den Zusammenhang von Gesundheit und Bewegung zu erkennen und sich kritisch mit gesundheitsschädigenden Einflüssen auseinanderzusetzen sowie gesundheitsbewusst zu verhalten. Dazu gehört, dass Schüler berufsbezogene Bewegungen und Körperhaltungen reflektieren können, Fehlbelastungen und Gefahren vor möglichen Schädigungen erkennen und Bewegungsausführungen beherrschen. So vermeiden sie Schädigungen bzw. Verletzungen.

Bei der Gestaltung der einzelnen Lernfelder sollten die arbeitsbedingten Besonderheiten der Berufsgruppen beachtet werden. In der heutigen Arbeitswelt kann man von typischen körperlichen Belastungs- bzw. Gefährdungsmerkmalen ausgehen. Sie sind die Grundlage für eine präventiv ausgerichtete Kenntnisaneignung sowie für die Entwicklung von Bewegungs- und Sportprogrammen. Dabei werden Tätigkeiten unterschieden, die oft Lasten heben und tragen, oft Sitzen,Tätigkeiten im Stehen und Gehen und solche mit besonderen Anforderungen.

Im Berufsalltag überlagern sich die Tätigkeiten und bilden Wechselwirkungen. Dagegen zeigen sich Belastungs- und Gefährdungsaspekte in vergleichbaren Berufen in unterschiedlichen Formen. Das betrifft Belastungsintensität und -umfang, Belastungsdichte, die Art der Belastung (statisch oder dynamisch), die einzelnen Bewegungsabläufe sowie die Handlungsbedingungen. Darüber hinaus wirken aber auch psychische und soziale Faktoren im beruflichen Umfeld sehr differenziert auf die individuelle Wahrnehmung von Belastungen.

Besonders komplex sind die beruflichen Anforderungen durch vielfältige und verschiedenartige Tätigkeiten im Handwerk. Deshalb ist es notwendig, für diese Beschäftigten eine individuelle Analyse beruflicher Belastungen herauszuarbeiten. Die Schüler müssen befähigt werden, sachgestützte Entscheidungen zur Sicherung der eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit zu treffen.

Tätigkeiten mit Heben und Tragen von Lasten

Sie sind gekennzeichnet durch das Heben und Tragen von Lasten, verbunden mit dem Vorneigen und Verdrehen des Oberkörpers, sowie häufiger Wiederholungen von Beugeund Streckbewegungen der Arme und Beine. Zusätzliche Belastungen entstehen durch Zwangshaltungen wie Bücken, Hocken und Knien. Dadurch kommt es zu hohen statischen und dynamischen Belastungen des gesamten Körpersystems, insbesondere der Wirbelsäule, des Schulter-Nacken-Bereiches, der Knie, Handgelenke und Unterarme.

Typische Berufsgruppen:
Maurer, Ausbaufacharbeiter, Tiefbaufacharbeiter, Versand- und Lagerarbeiter, Installateure, Gärtner, Tischler, Metallbauer, Beton-und Stahlbetonbauer, Zimmerer, Fleischer, Hotel- und Restaurantfachleute, Krankenpflegepersonal.

Tätigkeiten im Sitzen

Sie sind gekennzeichnet durch eine hohe, lang andauernde statische Belastung des Oberkörpers bei stark eingeschränkter Aktivität der Beine sowie durch häufiges Vorneigen und Verdrehen des Rumpfes. Besonders beansprucht werden dabei die Wirbelsäule, der Schulter-Nacken-Bereich, die Knie und die Handgelenke/Unterarme. Dabei kommt es zur Unterbeanspruchung des Herz-Kreislaufsystems und oft auch zu einer eingeschränkten Atmung.

Typische Berufsgruppen:

Bürokaufmann/-frau, Bankkaufleute, Berufskraftfahrer, Textilfachberufe, Fachinformatiker, Elektromechaniker, Augenoptiker, Gerätezusammensetzer.

Tätigkeiten im Stehen und Gehen

Sie sind gekennzeichnet durch eine geringe bis mittlere Aktivität der Rumpf- und Beinmuskulatur aufgrund von langzeitigem Stehen mit unterschiedlichen Zusatzlasten, die häufig mit Verdrehen und Vorbeugen des Oberkörpers verbunden sind. Zusatzlasten entstehen durch Überkopfarbeit im Zusammenhang mit fixierten Armhaltungen. Dadurch kommt es zu hohen statischen Belastungen des Halteapparates im Bereich der Wirbelsäule, im Schulter-Nacken-Bereich sowie der Knie- und Fußgelenke.

Typische Berufsgruppen:
Werkzeugmechaniker, Zerspanungsmechaniker, Köche, Bäcker, Friseure, Laboranten, zahnmedizinische Fachangestellte, Fotografen, Hotel- und Restaurantfachleute, Einzelhandelskaufleute, Maler.

Tätigkeiten mit besonderen koordinativen Anforderungen

Sie sind gekennzeichnet durch hohe statische und dynamische Belastungen des gesamten Körpersystems. Dabei handelt es sich um stehende und gehende Tätigkeiten mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit und Standsicherheit (wie unebene, schmale oder höher gelegene Untergründe, enge, schlecht beleuchtete Arbeitsplätze, Leitern, Gerüste). Diese sind oft verbunden mit Heben, Halten und Tragen von Lasten sowie Vorneigen und Verdrehen des Oberkörpers. Zusätzliche Anforderungen entstehen durch Zwangshaltungen wie Bücken, Hocken und Überkopfarbeiten.

Typische Berufsgruppen:
Dachdecker, Hoch- und Tiefbauer, Restauratoren, Forstwirte, Elektroanlagenmonteure, Maurer, Glaser, Elektroinstallateure, Maler.

Hanteln

Ausgehend von diesem Kenntnisstand über die beruflichen Belastungen und Gefährdungen der einzelnen Berufsfelder sowie der berufspraktischen Erfahrung und des Erlebens von beruflicher Belastung der Schüler ist eine gezielte Gestaltung des Sportunterrichts an Berufsschulen möglich und notwendig. Bei der Planung und Gestaltung des Berufsschulsports sollten natürlich auch die Interessen und Bedürfnisse der Schüler im Bereich der Trend- und Freizeitsportarten berücksichtigt werden. Auch zusätzliche Sport- und Bewegungsangebote können zur Vermeidung von Bewegungsmangelerscheinungen im Rahmen von fächerübergreifender Bewegungserziehung und Gesundheitsförderung beitragen.


Mercedés Wünsche

Die Autorin ist Aufsichtsperson der Unfallkasse Sachsen-Anhalt.

Der Tipp

Die Unfallkasse Sachsen bietet unter dem Titel „Gesundheitsfördernd orientierte Lernbereiche“ ein zweitägiges Seminar für Sportlehrer an.

Literatur:
Handreichung zu gesundheitsfördernd orientierten Lernbereichen, Herausgeber: Sächsisches Staatsministerium für Kultus

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