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Kein Platz für Kreuze

i-Punkt Ausgabe 03/2007

Sicherheit

 

Landstraßen – schön, aber gefährlich
Landstraßen sind Fahrvergnügen pur: reizvolle Natur, idyllische Alleen und Kurvenspaß. Die Kehrseite der Medaille: Die Unfallstatistik ist erschreckend. Zwar passieren dort nur 27 Prozent aller Unfälle, doch sind die besonders schwer: Das Risiko, tödlich zu verunglücken, ist mehr als doppelt so hoch wie auf anderen Straßen. Ganz offensichtlich werden die Gefahrenquellen unterschätzt.

Keine andere Straßengattung birgt so hohe Risiken wie Landstraßen. Denn nur hier kommen hohe Geschwindigkeiten, Gegenverkehr und Überholmanöver zusammen. Unterschiedliche Verkehrsteilnehmer teilen sich oft enge Fahrspuren: Pkw und Motorräder, Lkw, aber auch Radfahrer, Fußgänger und Landmaschinen. Nirgends sonst muss so oft mit unvorhersehbaren Situationen gerechnet werden: Gegenverkehr hinter einer Kuppe, Wildwechsel in der Dämmerung, ein Traktor, der in die Straße einbiegt, schlechte oder rutschige Fahrbahn. Besonders risikoreich sind unübersichtliche Einmündungen, scharfe Kurven und wechselnde Lichtverhältnisse in Alleen und Waldstücken. All dies erfordert höchste Aufmerksamkeit und vorausschauende, angepasste Fahrweise.  Die meisten Verkehrsteilnehmer unterschätzen das Risiko: Unangepasste Fahrweise ist die Unfallursache Nummer eins auf Landstraßen. Jeder zweite Unfall mit Todesfolge resultiert daraus, dass der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat, ohne dass ein weiterer Verkehrsteilnehmer  beteiligt war. Überhöhte Geschwindigkeit, Fehleinschätzung sowie Unachtsamkeit führen zu schweren Unfällen.

Vorsicht Kurve

Keine Kurve ist wie die andere: Jeder dritte Unfall ereignet sich in Kurven mit meist schweren Folgen. Unangepasste Geschwindigkeit ist Unfallursache Nummer eins. Auslöser sind meist unterschätzte Fliehkräfte, die in engen Kurven zunehmen. Sie treiben das Fahrzeug spürbar nach außen. Was oft unbekannt ist: Die Fliehkraft wächst im Quadrat zur Fahrgeschwindigkeit. Das heißt: Doppelte Geschwindigkeit ist gleich vierfache Fliehkraft. Der Fliehkraft wirkt eine andere Kraft entgegen: die Seitenführungskraft. Sie sorgt dafür, dass das Fahrzeug in der Spur bleibt. Damit die Seitenführungskraft richtig übertragen werden kann, braucht es gute Reifen und den richtigen Reifendruck, besonders bei Regen, verschmutzter Fahrbahn, nassem Laub oder Splitt. Wer in einer Kurve merkt, dass er zu schnell ist, hat einen Fehler gemacht und den Kurvenverlauf oder die Fahrbahnbeschaffenheit nicht richtig eingeschätzt. In einer solchen Situation darf das Tempo auf keinen Fall erhöht werden. Gezieltes Lenken und sofortiger Geschwindigkeitsabbau sind jetzt angesagt. Fahrzeuge mit elektronischem Stabilitätsprogramm (ESP) und ABS haben hier Sicherheitsvorteile. Ein Ausbrechen des Fahrzeugs kann durch den Eingriff der elektronischen Helfer verhindert werden. Diese Systeme setzen die Gesetze der Fahrphysik jedoch nicht außer Kraft. Auch mit ESP und ABS kann nicht mit beliebig hoher Geschwindigkeit gefahren werden. Wer sich als Fahrer allzu sorglos auf die Technik verlässt, kann schnell böse Überraschungen erleben. Noch eins: Der Fahrbahnzustand ist gerade auf Landstraßen nicht immer gleichmäßig. Je nach Jahreszeit muss mit Verschmutzungen durch Laub oder Blütenrückstände gerechnet werden. Landwirtschaftliche Fahrzeuge verlieren beim Auffahren auf die Fahrbahn lose Erde. Aber auch Weidetiere, die über die Fahrbahn getrieben werden, hinterlassen das tückische „Bauernglatteis“. Wer den Fahrbahnzustand immer im Auge behält und rechtzeitig vom Gas geht, wenn sich eine Verschlechterung abzeichnet, sorgt für ausreichende Sicherheitsreserven.

Alleen: schön, aber gefährlich

Autounfall

Herrlich, diese Strecke: über der Fahrbahn wölbt sich das dichte Blätterdach einer alten Allee. Doch was so idyllisch erscheint, kann tödlich enden: Wer in einer Allee die Herrschaft über sein Fahrzeug verliert und von der Fahrbahn abkommt, prallt mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen einen der Bäume, häufig mit fatalen Folgen. Seit zehn Jahren werden Unfälle, bei denen Fahrzeuge gegen einen Baum prallen, statistisch erfasst. In dieser Zeit ereigneten sich in Deutschland insgesamt über 200.000 Baumunfälle mit Getöteten und Verletzten, drei Viertel davon auf Landstraßen. 17.830 Menschen starben im Zehnjahreszeitraum. Überwiegend handelt  es sich um Alleenunfälle nach Abkommen des Fahrzeugs von der Fahrbahn. Die Baumbestände in Alleen sind meist alt. Die Verkehrsfrequenz war damals wesentlich geringer und Überholvorgänge eher selten. Darum sind Alleen meist eng, so eng, dass die Bäume direkt am Rand der sowieso schon schmalen Straße stehen. Zudem stehen die Bäume oft noch nahe beieinander. Ein Ausweichmanöver ist  meist nahezu unmöglich. Baumunfälle ereignen sich überwiegend zu verkehrsschwachen Zeiten, bei Dämmerung und Dunkelheit. Oft spielt überhöhte Geschwindigkeit eine Rolle. Dabei sind sich die Fahrer des Risikos zumeist nicht bewusst. Die Gründe hierfür liegen häufig in der Gewöhnung und Vertrautheit mit den Strecken, aber auch in den positiven Emotionen, die das Fahren in der Natur auslöst. Auch Bäume, die mehrere Meter weit von der Fahrbahn entfernt sind, sind im Falle eines Aufpralls eine tödliche Gefahr. Drosseln Sie in Alleen ihre Geschwindigkeit, verzichten Sie möglichst auf Überholmanöver und schalten Sie das Licht ein.

Überholen – muss das sein?

Riskante Überholvorgänge sind häufig die Ursache schwerer Landstraßenunfälle. Überholen Sie nur, wenn während des gesamten Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs und des Überholten ausgeschlossen sind. Achten Sie auch auf den nachfolgenden Verkehr. Mit berechenbarer Fahrweise sorgen Sie für sichere Über- holvorgänge der anderen. Ermöglichen Sie den Nachfolgenden das Überholen an geeigneten Stellen. Wer Abstände zum Vordermann hält, kann ebenfalls dazu beitragen, dass andere ihre Überholvorgänge gefahrlos durchführen oder beenden können. Nähern Sie sich langsam fahrenden Fahrzeugen, sollten Sie sich immer fragen, warum der andere so langsam ist und was er vor hat. Will er vielleicht abbiegen? Befindet sich weiter vorn eine Gefahrenstelle? Vor allem Baufahrzeuge und landwirtschaftliche Fahrzeuge ändern manchmal spontan ihre Fahrtrichtung, und wer ein Fahrzeug überholt, das gerade links abbiegen will, hat schlechte Karten. Kritisch ist generell das Überholen von Lkws. Sie sind breiter und länger als  Pkws und verdecken die Sicht nach vorn. Wer hier zu nah auffährt, hat keine Chance, den Verlauf der Straße zu überblicken, ohne dabei weit – oft zu weit – in den Gegenverkehr hineinzufahren, also Abstand halten. Häufig unterschätzt wird die Strecke, die man für ein Überholmanöver auf der Landstraße braucht. Wer sich mit 100 km/h einem Pkw nähert, der mit 70 km/h unterwegs ist, muss auch bei Idealbedingungen mit einem Überholweg von mind. 270 m rechnen. Mindestens die doppelte Strecke muss man wegen des möglichen Gegenverkehrs überblicken können, damit der Überholvorgang kalkulierbar bleibt.

Durch Lichtverhältnisse entstehen ebenfalls Gefahren beim Überholen: Eine tief stehende Sonne, die den Fahrer blendet, lässt andere Fahrzeuge schnell unsichtbar werden. In Waldgebieten erzeugen die Sonnenstrahlen Licht und Schatten. Hierdurch entstehen irritierende Hell-Dunkel-Effekte, welche die Wahrnehmung derart stören, dass der Straßenverlauf falsch eingeschätzt wird. Wie so häufig im Leben, gilt auch beim Überholen: Miteinander geht es besser. Gewagte Manöver, um Zeit gutzumachen, lohnen nicht. Die wenigen Minuten, die man vielleicht durch eine „sportliche“ Fahrweise rausholt, sind das Risiko nicht wert. Also besser keine Sicherheit verschenken. Überholen Sie im Zweifel nie!

Landstraßen – schön, aber gefährlich. Viele dieser Unfälle könnten vermieden werden, wenn rücksichtsvoller, aufmerksamer und defensiver gefahren würde. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung widmen sich diesen Risiken in der diesjährigen Schwerpunktaktion.

DVR

Mehr Informationen: www.kein-platz-fuer-kreuze.de

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