Webcode dieser Seite: u273

Nasse Füße machen immun

i-Punkt Ausgabe 04/2004

Gesundheit

 

Kneipp-Anlagen in Kindertageseinrichtungen
Den „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp kennen schon die 5-Jährigen. Wen wundert’s, bestimmt der Gesundheits-Pfarrer mit seiner Fünf-Säulen-Therapie doch schon in 11 sächsischen Kindertageseinrichtungen den Tagesablauf, ob beim Wassertreten vor der Mittagsruhe oder bei Kniegüssen am Morgen. Doch bevor die Hosen hochgekrempelt werden und es im Storchengang durchs kalte Wasser geht, sollten Sie der Sicherheit einige Beachtung schenken.

Richtig installierter Kneipp-Schlauch. Hier bleiben die Erzieher trocken.
Kneipp-Schlauch

Die positive Wirkung der Wasseranwendungen auf Kreislauf sowie gegen Infekte der Atemwege ist bekannt. Aber auch die entspannende Wirkung, Stoffwechselanregung, die vegetative Stabilisierung und die Förderung der Wärmeregulierung des Körpers sind wichtige Gründe, Kneipp bereits im Vorschulalter den Kindern zum Bedürfnis werden zu lassen. Dazu eignet sich der Aufenthalt im Kindergarten bestens, und zusammen mit anderen Kindern ist der Spaß vorprogrammiert. Statt der von Sebastian Kneipp (1821 – 1897) genutzten Gießkanne gibt es heute Wassertretanlagen oder Wasserecken, Duschen unterschiedlichster Ausführung und Kneipp-Schlauch sowie Armbäder.

In vielen Kitas ist das Interesse an gesundheitsfördernden Konzepten groß. Senkt doch beispielsweise die Kneipp-Therapie die Erkältungshäufigkeit der Kinder spürbar. Ein Umstand, den auch Eltern sehr schätzen. Nun wird sich nicht gleich in jeder Einrichtung ein Wassertretbecken einbauen lassen. Doch die eine oder andere Anwendung ist auch schon mit relativ einfachen Mitteln realisierbar. Wenn Sie die folgenden Mindestanforderungen beachten, steht der gesunden Planscherei nichts mehr im Wege.

Wir haben Ihnen die wichtigsten Anforderungen in einem Fragenkatalog zusammengefasst. Wenn Sie diese Fragen zufriedenstellend beantworten können, lässt sich die eine oder andere Gefährdung bereits im Vorfeld vermeiden. Wenn nicht, stehen wir selbstverständlich gern für weitere Hinweise bereit.

  • Lassen Ihre Platzverhältnisse Wassertreten oder Wassergüsse zu?
  • Wurde der Träger der Einrichtung informiert? (Stichwort: Nutzungsänderung)
  • Sind Verkehrswege und Bodenbeläge im Bereich der Wasseranwendungen eben, ohne Stolperstellen, ohne scharfe Kanten und rutschhemmend?
  • Sind Quetschgefahren für Kinderfüße ausgeschlossen? (Türunterkanten - Abstand des Türblattes zum Bodenbelag max. 8 mm, abgerundetes oder elastisches Profil)
  • Sind die Wassereinläufe außerhalb der Verkehrswege angeordnet?
  • Entsprechen die Böden und Matten den hygienischen Anforderungen?
  • Sind alle Wasserauslaufstellen auf 45°C begrenzt?
  • Können die Räume ausreichend beund entlüftet werden?
  • Sind Elektroinstallationen (Leuchten, Steckdosen) außerhalb des Zugriffsbereichs von Kindern?

1) in Abhängigkeit von der Treppenbreite
Übersicht

Für trockene Füße nach dem Bad sorgt diese Fußmatte
Kinder auf Fußmatte
Der Haltegriff macht auch das Schüsselbad sicher
Kinder in Schüsselbad

Eine Alternative zum Wassertretbecken können mobile Fußbecken sein. Dabei ist jedoch möglichst beim Aufstellen bzw. vor Einfüllen des Wassers die Kipp- und Stolpergefahr auszuschließen. Die Größe der Behälter ist den Kinderfüßen anzupassen und mindestens eine Festhaltemöglichkeit vorzusehen.  

Armbäder lassen sich im Waschbecken realisieren Dusch- und Kneipp-Schlauch sind so zu installieren, dass die Erzieherin sich bei Anwendung für die Kinder nicht allzu nass spritzen muss. Bitte achten Sie auf ausreichende Ablagemöglichkeiten in der Nähe der Wasseranwendung für Handtücher, Bademäntel und Sachen der Kinder.

Festlegungen für die Durchführung der Wasseranwendungen sollten Sie, bezogen auf die örtlichen Bedingungen, in einer Art Betriebsanweisung (organisatorische und technische Voraussetzungen) oder Badeordnung (Durchführung) schriftlich festhalten und auslegen bzw. aushängen. Auch an die regelmäßige Unterweisung Ihrer Mitarbeiter ist zu denken.

Für Armbäder reichen einfache Waschbecken
Kind beim Armbad
Gut gemacht: kindgerechte Duschinstallation
kindgerechte Duschinstallation

Hier einige Hinweise, die Sie bei der Erstellung Ihrer Kneipp- oder Badeordnung berücksichtigen sollten:

  • Liegt ein schriftliches Einverständnis der Eltern vor?
  • Sind die Kinder gesundheitlich geeignet?
  • Sind die Eltern über Art und Zeitpunkt der vorgesehenen Anwendungen informiert?
  • Wer kann welche Maßnahmen der ersten Hilfe leisten?
  • Ist eine zweite Aufsichtsperson schnell zur Stelle?
  • Wurden Vorkehrungen zur Evakuierung im Notfall getroffen?
  • Ist der Notruf in diesem Bereich zu hören?
  • Wie erfolgt die Evakuierung während der Wasseranwendung?
  • Werden die Einrichtungen gewartet und regelmäßig durch eine sachkundige oder befähigte Person geprüft? Wird darüber ein Nachweis geführt (formlos)?
  • Überzeugen Sie sich regelmäßig vor und nach der Benutzung vom ordnungsgemäßen Zustand?
  • Wurde die Benutzung privater elektrischer Geräte untersagt, beispielsweise Haartrockner?
  • Sind Ablauf, Zeitpunkt oder Dauer der Anwendungen festgelegt? (wobei Alter und schrittweise Gewöhnung der Kinder zu beachten sind, Ruhepausen vorsehen)
  • Wird die Wasser- und Lufttemperatur überwacht?
  • Gibt es Vorkehrungen bei Unwohlsein der Kinder?
  • Wurde eine Höchstzahl der Kinder festgelegt?

Wir empfehlen, die Kneipp-Ordnung regelmäßig zu aktualisieren. Ergeben sich Fragen zur Hygiene, dann sollten Sie sich an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden.

Alles gut im Blick: Die Kneipp-Regeln
Die Kneipp-Regeln

Allgemeine und spezielle Forderungen und Hinweise finden Sie u. a. in diesen Vorschriften und technischen Regeln:

  • UVV „Allgemeine Vorschriften“ GUV-V A 1 (bisher GUV 0.1)
  • UVV „Elektrische Anlagen“ GUV-V A 2 (bisher GUV 2.10)
  • „Richtlinien für Kindergärten“ GUV-SR 2002 (bisher GUV 16.4)
  • „Bodenbeläge für nassbelastete Barfußbereiche“ GUV-I 8527 (bisher 26.17)
  • Checkliste 8.7 aus GUV-SI 8459 „Checklisten zur Gefährdungsbeurteilung in Kindertageseinrichtungen“
  • Verwaltungsvorschrift zu § 10 Sächs. Kita-Gesetz
  • DIN VDE 0100–737 feuchte und nasse Bereiche

Carin Böhme

Noch Fragen: boehme@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 09

Mehr Infos:
Kneipp Center Dresden
(0351) 4901366

Kneippverein Landleben e. V.
(03522) 529660

oder im Internet
www.kneippbund.de
www.kneipp-dresden.de

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
Externer Link zur Überprüfung dieser Seite auf standardkonforme Programmierung nach XHTML 1.0  Externer Link zur Überprüfung von Style Sheets  Externer Link zur Erklärung der Stufe AAA der Web Content Accessibility Guidelines 1.0