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Unfälle im Feuerwehrdienst 2003

i-Punkt Ausgabe 04/2004

Sicherheit

 

2003 wurden 812 Unfälle von Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren und 29 Unfälle von Angestellten der Berufsfeuerwehren bei der Unfallkasse Sachsen angezeigt. Schwerpunkt des Unfallgeschehens liegt eindeutig bei den Freiwilligen Feuerwehren, wobei 2003 im Regierungsbezirk Dresden die meisten Sicherheitsdefizite zu verzeichnen waren.

Gegenüber dem Vorjahr gingen die Unfallzahlen wieder zurück und erreichten das Niveau vor dem Hochwasser 2002 bzw. blieben sogar darunter. Die rückläufigen Unfallzahlen bei den Berufsfeuerwehren sind nicht nur auf die verbesserten sicherheitstechnischen Bedingungen und weniger Einsätze als 2002 zurückzuführen, sondern auch auf die fortgesetzten Verbeamtungen der Einsatzkräfte. Feuerwehrleute im Beamtenverhältnis unterliegen nicht mehr dem Unfallversicherungsschutz bei der Unfallkasse Sachsen.

Analysiert man das Unfallaufkommen im Bereich der Freiwilligen Feuerwehren nach Dienstarten, so sind außer bei den regulären Einsätzen drei Schwerpunkte zu erkennen. Wir stellen aus jedem Schwerpunktbereich eine Unfallauswertung vor, um Ihnen zu zeigen, dass in jedem Fall Ansätze für eine wirkungsvolle Prävention möglich waren und damit jeder dieser Unfälle hätte vermieden werden können.

Unfälle Freiwillige Feuerwehr Sachsen 2003 nach Dienstarten

Unfälle Freiwillige Feuerwehr Sachsen 2000 –2003

Schwerpunkt 1:

X-mal geprobt: Löschangriff
Feuerwehrmänner beim Löschangriff

Die Jugendfeuerwehr mit einem Anteil von
12 % des Gesamtunfallaufkommens

Der Unfall:

Entsprechend dem Dienstplan führten die Jugendfeuerwehrangehörigen in Z. am Unfalltag eine Löschübung auf einem Wiesengelände durch. Die Jugendlichen wurden auch am Strahlrohr eingesetzt. Durch den hohen Wasserdruck und den Druckstoß wurde die Hand einer Kameradin mit so erheblicher Wucht umgeknickt, dass sie sich eine Handwurzelverstauchung mit dem Verdacht einer Fraktur zuzog.

Unfalluntersuchung:
Der Hergang dieses Unfalles wurde untersucht und eine Beratung durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass bei der Ausbildung während der Löschwasserförderung keine ausreichende Druckbegrenzung gewährleistet war. Treten derartige hohe Wasserdrücke auf, können schlagende Schlauchteile oder Strahlrohre zu erheblichen Verletzungen führen.

Unfallverhütung:
Nach § 18 (1) der UVV „Feuerwehren“ ist beim Feuerwehrdienst von Angehörigen der Jugendfeuerwehr deren Leistungsfähigkeit und Ausbildungsstand zu berücksichtigen. Insbesondere ist bei Löschübungen dafür Sorge zu tragen, dass nur mit reduziertem Wasserdruck (z.B. durch Druckbegrenzungsventile oder durch Festeinstellungen an der Feuerlöschpumpe) gearbeitet wird. Grundsätzlich gilt: Bei Ausbildungsmaßnahmen der Jugendfeuerwehr und Übungen mit Wasser muss eine direkte fachliche Aufsicht gewährleistet sein. Es muss jederzeit ein sofortiges Eingreifen von aktiven Feuerwehrangehörigen möglich sein.

Schwerpunkt 2:

Unfallursache: falsche Seilführung
Unfallursache: falsche Seilführung

Bei Übung und Ausbildung mit einem Anteil von 15% des Gesamtunfallaufkommens

Der Unfall:
Die FFW N. führte eine planmäßige Rettungsübung mit einem Wasserwirtschaftsunternehmen durch. Ziel: Personenbergung aus einem Abwasserkanal. Da ein Rettungshubgerät nicht zur Verfügung stand, wurde aus zwei Steckleiterteilen und einem quer gelegten Standrohr ein Aufzugshilfsmittel über dem Kanaleinstieg installiert. Dem Kameraden wurde eine Feuerwehrleine als Absturzsicherung angelegt (Brustbund). Diese Feuerwehrleine wurde über eine Atemluftflasche des Atemschutzgerätes geführt, dass z.B. bei Einsätzen in abwassertechnischen Anlagen von Feuerwehrangehörigen zu tragen ist. Bei der simulierten Bergung rutschte die Feuerwehrleine in den Halsbereich und quetschte den Kameraden so stark, das es zu einem schockähnlichen Zustand kam.

Unfallverhütung:

Der FFW N. wurde geeignete persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (Auffanggurt, Kerndynamikseil, Bandschlingen, HMS-Karabiner) nach § 4 der Unfallverhütungsvorschrift „Allgemeine Vorschriften“ bereitgestellt. Dem Betreiber der abwassertechnischen Anlage wurde nach § 22 der UVV „Abwassertechnische Anlagen“ aufgetragen, dass ein für Rettungsmaßnahmen erforderliches Abseil- und Rettungshubgerät auch bei gemeinsamen Übungen mit der Feuerwehr eingesetzt wird.

Schwerpunkt 3:

Korrekte Starthilfe mit Steckdose und Kabel
Korrekte Starthilfe mit Steckdose und Kabel

Der Arbeits- und Werkstatt-Dienst mit einem Anteil von 11% des Gesamtunfallaufkommens

Der Unfall:
Der Motor des Drehleiterfahrzeuges ließ sich nicht mehr starten. Grund: Die Batterie gab wegen der Kälte und ihres schlechten Ladezustandes nicht mehr genügend Leistung ab. Eine Starthilfe musste her. Unsere zwei Kameraden versuchten, mit einem Starthilfekabel und einem frisch geladenen Akku eines Rüstwagens die Batterie wieder flott zu bekommen. Beim Klemmen der letzten Verbindung kam es zur Explosion der Rüstwagen-Batterie. Durch Säureaustritt und wegfliegende Teile zogen sich beide erhebliche Verletzungen im Gesicht und an den Händen zu.

Unfalluntersuchung:
Bei der Ladung der Starterbatterie steigt die Spannung an. Es wird Schwefelsäure gebildet, und die Säuredichte in der Batterie nimmt wieder zu. Gleichzeitig wird an den Elektroden Wasserstoff abgeschieden. Wird nach vollständiger Ladung die Ladespannung nicht unterbrochen, läuft die Zersetzung des Elektrolyten weiter. Dabei wird Sauerstoff an der Plusplatte und Wasserstoff an der Minusplatte frei; die Batterie beginnt zu „gasen“. Wird das entstehende Knallgas, das durch die Entlüftungsöffnungen in den Batteriestopfen nach außen dringt, entzündet, entsteht eine heftig ablaufende Verbrennung, eine Explosion. Der Explosionsdruck zerstörte das Batteriegehäuse, und die umherfliegenden Teile sowie die umherspritzende Schwefelsäure führten zu den Verletzungen.

Unfallverhütung:
Die Bildung von Knallgas muss verhindert werden. Es muss zum einen durch Belüftung das explosionsfähige Gasgemisch verdünnt und zum anderen das Auftreten von Zündquellen im explosionsgefährdeten Bereich vermieden werden. Starthilfegeräte, Batterieladeeinrichtungen und elektrische Messgeräte zum Messen des Ladezustandes müssen nach Punkt 4.26 der „Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Fahrzeug-Instandhaltung“ so ausgerüstet sein, dass beim An- oder Abklemmen der  Anschlussleitungen kein elektrischer Lichtbogen und keine Funken in der Nähe der Gasaustrittsöffnungen der Akkumulatoren entstehen können.

Unfälle Freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr in Sachsen 2003 nach Verletzungsarten

Ronald Patzak

Noch Fragen: patzak@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 03

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Unfallkasse Sachsen
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