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Was bedeutet BGV C1-konform?

i-Punkt Ausgabe 04/2004

Sicherheit

 

UVV „Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung“
In der Veranstaltungsbranche hat sich der Bezug auf die BGV C 1 als ein Sicherheitsstandard fest etabliert. Auch die alte Bezeichnung VBG 70 wurde bereits in vielen Bereichen als ein Merkmal für besondere sicherheitstechnische Qualität benutzt. Wann darf die BGV C 1 angewendet werden? Für Unternehmen der öffentlichen Hand gilt sie als GUV-V C1.

Zurzeit ist feststellbar, dass die Bezeichnung BGV C1-konform oder -zertifiziert verschiedentlich in zweifelhafter Weise verwendet wird. Hersteller, Vertreiber und auch Prüfstellen zeichnen mit BGV C1 zum Teil Produkte oder Leistungen aus, ohne dass alle in der UVV eingeforderten Schutzziele erfüllt sind. Es wird hier leichtfertig der Bezug auf eine Unfallverhütungsvorschrift hergestellt, ohne dass es dafür berechtigten Grund gibt.

Die Unfallverhütungsvorschrift BGV C1 „Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung“ enthält im Wesentlichen drei Hauptabschnitte:

  • Bau und Ausrüstung
  • Betrieb
  • Prüfungen, die Schutzzielformulierungen bzw. die konkreten Anforderungen.

In den §§ 1 und 2 sind der Geltungsbereich und die damit verbundenen Begriffe definiert. Diese UVV hat als Normadressaten die Unternehmer und auch die Versicherten und somit nicht direkt Hersteller oder Vertreiber von Produkten. Hauptsächlich aus dem Abschnitt „Bau und Ausrüstung“ in Verbindung mit den einschlägigen Normen und Regeln des Anhangs 1 lassen sich Produktmerkmale ableiten. Wenn bei der Gestaltung und Konstruktion von Produkten die konsequente Umsetzung dieser Zielvorgaben eingehalten wird, entstehen Arbeitsmittel, die eine BGV C1-konforme Benutzung ermöglicht. Alle Anforderungen der BGV C1 und der Normen sind so ausgerichtet, dass sie der besonderen Gefährdung im bühnentechnischen und szenischen Bereich entgegenwirken.

Dies sind u. a. Anforderungen an:

  • Standsicherheit und Tragfähigkeit
  • sichere Begehbarkeit und Absturzsicherung
  • Schutz gegen herabfallende Gegenstände
  • Sicherung gegen unbeabsichtigte Bewegungen
  • Bemessung von Tragmittel und Anschlagmittel
  • Sicherung von Gefahrstellen an bewegten Einrichtungen
  • Prüfung von maschinentechnischen Einrichtungen

Derartige Anforderungen werden vornehmlich an Einrichtungen und Arbeitsmittel gerichtet, die bühnentechnisch bedingt direkt oder indirekt zum Halten und Bewegen von Lasten über Personen benutzt werden. Gerade solche Produkte sind für eine BGV C1-Zertifizierung prädestiniert, z. B.:

  • Punktzüge und dazugehörende Steuerungen
  • Leuchtenhänger, Motorbügel, Scheinwerfer
  • Traversensysteme und Zubehör
  • Podeste oder Arbeitsplattformen
  • Trag- oder Hängesysteme z. B. für Lautsprecher
  • Befestigungs- und Verbindungselemente

Neue Bühnentechnik im „kleinen Haus“ Dresden
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Häufig wird auch gerade für Sonderbauten eine BGV C1-Prüfung und Zertifizierung erforderlich.

Unser modernes Rechtssystem enthält für die wenigsten der vorgenannten Produkte Prüfverpflichtungen durch externe Stellen. Die weitaus meisten Produkte werden von EG-Richtlinien erfasst, die so auch eine Konformitätserklärung durch den Hersteller ermöglichen, aber auch nötig machen. Hierbei ist jedoch kein Hersteller gezwungen, auf nationale Bestimmungen wie z. B. die BGV C1 einzugehen. Dennoch macht gerade die Konformität mit den Schutzzielen dieser UVV das Produkt häufig erst marktfähig oder besonders wertvoll. Konformitätserklärungen werden eigenverantwortlich vom Hersteller oder Importeur in der Regel ohne fremdes Zutun erstellt. Gelegentlich sind die Aussagen hierin oder auch in Produktdokumenten aber sehr von Vertriebsgedanken geleitet.

Eine Vielzahl von Herstellern, die meist eine besondere Sorgfalt oder Qualität darstellen wollen, bedienen sich auf freiwilliger Basis der Prüfung und Zertifizierung ihrer Produkte durch externe Prüfstellen. Produkte bei denen solche Prüfungen zu einem positivem Ergebnis führen, erhalten z. B. das GS-Zeichen oder ein Zertifikat mit dem Logo einer Prüfinstitution.  

Leider tauchen hierbei, wie auch bei der reinen Konformitätsbewertung immer wieder Produkte am Markt auf, bei denen „nicht drin ist, was drauf steht“, das heißt Produkte, die z. B. mit BGV C1 gekennzeichnet sind, ohne dass der Endverbraucher sie tatsächlich so benutzen bzw. einsetzen kann, wie dies die BGV C1 vorsieht.

Eine vollständige Benutzung im Sinne der BGV C1 schließt z. B. auch Eignung für den mobilen Veranstaltungsbetrieb und die Möglichkeit zur Bewertung der Produkte bei den regelmäßig durchzuführenden Prüfungen ein. Insbesondere im mobilen Veranstaltungsbetrieb ist oft die Beanspruchung der Produkte beim Transport sowie Auf- und Abbau erheblich größer als während der eigentlichen Betriebszeit.

Eine weitere Überlegung gilt der Bedienungs- bzw. Montageanleitung. Diese Anleitungen sind integraler Bestandteil von Produkten, das heißt, ein Produkt ohne bzw. mit mangelhafter Anleitung gilt als nicht vollständig. Selbstverständlich müssen Anleitungen in der Landessprache vorliegen. Ganz besonders muss in Anleitungen auf Restrisiken hingewiesen sowie die vorhersehbare Fehlanwendung ausgeschlossen werden.

Anleitungen müssen zudem Hinweise und Kriterien enthalten, die eine Bewertung der Produkte bei Prüfungen ermöglicht, z. B. Merkmale für Verschleiß oder die Ablegereife.

Zusätzlich zu allen bisherigen Betrachtungen verlangt die BGV C1 in Verbindung mit der BGG 912 („Prüfung von sicherheitstechnischen und maschinentechnischen Einrichtungen in Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung“) für maschinentechnische Einrichtungen besondere Prüfungen, auch vor der ersten Inbetriebnahme und damit eigentlich auch vor dem Inverkehrbringen. Hierbei handelt es sich immer um Vor-, Bau- und Abnahmeprüfungen durch ermächtigte Sachverständige oder um Bauartprüfung durch akkreditierte Stellen.

Schlussendlich ist deutlich zu machen, dass es nicht zulässig ist, die Bezeichnung BGV C1 als ein allgemeines Qualitätsmerkmal bzw. eine allgemeine Prüfgrundlage zur Auszeichnung von Produkten, Einrichtungen oder Dienstleistungen zu verwenden, die zwar im Rahmen von Veranstaltungen eingesetzt werden, die aber weder vom Geltungsbereich noch von inhaltlichen Anforderungen der UVV erfasst werden.

Ebenfalls ist es nicht möglich, Produkte nach BGV C1 zu zertifizieren, wenn diese nur Teilanforderungen erfüllen. Auch die besondere Dimension der Haftung, die für Verantwortliche dadurch entsteht, dass ein zusätzliches Vertrauen im Produkte gelegt wird, wenn diese eine exklusive Sicherheit vermitteln, sollte Anreiz sein, mit derartigen Auszeichnungen gewissenhaft umzugehen.

Johannes Heinz

Der Autor ist Mitglied der Fachgruppe öffentliche Verwaltung - Sachgebiet Theater - Kernfachgruppe BUK.

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