Webcode dieser Seite: u204

Auch das Gehör braucht Pausen

i-Punkt Ausgabe 04/2005

Gesundheit

 

Lärm und was dahinter steckt
Lärm ist mittlerweile für viele ein täglicher Begleiter. Laute Maschinen am Arbeitsplatz, Straßen- oder Fluglärm oder die laute Telefonstimme des Büronachbarn. Auch in der Freizeit gehört der Lärm dazu, gerade für Jugendliche: laute Musik in der Disco, im Auto oder aus dem MP3-Player. Die Auswirkungen von Lärm sind vielfältig. Besonders problematisch ist der Lärm, der unserem Gehör bleibende Schäden zufügt: Lärmschwerhörigkeit oder bleibende Dauergeräuschempfindungen, der so genannte Tinnitus, sind nicht heilbar. Bei den Berufskrankheiten nimmt Lärmschwerhörigkeit seit vielen Jahren einen Spitzenplatz ein.

Hören

Der Hörvorgang ist eine komplizierte Sache: Töne oder Geräusche sind Schallwellen, die durch die Luft in unser Ohr transportiert werden. Im Innenohr befinden sich ungefähr 20.000 Haarzellen. Ihre Anzahl ist von Geburt an konstant. Die Haarzellen verwandeln die Schallwellen in elektrische Impulse, die über den Hörnerv ins Gehirn weitergeleitet werden. Hier werden die Impulse als Töne oder Geräusche interpretiert.

Lärm – was ist das?

Die Wahrnehmung von Schallwellen löst bei uns nicht immer die gleiche Empfindung aus: Empfinden wir sie als störend oder belästigend, dann bezeichnen wir sie als Lärm. Musik dagegen wird eher als angenehm empfunden. Aber: Unabhängig von einer als angenehm oder unangenehm empfundenen Wahrnehmung gefährden Schallwellen ab einer gewissen Lautstärke das menschliche Gehör.

Ob ein Geräusch oder ein Ton als laut oder weniger laut empfunden wird, hängt von der Schallintensität bzw. vom Schalldruck ab. Die Messgröße für den Schallpegel und damit für den Lärm ist das Dezibel (dB). Null dB entspricht der Hörschwelle, d. h. dem Schalldruck, der vom menschlichen Ohr gerade noch wahrgenommen wird. Die Schmerzgrenze, d.h. die Schwelle, ab der der Lärm weh tut, wird bei etwa 120 dB erreicht.

wirkungszeit, um die gleiche Schalldosis zu erzeugen bzw. Schädigung hervorzurufen. Besonders hohe Schallpegel, wie sie bei Knallen oder Explosionen entstehen, können auch direkt schwere Verletzungen verursachen. Ein einziger Silvesterkracher, der in der Nähe des Ohrs explodiert, kann das Trommelfell platzen lassen.

Für den Arbeitsplatz ist geregelt, wie lange man bei welcher Lautstärke arbeiten darf und ab wann man sein Gehör schützen muss. Dabei wird davon ausgegangen, dass man den genannten Schallpegeln mehrere Jahre ausgesetzt ist. Maßgebend ist der Beurteilungspegel: Wenn bei der Arbeit acht Stunden lang im Durchschnitt mehr als 85 dB(A) über mehrere Jahre in den Ohren dröhnen, wird es gefährlich.

Das Hörfeld des Menschen ist abhängig von der Frequenz des Schalls. Es wird im leisen Bereich durch die Hörschwelle eingegrenzt, im lauten Bereich durch die Schmerzgrenze. Im Hörfeld liegen die Bereiche für Sprache und Musikempfindung.
Hörfeld des Menschen

Lärm – Folgen werden unterschätzt

Die Folgen von Lärm sind zu wenig bekannt oder werden noch immer unterschätzt: Hörschäden treten meist erst nach vielen Jahren auf. Dass unser Gehör schlechter wird, stellen wir meist erst dann fest, wenn es zu spät ist. Die empfindlichen Haarzellen sind z.T. abgestorben und das, was wir hören, ist lückenhaft. Besonders problematisch wird es, wenn einer der Lücken im Sprachbereich liegt: Man kann kaum noch verstehen, was gesprochen wird. In diesem Fall hilft auch kein Hörgerät.

Lärm – wann wird’s gefährlich?

Nicht jeder Lärm geht sofort auf die Ohren. Ob er das Gehör schädigt, hängt nicht nur von der Höhe der Schallpegel, sondern auch von der Dauer der Einwirkung ab.

Deshalb wird am Arbeitsplatz der so genannte Beurteilungspegel bestimmt, der sowohl Höhe als auch Dauer des Lärms berücksichtigt. Je höher der Schallpegel und je länger die Einwirkungsdauer, desto größer ist natürlich die Gefahr für das Gehör. Dazu muss man wissen, dass die Dezibel-Skala eine logarithmische Skala ist: eine Schallpegel-Erhöhung um 3 dB(A) bedeutet eine doppelt so hohe Schallintensität. 88 dB(A) sind eben nicht nur etwas lauter als 85 dB(A). Deshalb genügt auch die halbe Einwirkungsdauer.

Gehörschädigende Dosis

Je nach Stärke der Lärmeinwirkung kann die gleiche Lärmbelastung nach unterschiedlicher Einwirkungsdauer auftreten.
Tabelle Je nach Stärke der Lärmeinwirkung kann die gleiche Lärmbelastung nach unterschiedlicher Einwirkungsdauer auftreten.

Übersicht - Lärmstufe, Lärmwirkung

Lärm am Arbeitsplatz – so kann man sich schützen

Ist es an einem Arbeitsplatz zu laut, muss der Betrieb seinen Beschäftigten kostenlos geeigneten Gehörschutz (Stöpsel oder Kapseln) zur Verfügung stellen und diesen Arbeitsbereich mit speziellen Schildern kennzeichnen. Wichtig zu wissen ist: Jeder, der in einem solchen Lärmbereich arbeitet, hat Anspruch auf eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung und regelmäßige Nachuntersuchungen.

Lärm – Erholung durch Pausen

Unsere Ohren gewöhnen sich nicht an Lärm, auch wenn eine so genannte Vertäubung den Anschein erweckt. Das Gehör kann sich aber in gewissem Umfang erholen. dies wird z.B. auch berücksichtigt, wenn die tolerierbare Schalldosis pro Arbeitstag festgelegt wird. Man geht davon aus, dass sich das Gehör zwischen den einzelnen Arbeitsschichten durch eine Schallpause erholen kann. Laute Musik wird vielleicht als angenehm empfunden, kann aber unser Gehör genauso belasten wie Maschinenlärm. Die Schalldosis wird höher und die Erholungspausen fallen zu kurz aus. Die lebenswichtige Erholung  ür unsere Haarzellen kommt zu kurz. Dann können z.B. 8 Stunden bei 85 dB(A) am Arbeitsplatz zu viel für die Ohren sein.

Lärm in der Freizeit

Menschen in Diskothek

Musik ist fast immer und überall präsent: Walkman, Discman, MP3-Player, Mobiltelefone usw. machen’s möglich. Auch wenn die Geräte immer kleiner werden, produzieren die mitgelieferten Ohrhörer mühelos Schallpegel von mehr als 100 dB(A). Diese Schallpegel werden auch in Diskotheken erreicht. Das entspricht dem Schallpegel eines Presslufthammers. An einem Arbeitsplatz mit 100 dB(A) dürfte man sich nur 15 Minuten pro Arbeitsschicht aufhalten – oder: man müsste einen Gehörschutz tragen. Bei einem lauten Rockkonzert können sogar Schallpegel von 110 dB(A) erreicht werden. Bei 110 dB(A) ist das Gehör in etwa anderthalb Minuten der gleichen Belastung ausgesetzt, wie in einem Arbeitsjahr an einer Maschine mit 85 dB(A).  

Bei gelegentlichen Disco-Besuchen oder Besuchen von Rockkonzerten muss man nicht unbedingt Angst um sein Gehör haben. Allerdings sollte man sich nicht unbedingt im direkten Umfeld der Lautsprecher aufhalten. Wer regelmäßig in die Disco geht, laute Rockkonzerte besucht und vielleicht noch Musik aus Discman oder MP3-Playern genießt, mutet seinen Ohren schnell zu viel zu.  

Holger Pelz

Nachdruck aus „tag für tag“ mit freundlicher Genehmigung der BG Druck und Papierverarbeitung

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
Externer Link zur Überprüfung dieser Seite auf standardkonforme Programmierung nach XHTML 1.0  Externer Link zur Überprüfung von Style Sheets  Externer Link zur Erklärung der Stufe AAA der Web Content Accessibility Guidelines 1.0