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Das Gehör verzeiht nichts

i-Punkt Ausgabe 04/2005

Gesundheit

 

So wirkt Lärm auf Ihre Gesundheit
Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Jeder vierte Jugendliche leidet unter Hörverlust. Tinnitus und Schwerhörigkeit sind zu Volkskrankheiten geworden. Lärmschwerhörigkeit entwickelte sich zur Berufskrankheit Nummer eins. Lärm ist damit eines der größten umweltmedizinischen Probleme mit oft irreparablen Schädigungen, die sehr vielfältig sein können.

Lärm hat viele Auswirkungen. Als Stressfaktor kann der sogenannte Umweltlärm wie Verkehrs-, Industrie-, Nachbarschafts- oder Freizeitlärm wirken. Bereits bei Belastungswerten weit unterhalb der Gehörschädigungsgrenze können Kommunikation, Erholung und Entspannung beeinträchtigt sein. Noch weitreichender sind die psychischen Folgen: Konzentrationsmangel, Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Lernbehinderungen bei Kindern, Schlafstörungen oder psychiatrische Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt.

Knalltrauma

Das Knalltrauma wird durch eine Schalldruckwelle von 1 bis 2 ms Dauer verursacht. Diese Schalldruckwelle führt zu einer kurzfristigen akuten Schädigung des Innenohres, die gegebenenfalls nach wenigen Tagen nachlässt. Ausgelöst wird dieses Knalltrauma durch plötzliche Geräusche mit einem Schalldruckpegel ≥ 120 dB(A), zum Beispiel durch Schusswaffengebrauch, Explosionen, Tiefflüge oder Ohrfeigen.

Explosionstrauma

Eine Schalldruckwelle von mehr als 2 ms Dauer ruft ein Explosionstrauma hervor. Hier tritt eine Schädigung des Innenohres und des Mittelohres ein. Bei einem Schalldruckpegel von über 180 dB(A) kommt es zu Rissen im Trommelfell und zur Schädigung der Gehörknöchelchen. Im Unterschied zum Knalltrauma sind häufig beide Ohren betroffen und die Schädigung ist meist bleibend.

Schwerhörigkeit

Hierbei werden die Sinneszellen des Innenohrs durch hohe Lärmpegel über längere Zeiträume geschädigt bzw. vollständig zerstört. Bereits Beurteilungspegel (für 8-Stunden- Tag) von mehr als 85 dB(A) können zur Minderung des Hörvermögens führen. Dabei handelt es sich um einen schleichenden Prozess, der vom Betroffenen oft zu spät erkannt wird. Zuerst werden die hohen, später die tiefen Frequenzen der Töne nicht richtig ahrgenommen.

Die einsetzende dauerhafte Hörschwellenverschiebung führt im Extremfall zu starker Schwerhörigkeit bis hin zur Taubheit. Diese Auswirkungen sind irreparabel, d. h. nicht heilbar.

Ohrgeräusche

Ohrgeräusche, auch Tinnitus genannt, können nach Knall- oder Explosionstraumen, bei Schwerhörigkeit und auch anderen Erkrankungen des Ohres sowie bei Stoffwechselproblemen, Durchblutungsstörungen und Belastungen des Nervensystems, auftreten. Die Symptome zeigen sich sowohl im Tiefals auch im Hochtonbereich und können sehr verschiedenartig (z.B. Klingel- oder Pfeiftöne) sein. Ständige Belastungsphasen treten auf, die besonders in Ruhezeiten als sehr störend empfunden werden. Die Schädigung tritt sowohl ein- als auch beidseitig auf. Eine rechtzeitige Behandlung kann zur Besserung führen.

Störungen des vegetativen Nervensystems

Durch das vegetative Nervensystem werden alle Organtätigkeiten im Körper reguliert. Die verschiedenen Reizaufnahmen (innere und äußere) werden über das Zwischenhirn als Steuerung weitergeleitet an das vegetative Nervensystem, welches das Zusammenspiel und die Funktion der Organe reguliert. Durch Überbelastung (Stress) kommt es zu Störungen im vegetativen Nervensystem. Die anfängliche Überbelastung kann zu kurzzeitigen Funktionsausfällen einzelner Organe führen. Bei Dauerstress (bspw. hoher Lärmbelastung) entwickelt sich aus der zunächst zeitweiligen Störung eines Organs meistens die Schädigung desselben.

Psychische Störungen

Ständiger Lärm wird von der menschlichen Psyche als dauerhafte Alarm- und Gefahrensituation gewertet, wodurch eine aggressive Grundhaltung entsteht. Dies führt letztendlich zu Problemen in der Kommunikation und im Umgang mit anderen Menschen.

Herzerkrankung und Bluthochdruck

Lärmbelastete Arbeitsplätze, ungünstige Wohnverhältnisse, ungesunde Lebensweise sowie genetische Veranlagung bilden in der Summe ein hohes Risikopotential für Herz- Kreislauf-Erkrankungen. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Erhöhung des Blutdruckes, die Abnahme der Hautdurchblutung, erhöhter Strömungswiderstand in den Blutgefäßen und die Verlangsamung der Herzfrequenz Reaktionen des menschlichen Körpers auf Lärmbelastung sind. Lärm stellt somit einen Risikofaktor für entsprechende Erkrankungen dar.

Schlafstörungen

Es wird unterschieden zwischen Lärmreizen, die am Tage auf den Menschen wirken und zu einem unruhigen Schlaf führen sowie abends stattfindende Lärmbelästigungen, die für schlechtes Einschlafen und häufiges Erwachen sorgen. Dabei ist nachgewiesen, dass der Mensch in allen Schlafphasen Hörreize aufnimmt und verarbeitet und demzufolge entsprechend der Reizstärke darauf reagiert.

Konzentrations- und Leistungsstörungen

Der Zusammenhang zwischen Lärmbelastung und Fehlerhäufigkeit ist nachgewiesen. Beispielsweise machen Schüler in lärmbelasteten Klassenräumen häufiger Fehler als Schüler die weniger lärmbelastet sind. Dieser Sachverhalt ist auch aus anderen Lebensbereichen bekannt.

Alles in allem gibt es ein Fülle von Auswirkungen des Lärms auf die menschliche Gesundheit. In allen Bereichen muss deshalb der Bekämpfung von Lärm und dem Schutz des Gehörs vor Lärm besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Willi Sens

Der Autor ist Aufsichtsperson bei der Unfallkasse Sachsen-Anhalt. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus Sicherheitsforum.

Informationen und Medien gibt’s hier:

Europäische Kampagne gegen Lärm bei der Arbeit
http://ew2005.osha.eu.int

Berufsschulaktion Jugend-will-sicher-leben
„Gut zu hören“ heißt das Motto der Berufsschulaktion „Jugend will-sicher-leben“ zum Thema Lärm. Die Homepage www.jwsl.de informiert mit Unterrichtsmaterialien, Kurzfilmen, Hörsimulationen und einem Hörtest zu den Themen Lärm und Gehörschutz. Sie berücksichtigt alle Lebensbereiche, Betrieb, Haushalt und Freizeit.

Plakat: Gut zuhören
Plakat: Schluss mit Lärm

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