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Schneewanderung mit Badeschuhen?

i-Punkt Ausgabe 04/2005

Information

 

Sommerreifen im Winter: Viele unterschätzen die Gefahr
Wer meint, dass sich für die paar Tage Schnee im Jahr Winterreifen nicht lohnen, macht eine gefährliche Rechnung auf. Denn ein Satz Reifen ist günstiger als ein Unfall – selbst wenn es lediglich ein kleiner Ausrutscher ist. Schon ab Temperaturen von + 7 Grad Celsius greift die härtere Gummimischung der Sommerreifen deutlich schlechter als die der Winterpneus. Außerdem ist das Profil von Sommerreifen nicht für Schnee und Schneematsch ausgelegt. Die weichere Gummimischung von Winterreifen sorgt bei Nässe, Schnee und Eis für eine bessere Haftung auf der Fahrbahn. Das macht sich besonders bei Kurvenfahrten sowie beim Anfahren und Bremsen positiv bemerkbar.

Streufahrzeug im Winter

Dass es grob fahrlässig ist, im Winter mit Sommerreifen unterwegs zu sein, bestätigen auch die Gerichte und geben Versicherungen Recht, die nach Unfällen Leistungen verweigerten. So entschied beispielsweise das Oberlandesgericht Frankfurt, dass die Vollkaskoversicherung den Schaden an einem Auto, das mit Sommerreifen und Schneeketten unterwegs war, nicht erstatten muss. Für Schäden an anderen Fahrzeugen kommt aber die Haftpflichtversicherung auf.

Wie gravierend sich der fehlende Grip von Sommerreifen auswirkt, beweist eine Vollbremsung aus 80 km/h auf verschneiter Fahrbahn. Trotz ABS verlängert sich der Bremsweg um 42 Meter. Wenn der Sommerreifen bei Glätte keinen Halt findet, nutzen selbst ABS, eine Antriebsschlupfregelung ASR, oder das elektronische Stabilitätsprogramm ESP wenig. Denn Fahrerassistenzsysteme sind auf die möglichst hohe Kraftübertragung der Reifen angewiesen, um ihre hilfreiche Wirkung zu entfalten.

Streusalz verdoppelt den Bremsweg

Auch auf geräumten Straßen gilt höchste Vorsicht!
Im Winter wird es durch Eis und Schnee auf den Straßen schnell gefährlich glatt. Doch selbst wenn der Winterdienst die Straßen geräumt hat, muss damit gerechnet werden, dass sich der Bremsweg gegenüber normalen Straßenverhältnissen deutlich verlängert. Der Grund: Nässe und Streusalz beeinträchtigen die Wirkung der Bremsanlage.

Betroffen davon sind alle Scheibenbremsen: Zwischen Bremsscheibe und -belag bildet sich schnell eine gefährliche Salzschicht. Dadurch sinkt der Reibungswert der Bremse und die Wirkung der Bremse vermindert sich drastisch. Experten des TÜV Rheinland Berlin Brandenburg haben in Untersuchungen festgestellt, dass sich der Bremsweg dadurch um bis zu 100 Prozent verlängert. Wir raten daher dazu, bei Nässe und Streusalz auf der Fahrbahn vor und regelmäßig während der Fahrt vorsichtige Bremstests durchzuführen. Das gilt insbesondere für Autofahrer, die ihren Wagen für längere Zeit im Freien abgestellt haben. Wenn sich eine Salzkruste gebildet hat, wird sie in der Regel durch mehrmaliges Bremsen beseitigt. Bei den Untersuchungen hatte sich im Übrigen auch gezeigt, dass natriumchlorid- und kalziumchloridhaltige Streusalzmischungen die Bremskraft der Bremsbeläge unterschiedlich beeinflussen.

Rutschgefahr an die Kette legen

Auto im Schnee mit Winterreifen

Trockentraining zur Montage empfohlen
Wer im Winter auf bergigen Strecken unterwegs ist, sollte Schneeketten an Bord haben. Doch Schneeketten sind kein Ersatz für Winterreifen. Um das Auto in der Spur zu halten bzw. gut abbremsen zu können, reicht ihre Wirkung nicht aus. Beispielsweise auf Gefällstrecken oder in Kurven kann ein Auto trotz Schneeketten ins Schlingern geraten. Nur in Kombination mit Winterreifen bieten sie bei geschlossener Schneedecke den größtmöglichen Halt.

Sind die Straßenverhältnisse kritisch, sollte nicht bis zum letzten Moment mit dem Aufziehen der Schneeketten gewartet werden. Sobald auf der Fahrbahn eine geschlossene Schneedecke liegt, sind Schneeketten unerlässlich. Wenn das Fahrzeug nämlich erst einmal feststeckt, wird es oft schwerer, die Spurhilfen über die Räder zu bekommen. Schneeketten sollten möglichst auf einer ebenen Fläche angelegt werden. Das Fahren mit Schneeketten kann für bestimmte Strecken auch durch entsprechende Hinweisschilder angeordnet werden (rundes Schild mit kettenbestückten Reifen auf blauem Grund). Wer dann trotz Schneekettenpflicht ohne sie weiterfährt, gefährdet sich und andere und muss mit einem hohen Bußgeld rechnen.

Die Ketten werden immer auf die Antriebsachsen aufgezogen und sorgen so für besseren Vortrieb. Wer mit einem Anhänger unterwegs ist, sollte auch auf die Räder des Hängers Schneeketten aufziehen. Wichtig ist, dass die Reifen fachgerecht in Ketten gelegt werden. Schneeketten müssen auf den Reifen wandern können. Sind sie zu fest gespannt, drückt immer das gleiche Kettenglied auf denselben Profilblock des Reifens und der Reifengummi wird nach und nach zerstört. Nach etwa 100 Metern Fahrt sollte die Kettenspannung noch einmal kontrolliert, die Kette aber nicht zu fest gezogen werden.

Mit den heute üblichen Schnell-Montage-Ketten ist das Aufziehen kein großes Problem mehr. Die Montage sollte jedoch im Vorfeld geübt werden. Wer bei Schneegestöber auf einem schmalen Seitenstreifen erst mühsam die Gebrauchsanweisung lesen muss, ist schnell mit den Nerven am Ende. Deshalb empfiehlt es sich, die Ketten zu Hause zweibis dreimal im Trockenen auf- und abzuziehen. Dann klappt es im Ernstfall leichter.

Neben den Schneeketten gehören eine Warnweste, Handschuhe und eine wasserfeste Matte in den Kofferraum. Mit Weste (u. a. in Österreich und Italien Pflicht) wird man beim Montieren vor allem nachts von anderen Autofahrern rechtzeitig gesehen. Matte und Handschuhe machen die Montage angenehmer. Auch eine Taschenlampe sowie Ersatzbatterien sind empfehlenswert.

Mit Ketten verschlechtert sich das Lenk- und Bremsverhalten des Fahrzeugs. Deshalb gilt es, besonders vorsichtig Gas zu geben und vorausschauend zu fahren. Auch der Bremsweg des Fahrzeugs wird mit Schneeketten deutlich länger. Nicht zuletzt deswegen sind beim Fahren mit Ketten höchstens 50 km/h erlaubt.

Beim Kauf der Schneeketten kommt es auf die genaue Reifenbezeichnung an. Bei den meisten Autos dürfen beim Einsatz von Schneeketten nur Reifen bis zu einer bestimmten Größe gefahren werden. Zu empfehlen sind TÜV-geprüfte Schneeketten aus rostfreiem Stahl mit runden Gliedern. Damit werden die Winterreifen geschont. Auf Alufelgen dürfen keine herkömmlichen, sondern nur Spezialketten aufgezogen werden. Sonst drohen Schäden am empfindlichen Leichtmetall. Ketten mit Kunststoffringen schützen das wertvolle Metall vor Kratzern.

Übrigens: Schneeketten auf der Vorderachse lassen sich besonders einfach abmontieren, wenn die Räder stark eingeschlagen sind. Um lange funktionsfähige Ketten zu behalten, sollte man sie nach jedem Einsatz vor dem Wegpacken gut trocknen lassen. Bevor man sie im Frühjahr „einmottet“, sollten Schneeketten gründlich gewaschen und gut getrocknet werden.

DVR

Weitere Informationen:
Nähere Informationen zum Thema unter www.pro-winterreifen.de

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