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Teilhabe mit Erfolg

i-Punkt Ausgabe 04/2005

Information

 

Unfallkasse ermöglicht Schulabschluss
Unfälle passieren plötzlich und unerwartet. Bleibende Behinderungen werfen oftmals ganze Lebensplanungen um. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Doch dort wo andere nur Entschädigungen zahlen, beginnt für die Unfallkasse ein langer Weg intensiver Betreuung, wenn es sein muss – ein Leben lang.

Ein Schulabschluss ist die Basis aller Qualifizierungsmaßnahmen und eines künftigen Erwerbslebens. Derjenige Versicherte, der aufgrund eines Schulunfalles einen adäquaten Bildungsabschluss nicht oder nur unter besonderen Bedingungen erlangen kann, hat einen Anspruch auf Unterstützung durch den Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Dies gilt in ganz besonderem Maße für Kinder und Jugendliche, die im Rahmen einer neurologischen Verletzung, also einer Schädigung des kognitiven Zentrums des Gehirns, meist in Folge eines Schädel-Hirn-Traumas 2. oder 3. Grades, eine Regelschule nicht mehr besuchen können.
Diesen jungen Menschen widmen wir unsere besondere Aufmerksamkeit. Derartige Verletzungsmuster verändern nicht nur die von Geburt an bestehenden und ausgebauten Denk- und Verhaltensmuster gravierend, sondern lösen auch das gesamte soziale Umfeld auf. Das ganze Leben muss neu geordnet werden. Sich in diesem, bisher unbekannten, Umfeld zurechtzufinden und dazu noch einen Schulabschluss zu meistern, gelingt oftmals nur in eigens geschaffenen Bildungseinrichtungen, zum Beispiel Körperbehindertenschulen. Diese sind individuell auf bestehende Behinderungen ausgerichtet. Es existieren sonderpädagogische Einrichtungen für gehörlose, blinde und eben körperbehinderte Menschen.

In der Regel ist die Bildungsebene dieser Einrichtungen in den Lernbehinderten- und Geistigbehindertenbereich untergliedert, je nach dem Stand der ausgetesteten Voraussetzungen. In diesen Bildungseinrichtungen haben die behinderten Menschen die Möglichkeit unter Berücksichtigung der jeweiligen Einschränkungen unter Mithilfe des besonders geschulten Personals, sowohl im pädagogischen als auch im sozialen, zwischenmenschlichen Bereich den für möglich erachteten Bildungsabschluss zu erreichen.

Die Kosten dieser Maßnahme setzen sich zum einen aus dem erhöhten Aufwand im schulischen Betrieb und zum anderen aus den Betreuungs- und Internatskosten zusammen. Die Unterbringung im Internat ist nicht zwingend erforderlich, wird aber nicht selten, unabhängig vom Wohnort des Betroffenen, aus sozialhygienischen Gründen empfohlen. So ist eine, quasi homogene, Betreuung des behinderten Menschen, pädagogisch wie sozial, sichergestellt. Der Schulabschluss kann in Form des Hauptschulabschlusses wie auch der mittleren Reife erfolgen. Je nach Förderbedarf kann sich noch ein berufsvorbereitendes Jahr anschließen, um damit die Chancen auf einen Ausbildungsplatz zu erhöhen.

Gemeinsam mit dem Sozialbetreuer und den Fachlehrern wird dann entschieden, wie die eigentliche berufliche Weiterbildung zu gestalten ist. Üblicherweise geschieht dies mittels einer Testung in einem Berufsbildungswerk, in dem sich dann, bei Eignung, eine 3-jährige Ausbildung anschließen kann. Oftmals sind die Folgen des Schulunfalles jedoch derart gravierend, dass die Anforderungen einer Ausbildung zu hoch sind. Dann kommt die Werkstatt für behinderte Menschen in Frage.

Katrin war zum Unfallzeitpunkt 11 Jahre alt. Ihr Fall zeigt, zu welchen Leistungen selbst Schwerstbehinderte fähig sind, wenn die Bildungsvoraussetzungen und das soziales Umfeld stimmen.

Katrin erlitt auf dem Weg zur Schule einen Verkehrsunfall mit schwersten Gehirnverletzungen. Die vielen Knochenbrüche heilten problemlos aus, jedoch stand am Ende der medizinischen Rehabilitation fest, dass sie schwerbehindert bleiben wird. Die massiven Gehirnverletzungen schränken nicht nur die Funktion des Denkapparates ein sondern führen auch zu motorischen Minderfunktionen. Sie wird dauerhaft gehbehindert sein, ihren linken Arm nicht mehr einsetzen können und ist intellektuell kaum belastbar. Aufgrund dieser dauerhaften Behinderungen kann Katrin nicht mehr ihre alte Schule besuchen. Die Ärzte empfahlen die Einschulung  in eine Körperbehindertenschule. Nach anfänglichen Integrationsproblemen konnte sich Katrin jedoch immer besser in der Schule und im Internat einleben. Neben guten schulischen Leistungen im lernbehinderten Bereich konnte sie sich auch im täglichen Umgang mit ebenfalls behinderten Mitschülern wieder soziale Kompetenzen erarbeiten und ausbauen. Nach vier Jahren an der Körperbehindertenschule konnte Katrin durch viel persönlichen Ehrgeiz und mit Unterstützung des Fachpersonals den Hauptschulabschluss erarbeiten. Darüber hinaus kam das Fachgremium, an dem auch der Rehabilitationsberater der Unfallkasse teilnahm, zum Ergebnis, dass Katrins Fähigkeiten noch ausbaufähig sind und empfahlen eine Berufsausbildung auf Werkebene in einem Berufsbildungswerk. Diese Ausbildung hat inzwischen begonnen und die bisherigen Ergebnisse lassen hoffen, dass Katrin auch diese Hürde nehmen wird. Bald wird sie die Prüfung als Bürokraft ablegen, wir glauben erfolgreich.

Rüdiger Rose

Noch Fragen: rose@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 41 45

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
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01662 Meißen

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