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Unfälle im Feuerwehrdienst

i-Punkt Ausgabe 04/2005

Sicherheit

 

Die Jahresstatistik 2004
Im Jahresverlauf wurden 835 Unfälle von Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren und der Berufsfeuerwehren (nur Angestellte) bei der Unfallkasse Sachsen angezeigt – ein leichter Anstieg. Manch Ereignis hätte verhindert werden können; unsere Unfallberichte geben einen Überblick.

Die Anzahl gemeldeter Unfälle stieg entgegen dem Trend des Vorjahres leicht an. Die Unfalllast für die Freiwilligen und die Berufsfeuerwehren in Sachsen wuchs 2004 gegenüber dem Vorjahr um 23 Unfälle auf insgesamt 835. Davon waren im besonderem Maße die Feuerwehren des Regierungsbezirkes Chemnitz betroffen. Die rückläufige Tendenz der Unfälle bei den Berufsfeuerwehren konnte nicht fortgesetzt werden. Dafür gingen die Unfallzahlen der Freiwilligen Feuerwehren in den Regierungsbezirken Dresden und Leipzig deutlich zurück.

Vergleich Unfallzahlen mit den Vorjahren (nur Freiwillige Feuerwehr)
Vergleich Unfallzahlen mit den Vorjahren (nur Freiwillige Feuerwehr)

Hinsichtlich der verschiedenen Dienstarten zeichnet sich ein deutlicher Unterschied zwischen Berufsfeuerwehren und Freiwilligen Feuerwehren ab. Schwerpunkt des Unfallaufkommens sind bei den Freiwilligen Feuerwehren die Einsätze (29,8 %). Die Berufsfeuerwehren haben ihren Schwerpunkt im Dienstsport.

Weitere Schwerpunkte der Unfallhäufigkeit sind der Arbeits- und Werkstattdienst (10,3 %), sowie Übungen und Ausbildungsmaßnahmen (18 %). Bei Jugendfeuerwehren wurden 11,4 % aller angezeigten Unfälle verursacht, fast ohne Veränderung zum Vorjahr. 

Unfälle Freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr in Sachsen 2004 nach Dienstarten
Unfälle Freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr in Sachsen 2004 nach Dienstarten

Unabhängig, ob es sich um Übung, Ausbildung oder tatsächlichen Einsatz handelte, wurde immer wieder deutlich, Feuerwehrdienst birgt erhebliche Gefährdungen. Daher ist für die Sicherheit der Feuerwehrangehörigen die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften und damit das einsatztaktisch richtige Verhalten von besonderer Bedeutung. Welche Rolle dabei der Einsatztechnik und der persönlichen Schutzausrüstung zukommt soll an einigen Beispielen aus dem vergangenen Jahr verdeutlicht werden:

Unfälle Freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr in Sachsen 2004 nach Verletzungsarten
Unfälle Freiwillige Feuerwehr und Berufsfeuerwehr in Sachsen 2004 nach Verletzungsarten

Fall 1 (Einsatztaktik)

Arbeitsgrube
Garagentor

Die FFW T. wurde gegen 21.51 Uhr zu einer Brandbekämpfung in einem Garagenkomplex alarmiert. Kamerad S. wurde im Angriffstrupp als Atemschutzgeräteträger eingesetzt. Die Garagen waren direkt aneinander gebaut und für Pkw oder Motorräder ausgelegt. S. und ein weiterer Kamerad öffneten unter Atemschutz zwei Garagentore aus denen starker Rauch drang. Eine Garage war so stark verraucht, dass eine Sicht hinein unmöglich war. Um aber festzustellen, ob sich Fahrzeuge oder andere Gegenstände in dieser Garage befanden, begab sich S. tastend und auf Knien langsam nach vorn immer tiefer in die Garage hinein. Was er nicht sah, 1 m hinter dem Garagentor befand sich eine 1,20 m tiefe Arbeitsgrube. In diese stürzte S. hinein.
Die Unfalluntersuchung ergab, dass unter Berücksichtigung der Garagengröße eine Abwägung der einsatztaktischen Vorgehensweise unterblieb. Abweichend vom Einsatzbefehl zur Brandbekämpfung wurde eine Lagererkundung vorgenommen, ohne vorher eine Zwangsentrauchung zu prüfen. Bei der Lageerkundung blieben auch Eigenschutzmaßnahmen außer acht, z.B. Explosionsgefahr durch Kraftstoffbehälter.  
In anbetracht der eingetretenen Unfallfolgen, des Unfallherganges und möglicher Gefährdungen durch eine Beschädigung der Atemluftflaschenventile wurden Maßnahmen zur Verhütung ähnlicher Unfälle erforderlich. Unternehmer, Vorgesetzte, Einsatzleiter und auch Gruppenführer haben bei Ausbildung, Übung und Einsatz darauf zu achten und durchzusetzen, dass nur Maßnahmen getroffen werden, die ein sicheres Tätigwerden der Feuerwehrangehörigen ermöglichen. Dabei haben die Feuerwehrangehörigen die Pflicht diese Anweisungen zum sicheren Verhalten zu befolgen.

Fall 2 (Lastenhandhabung)

Der Wehrleiter der FFW B. beauftragte Kamerad F. und zwei Zeugen für das bevorstehende Hexenfeuer Baumstämme von einem LKW abzuladen und auf die erforderliche Länge zu zuschneiden. Das Abladen erfolgte mit dem LKW-Ladekran und Seilen, die um den Stamm geschlungen wurden. Mehrere Stämme waren bereits abgeladen und lagen an der Längsseite des LKW. An einem Stamm ließ sich jedoch aufgrund seiner Lage und seines Gewichtes kein Seil befestigen. Deshalb rollte der Zeuge P. das Stammstück einfach von der Ladebordwand. Dabei fiel es auf die bereits abgelegten Baumstämme und ein Ende schnellte plötzlich nach oben. F., der sich neben den abgelegten Stämmen aufhielt, versuchte noch aus dem Gefahrenbereich zu laufen, wurde jedoch von einem  Teil des Stammes so im Rücken getroffen, dass er eine Nierenverletzung und eine Beckenprellung erlitt.

Die Unfalluntersuchung ergab, dass für diese seltenen Arbeiten keine Gefährdungsbeurteilung vorlag und sicherheitstechnische Maßnahmen ungenügend vorbereitet wurden, z.B. die Bereitstellung geeigneter Lastaufnahmemittel. Lastaufnahmeeinrichtungen sind so auszuwählen, dass bei bestimmungsgemäßer Verwendung die Last sicher aufgenommen, gehalten und wieder abgesetzt werden kann. Sie sind so anzuwenden, dass Versicherte nicht gefährdet werden, dazu gehören alle Personen, die sich im Gefahrenbereich des Transport- und Verladeweges aufhalten.

Fall 3 (Schutzausrüstung)

Schutzanzug
Handschuhe

Die Angehörigen der FFW B. waren bei einer Brandbekämpfung an einem Abrissgebäude eingesetzt. Während des Einsatzes zog sich ein Feuerwehrangehöriger im Angriffstrupp Verbrennungen I. und II. Grades an der linken Hand zu. Die Unfalluntersuchung ergab, dass allen Kameraden der gesamten Wehr B. nur drei Paar ordnungsgemäße Feuerwehrschutzhandschuhe für Brandeinsätze zur Verfügung standen. Im Rahmen seiner Fürsorgepflicht hat der Unternehmer geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA) in ausreichender Anzahl zur Verfügung zu stellen. Feuerwehrschutzhandschuhe müssen nach DIN EN 659 EG-konform hergestellt und entsprechend gekennzeichnet sein (§ 29 UVV „Grundsätze der Prävention“).

Bei einer Ausbildungsmaßnahme des Katastrophenschutzzuges wurde ein Chemikalienschutzanzug (CSA) zu Übungszwecken angelegt. Beim Lauf durch ein Gewerbegebiet trat der Feuerwehrangehörige in einen metallischen Gegenstand (vermutlich ein Nagel), was zu einer Stichverletzung an der linke Ferse führte. Die Unfalluntersuchung ergab, dieser CSA-Typ war lediglich mit integrierten Füßlingen ausgestattet. Geeignete Chemikalienschutzstiefel mit durchtrittsicherer Einlage standen nicht zur Verfügung. Daher wurde vom Ausbilder festgelegt, die Übung ohne die erforderlichen Schutzstiefel  fortzusetzen. Unter den dünnen Füßlingen trug der Versicherte nur Strümpfe.

Ronald Patzak

Noch Fragen: patzak@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 03

Wer ist verantwortlich für die Sicherheit im Feuerwehrdienst?

Träger der Feuerwehr (meist Gemeinde) vertreten durch Bürgermeister
Das Sächsische Brandschutz-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzgesetz verpflichtet die Gemeinden, eine leistungsfähige Feuerwehr zu unterhalten sowie für die Beschaffung und Unterhaltung der notwendigen Geräte und Ausrüstung zu sorgen. Damit ist die Gemeinde, vertreten durch den Bürgermeister, Unternehmer im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes und der Unfallverhütungsvorschriften. Der Unternehmer hat der Feuerwehr sichere Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, also Feuerwehrhaus, Geräte, Ausrüstungen insbesondere PSA (§ 2 der UVV „Grundsätze der Prävention“).

Leiter der Feuerwehr

Durch die Bestellung eines Leiters der Feuerwehr oder Wehrleiters geht ein Teil der Unternehmerpflichten an diesen über. Der Leiter der Feuerwehr (der Beauftragte des Trägers der Feuerwehr) sorgt dafür, dass Einrichtungen, Geräte und Ausrüstungen in sicherem Zustand erhalten bleiben, z.B. durch regelmäßige Prüfungen und Instandhaltung. Darüber hinaus ist der Wehrleiter wie auch ...

Vorgesetzte (Zugführer, Gruppenführer, Einsatzleiter, Ausbilder usw.)
dafür verantwortlich, dass

  • die Feuerwehrangehörigen bei Ausbildung, Übung und Einsatz keinen vermeidbaren Gefahren ausgesetzt sind,
  • den Feuerwehrangehörigen im Unterricht und bei Übungen die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden, Gefahren zu erkennen, um diesen richtig begegnen zu können,
  • die Feuerwehrangehörigen, insbesondere im Einsatz, nur solchen Situationen ausgesetzt werden, in denen sie sich auf Grund ihrer Ausbildung, ihrer körperlichen Fähigkeiten, ihrer Ausrüstung und Erfahrung sicher verhalten können.

Feuerwehrangehörige
... tragen auch selbst einen Teil Verantwortung für die Unfallverhütung. Sie sind dafür verantwortlich, dass sie in Einsatz und Übung Anweisungen zu sicherem Verhalten befolgen, in Einsatz und Übung vermeidbare Gefahren nicht entstehen lassen, sich bemühen, Gefahren zu erkennen, um sicherheitsgerecht darauf zu reagieren und ihre persönliche Schutzausrüstung tragen.

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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