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Wo gehobelt wird ...

i-Punkt Ausgabe 04/2005

Sicherheit

 

Sicherheit im Berufsschulzentrum: Holztechnik-Ausbildung
... da fallen Späne. Messerscharfe Werkzeuge, hohe Drehzahlen, Stäube und Lärm: Holzwerkstätten sind nicht ungefährlich. Oft kennen die Maschinenbenutzer die Risiken, dennoch sind Unfälle meist auf durchaus vermeidbare Ursachen zurückzuführen: Fehlende Schutzvorrichtungen, ungesicherte Werkzeuge, Nichtbeachtung von Vorschriften. Deshalb schauen wir dort besser zweimal hin.

Die Beratung und Überwachung durch Aufsichtspersonen der Unfallkasse ist das A und O der Präventionsarbeit. Ein besonderes Augenmerk gilt der sicheren und gesundheitsgerechten Ausbildung in den Beruflichen Schulzentren Sachsens. Im Ausbildungsbereich „Holztechnik“ achten wir auf die folgenden Anforderungen ganz besonders. Tun Sie dies auch! 

Maschinen, Fachlehrer, Beschäftigungsbeschränkungen

Die eingesetzten Maschinen entsprechen grundsätzlich den sicherheitstechnischen Anforderungen; Fachlehrer und Ausbilder besitzen die erforderliche Qualifikation. Die Beschäftigungsbeschränkungen für Jugendliche werden beachtet. Unter 18 Jahren sind Arbeiten an Abrichthobelmaschinen, Säge- und Fräsmaschinen nicht zulässig, außer an Dekupier- und Handstichsägemaschinen. Jugendliche ab 15 Jahre können an diesen Maschinen arbeiten, wenn sie zum Erreichen des Ausbildungszieles entsprechend des Ausbildungsplanes erforderlich sind und ihr Schutz durch die Aufsicht eines Fachkundigen gewährleistet ist. Weitere Beschäftigungsbeschränkungen bestehen bei Lärm, übersteigt der persönliche Beurteilungspegel 90 dB(A).

Beschäftigungsbeschränkungen gelten auch für Luftgrenzwerte von Lacken, Lösemitteln, Holzstaub. Eine Überschreitung ist in der Regel beim Austausch von Filterelementen in der Filteranlage von Absauganlagen und beim Wechsel der Holzstaubsammeleinrichtungen (z.B. Filtersäcke in mobilen Saugern) gegeben. Diese Arbeiten dürfen nicht von Jugendlichen unter 18 Jahren verrichtet werden. Erwachsene haben hier persönlichen Atemschutz zu benutzen. (Siehe Anforderungen der Berufsgenossenschaftlichen Information (BGI) 725 Pkt. 1.7).

Absaugung

Holzbearbeitungsmaschinen, die nach dem Stand der Technik wirksam abgesaugt werden können, sind in den Ausbildungsräumen an eine zentrale Absauganlage anzuschließen. Die Zuschaltung der einzelnen Maschinen an die Absauganlage erfolgt z. T. per Hand, in vielen Fällen aber automatisch mit dem Anlaufen der Maschinen selbst. Als Filteranlage sollen nur staubtechnisch geprüfte, nach dem Abscheidegrad klassifizierte Anlagen eingesetzt werden. Die mit Prüfzeichen H2 klassifizierten Anlagen garantieren einen Reststaubgehalt bis max. 0,2 mg/m3, die mit H3 bis max. 0,1 mg/m3, in der Rückluft. Bei H2-Filteranlagen dürfen 50 % der Rückluft in den Arbeitsraum zurückgeführt werden. Nur bei H3-Filteranlagen ist eine 100-prozentige Rückluft zulässig. Nur in wenigen Fällen entspricht die Auslegung der Absauganlage bzw. der Filteranlage in den Holzbearbeitungsräumen exakt den o.g. Anforderungen. In vielen Fällen sind die Filteranlagen nicht klassifiziert und die Rückluft wird zu 100 % in die Arbeitsräume zurückgeführt. In Abhängigkeit der Laufzeiten sind die Filteranlagen regelmäßig zu warten und die Leistungsparameter zu prüfen. Art und Umfang der Messungen und Prüfungen sind in einer Betriebsanweisung festzulegen. Die Durchführung der Prüfungen ist zu dokumentieren. (Anforderungen aus: BGI 739 Pkt. 3.1; Pkt. 3.5)

Brandschutz

Die Ausbildungsräume für die Holztechnik sind feuergefährdete Bereiche. Obwohl überall in Schulzentren Rauchverbot besteht, sind die Holzbearbeitungsräume extra mit dem Verbotszeichen PO 2 – Feuer, offenes Licht und Rauchen Verboten – zu kennzeichnen. In den Ausbildungsräumen war eine gute bis sehr gute Ordnung und Sauberkeit vorhanden. Trotz dieses positiven Gesamteindruckes wurden in einigen Fällen verstellte und nicht ungehindert zugängliche Feuerlöscher vorgefunden. In der Regel wurde dieser Mangel sofort vor Ort abgestellt. (Anforderungen aus: GUV-V A8 § 4; GUV-R 133 Pkt. 4.5.9)

Lärmschutz

Holzbearbeitungsmaschinen, wie Kreissägen, Fräsen, Dicken- und Abrichthobel, verursachen schon im Leerlauf und bei der Werkstückbearbeitung gesundheitsgefährdenden Lärm. Am Abrichthobel wurden bei der Bearbeitung von Hartholz schon 106 dB(A) gemessen. Nach der Unfallverhütungsvorschrift „Lärm“ GUV-V B3 ist in lärmintensiven Bereichen der ortsbezogene Lärmpegel festzustellen und bei Überschreitung des Grenzwertes ≥ 85 dB(A) sind diese Bereiche als „Lärmbereiche“ zu erfassen und mit dem Gebotszeichen MO 3 – Gehörschutz benutzen – zu kennzeichnen. Die notwendige Ermittlung und Dokumentation des ortsbezogenen Lärmpegels in den Maschinenräumen konnte in keinem Schulzentrum vorgewiesen werden. Praxisnah waren aber alle diese Räume als Lärmbereich gekennzeichnet, für Lehrer und Auszubildende war der erforderliche Gehörschutz vorhanden und wurde auch benutzt.

Fußschutz

Meist ist festgelegt, dass bei der Ausbildung der Holztechnik Arbeitsschutzschuhe durch die Azubis zu benutzen sind. Vom Grundsatz gut, wenn in Konsequenz der rechtlichen Vorgaben dazu dann auch diese Arbeitsschutzschuhe durch die Schulträger bereitgestellt werden, sofern der Azubi keinen Ausbildungsvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb besitzt. Es ist nicht korrekt, dass sich die Azubis diese Persönliche Schutzausrüstung (PSA) auf eigene Kosten beschaffen müssen. Besteht das Erfordernis zur Benutzung von PSA ist der zuständige Unternehmer nach der PSA- Benutzerverordnung und der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ GUV-V A1 § 29 zwingend verpflichtet, diese Arbeitsschutzausrüstung bereitzustellen. Das Erfordernis zum Benutzen und Bereitstellen von PSA ist durch eine Gefährdungsermittlung und -beurteilung (Arbeitsschutzgesetz § 5) festzustellen.

Reinigung

Buchen-, Eichen- und Edelholzstäube können beim Menschen Krebs erzeugen, andere Holzstäube sind als krebsverdächtig einzustufen. Deshalb sollen Holzstäube und -späne grundsätzlich abgesaugt werden. Zu Reinigungszwecken sollen insbesondere Holzstäube aufgesaugt werden. Das Abblasen und Kehren von Holzstaub ist grundsätzlich nicht zulässig. Obwohl in den Ausbildungsräumen meist geeignete mobile Staubsauger vorhanden sind, haben Besen und Schaufeln ihren festen Aufbewahrungsstandort in den Räumen. (Anforderungen aus: BGI 239 Pkt. 2.6)

Not-Aus an Maschinen

Kraftbetriebene Arbeitsmittel müssen mindestens mit einer Notbefehlseinrichtung (Not-Aus) versehen sein. Dies gilt nicht, wenn durch das Not-Aus entweder die Zeit bis zum normalen Stillsetzen nicht verkürzt wird oder nicht ermöglicht, besondere, wegen der Gefährdung erforderliche Maßnahmen zu ergreifen. Treffen diese Ausnahmebedingungen für eine Maschine zu, kann eine direkte Betätigung der Netztrenneinrichtung (Maschinenschalter) für das Stillsetzen im Notfall genutzt werden. Der Schalter muss leicht, schnell und gefahrlos für den Bediener erreichbar und auffällig gekennzeichnet sein. Die Bedienteile für Geräte müssen rot, der Hintergrund gelb sein. (Anforderungen aus: Betriebssicherheitsverordnung Anhang 1 Pkt. 2.4; DIN EN 60204-1; VDE 0113 Teil 1 Pkt. 10.7)

Not-Aus für Anlagen

Neben dem Not-Aus an den Einzelmaschinen sind in den Maschinen- und Bankräumen einzelne oder mehrere Notschalteinrichtungen  ür das gleichzeitige Ausschalten aller Maschinen bzw. der Elektroanschlüsse für die Handmaschinen installiert. In mehreren Ausbildungsstätten waren diese zentralen Not-Aus-Anlagen nicht fachgerecht ausgeführt. Bei deren Betätigung wurden zwar die Maschinen abgeschaltet, jedoch blieben hier die Motorbremsen der Maschinen unwirksam. Notschalteinrichtungen dürfen Sicherheitseinrichtungen nicht unwirksam machen. Diese genannten zentralen Not-Aus-Einrichtungen sind so zu verändern, dass sie die in DIN VDE 0100-460 Pkt. 464.4 aufgeführten Anforderungen erfüllen.

Querschnitt

Diese Mängel im Gesundheits- und Arbeitsschutz stellten wir fest:

  • Die Maschinen verfügten nicht über ausreichende Stellflächen (Kreissäge: 10 bis 15 m2, weitere Maschine: 5 m2).
  • Stehen Werkbänke Rücken an Rücken fehlte es am nötigen Mindestabstand von 1,50 m.
  • Der 2. Fluchtweg war nicht vorhanden oder mangelhaft gekennzeichnet. Einzelne Türen schlagen nicht in Fluchtrichtung auf.
  • Es wurden nicht mehr zugelassene mobile Entstauber eingesetzt. Diese Geräte beaufschlagen Filter- und Staubsack mit Überdruck. Undichtheiten sind nicht zu vermeiden. Ungereinigte Luft wird wieder in den Raum geblasen.
  • Handgeführte elektrische Holzbearbeitungsmaschinen, an denen der Anschluss an eine Absaugung vorhanden ist, werden ohne Anschluss an die Absaugung betrieben.

Klaus Hofmann

Noch Fragen: fischer@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 21

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
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