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Arbeitsschutz immer im Focus

i-Punkt Ausgabe 04/2007

Sicherheit

 

AMS für Hochschulen
Arbeitsschutzmanagementsysteme verändern die Perspektive: Weg von der nachsorgenden Reaktion hin zur vorsorgenden Aktion. Dabei muss jedes AMS passgenau die Bedürfnisse und Gegebenheiten der jeweiligen Einrichtung widerspiegeln. Die Westsächsische Hochschule Zwickau hat engagiert eine kleine, aber feine Lösung umgesetzt.

Hochschulen sind in der Regel öffentlichrechtliche Körperschaften, in denen die internen Entscheidungsstrukturen bereits durch die Gesetzgebung festgelegt sind. Sie sind Organisationen, die insbesondere den Hochschullehrern durch die Freiheit von Forschung und Lehre ein höchstes Maß an Selbstständigkeit gewähren. Das impliziert die Eigenverantwortung in der Organisation ihres Fachgebietes.

Die Forderungen an den Arbeitsschutz in Hochschulen sind in einer Fülle von Einzelvorschriften geregelt. Deshalb kommt es darauf an, dass der Arbeitsschutz als eine ökonomische oder innovative Aufgabe gesehen, er als Unternehmensziel festgelegt und als kooperative Aufgabe von allen Beschäftigten einer Hochschule umgesetzt wird. Die Motivation einer Hochschule zum Arbeitsschutz darf nicht allein aus der gesetzlichen und vornehmlich haftungsrechtlichen Verpflichtung resultieren, die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.

Auch für die sächsischen Hochschulen sind die Gesundheit und Unversehrtheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine wesentliche Voraussetzung, um ihre Aufgaben effizient zu erfüllen. Umfangreichere Aufgabenstellungen, kürzere Fristen zu deren Erledigung sowie qualitativ höhere Anforderungen prägen hier ebenso die Arbeitssituation. Die Erhaltung und Förderung der Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen gewinnen dadurch an Bedeutung für die Gegenwart und – angesichts der demografischen Entwicklung – auch für die langfristige Zukunft. Die gesundheitsgerechte und sichere Gestaltung der Arbeitsbedingungen ist dafür immer noch eines der wirksamsten betrieblichen Instrumente.

Erfolgsfaktor Arbeitsschutz

Zugleich stellt sich die Grenze zwischen Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit als fließend dar. Physische und psychische Anforderungen im Arbeitszusammenhang beeinflussen nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Kreativität, das Engagement und die kritische Reflexion. Emotionale und mentale Erfolgsfaktoren können gefördert oder gehemmt werden. Die sogenannten weichen Faktoren der Arbeit, die inhaltliche Ausgestaltung von Tätigkeiten, die Arbeitsbeziehungen und insbesondere die Führungsqualität sind hierbei ausschlaggebend.

Probleme wie der häufige Wechsel von Know-how- und Funktionsträgern (z.B. durch zeitlich begrenzte Wahlfunktionen), der Generationenwechsel in den nächsten Jahren, eine Fülle von (neuen) Gesetzen, Verordnungen, Bestimmungen sowie hausinternen Regelungen und die begrenzten Ressourcen im öffentlichen Bereich verlangen nach einem systematisierten, effektiven und zielführenden Handeln im Arbeitsschutz und in der Gesundheitsförderung.

Ein funktionierendes und gelebtes Arbeitsschutzmanagementsystem ist hierzu die richtige Wahl. Es sollte daher in der Umsetzung und Anwendung konsequent fortgeführt und weiterentwickelt werden, um den zukünftigen Anforderungen an sich ändernde Aufgabenstellungen des Arbeitsschutzes und der Gesundheitsförderung, aber auch gesellschaftliche Entwicklungen gerecht zu werden.

Die Westsächsische Hochschule Zwickau

Eine notwendige Voraussetzung für die Einführung des Arbeitsschutzmanagementsystems an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) war die Strukturierung des Projektes mit Instrumenten des modernen Projektmanagements. Das heißt insbesondere, dass ein Projektteam die Einführung und den Projektfortschritt kontinuierlich begleitet und überwacht, dass Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit sowie die Mitarbeiter eingebunden sind und dass technische und organisatorische Voraussetzungen geschaffen werden.

Als Ergebnis eines im Vorfeld vorgenommenen notwendigen Soll-Ist-Vergleichs wurde festgestellt, dass eine Vielzahl von Anforderungen eines zukünftigen AMS an der Westsächsischen Hochschule Zwickau schon umgesetzt war. Trotz dieser guten Vorraussetzungen z. B. in Form von Hausregelungen fehlte es jedoch an einer grundlegenden und übergreifenden Systematik. Festzuhalten bleibt ferner, dass eine Übernahme und geringfügige Adaption eines vorhandenen x-beliebigen Arbeitsschutzmanagementsystems nicht Erfolg versprechend sind. Das Arbeitsschutzmanagementsystem muss passgenau auf die Bedürfnisse und Gegebenheiten der jeweiligen Organisation abgestimmt  sein. Das wiederum ist nur unter erhöhtem Ressourceneinsatz möglich.

Westsächsische Hochschule Zwickau
Westsächsische Hochschule Zwickau

Kleine Lösung mit Option

Somit gab es für die Westsächsische Hochschule Zwickau nur die Möglichkeit zur Implementierung eines „kleinen Arbeitsschutzmanagementsystems“ mit einer Ausbauoption. Dabei wird bewusst auf einige Bestandteile eines herkömmlichen AMS (wie z.B. die Zertifizierung) verzichtet.

Westsächsische Hochschule Zwickau

Diese Handlungsfelder wurden in der WSH Zwickau identifiziert:

  • Umgang mit Gefahrstoffen
  • Technische Sicherheit der Arbeitsmittel
  • Unfallverhütung
  • Strahlenschutz/Laserschutz
  • Brandschutz
  • Erste Hilfe
  • Notfallmanagement
  • Sonderabfallentsorgung
  • Beschaffung
  • PSA
  • Informationsmanagement
  • Unterweisungen

Unter Beibehaltung der Mindestanforderungen an ein AMS (wie z.B. Einhaltung aller Arbeitsschutzvorschriften, effektive Verbindung von Arbeitsschutz und Organisation, schnelle Anpassung an Veränderungen, Schaffung einer aussagefähigen Dokumentation etc.) wurde ein passgenaues Arbeitsschutzmanagementsystem entwickelt und in Form eines Projektes mit den entsprechenden Projektphasen (Projektorganisation, Konzeptentwicklung, AMS- Einführung, AMS- Betrieb, Audit, Review/Evaluierung) umgesetzt. 

Ziele des AMS der WHZ:

  • Einhaltung aller Arbeitsschutzvorschriften
  • Effektive Verbindung von Arbeitsschutz und Organisation
  • Kontinuierliche Verbesserung des Arbeitsschutzes
  • Schnelle Anpassung an Veränderungen (z. B. neue Gesetze)
  • Schaffung einer aussagefähigen Dokumentation
  • Optimierung der administrativen Aufgaben
  • Übertragung der Verantwortung auf die Prozesse
  • Schaffung einer effektiven beauftragten Organisation
  • Gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis

Praktisch hieß dies in der Hochschule Folgendes:

  • Aufstellung und Aktualisierung von Gefährdungsanalysen
  • Begehung von Arbeits- und Gesundheitsschutz (planmäßig oder anlassbezogen)
  • Vorbereitung und Durchführung von Arbeitsschutzausschuss- Sitzungen
  • Zeitnahe und umfassende Information aller Betroffenen (z. B. bei Gesetzesänderung), insbesondere der jeweiligen Leiter
  • „Organisation“ von arbeitsmedizinischer Vorsorgeuntersuchungen/Ermitteln und Erfassen von Arbeitsplätzen und Tätigkeiten, an denen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen vorgeschrieben sind
  • Kontaktpflege zu Behörden, Verbänden, Organisationen, anderen Hochschulen etc.
  • Überwachung aller routinemäßig zu kontrollierenden Anlagen und Geräte bzw. Überwachung der Einhaltung der Prüfzyklen

Plakat 1. Sächsischer Erzieherinnentag

Je nachdem, ob die kleine Lösung als Erfolg gewertet werden kann und eine Weiterentwicklung des AMS an der WHZ sinnvoll und gewollt ist, ist es möglich, dieses Arbeitsschutzmanagementsystem so weit auszubauen, dass einer eventuellen Zertifizierung nichts entgegensteht. Die Mindestvoraussetzung für eine weitere Implementierung des AMS an der WHZ sind jedoch klar definiert:
1. Erfolg der kleinen Lösung (Verbesserung der Arbeitssicherheit, erhöhte Rechtssicherheit, Kostenersparnis, Optimierung von Prozessen und Abläufen)
2. Akzeptanz durch Betroffene und Beteiligte
3. Bereitstellung der notwendigen Ressourcen (Manpower, Know-how, Finanzen)

Ein solches individuelles, auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasstes Arbeitsschutzmanagementsystem ist für Organisationen eine Alternative, die den Schritt zum voll ausgebauten Arbeitsschutzmanagement (noch) nicht gehen wollen oder z.B. aufgrund beschränkter Ressourcen gehen können.


Marcel Süß

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