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Sichere Treppen und Geländer

i-Punkt Ausgabe 04/2007

Sicherheit

 

Absturzunfälle in Schulen
Sturzunfälle in Treppenhäusern sind ein Unfallschwerpunkt in Schulen. Besonders folgenschwer sind Stürze über das Geländer. Schwerste, zum Teil tödliche Verletzungen sind die Folge. Schüler (miss-)brauchen Treppengeländer und Handläufe gern als Klettergerät oder zum Rutschen. Ein gefährlicher Spaß.

Um Treppengeländer sicher zu gestalten, ist zunächst die Höhe der Umwehrung von ausschlaggebender Bedeutung. In älteren Gebäuden finden sich teilweise Geländerhöhen, die sich an Vorgaben der damals gültigen Bauordnung orientieren. Oft wurden Umwehrungen mit einer Höhe von 0,90 m, wie es heute noch im privaten Wohnungsbau zulässig ist, eingebaut.

Bei Absturzhöhen von mehr als 12 m ist sogar eine Höhe von 1,10 m vorgeschrieben. Diese Höhenangaben finden sich auch im Regelwerk der Unfallversicherungsträger, wie den „Richtlinien für Schulen – Bau und Ausrüstung“ und der Unfallverhütungsvorschrift „Schulen“. Mit Bekanntmachen der „Muster-Schulbau-Richtlinie“ im Jahr 1999 wurde für Schulgebäude eine einheitliche Geländer- und Brüstungshöhe von 1,10 m verbindlich.

Abhängig vom Personenkreis und der Nutzung der Treppe und des Treppenumfeldes sind auch größere Geländerhöhen möglich. Eine Entscheidung ist im Einzelfall unter Berücksichtigung einer Gefährdungsbeurteilung erforderlich.

Betrachtet man das durchschnittliche Größenwachstum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, so ist festzustellen, dass diese Altersgruppe in den letzten zwei Jahrzehnten um durchschnittlich 4,5 cm größer wurde.

Ein großer 18- bis 25-Jähriger hatte 1986 eine Körpergröße von 186,5 cm, während im Jahr 2005 bereits eine Körpergröße von 191 cm zu verzeichnen ist. Entsprechend wird zurzeit auch die DIN 33402 „Körpermaße des Menschen“ überarbeitet. Zusätzlich ist zu beachten, dass Schüler Ranzen oder Rucksäcke tragen, die zu einer ungünstigen Verlagerung des Schwerpunktes beim Beugen über ein Geländer führen.

Übersicht Absturzhöhe, Mindestgeländerhöhe, Rechtsgrundlage

Gestaltung von Geländern und Handläufen

Neben der Geländerhöhe ist allerdings auch die Gestaltung des Geländers und des Handlaufs von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit. Entsprechende Anforderungen ergeben sich aus der Unfallverhütungsvorschrift Schulen:

„Umwehrungen müssen entsprechend der schulischen Nutzung sicher gestaltet sein. Sie dürfen nicht zum Rutschen, Klettern, Aufsitzen und Ablegen von Gegenständen verleiten. Umwehrungen sind sicher gestaltet, wenn z.B. deren Öffnungen mindestens in einer Richtung nicht breiter als 12 cm sind und die Abstände zwischen den Umwehrungen und den zu sichernden Flächen nicht größer als 4 cm sind.“

Gestaltungsvarianten eines Treppenauges ohne und mit Absturzsicherung
Gestaltungsvarianten eines Treppenauges ohne und mit Absturzsicherung

Treppengeländer im Altbestand ohne und mit Sicherung gegen Beklettern.
Treppengeländer im Altbestand ohne und mit Sicherung gegen Beklettern.

Umwehrungen verleiten nicht zum Rutschen, wenn die Abstände zwischen den inneren Umwehrungen am Treppenauge sowie den äußeren Umwehrungen und den Treppenhauswänden nicht größer als 20 cm sind; anderenfalls sind die Umwehrungen so auszubilden, dass sie abschnittsweise durch geeignete Gestaltungselemente unterbrochen sind; aufgesetzte Kugeln und Spitzen sind unzulässig!

Umwehrungen verleiten nicht zum Klettern, wenn leiterähnliche Gestaltungselemente vermieden werden.

Maßnahmen zur Vermeidung von Rutschunfällen

Neben der bereits erwähnten Geländerhöhe und der damit einhergehenden Verpflichtung, diese auch im Bestand zu gewährleisten, ist die Gestaltung der Handläufe und Geländerobergurte für die Sicherheit des Schulgebäudes ausschlaggebend. Die in der Vergangenheit vor allem in den 50er und 60er Jahren häufig eingesetzten Kugeln und Spitzen sind wegen der von ihnen ausgehenden Verletzungsgefahr in Schulgebäuden unzulässig.

Um dennoch Absturzunfälle, die häufig zu schwersten und tödlichen Verletzungen führen, sicher zu vermeiden, sind konstruktive Maßnahmen erforderlich, die das Rutschen und Aufsitzen auf dem Geländer oder Handlauf erschweren. Dazu können beispielsweise in einem seitlichen Abstand Erhöhungen angebracht werden, die die Möglichkeit des Rutschens erschweren.

Wie auf den vorstehenden Fotos zu ersehen ist, sind derartige Erhöhungen auch im Altbestand möglich und können ohne großen Aufwand an vorhandenen Geländern montiert werden. Umwehrungen verleiten nicht zum Aufsitzen und Ablegen von Gegenständen, wenn hierfür keine nutzbaren Flächen vorhanden sind.

Unzulässige Erhöhung auf dem Geländerhandlauf
Unzulässige Erhöhung auf dem Geländerhandlauf

Zwei Varianten seitlicher Erhöhungen eines Handlaufs im Altbestand, die ein Rutschen
Zwei Varianten seitlicher Erhöhungen eines Handlaufs im Altbestand, die ein Rutschen

Umwehrung, die durch seitlichen Versatz zum Aufsitzen auf den Handlauf verleitet.
Umwehrung, die durch seitlichen Versatz zum Aufsitzen auf den Handlauf verleitet.

Umwehrungen verleiten nicht zum Aufsitzen und Ablegen von Gegenständen, wenn hierfür keine nutzbaren Flächen vorhanden sind.

Beispielsweise lassen sich Handläufe so gestalten, dass ein durchgängiges Rutschen verhindert wird, gleichzeitig aber auch keine Verletzungen durch ein Hängenbleiben entstehen können. Hierbei kommen formschlüssige Aufsätze in Betracht, die z.B. als Kugelabschnitt auf dem Handlauf montiert werden. Die Höhe der Aufsätze sollte circa 15 mm betragen, wobei auf einen sanften Übergang vom Handlauf auf den Aufsatz zu achten ist. Weiterhin müssen seitliche Radien von mindestens 2 mm oder Fasen vorhanden sein.

Handlauf mit geringem Abstand zum Geländer, der ein Aufsitzen nicht ermöglicht.
Handlauf mit geringem Abstand zum Geländer, der ein Aufsitzen nicht ermöglicht.

Derartige Aufsätze machen das Rutschen auf dem Geländerobergurt bzw. dem Handlauf für Schüler unattraktiv, ermöglichen aber weiterhin eine durchgehende Nutzung des Handlaufs, ohne die Hand vom Geländer nehmen zu müssen. Um schwere und tödliche Unfälle durch Stürze über Treppengeländer zukünftig zu vermeiden, müssen Treppen auch im Altbestand den oben genannten Anforderungen entsprechen. Wenn Schulgebäude Treppen mit zu geringer Geländerhöhe aufweisen, sind diese auf das erforderliche Maß zu erhöhen. Wenn Handläufe zum Beklettern und Rutschen verleiten, sind konstruktive Maßnahmen erforderlich.


Matthias Lange
Uwe Naujokat


Die Autoren sind Aufsichtspersonen der Unfallkasse Hessen.
Nachdruck aus inform mit freundlicher Genehmigung.

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