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Unfälle im Feuerwehrdienst

i-Punkt Ausgabe 04/2007

Information

 

Die Jahresauswertung 2006
Ihre Erlebnisse präsentieren Feuerwehren heute gern im Internet: Brände, Explosionen, Verkehrsunfälle. Schnell wird deutlich, Feuerwehralltag ist riskant: Unbekannte Einsatzorte, unwegsam bei schlechter Witterung und Dunkelheit. Dazu: Stress und traumatische Erlebnisse. Feuerwehrleute nehmen persönliche Belastungen in Kauf, mitunter auch Gefahren für ihre Gesundheit und ihr Leben. Damit wir im Notfall auf schnelle Hilfe rechnen können, gilt dem Schutz der Kameraden unsere besondere Aufmerksamkeit.

Die Anzahl gemeldeter Unfälle sächsischer Feuerwehren ging im Vergleich zum Vorjahr leicht zurück, um 3 Fälle von 884 auf 881. Im besonderen Maße war ein Rückgang der angezeigten Unfälle von Feuerwehren des Regierungsbezirkes Chemnitz zu verzeichnen. Im Jahr 2006 wurden von den freiwilligen Feuerwehren des Regierungsbezirkes Chemnitz 272 Unfälle angezeigt (Diagramm 1). Im Vergleich zum Vorjahr sind das 19 % weniger. Eine beachtliche Leistung, die unserer Meinung nach auf das gute Zusammenwirken aller Beteiligten im Arbeitsschutz zurückzuführen ist, wie Bürgermeister, Amtsleiter, Wehrleitung, Sicherheitsbeauftragte und Kreisausbilder. Und das, obwohl in vielen Kreisen nach wie vor Sicherheitsbeauftragte der Feuerwehren und Kreisausbilder unter nicht einfachen Bedingungen ihre Aufgaben  engagiert wahrnehmen, mit dem Anspruch, Unfälle von Feuerwehrangehörigen zu verhüten und damit einen Beitrag zur Einsatzbereitschaft der Feuerwehren zu leisten.

Vergleich Unfallzahlen mit den Vorjahren (nur freiwillige Feuerwehren in Sachsen)

Betrachtet man das Unfallgeschehen in Abhängigkeit von den verschiedenen Dienstarten (Diagramm 2) in Feuerwehren, zeichnet sich ein deutlicher Unterschied zwischen Berufsfeuerwehren und freiwilligen ab. Machen bei freiwilligen Feuerwehren vor allem Einsätze bei Bränden und technischer Hilfeleistung den Schwerpunkt des Unfallaufkommens aus, so werden von Berufsfeuerwehren überwiegend Unfälle im Dienstsport (10 %) angezeigt. Allerdings ist bei der Betrachtung des Unfallaufkommens der Berufsfeuerwehren zu berücksichtigen, dass nur ein Teil bei der Unfallkasse Sachsen angezeigt wird, nämlich der von Angestellten.

Weitere Unfallschwerpunkte der Feuerwehren waren bei Übungen und Ausbildungsmaßnahmen (14 %) sowie beim Arbeits- und Werkstattdienst (9 %) festzustellen.

Unfälle freiwillige Feuerwehren und Berufsfeuerwehren in Sachsen 2006 – nach Dienstarten

Bei den Jugendfeuerwehren erhöhte sich die Zahl der angezeigten Unfälle um 3 % auf 12 %. Im Wesentlichen bilden hier vor allem Verletzungen bei sportlichen Betätigungen und Aufenthalten in Zeltlagern den Schwerpunkt. Bei zwei Drittel aller angezeigte Unfälle waren Hände, Beine und Füße von Feuerwehrangehörigen betroffen (Diagramm 3). Hinsichtlich der Verletzungsfolgen sind vor allem Kopfverletzungen mit 8 % und Verletzungen des Brustkorbbereiches mit 11 % sowie Hals- und Wirbelsäulenverletzungen mit einem Anteil von 4 % zu beachten.  

Unabhängig davon, ob die angezeigten Unfälle im Zusammenhang mit einer Übung, Ausbildung oder einen tatsächlichen Einsatz standen, wurde immer wieder deutlich, mit dem Feuerwehrdienst sind erhebliche Gefährdungen verbunden. Daher sind für die Sicherheit der Feuerwehrangehörigen die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften und damit das einsatztaktisch richtige Verhalten von besonderer Bedeutung. Welche Rolle dabei auch der persönlichen Schutzausrüstung zukommt und wie wichtig überlegtes bzw. einsatztaktisch richtiges Verhalten ist, soll an einigen Unfallbeispielen verdeutlicht werden.

Unfälle freiwillige Feuerwehren und Berufsfeuerwehren in Sachsen 2006 – nach Verletzungsarten

Stromschlag

G. war beauftragt, den Transport eines nicht gehfähigen Patienten durchzuführen. Im Wohnhochhaus wollte G. den Aufzug für den Krankentransport nutzen, dafür musste je- Unfälle freiwillige Feuerwehren und Berufsfeuerwehren in Sachsen 2006 – nach Dienstarten Unfälle freiwillige Feuerwehren und Berufsfeuerwehren in Sachsen 2006 – nach Verletzungsarten doch eine Fahrkorberweiterung geöffnet werden. Dazu brauchte man einen Schlüssel, da ein Schalter an der Fahrkorberweiterung die Stromzufuhr (220 V) unterbricht. Dieser Spezialschlüssel wird beim Hausmeister verwahrt. Diesen Weg wollte sich G. sparen. Er überbrückte mit einem metallenem Gegenstand den Schalter an der Fahrkorberweiterung und erhielt dabei einen Stromschlag.

Verbrühung

P. war Truppführer einer Übung, die einen Flächenbrand simulierte. Bei einem von vier Übungsdurchläufen verspürte er kurzzeitige Hitzeeinwirkungen im Schulterbereich, ohne dem größere Beachtung zu schenken. P. trug unter der Feuerwehrüberjacke ein T-Shirt aus Baumwolle. Erst zu Hause bemerkte er die handtellergroße Verletzung im Schulterbereich und suchte einen Arzt auf. Die Verbrennungen 2. Grades erforderten eine Behandlung im Krankenhaus.

Die Unfalluntersuchung ergab Folgendes: Die Feuerwehrüberjacke wies äußerlich thermische Veränderungen an den Schriftzügen auf und der mehrlagige Aufbau im Inneren der Jacke hatte sich im Schulterbereich verändert. Zwar lag eine Baumusterprüfbescheinigung vor, trotzdem wurde im Textilforschungsinstitut Chemnitz eine erneute Prüfung veranlasst.

Die Leistungsklasse 2 wurde bestätigt, wobei der Wärmeübergang an der unteren Grenze des zulässigen Wertes lag. Vom Wehrleiter wurde festgelegt, dass auch bei Ausbildungsmaßnahmen im Freien immer wieder Erholungsphasen einzulegen sind und die Einsatzbekleidung vor jedem erneuten Einsatz regelmäßig zu kontrollieren ist.

Ob Brandbekämpfungseinsatz oder Ausbildung, niemals sollte vergessen werden, dass die Schutzwirkung persönlicher Schutzausrüstungen natürliche Grenzen hat.

Die Schutzwirkung der Bekleidung ist zeitabhängig. Je höher die Umgebungstemperatur, desto schneller ist die „Kapazität“ gegen den Wärmedurchgang aufgebraucht. Die „eingebaute“ Verbesserung der Schutzwirkung gegen Hitze und Flammen wird möglicherweise kompensiert durch eingeschränkte Wahrnehmung der Umgebung, physiologische Belastung (Heatstress) und die Ausweitung der Einsatzmöglichkeiten und damit verbundene Veränderung der Risiken, wie Einsturz, Hitze oder Durchzündungen.

Schnittverletzung

E. war beauftragt, Holzleisten zuzuschneiden. Dazu benutzte er die Tischkreissäge auf dem Dachboden der Feuerwehr. Die Leisten sollten auf eine Breite von 3 cm zugeschnitten werden. Dabei führte E. die Leiste direkt mit den Händen zum laufenden Sägeblatt hin. Da ein ordnungsgemäß angebrachter Spaltkeil fehlte, verklemmte sich die Leiste hinter dem Sägblatt. Was E. veranlasste, mit der linken Hand die Leiste an dieser Stelle zu halten. Plötzlich wurde die Leiste nach oben gedrückt, E. geriet mit der linken Hand in das laufende Sägeblatt und zog sich eine Weichteilwunde mit Gelenkkapseleröffnung zu.

Bei der Unfalluntersuchung wurden weitere erhebliche sicherheitstechnische Mängel an der Tischkreissäge festgestellt. Der Spaltkeil war nicht wirksam und die Schutzhaube nicht richtig eingestellt. Das Sägeblatt war beschädigt, Schiebestock bzw. Schiebeholz fehlten, es gab keine Tischeinlage aus nicht funkenreißendem Material und die Maschine hatte keine Absaugung. Außerdem war die Tischkreissäge aufgrund der Schutzhaubenbefestigung für den Zuschnitt von langen Werkstücken völlig ungeeignet.

Die Unfallkasse Sachsen veranlasste, dass diese Maschine sofort außer Betrieb ging bis der ordnungsgemäße sicherheitstechnische Zustand wiederhergestellt war. Ziel dieser Maßnahme war es, nicht nur ähnliche Unfälle in Zukunft zu vermeiden, sondern auch den Brandschutz auf dem Dachboden des Feuerwehrhauses wiederherzustellen.


Ronald Patzak

Noch Fragen: patzak@unfallkassen.com oder Tel. (0 35 31) 72 43 03

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
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01662 Meißen

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