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Brandbeschleuniger sind tabu!

i-Punkt Ausgabe 01/2008

Sicherheit

 

Übungs- und Brauchtumsfeuer
Feuerwehren bekämpfen nicht nur Brände, sondern entzünden auch Feuer. Ob zu Ostern oder zur Sonnenwende, ohne die Kameraden gäbe es so manches Brauchtumsfeuer nicht. Auch bei Übungen, Grillfesten oder im Zeltlager geht meist ohne das heiße Element nichts.

Dass sich Brandbeschleuniger verbieten, weiß eigentlich jeder. Schließlich warnen die Ortswehren selbst regelmäßig zu Beginn der Grillsaison eindringlichst vor dem „Nachhelfen“ mit Spiritusflasche oder Benzinkanister. Denn das kann schnell lebensgefährlich werden. Leider zeigt die Vielzahl der Unfallmeldungen, die Unbelehrbaren sterben nicht aus. Die dramatischen Folgen, oft mit unsäglich viel Leid verbunden, sollten allen eine Warnung sein.

Unser Fazit: Feuerwehren können besser Brände bekämpfen als Feuer entzünden.
Hier ein Beispiel:
Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in S. veranstalten regelmäßig einmal im Jahr einen Tag der offenen Tür mit Schauvorführungen und Festlichkeit. An diesem Tag sollte am Rande des Festplatzes eine Löschübung gezeigt werden gemeinsam mit der Jugendfeuerwehr. Als Brandobjekt  sollte ein Modell der Mittelschule aus Holzlatten und Pappplatten dienen, extra angefertigt und bemalt, zwei mal vier mal zwei Meter groß. Das Haus wurde mit einer Tür versehen, die den Zugang ins Innere ermöglichte.

Vor der Übung besprach der Jugendfeuerwehrwart mit den Beteiligten den Ablauf und gab die notwendigen Instruktionen und Belehrungen für das Anzünden des Hauses. Zunächst sollte es im Inneren vorsichtig durch Pappe und Papier so entzündet werden, dass sich erst Rauch und später der Brand entwickelte, der dann immer intensiver werden sollte.

Noch bevor alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, brannte jedoch das Haus mit einem lauten Knall lichterloh und ein Kamerad rannte brennend heraus. Was war geschehen?

Entgegen den Anweisungen, das Brandobjekt nur mit Papier und Sägespäne zu entzünden, hatte der Feuerwehrmann K. Benzin aus einem 5-Liter-Kanister verschüttet und angezündet. Es kam zur Verpuffung und zur Stichflamme, das Brandobjekt fiel auseinander. K. erlitt Verbrennungen 2. und 3. Grades an Gesicht und Händen. Schutzkleidung trug er nicht.

Nur durch das schnelle und beherzte Eingreifen der Ersthelfer konnten bleibende Gesundheitsschäden vermieden werden. K. wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen, wo Hauttransplantationen durchgeführt wurden.
Da Feuerwehrangehörige immer wieder bei der Absicherung von Brauchtums- oder Übungsfeuern verletzt werden, müssen zur Vermeidung von Unfällen diese Regeln unbedingt befolgt werden.

Vorbereitung:

Riskieren Sie nicht Ihren Versicherungsschutz. Lassen Sie die Veranstaltung und auch die Vorbereitung als Feuerwehrdienst in den Dienstplan aufnehmen. Behandeltes Holz, Reifen, Altöl, Sperrmüll oder sonstige Abfälle dürfen nicht verbrannt werden.

Erst am Veranstaltungstag die Feuerstelle aufschichten. Das Umsetzen des Brennmaterials dient dazu, dass ungeeignete Stoffe aussortiert werden und Tiere, die dort Unterschlupf gesucht haben, flüchten können. Hier erleben die Feuerwehren häufig böse Überraschungen, da diese großen Holzhaufen eine magische Anziehungskraft für Personen haben, die ihren Sondermüll entsorgen wollen und über Nacht hier diese Stoffe im Haufen verstecken. In den Unfallanzeigen steht dann: „Plötzlich gab es beim Anzünden eine große Stichflamme, die dann zu den Verbrennungen geführt hat.“

Wichtig! Trockenes Kleinholz, Papier oder Stroh beim Anzünden bereitstellen. Feuerlöschgeräte, Löschmittel bereitlegen und Erste Hilfe gewährleisten. Alarmierung ggf. weiterer Kräfte und Mittel sicherstellen.

Alle an der Maßnahme beteiligten Einsatzkräfte tragen entsprechend den zu erwartenden Gefahren persönliche Schutzausrüstung gemäß § 12 der Unfallverhütungsvorschrift „Feuerwehren“ (GUV-VC 53).

Einsatz von Brandbeschleunigern

Bei fast allen uns gemeldeten Unfällen wurden sogenannte Brandbeschleuniger, wie Benzin u. Ä. verwendet. Diese sind aber beim Entzünden von Feuern oder zur Erhöhung der Brandgeschwindigkeit verboten. Werden Kraftstoffe oder andere brennbare Flüssigkeiten eingesetzt, kommt es schnell zu einem zündfähigen Kraftstoffdampf-/Luft-Gemisch, das beim Anzünden zu einer explosionsartigen Verbrennung führt (Beispiel: 20 ml Benzin reichen, um in einem 200-Liter-Fass ein explosibles Dampf-Luftgemisch zu erzeugen). Durch die schnelle Verdunstung bei Benzin kann sich die explosionsartige Verbrennung überraschend weit ausbreiten, so dass selbst erfahrene Feuerwehrangehörige zu den Unfallverletzten zählten. An dieser Stelle sei uns der Hinweis gestattet, dass mit der „Brandlehre“ bereits in der Feuerwehr-Grundausbildung Wissen über die Entstehung eines Feuers vermittelt wird.

Die Brandsicherheitswache hat die komplette persönliche Schutzausrüstung für die Brandbekämpfung (Einsatzschutzkleidung, Helm mit Gesichtsschutz, Feuerschutzhaube, Handschuhe und Stiefel) zu tragen. Gleiches gilt auch beim Anzünden des Feuers. Sollten Übungsfeuer in geschlossenen Räumen entzündet werden, müssen zudem Atemschutzgeräte angelegt werden. Übrigens legt die sogenannte „10er Regel“ der AGBF die grundlegende Vorgehensweise bei der Vorbereitung und Durchführung heißer Übungen fest. So sind Feuerwehrangehörige auch bei bösen Überraschungen weitgehend geschützt.

Feuerlöscher

  • Vorsicht beim Zerkleinern des Brandgutes
  • Unrat vorsichtig aus Brandgut entfernen. Darauf achten, dass keine Gegenstände wie z. B. Spraydosen u. Ä. in die Feuerstelle geworfen werden, da beim Zerknallen dieser die Gefahr besteht, dass weggeschleuderte Teile Personen schwer oder tödlich verletzen können.
  • Übungs- oder Brauchtumsfeuer auf sichere Art und Weise entzünden.
  • Trockenes Kleinholz, Stroh oder Papier zum Anzünden nutzen. Es tut z. B. auch der gute alte Grillanzünder, der langsam abbrennt. Dafür, dass die Variante sicherer ist, darf es dann ruhig einmal eine Minute länger dauern, bis der „Haufen lodert“.
  • Keine Brandbeschleuniger verwenden!
  • Das Feuer ständig unter Aufsicht halten!
  • Zum Ablöschen von Glut bzw. zur Bekämpfung von Entstehungsbränden Löschbereitschaft sicherstellen.
  • Beim Ablöschen Windrichtung beachten!
  • Asche und Brandreste nicht aufwirbeln!
  • Übungs- und Brauchtumsfeuer sind nach dem Betreiben vollständig abzulöschen. Die Umgebung ist auf mögliche Glutnester zu kontrollieren.
  • Feuer und Glut müssen beim Verlassen der Feuerstelle erloschen sein.

Ronald Patzak


Noch Fragen: patzak@unfallkassesachsen.com oder Tel. (03521) 72 43 03

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