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Das Herz pocht, der Puls rast

i-Punkt Ausgabe 01/2008

Sicherheit

 

Herzfrequenzüberwachung in der Übungsanlage Coswig
Einsätze unter Atemschutz gehören zu den gefährlichsten Tätigkeiten im Feuerwehrdienst. Deshalb darf nur eingesetzt werden, wer körperlich und fachlich dazu geeignet ist und alle mit dem Einsatz verbundenen Gefahren kennt. Atemschutzübungsanlagen simulieren diese Einsatzbedingungen und dienen der Ausbildung. Der Gesundheitszustand und die Fitness der Übenden werden ständig überwacht, in einigen Feuerwehrtechnischen Zentren vor, während und nach der Übung mit telemetrischer Herzfrequenzmessung.

Im Konditionsraum
Im Konditionsraum

Alle Atemschutzgeräteträger müssen mindestens einmal jährlich neben einer Einsatzübung eine Belastungsübung in einer Atemschutzübungsanlage absolvieren (FwDV 7). Im Feuerwehrtechnischen Zentrum Coswig werden dazu seit 2004 Messungen zur telemetrischen Herzfrequenzüberwachung vorgenommen.

Inzwischen liegen für fast 1.500 Übungsteilnehmer komplette auswertbare Messreihen vor. Für jedes einzelne Jahr und über den gesamten Zeitraum ermöglichen diese Aussagen über die körperliche Leistungsfähigkeit der Geräteträger. Die telemetrische Pulsüberwachung gibt zum einen dem verantwortlichen Ausbilder über den gesamten Übungszeitraum eine Übersicht über die Herzfrequenz des Übenden, um bei Überschreiten vorgegebener Höchstwerte die Übung abbrechen zu können. Dabei steht die Gesundheit der Kameraden im Vordergrund. Da von Atemschutzgeräteträgern im Feuerwehreinsatz sehr hohe physische und sychische Anforderungen erwartet werden, gewinnt man mit den telemetrischen Messungen aber auch Werte über die langfristige Belastbarkeit des Einzelnen und kann nach den jährlichen Belastungsübungen die Entwicklung dieser Belastbarkeit im Wertevergleich beurteilen.

Vor der Belastungsübung werden verschiedene Kenndaten erfasst und Ruhepuls sowie Blutdruck gemessen. Die aktuelle Gültigkeit der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung nach G 26.3 wird kontrolliert. Die Pulsüberwachung erfolgt mit POLAR-Brustgurten und einer speziellen Messtechnik mit zugehöriger Software über den Zeitraum der gesamten Belastungsübung.

Die Maximalpulswerte an den einzelnen Arbeitsgeräten (Endlosleiter, Laufband und Ergometer) werden aus den Puls-Zeit-Diagrammen entnommen und für jede Gemeinde- und Ortsfeuerwehr und für den gesamten Landkreis nach Alters-, Gewichts- und BMI-Gruppen (Body-Maß-Index) sowie nach Pulsarten und letztlich nach Jahresscheiben ausgewertet. Nach der Übung werden Puls und Blutdruck nach 6 – 8 Minuten nochmals gemessen und aufgezeichnet.

Erfreulich ist, dass sich die Differenzen der Puls-Höchstfrequenzen zwischen Endlosleiter und Kriechstrecke bei allen Altersgruppen, aber auch bei allen Gewichtsgruppen zurückentwickelt haben. 2004 lag diese Differenz noch bei durchschnittlich 14 bis 17 Pulsschlägen pro Minute, 2007 hingegen nur noch bei 8 bis 11. Dieser positive Trend wurde erst durch die Telemetrie erkennbar.

Interessant ist auch der Vergleich aller Puls-Höchstwerte der einzelnen Arbeitsgeräte zwischen dem Jahr 2004, 2007 und dem Vierjahresdurchschnitt. Hier haben sich die Puls-Höchstwerte an allen Arbeitsgeräten ebenfalls verringert. Das deutet darauf hin, dass durch regelmäßige körperliche Aktivitäten, feuerwehrtechnische Übungen und nicht zuletzt auch durch eine gesunde Ernährung die Physis und Belastbarkeit der Atemschutzgeräteträger verbessert wird. Dieser Zusammenhang muss von den Gemeinde- und Ortswehrleitungen erkannt und an die aktiven Kameraden der freiwilligen Feuerwehren weitervermittelt werden.

Die Messungen im Feuerwehrtechnischen Zentrum Coswig werden fortgesetzt. Die Entwicklung wird weiter verfolgt.
Mehr Informationen unter: www.kreis-meissen.info/feuerwehr, Rubrik Ausbildung.

 

Gerd Nestler
Der Autor ist Kreisbrandmeister im Landratsamt Meißen.

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