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Hoch, höher, Sturz!

i-Punkt Ausgabe 01/2009

Sicherheit

 

Kinder – ihre größten Unfallrisiken im Haushalt
Für kleine Kinder ist der Haushalt der reinste Abenteuerspielplatz: In Schubladen und Schränken stecken wahre Schätze, der Herd mit seinen Knöpfen und Schaltern ist genauso spannend wie der Wasserkocher, in dem es so laut blubbert. Und ob die grell-bunte Flüssigkeit wohl gut schmeckt, die in der Plastikflasche auf dem Badewannenrand steht? Manch kindliche Erkundungstour endet allerdings im Krankenhaus: Rund 290.000 Kinder unter 15 Jahren verunglücken jedes Jahr im häuslichen Umfeld. Knochenbrüche, Prellungen, Schnittverletzungen, Verbrennungen, Verbrühungen und Vergiftungen füllen die Statistik. Viele dieser Unfälle lassen sich vermeiden – durch Umsicht, durch vorausschauende Eltern und durch Sicherheitsartikel.

„Bei Kleinkindern ist der Kopf im Verhältnis zum Körper besonders schwer“, erklärt Nicola Quade von der BAG. „Wenn sie sich aus dem Fenster beugen, verlieren sie deshalb leicht das Gleichgewicht. Alle Fenster im Haushalt mit Kindern sollten deshalb Fenstersicherungen haben.“ Treppen werden durch Treppenschutzgitter sicherer. Aber Vorsicht: Größere Kinder können die Gitter überklettern und fallen dann aus noch größerer Höhe die Treppe herunter.

Hochbetten sind erst für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Schränke und Regale müssen stabil und splitterfrei sein. Gegen Umstürzen hilft ein Verschrauben des Regals an der Wand. Beim Wickeln darf das Kind nie unbeaufsichtigt auf der Kommode gelassen werden. Ein Merksatz lautet: Immer mit einer Hand am Kind. Der Kinderstuhl muss kippsicher stehen; es gibt auch Modelle, die sich am Tisch fixieren lassen.

Lose Kabel sind gefährliche Stolperfallen. Abhilfe schaffen Kabelkanäle oder die Verlegung der Kabel hinter Möbeln. Für scharfe Möbelkanten gibt es aufklebbare Ecken- und Kantenschutz. Bei Heizkörperrippen verringern hitzeresistente Polster das Risiko von Platzwunden, wenn ein Kind auf den Heizkörper fällt. Abdeckungen für Wannen- und Duscharmaturen verhindern im Bad schmerzhafte Stoßwunden.

Ausrutschen? Ausgeschlossen.

Auf glatten Böden rutschen kleine Füße schon mal aus – vor allem, wenn Spritzwasser oder Fett den Boden zusätzlich glitschig machen. Richtig getobt wird am besten im Kinderzimmer auf einem rutschsicheren Bodenbelag. Bequeme Stoppersocken schützen die Kleinen zusätzlich. Anti-Rutsch-Streifen sichern Teppiche; für glatte Treppenstufen gibt es Teppichelemente zum Aufkleben. In Dusche und Badewanne sind Anti-Rutsch-Matten ein praktischer Schutz gegen das Ausrutschen.

Mit Sicherheitsriegeln lassen sich Schubladen sperren
Mit Sicherheitsriegeln lassen sich Schubladen sperren

Autsch! Heiß! Verbrennen und Verbrü

Bügeleisen immer beaufsichtigen
Bügeleisen immer beaufsichtigen

Verbrennungen und Verbrühungen passieren oft im Bad, vor allem aber in der Küche und dort an Herd und Backofen: „Ein Kleinkind, das sich aufrichten kann, sieht noch nicht auf die Herdplatte“, so Expertin Quade. „Es greift deshalb nach dem Pfannenstiel oder dem Topfgriff, zieht das Kochgeschirr zu sich und dieses kippt samt dem heißen Inhalt von oben über das Kind. Oder das Kind greift mit seiner Hand auf die heiße Herdplatte.“ Deshalb: Kochen Sie möglichst auf den hinteren Kochstellen und drehen Sie Pfannenstiele und Topfgriffe dabei nach hinten. Kleine Hände scheitern an Herdschutzgittern, die an der Vorderkante des Kochfeldes montiert werden. Bei Induktionsherden könnte ein Kind sogar auf das Kochfeld greifen, denn es wird nur dann warm, wenn ein Topf darauf steht. Ermuntern Sie Ihr Kind aber nicht, auf die Platte zu greifen: In anderen Küchen stehen wahrscheinlich keine Induktionsherde – dort greift ein sich sicher wähnendes Kind dann womöglich doch ins Heiße.

Auch der Backofen wird empfindlich heiß. Türriegel aus Kunststoff sind schnell an den Ofen geklebt und verhindern, dass neugierige Kinder in den Ofen greifen. Verbrühungen drohen auch von der Tasse mit frischem Kaffee, dem Heißwasserkocher oder sogar dem Wasserhahn. Heiße Getränke sollten daher immer unerreichbar und nicht auf Tischdecken mit herunterhängenden Kanten abgestellt werden – sie verleiten Kinder dazu, an ihnen zu ziehen; das Heißgetränk kann sie dann verbrühen. Gefährdet sind vor allem Gesicht, Brustkorb, Hände und Arme. Der Wasserkocher muss immer fest verschlossen und für das Kind unerreichbar sein. Die Kabel von Küchengeräten dürfen nicht lose herabhängen. Mischbatterien in Küche und Bad können mit einem Wassertemperaturregler oder einem Thermostat gesichert werden.

Vorsicht, Schnittgefahr

Auch alle scharfen Gegenstände wie Messer, Korkenzieher, Scheren und „Co.“ Sowie leicht zerbrechliches Glas gehören außer Reichweite von Kindern. Sichern Sie auch die Schneidemaschine in der Küche! „Glastüren in Wohnräumen und zum Außenbereich bestehen im Idealfall aus Sicherheitsglas“, sagt BAG-Expertin Quade. Eine Alternative ist Sicherheitsfolie: Zerbricht die Scheibe, hält die Folie die Splitter zusammen und verhindert Schnittverletzungen.

Vorsicht, Strom!

„Steckdosensicherungen sind das A und O einer kindersicheren Wohnung“, betont Quade. Günstig und gut geeignet sind zweipolige Sicherungen zum Nachrüsten. Dabei müssen auch alle Mehrfachstecker berücksichtigt werden. Elektrische Geräte wie Föhn und Rasierapparat müssen im Bad vom Netz genommen und weggeräumt werden, sobald sie nicht mehr in Gebrauch sind. Im Bad sind Steckdosen ratsam, die durch einen FI-Schutzschalter (auch bezeichnet als RCD) mit einem maximalen Nennfehlerstrom von 30 Milliampere gesichert sind. Kabel und elektrische Geräte (auch Spielzeug) müssen regelmäßig kontrolliert werden: Defekte Geräte sind ein Sicherheitsrisiko.

Schutzartikel alleine reichen nicht

Herdschutzgitter, Steckdosensicherung und andere Schutzartikel gibt es bei Baby- und Kleinkindausstattern, in Möbelhäusern, im Baumarkt und auch in Drogerien. Doch mit der Nachrüstung der Wohnung alleine ist es nicht getan: „Alle Schutzartikel sind nur dafür gedacht, gefährdete Bereiche für eine vorübergehende Zeit zu sichern“, erinnert Expertin Quade. „In dieser Zeit müssen Eltern den Kleinen immer wieder die Gefahren erklären und sie schrittweise mit deren Umgang vertraut machen.“ Schließlich ist der Haushalt von Oma und Opa oder gar von kinderlosen Freunden garantiert nicht so gut kindersicher wie der eigene.

Diese Schutzkappen dürfen in keinem Kleinkinderhaushalt fehlen
Diese Schutzkappen dürfen in keinem Kleinkinderhaushalt fehlen

Eva Neumann
Die Autorin ist freie Journalistin und lebt in Berlin.

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