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Branchenmix mit Risiko

i-Punkt Ausgabe 02/2008

Gesundheit

 

Arbeitsschutz in Kommunalbauhöfen.
Bauhofleute sind Meister im Reparieren, Installieren und Improvisieren. Geht nicht, gibt’s nicht. Sie fällen Bäume, mähen Rasen, schippen Schnee. Sie bauen Marktstände, flicken Schulmöbel, leeren Mülleimer und sorgen für ein „freundliches Gesicht“ ihrer Gemeinde. Doch in der Vielfalt steckt das Risiko. Stimmt`s auch mit dem Arbeitsschutz? Der Frage sind wir nachgegangen.

Die Mitarbeiter der kommunalen Bauhöfe sorgen in ihrem Zuständigkeitsgebiet für Ordnung und Sauberkeit. Wie aber sieht es konkret in diesen Bauhöfen aus? Welche Probleme gab’s bei den Besichtigungen im letzten Jahr?

Die kommunalen Bauhöfe in Sachsen haben ein breites Spektrum von Aufgaben zu bewältigen. Die Bauhöfe ähneln sich zwar von den Tätigkeiten, unterscheiden sich jedoch stark in der personellen Besetzung, der technischen Ausstattung und dem Zustand der Gebäude. Dieser hängt von der Größe und der finanziellen Situation der Kommune ab und natürlich vom Stellenwert, der dem Bauhof beigemessen wird. Vielfach gilt leider die Aussage: Je kleiner die Kommune, desto schlechter sind die Bedingungen! Nicht alles ist jedoch von den Finanzen abhängig – oft kommen subjektive Faktoren hinzu. So fehlt es auch manchmal am Durchsetzungsvermögen des Bauhofleiters oder man wird „betriebsblind“.

Zur Ausführung der vielfältigen Aufgaben werden ausgebildetes Personal, Technik in Form von Baggern, Ladern, Lkw, handgeführten Maschinen und Geräten sowie unterschiedliche Baustoffe und andere Materialien benötigt. Die Personaldecke in den Bauhöfen ist zumeist sehr dünn, so dass neben den wenigen Festangestellten immer wieder auch andere Personen zum Einsatz kommen (ABM, Mitarbeiter mit Aufwandsentschädigung, Zivildienstleistende). Diese Personen benötigen intensive Betreuung, da in vielen Fällen Fachkenntnisse fehlen und deshalb Gefährdungen nicht erkannt werden. Die notwendige Anleitung lässt sich, bedingt durch die genannte Personalsituation, nicht immer durchgängig realisieren.

Für das Personal sind Sozialräume zu stellen, wo man sich Waschen und Umkleiden kann. Auch diverse persönliche Schutzausrüstungen gehören dazu, die vom Unternehmer bereitgestellt und vom Versicherten benutzt werden müssen.

Die Technik ist gegen Witterungseinflüsse zu schützen, sie muss geprüft und gewartet werden. Auch für Baustoffe und Materialien sind geeignete Lagerplätze zu finden. Brennbare Flüssigkeiten brauchen entsprechende Lagerräume, zugelassene Container bzw. Sicherheitsschränke. Die Gefährdungen bei der Bewältigung der Arbeitsaufgaben sind so breit gefächert, wie die Tätigkeiten selbst.

Die Gefährdungen in Bauhöfen

  • Mechanische Gefährdungen durch ungeschützt bewegte Maschinenteile oder sich bewegende Fahrzeuge
  • Mechanische Gefährdungen durch wegfliegende oder weggeschleuderte Teilchen z.B. beim Einsatz von Freischneidern
  • Absturzgefahr bei Arbeiten auf Dächern, Leitern oder beim Besteigen und Verlassen von Fahrzeugen oder Fahrzeugladeflächen
  • Ausrutschen, Umknicken oder Stolpern bei Arbeiten im Gelände oder an Böschungen
  • Kontakt mit heißen Medien
  • Physische Belastungen bei manuellen Transportarbeiten, Winterdienst von Hand u.Ä.
  • Gefährdungen durch fehlende Qualifikation oder mangelhafte Unterweisung

Vielfach gibt es in diesen Bauhöfen kleine Werkstätten, in denen die Technik selbst gewartet wird. Hier wird geschweißt oder mit Trennschleifern gearbeitet. Bei diesen Tätigkeiten können Gefahrstoffe frei werden und gesundheitliche Probleme hervorrufen. Auch die Lärmexposition ist nicht zu unterschätzen, liegt sie doch bei vielen dieser Tätigkeiten über 80 dB(A) und somit über den zulässigen Grenzwerten. Durch den Umgang mit Ölen und Fetten wird die Haut belastet, so dass Hauterkrankungen drohen.

Andernorts befinden sich Holzbearbeitungsmaschinen. Neben dem Lärm spielen hier die Holzstäube eine herausragende Rolle. Die Holzstäube können krebserzeugend sein, deshalb ist für eine wirksame Absaugung zu sorgen. Nun werden manche dieser Werkstätten nicht durchgängig betrieben, weshalb man den Aufwand möglichst gering halten möchte. Doch das Regelwerk unterscheidet nicht zwischen einer „kleinen“ Werkstatt und einem „richtigen“ Unternehmen. Deshalb sollte man in den Kommunen akzeptieren, dass eine neue Holzbearbeitungsmaschine auch immer eine wirksame  Absaugung braucht. Da ist bei geringem Bedarf der ortsansässige Tischler manchmal die günstigere Lösung.

Anschließend haben wir die vorgefundenen Mängel nach ihrer Häufigkeit aufgeführt.

Gefährdungsbeurteilung

Bei den Besichtigungen stellten wir fest, dass Gefährdungsbeurteilungen überwiegend unbekannt waren. Die Bürgermeister haben zusammen mit den Leitern der Bauhöfe und den Fachkräften für Arbeitssicherheit dafür zu sorgen, dass Gefährdungsbeurteilungen erstellt, dokumentiert und fortlaufend auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Da spezielle Mittel oder Methoden zur Gefährdungsbeurteilung nicht vorgeschrieben sind, hat der Unternehmer hier die Wahl zwischen Checklisten, Computerprogrammen o.Ä. Als Einstieg empfehlen sich die Ergebnisse von Betriebsbegehungen, Auswertungen von Unfall- oder sonstigen Schadensereignissen. (s. auch Abschnitt 2.2.1 der GUV-Regel „Grundsätze der Prävention“ GUV-R A1). Umfangreichere Gefährdungsbeurteilungen sind dann erforderlich, wenn von einem hohen Gefährdungspotenzial auszugehen ist, wie etwa bei Arbeiten auf hoch gelegenen Arbeitsplätzen. Im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sind Maßnahmen zur Beseitigung der festgestellten Mängel zu ergreifen und deren Wirksamkeit zu prüfen.

Hohe Verletzungsgefahr: Der Spaltkeil fehlt
Hohe Verletzungsgefahr: Der Spaltkeil fehlt

Persönliche Schutzausrüstungen (PSA)

Hier gab es mehrfach Defizite bei der Bereitstellung von Sicherheitsschuhen und Warnkleidung durch den Unternehmer. Auch die Tatsache, dass beim Umgang mit einem Freischneider unter dem Visier zusätzlich eine Schutzbrille zu tragen ist, war häufig unbekannt. Diese Probleme resultieren in erster Linie aus den Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Gefährdungsbeurteilung, aber auch aus finanziellen Zwängen. Neben der Bereitstellung der PSA ergibt sich für den Unternehmer die Pflicht, zu kontrollieren, ob diese PSA auch zweckentsprechend benutzt wird. Verstöße gegen die Tragepflicht können durchaus arbeitsrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen.

Sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung – arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen

Eine sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung ist nicht in allen Kommunen abgesichert. Der Unternehmer muss Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte bestellen, die ihn in allen Fragen der Arbeitssicherheit und der Arbeitsmedizin beraten. Wir stellten mehrfach fest, dass arbeitsmedizinische Vorsorguntersuchungen auf Bauhöfen nicht durchgeführt wurden. Neben allgemeinen Vorsorgeuntersuchungen, die Aufschluss über den Gesundheitszustand und somit die Eignung für die auszuführenden Tätigkeiten geben, werden spezielle Vorsorgeuntersuchungen entweder direkt vorgeschrieben (z. B. Tätigkeiten in Lärmbereichen – G 20) oder empfohlen ( z. B. Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten – G 25). Diese Untersuchungen sind wichtig, um eine negative Entwicklung in Richtung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren sowie Berufskrankheiten frühzeitig erkennen und präventiv eingreifen zu können.

Prüfung von Leitern

In einer Vielzahl von Bauhöfen existierte kein Nachweis über die jährliche Prüfung der vorhandenen Leitern. Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass eine von ihm beauftragte Person Leitern und Tritte wiederkehrend auf ordnungsgemäßen Zustand prüft. Der Umgang mit Leitern wird in vielen Einrichtungen als „ungefährlich“ angesehen – ein Trugschluss; in der Vergangenheit waren Leitern mehrfach als Arbeitsmittel bei Arbeitsunfällen mit schweren und sogar tödlichen Verletzungen beteiligt.

Holzbearbeitungsmaschinen

In den Holzwerkstätten werden häufig Holzbearbeitungsmaschinen älterer Bauart zum Einsatz gebracht. Mängel treten hier besonders auf, wenn Verkleidungen entfernt werden und somit in das laufende Werkzeug eingegriffen werden kann oder auf die Verwendung der Schutzhaube bzw. des Spaltkeiles an der Kreissäge verzichtet wird. In diesen Fällen ist der Originalzustand umgehend wiederherzustellen.

Hier sollte dringend aufgeräumt werden
Hier sollte dringend aufgeräumt werden

Lagerung brennbarer Flüssigkeiten

Dieses Problem entpuppt sich als wahrer „Dauerbrenner“. Häufig werden direkt neben Motorkettensägen, Freischneidern oder Rasenmähern Benzinkanister deponiert – man hat dann „alles bei der Hand“. Ein Vorteil, der aber leider nicht den geltenden Regelungen des Brandschutzes entspricht. Die Lagerung brennbarer Flüssigkeiten hat in dafür bestimmten und zugelassenen Räumen, Containern oder Sicherheitsschränken zu erfolgen. Der Aufwand für eine ordnungsgemäße Lagerung ist nicht unwesentlich, die Probleme nach einem Brand aufgrund mangelhafter Lagerung brennbarer Flüssigkeiten nehmen jedoch für den oder die Verantwortlichen viel größere Dimensionen an. Grundsätzlich sollte daher der Bestand auf das unbedingt notwendige Maß reduziert werden.

Unzulässige Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten und Arbeitsmitteln
Unzulässige Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten und Arbeitsmitteln

Erste Hilfe

Auch hier stellten wir fest, dass in vielen Einrichtungen wesentliche Bausteine in der „Ersten-Hilfe-Kette“ fehlen. Die Anzahl der ausgebildeten Ersthelfer ist häufig nicht ausreichend. Vielfach wird in kleinen Gruppen oder aber auch allein gearbeitet. Die Gefährdungen, wie oben beschrieben, sind dabei vielfältig. Ein weiteres Problem besteht darin, dass in den genannten Arbeitsgruppen nicht immer die notwendigen Meldeeinrichtungen, wie Handys, vorhanden sind, um unverzüglich die notwendige Hilfe herbeizurufen und an den Einsatzort zu leiten. Somit sind alle Belange der Ersten Hilfe in den Einrichtungen zu überprüfen und die daraus notwendigen technischen und organisatorischen Maßnahmen einzuleiten, um bei einem möglichen Unfall bestens vorbereitet zu sein.

Baulicher Zustand der Einrichtung

Wie bereits eingangs erwähnt, werden je nach Größe des Bauhofes, der vorhandenen Technik und der Anzahl der Beschäftigten auch entsprechende Gebäude und Räume benötigt. Hier wird häufig auf vorhandene Gebäude zurückgegriffen, welche nach langjähriger Nutzung sanierungsbedürftig sind (z.B. Schäden am Dach, defekte Fußböden o.a.). Der bauliche Zustand sollte daher regelmäßig überprüft werden, damit kostenintensive Instandsetzungsarbeiten so weit möglich vermieden werden können.

Ordnung

Teilweise entsteht der Eindruck, dass alle aus kommunalen Gebäuden beräumte Gegenstände, wie Möbel, ausgebaute Fenster, Türen, Toilettenbecken unbedingt im Bauhof zwischengelagert werden müssten. Dazu kommen Gegenstände von eher musealem Charakter. Zusammen mit den Materialien, die ein Bauhof braucht, werden alle erdenklichen Flächen belegt. Eine gefahrlose Entnahme vom Regal ist dann kaum mehr möglich; auch Verkehrswege in den Lagerbereichen sind hoffnungslos zugestellt.

In diesen Einrichtungen sind nicht mehr benötigtes Altmaterial und andere Gegenstände auszusondern, damit diese Flächen für den eigentlichen Betrieb zur Verfügung stehen. Eine Lagerordnung mit klaren Abgrenzungen ist zu erstellen, die Regale sind standsicher aufzustellen, schwere Elemente gehören in die unteren Regalböden und die notwendigen Verkehrswege sind stets zugänglich zu halten. Die Aussonderung hat zudem den Effekt, dass die Brandlast innerhalb der Gebäude (hier besonders im Bereich der Dachböden) weiter reduziert wird und somit auch ein Problem des Brandschutzes entsprechende Beachtung erhält.

So sieht es ohne Lagerordnung aus
So sieht es ohne Lagerordnung aus

Fazit

Viele Probleme sind zumeist Organisationsdefizite innerhalb der betreffenden Kommune. Damit wird deutlich, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz leider nicht den notwendigen Stellenwert haben und auch künftig für uns ein hoher Handlungsbedarf in Form von Besichtigungen und Beratungen erhalten bleiben wird. Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Betriebsärzte sollten sich verstärkt in die Betreuung der Bauhöfe einbringen, damit frühzeitig Gefährdungen erkannt und beseitigt werden können. Eine Vielzahl der oben erwähnten Mängel hätte auch den Fachkräften für Arbeitssicherheit bei ihren regelmäßigen Begehungen in den Bauhöfen auffallen müssen.

Wir wünschen uns, dass diese Probleme Anlass für Sie sind, Ihren Bauhof auf diese Punkte hin zu überprüfen. Sollten sich daraus Fragen ergeben oder suchen Sie Lösungsvorschläge, sind wir für Sie da.

 

Uwe Büttner

Noch Fragen: buettner@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 10

Wir sind für Sie da.

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