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Keine Kür, sondern Pflicht

i-Punkt Ausgabe 02/2008

Gesundheit

Eine Sicherheitsbeauftragte gehört in jede Kita.
Seit Inkrafttreten der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ muss für jede Kindertageseinrichtung eine eigene Sicherheitsbeauftragte (Sibe) bestellt werden – ein oft ungewohntes Betätigungsfeld für Erzieherinnen. Wir stellen Ihnen deren Aufgaben vor und stellen klar, wer welche Verantwortung für was trägt.

Erzieherinnen und andere pädagogische Fachkräfte, die in der Kindertageseinrichtung (Kita) tätig sind, können vom Träger der Einrichtung zu Sicherheitsbeauftragten bestellt werden. Sie haben dann die Aufgabe, den Träger bzw. die Leitung bei der Durchführung der Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu unterstützen.

Zuständigkeit des Trägers

Grundsätzlich hat der Träger der Kita als Unternehmer die erforderlichen Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu treffen sowie für eine wirksame Erste Hilfe zu sorgen (§ 2 der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ – GUV-V A1). Zu diesem Zweck muss er Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärzte sowie Sicherheitsbeauftragte bestellen und deren Zusammenarbeit fördern (§§ 19 und 20).

Zu den Aufgaben des Trägers zählen:

  • Unterhalt und Wartung von Kita-Gebäude, Einrichtungen, Außenanlagen und Spielplatzgeräten gemäß „Richtlinien für Kindergärten, Bau und Ausrüstung“ (GUV-SR 2002) und den entsprechenden Informationsschriften des Unfallversicherungsträgers, z. B. „Außenspielflächen und Spielplatzgeräte“, GUV-SI 8017. Hierzu beraten die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Aufsichtspersonen.
  • Durchführen der vorgeschriebenen Maßnahmen zum Brandschutz in Kooperation mit der örtlichen Brandschutzbehörde.
  • Durchführen der vorschriftsmäßigen Arbeitsschutzmaßnahmen für das Personal in Zusammenarbeit mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Betriebsarzt.
  • Schaffen der Voraussetzungen für eine wirksame Erste Hilfe entsprechend den §§ 24 bis 26 der GUV-V A1.

Demnach hat der Träger dafür zu sorgen,dass …

  • die erforderlichen Meldeeinrichtungen,das Erste-Hilfe-Material sowie eine geeignete Liegemöglichkeit für die Erstversorgung von Verletzten bereitstehen,
  • ein vorschriftsmäßig aus- und weitergebildeter Ersthelfer je Kindergruppe zur Verfügung steht,
  • Verletzte sachkundig transportiert werden und je nach Verletzung dem entsprechenden Arzt vorgestellt werden und
  • jede Erste-Hilfe-Leistung ins Verbandbuch eingetragen wird.

Die Gesamtverantwortung für die Organisation eines sicheren Kita-Betriebs liegt bei der Kita-Leitung in Zusammenarbeit mit dem Träger.
Zu ihren Aufgaben gehört,

  • baulich-technische Mängel, die sie im Rahmen der täglichen Sichtkontrolle selbst beobachtet hat oder die ihr gemeldet werden, an den Träger weiterzuleiten, z. B. Beschädigungen an Spielplatzgeräten oder Verunreinigungen der Außenanlagen,
  • Gefahrstellen zu beseitigen oder abzuschirmen sowie die Benutzung von beschädigten Spielplatzgeräten und der Außenflächen bei ungünstigen Witterungsverhältnissen zu untersagen,
  • das Personal über Sicherheitsbestimmungen zu informieren, Anweisungen zu erteilen und die Einhaltung zu überwachen, z. B. Medikamente für Kinder unerreichbar aufzubewahren oder Kordeln an Kinderkleidung zu untersagen,
  • dafür zu sorgen, dass nach einem Unfall unverzüglich Erste Hilfe geleistet werden kann.

Die Leiterin sollte darauf hinwirken, dass alle Erzieherinnen in der Lage sind, Erste Hilfe zu leisten, z. B. indem sie regelmäßig den Kurs „Erste Hilfe bei Kinderunfällen“ belegen.

Zuständigkeit des pädagogischen Personals

Aufgabe jeder Erzieherin ist,

  • für Sicherheit in ihrer Gruppe zu sorgen, z.B. durch die vorschriftsmäßige Beaufsichtigung der Kinder,
  • Gefahrstellen unmittelbar der Kita-Leitung zu melden, diese ggf. zu beseitigen oder zumindest abzuschirmen, z. B. eine defekte Steckdose,
  • im Rahmen der Sicherheitserziehung – Kindern Gefahren bewusst zu machen,z. B. Risikoeinschätzung bei Sprüngen aus verschiedenen Höhen,

    • mit den Kindern Regeln zu erarbeiten, z. B. für die Benutzung der Spielplatzgeräte,
    • Verbote auszusprechen und auf deren Einhaltung zu achten, z. B. keine Seile und „Pferdegeschirre“ auf Spielplatzgeräten benutzen (Strangulierungsgefahr),
    • mit den Kindern sicherheitsbewusstes Verhalten zu üben, z. B. im Umgang mit Zündhölzern und Kerzen.

Junge auf Klettergerüst

Stellung der Sicherheitsbeauftragten

Die rechtliche Grundlage bilden § 22 SGB VII und § 20 GUV-V A1, wonach der Träger Sicherheitsbeauftragte zu bestellen hat. Darüber hinaus muss er ihnen ermöglichen, an entsprechenden Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sowie an Unfalluntersuchungen durch unsere Aufsichtspersonen teilzunehmen.
Die Sicherheitsbeauftragte hat eine rein beobachtende, beratende Tätigkeit; keine Weisungsbefugnis und keine zivil- oder strafrechtliche Haftung über die Verantwortung als Erzieherin hinaus. Sie soll mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit und mit dem Betriebsarzt zusammenarbeiten und darf wegen der Erfüllung der ihr übertragenen Aufgaben nicht benachteiligt werden.

Aufgaben der Sicherheitsbeauftragten

Die Sicherheitsbeauftragte unterstützt den Unternehmer oder den Träger bei Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen und Gesundheitsgefahren und macht ihn auf Unfallund Gesundheitsgefahren aufmerksam.

  • Sie informiert die Kita-Leitung bzw. den Träger über

    • baulich-technische Mängel, die er bei der Arbeit in der Kita feststellt, z. B. dass ein Werkzeug nicht mehr einwandfrei funktioniert oder Spielzeug beschädigt ist,
    • sicherheitsrelevante organisatorische Mängel, z. B. dass Kinder unbeaufsichtigt an „gefährliches“ Werkzeug gelangen können oder
    • Aktivitäten von Kindern, die für das Kind selbst oder für andere Kinder gefährlich werden könnten, z. B. dass sich Kinder beim Klettern am Kletterbaum nicht an die vereinbarten Regeln halten und höher klettern als erlaubt.

  • Die Sicherheitsbeauftragte soll den Träger bei der Durchführung einer wirksamen Ersten Hilfe unterstützen, z. B. indem sie das Verbandsmaterial regelmäßig auf Vollständigkeit überprüft.
  • Die Sicherheitsbeauftragte sollte Multiplikator für das Team sein: Sie informiert über neue Medien und Projekte des UV-Trägers und initiiert Projekte zur Sicherheitsförderung, z. B. den Einsatz der Lärmampel, um den Lärm in Kitas zu reduzieren.

Kita-Leitung und Sicherheitsbeauftragte arbeiten im Arbeitsschutz und in der Unfallverhütung eng zusammen. Die Sicherheitsbeauftragte soll die Kita-Leitung beraten; die Kita-Leitung trägt die Verantwortung. Die Leiterin sollte nicht selbst zur Sicherheitsbeauftragten bestellt werden, da sie selbst einen Teil der Unternehmerverantwortung trägt.

Ansprechpartner für Leitung und Sicherheitsbeauftragte sind für

Sicherheit bei Bau und Einrichtung: die Fachkraft für Arbeitssicherheit und unsere Aufsichtspersonen,

  • die Beaufsichtigung der Kinder: die zuständige Fachaufsicht,
  • Erste Hilfe: der UV-Träger und die Erste-Hilfe-Organisationen vor Ort,
  • Gesundheit und Hygiene: der Betriebsarzt und das Gesundheitsamt.

Erster Ansprechpartner sollte jedoch immer der Träger der Kita sein.

Aus- und Fortbildung für Sicherheitsbeauftragte

Um neu bestellte Sicherheitsbeauftragte für ihre Tätigkeit zu qualifizieren, bietet die Unfallkasse spezielle zweitägige Seminare für Kitas an. Dort erhalten die Teilnehmer eine Vielzahl an Informationen und Medien für ihre neue Aufgabe. Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Leiterinnen, Hausmeister und Mitarbeiter von Bauämtern und Bauhöfen werden gesondert in speziellen Seminaren geschult. Diese können Sie unserem Seminarprogramm entnehmen, das sie im Internet unter www.unfallkassesachsen.com finden.

Christl Bucher
Die Autorin ist Aufsichtsperson beim Bayer.
GUVV

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Wir möchten, dass unsere Texte klar und verständlich sind. Alle Berufsbezeichnungen sind deshalb ausschließlich weiblich. Wir bitten alle männlichen Leser um ihr Verständnis.

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