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Nach dem Klo und vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen

i-Punkt Ausgabe 02/2008

Gesundheit

 

Hatschi! Wenn Tom die rote Nase juckt und Anne schnieft, braucht Luca nicht mehr lange darauf zu warten.
Erkältungen haben in Kitas immer Saison. Viele Kinder – viele Erreger.
Dabei könnte man schon mit konsequenter Handhygiene viel erreichen.

 

Auf gesunder Haut verbergen sich verschiedene hauteigene Mikroorganismen, die für uns ungefährlich sind. Man spricht von der residenten Hautflora. Diese Mikroorganismen haben eine wichtige Funktion: sie sorgen dafür, dass sich krankmachende Keime nur schwer ansiedeln können. Dennoch bietet
die Oberflächenstruktur unserer Haut ideale Bedingungen, Keimen Halt zu geben. So befindet sich auf der Haut auch noch eine andere Hautflora, die transiente Hautflora. Sie kann jeden beliebigen Keim beherbergen, daher auch Keime, die Infektionen verursachen. Allein unter einem Fingernagel können sich mehrere Millionen Bakterien tummeln.

Krankheitserreger und Übertragungswege

Naseputzendes Kind

Der Ausgangspunkt einer Infektion ist die Infektionsquelle, die sowohl unbelebt als auch belebt sein kann. Die Keime können von Mensch zu Mensch über die Atemwege, die Schleimhäute und über die Haut übertragen werden. Dabei scheidet der Mensch Krankheitserreger über den Atem, den Darm, das Blut sowie über die Harnwege aus. Kinder leiden häufig unter Erkältungen und Infektionen der Atemwege sowie des Verdauungstraktes.

Die Hände sind oftmals die Überträger

Zu den Erregern im Kindesalter zählen Rotaviren oder Adenoviren, die Durchfallerkrankungen verursachen, und Rhinoviren, die zu Erkältungen führen. Kinder sind anfälliger für Erkrankungen als Erwachsene. Das beruht insbesondere auf ihrem noch unreifen Immunsystem, den anatomischen Besonderheiten, ihrem sozialen Verhalten und den entwicklungspsychologischen Bedingungen.

Schutz vor Infektionen

Die konsequente Anwendung richtiger Hygienemaßnahmen hilft, die Verbreitung von Infektionen einzudämmen bzw. zu verhindern. Eine amerikanische Studie unter 305 Kindern im Grundschulalter zeigte, dass durch eine gründliche Händehygiene die Fehlzeiten der Kinder stark verringert werden konnten: Um 51 Prozent sanken die Ausfallzeiten für Magen-Darm-Infekte und um 24 Prozent die Ausfalltage durch Atemwegserkrankungen (Quelle: www.tork.de). Richtiges Händewaschen will jedoch gelernt sein.

Handhygiene in der Kita

Kinder erkennen „unsichtbare Keime“ unter UV-Licht
Kinder erkennen „unsichtbare Keime“ unter UV-Licht

Für Kinder sollte richtiges und regelmäßiges Händewaschen zur Routine werden. Bereits Krippenkinder können lernen, wann und wie man sich die Hände wäscht. Mit älteren Kindern kann das Thema geeignet vertieft werden, z. B. in Themenkreisen und Projekten. Bei Projekttagen, die von der Unfallkasse Sachsen in Kindertageseinrichtungen zur Händehygiene durchgeführt wurden, konnte die Thematik sehr anschaulich mithilfe eines speziellen UV-Tischgerätes verdeutlicht werden. Die Hände wurden mit einer Testsubstanz eingecremt, die mittels fluoreszierender Zusätze nur unter UV-Licht sichtbar ist. Nun sollten sich die Kinder die Hände waschen und das Resultat anschließend unter UV-Licht bewerten. Siehe da, die Testsubstanz, also im realen Leben Krankheitskeime, waren bei den meisten Kindern auch nach dem Waschen noch überwiegend vorhanden. Einmal schnell die Hände unters Wasser halten, bringt es also nicht! Anschließend wurde richtiges Händewaschen gemeinsam geübt.

Richtig Hände waschen

Die Kinder passten paarweise aufeinander auf und zählten gemeinsam – das Ergebnis konnte sich sehen lassen! Also: Beim Händewaschen zähl bis 10 – Schmutz und Keime ihr müsst gehen.

1. Hände mit Wasser befeuchten
2. Seife auftragen und aufschäumen
3. Handflächen und Finger fest Aufeinanderreiben und bis 10 zählen (möglichst 30 sec.)
4. Schmutz und Seifenreste abspülen

Die Keime werden bei ungewaschenen Händen weiterübertragen – hier sogar auf Nahrungsmittel!
Die Keime werden bei ungewaschenen Händen weiterübertragen – hier sogar auf Nahrungsmittel!

Hände waschen ist notwendig:

  • vor dem Essen und der Speisenzubereitung
  • nach dem Gang zur Toilette
  • nach dem Kontakt mit Tieren
  • nach dem Kontakt mit kranken oder verletzten Menschen
  • bei sichtbar verschmutzten Händen
  • nach Husten, Niesen oder wenn Taschentücher benutzt wurden

Bei Kleinkindern außerdem:

  • nach dem Spielen auf dem Boden oder im Freien
  • nach dem Wechseln von Windeln
  • nach dem Kontakt mit Körperausscheidungen
  • vor dem Auftragen von Salben und Cremes

Experimente, Spiel & Spaß

Zum Erlernen und der Umsetzung richtiger Händehygiene in der Kindertageseinrichtung bieten sich folgende Möglichkeiten an:


Themenkreise

  • Welche Krankheiten gibt es, sind sie ansteckend, wer verursacht diese Krankheiten?
  • Was sind Bakterien und Viren?
  • Wie können wir uns anstecken?
  • Warum ist Händewaschen so wichtig?
  • Wann muss ich mir die Hände waschen?
  • Wie wasche ich mir die Hände richtig?
  • Was können wir gemeinsam tun, damit das Händewaschen noch mehr Spaß macht?

Experimente

1. Bakterienausbreitung

Bakterien bzw. Pilze sichtbar machen und zeigen, wie schnell sie sich vermehren, das kann ganz einfach über die Herstellung eines Hefeteiges demonstriert werden. Dieser wird mit den Kindern gemeinsam zubereitet und anschließend warm- und ruhiggestellt. Schon nach einer halben Stunde können die Kinder beobachten, was mit dem Teig geschieht. Anschließend wird den Kindern deutlich gemacht, dass Hefe für uns ein nützlicher Pilz ist, der sie nicht krank werden lässt, und es kann ein Hefezopf daraus gebacken werden.

 

2. Bakterienübertragung

Um die Übertragbarkeit von Bakterien deutlich zu machen, kann man ein oder mehrere Kinder in eine Tüte Mehl greifen lassen. Anschließend geben sie den Kindern die Hand, die nicht in das Mehl gefasst haben. Was passiert? Es ist auch möglich, den Kindern das Mehl länger an den Händen zu lassen. Sie sollen beobachten, wo sie überall ihre Spuren hinterlassen. 

 

3. Fingermalfarbe

Mit Fingermalfarbe bemalen die Kinder ihre Hände kunterbunt und können auf Plakaten und Papier ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Dann muss die Farbe natürlich wieder abgewaschen werden. Wer schafft es, mit der richtigen Technik die Farbe wieder vollständig abzubekommen?

Bastelideen

1. Die Kinder malen auf einem Bild, wie sie sich fühlen, wenn sie krank sind und wenn sie gesund sind. Danach zeichnen sie auf ein Bild, wie sie gesund bleiben können. 

2. Eine Bakterie aus Ton, Knete oder Pappmaché basteln.

3. Der Waschraum wird mit einem Poster verschönert. Auf einem Plakat werden Handabdrücke mit Fingermalfarben gemacht. Alternativ kann auf das Plakat gemalt werden, wie man sich die Hände richtig wäscht und was man dazu braucht.

Spielideen

Hier macht Hände waschen Spaß!
Hier macht Hände waschen Spaß!

1. Tanzspiel

Machen Sie das Händewaschen zu einem flotten Tanz. Imitieren Sie, wie man sich richtig die Hände wäscht, und lassen Sie es die Kinder nachmachen!


2. Fangspiel

Ein Kind ist der Überträger einer „bösen“ Bakterie (Ball) und versucht, die anderen
Kinder anzustecken, indem es sie mit einem Ball bewirft. Die anderen Kinder laufen vor der „bösen“ Bakterie weg. Werden sie doch getroffen, müssen sie sich hinlegen und können nur von den anderen Kindern gerettet werden, wenn sie von ihnen über den Kopf gestreichelt werden.

Hygienische Bedingungen in der Kita

Natürlich müssen auch die hygienischen Bedingungen in jeder Kindertageseinrichtung stimmen. Die folgende Checkliste soll helfen, Missstände aufzudecken:

  • Sind die Gruppenräume und die Kita optisch sauber?
  • Gibt es einen Reinigungsplan?
  • Wird die Reinigung von Fachkräften ausgeführt?
  • Werden die Putz- und Reinigungsmittel ordnungsgemäß, für Kinder unzugänglich aufbewahrt?
  • Sind bei Tierhaltung in der Kita Regeln für die Händehygiene aufgestellt?
  • Gibt es Hautpflegecreme für die Kinder?
  • Sind Fußböden, Einrichtungsgegenstände und Spielzeug leicht zu reinigen?
  • Gibt es in jedem Gruppenraum geeignete Abfallbehälter und ist ihre Entsorgung geregelt?
  • Wird darauf geachtet, dass die Kinder nach dem Toilettenbesuch und vor dem Essen die Hände gründlich waschen?

Zur Reduzierung von (unbelebten) Infektionsquellen sollte man Folgendes über die Vermehrung von Mikroorganismen wissen: Der Keimgehalt der Luft ist abhängig vom Grad des Staubgehalts – auch deshalb sind regelmäßige Feuchtreinigungen sowie Grundreinigungen von großer Bedeutung. Sobald die Keime auf Gegenstände übertragen werden, verlieren sie ihre Vermehrungsfähigkeit – egal ob sie durch Staub, Schmutz oder die Atemwege des Menschen dahin gelangt sind.

Bedingungen, unter denen sich Keime gut vermehren, sind

  • Feuchtigkeit (Waschbecken, Duschen, Toilettenräume, Tafelschwamm etc. besitzen deshalb einen erhöhten Keimgehalt)
  • Wärme (jede Keimart hat in einem bestimmten Temperaturbereich ihr Wachstum). Die meisten Keime sterben bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt oder über 100 °C ab.

Eingedämmt wird die Keimvermehrung durch

  • Licht. Am effektivsten ist UV-Strahlung.
  • Glatte Oberflächen. Keime können sehr schnell auf glatten, ebenen Flächen durch den Einfluss von Tageslicht eliminiert werden. Kleine Rillen, Kratzer auf Tischplatten etc. bieten hingegen gute Rückzugsmöglichkeiten für Keime. In Verbindung mit Feuchtigkeit, z. B. durch Wasser, das beim Abwischen von Oberflächen eingedrungen ist, haben Keime eine größere Überlebenschance.
  • Reinigungsmaßnahmen. Durch tägliche Reinigung besonderer „Gefahrenherde“, z. B. Waschbecken, aber auch Türklinken, kann einer Keimvermehrung wirkungsvoll begegnet werden.

Weitere Informationen:

  • Tork: Schule für Händehygiene www.tork.de
  • „Hau(p)tsache gesund! Hautschutz im Kindergarten“ GUV 57.2.389
  • Händehygiene und Sonnenschutz in Kindertageseinrichtungen, Informationen für Erzieherinnen – Projektmappe zur Hautschutzkampagne der Unfallkasse Sachsen

Beate Mierdel

Noch Fragen: mierdel@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 16

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
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