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Wo es sich lohnt, zweimal hinzuschauen

i-Punkt Ausgabe 02/2008

Gesundheit

 

Sicherheitsanforderungen für Kinderkrippen (Teil 1).
Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist schwer. Doch spätestens wenn das Elterngeld endet, stellt sich die Frage: Oma, Tagesmutter oder Krippe. In Sachsen beträgt die Betreuungsquote mittlerweile fast 40 Prozent und das Angebot soll noch steigen. Doch egal von wem betreut, wollen Eltern ihre Sprösslinge wohlbehütet wissen. Deshalb achten wir auf die Sicherheit in Krippen ganz besonders.

Ganz klar: Krippenkinder sind während des Besuchs der Einrichtung gesetzlich unfallversichert. Und dabei brauchen die Kleinsten unsere größte Aufmerksamkeit.

Unter Dreijährige besitzen noch kein Gefahrenbewusstsein. Erst ab vier beginnen Kinder Gefahren zu erkennen, haben aber noch nicht oder nur eingeschränkt die Fähigkeit,  sich davor zu schützen. Erzieherinnen müssen auf viele Kinder achten. Gleichzeitig jedes Kind im Blick zu haben, ist aber gelegentlich unmöglich. Beim Bau und bei der Einrichtung von Kindertagesstätten ist deshalb in besonderem Maße auf eine sichere Gestaltung zu achten.
An bauliche Anlagen, Einrichtungsgegenstände, Spielzeug und Spielplatzgeräte sind spezielle Anforderungen zu stellen, die sich hinsichtlich ihrer sicheren Ausführung und Gestaltung an der vorgesehenen Altersgruppe orientieren müssen. Werden Räume von Kindertageseinrichtungen durch Krippen-, Kindergarten- und/oder Hortkinder gemeinsam genutzt, müssen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, die allen Altersgruppen gerecht werden, d.h. die Anforderungen für Krippenkinder müssen erfüllt werden und wenn es Forderungen für Kindergartenoder Hortkinder gibt, die darüber hinausgehen, dann sind auch diese zu beachten. Wir haben Ihnen die Besonderheiten in Kinderkrippen zusammengefasst. Forderungen, die an Kindergärten gestellt werden, gelten in Kinderkrippen sowieso und finden in den diesen Ausführungen nur zum Teil Eingang.

Reine Kinderkrippen gibt es heute nur noch selten. In der Regel sollen neu gebaute Einrichtungen Kinder unterschiedlicher Altersklassen aufnehmen können. Egal ob in reinen Krippen- oder in gemischten Kindergruppen, besteht die Absicht Krippenkinder zu betreuen, so muss dies von Anfang an bedacht werden. Am besten werden Krippenkinder im Erdgeschoss untergebracht, so entfällt das Treppensteigen. Denn häufiges Herauf- und Heruntertragen der Kinder ist eine kraft- und zeitaufwendige Angelegenheit.

Zugang

Die Sächsischen Bauordnung legt fest, dass öffentlich zugängliche Einrichtungen – dazu gehören auch Kindertageseinrichtungen – von Personen mit Kleinkindern barrierefrei erreicht und genutzt werden können. Auch wenn ein Großteil der Kinder heute im Auto der Eltern die Einrichtung erreicht, werden Krippenkinder auch noch mit dem Kinderwagen gebracht. Den Eltern muss es möglich sein, mit dem Kinderwagen barrierefrei in die Einrichtung zu gelangen.

Für Kinderwagen ist eine geeignete Abstellfläche vorzusehen. Dieser Raum sollte beheizbar sein, damit die Kinder im Winter nicht in einen eiskalten Wagen gelegt werden müssen. Gänge, die als Fluchtwege dienen, sowie sonstige Verkehrswege sind jedoch zum Abstellen von Kinderwagen nicht geeignet. Werden die Kinderwagen nicht ebenerdig abgestellt, braucht es eine geeignete Rampe, die das Schieben des Kinderwagens zulässt, beispielsweise in das Kellergeschoss. Rampen dürfen höchstens eine Neigung von 25 Prozent aufweisen; bei einer Neigung über 10 Prozent sind zusätzlich Gehstufen vorzusehen.

Eingang und Ausgang zu Freispielflächen

Untere Türanschläge und Schwellen sind zu vermeiden. Sie sind gefährliche Stolperstellen. Als Stolperstellen zählen schon Höhenunterschiede von mehr als 4 mm. Entgegen landläufiger Meinung ist es technisch möglich, Eingänge so zu bauen, dass trotz fehlender Schwellen und Absätze kein Wasser eindringen kann, durch Entwässerungsrinnen vor den Türen, überstehende Dächer oder Dichtungssysteme für Türen. Es ist sicherzustellen, dass Kinder nicht unbemerkt die Einrichtung verlassen können.

Treppen üben eine besondere Anziehungskraft auf Kinder aus. Unter Dreijährige halten vor Treppen nicht an und steigen sie vorsichtig herab. Vielmehr muss man damit rechnen, dass sie hinlaufen, ohne zu stoppen – das ist äußerst gefährlich. Deshalb sind Treppen durch ein Türchen oder ein Kinderschutzgitter zu sichern. Diese Barrieren sollen mindestens 80 cm hoch sein und einen Verschluss haben, der von Kindern nicht selbstständig geöffnet werden kann. Diese Türchen müssen immer geschlossen sein, wenn die Treppe nicht benutzt wird. Barrieren  sind auch für Treppen in Außenanlagen notwendig.

Lässt es sich nicht vermeiden, dass Krippenkinder im Obergeschoss unterbracht werden, müssen Treppen spezielle Anforderungen erfüllen. Treppen in Kitas müssen Setzstufen besitzen. Auf diese Setzstufen darf nur verzichtet werden, wenn die Treppe als zweiter Rettungsweg nur im Fluchtfall benutzt wird. Jedoch dürfen Öffnungen, die durch fehlende Setzstufen entstehen, in einer Richtung nicht größer als 8,9 cm sein.

Dieses Geländer ist in Kitas völlig ungeeignet. Durch das markierte Dreieck und zwischen den Geländerstäben darf kein Kind durchrutschen.
Zwischen den Geländerstäben darf kein Kind durchrutschen.

Benutzen unter Dreijährige Treppen, gelten besondere Anforderungen für die Treppenkonstruktion. Die Treppen, insbesondere wenn sie als erster Rettungsweg ausgewiesen sind, müssen unbedingt geradläufig sein. Für zweite Rettungswege sollten sie geradläufig sein.

Für gewendelte Treppen gelten hohe Anforderungen, die meist von Bestandstreppen nicht erfüllt werden. Sie sind häufig nicht geeignet, weil die Auftrittsfläche zum Treppenauge hin einen Grenzwert unterschreitet. Spindeltreppen sind für Kitas nicht zugelassen.

Befinden sich Krippenkinder im Obergeschoss, muss die nutzbare Laufbreite der Treppen mindestens 1,25 m betragen, insbesondere auch die des zweiten Rettungsweges. Da unter Dreijährige die Treppe heruntergetragen werden müssen, ist auch auf einer Rettungstreppe Gegenverkehr zu erwarten. Man muss in beiden Richtungen problemlos aneinander vorbeikommen.

Treppen, die von Kindern begangen werden, müssen beidseitig Handläufe in kindgerechter Höhe haben, ohne freie Enden. Zu empfehlen ist das Hinausführen der Handläufe 30 cm über den Treppenlauf, allerdings dürfen diese Handläufe nicht zu neuen Gefährdungen führen, indem sie beispielsweise in angrenzende Verkehrsbereiche hineinragen. Die inneren Handläufe sind ohne Unterbrechung um das Treppenauge zu ziehen.


Mit solchen Prüfkörpern erkennt man gefährliche
Mit solchen Prüfkörpern erkennt man gefährliche

Zwischen den Handläufen für Erwachsene und für Kinder dürfen keine Kopffangstellen auftreten. Kopffangstellen vermeidet man, wenn die lichten Handlaufabstände oberhalb 60 cm kleiner als 8,9 cm oder größer als 23 cm sind.

Insbesondere an Treppen, an denen wegen des parallel zur Treppe laufenden Hanges keine Umwehrungen erforderlich werden, können solche Kopffangstellen entstehen.

Umwehrungen /Einfriedungen

Treppen, die von Krippenkindern benutzt werden, müssen mit einer Umwehrung ausgestattet sein, die altersgerecht einen Absturz verhindert. Eine Umwehrung kann ein Geländer, aber auch eine Mauer sein. Umwehrungen im Krippenbereich sind sicher, wenn deren Öffnungen mindestens in einer Richtung nicht breiter als 8,9 cm sind und die Abstände zwischen den Umwehrungen und den zu sichernden Flächen nicht größer als 2,5 cm sind.

Außerdem muss gesichert werden, dass die Kinder nicht unter dem Geländer hindurchrutschen können. Dass wird mit dem abgebildeten Prüfkörper getestet. Die Prüfung mit dem 15 x 15 Würfeltest nach DIN 18065 „Gebäudetreppen“-Prüfung ist nicht ausreichend. Liegt die Umwehrung über den Treppenstufen, so ist sie so weit wie möglich untenanzusetzen. Weitere Hinweise finden Sie in unserem Beitrag „Sichere Treppen und Geländer“ ipunkt 4/2007.

Auch bei Einfriedungen im Krippenbereich sollte der Abstand von senkrechten Zaunlatten oder -stäben nicht größer als 8,9 cm sein. Zu vermeiden sind Halsfangstellen, d.h. teilweise umschlossene Öffnungen zwischen starren Teilen. Sie müssen kleiner als 45 mm sein. Sind diese Spalten weiter, müssen sie größer als 155 mm sein, es sei denn, sie sind nicht tiefer als 45 mm.

Türen nicht ohne Fingerklemmschutz

Dreh- und Pendeltüren sind in Kitas unzulässig. Besonders gefährlich für kleine Kinderfinger sind die Spalten zwischen Rahmen und Tür, da, wo die Türscharniere sitzen. Hier kommt es leicht zu Quetschungen. Deshalb sind diese Zwischenräume durch eine entsprechende Türkonstruktion oder durch das Anbringen von Schutzprofilen zu sichern.

Ist der Öffnungsspalt an der Nebenschließkante der Türen kleiner als 4 mm, können Kinder ihre Finger nicht zwischen Tür und Türrahmen stecken und Quetschungen bleiben ausgeschlossen. Am Gebräuchlichsten ist jedoch ein Klemmschutz. Dieser soll dann mindestens 1,50 m hoch sein. Verwenden Sie Fingerschutzrollos oder Fingerschutzprofile aus Gummi oder Kunststoff, die es für den Innen- und Außenbereich gibt.

Tür mit Rollo als Klemmschutz
Tür mit Rollo als Klemmschutz

Fordert der Brandschutz spezielle Brandoder Rauchschutztüren, dann müssen diese offen stehen, wenn sie sich in Verkehrsbereichen befinden, die von den Kindern regelmäßig genutzt werden. Sie brauchen dann eine zugelassene geprüfte Feststellvorrichtung, welche die Tür im Brandfall schließt. Müssen solche Türen regelmäßig geschlossen werden, weil sie sich etwa in einem Gruppenraum befinden, dann sind Freilauftürschließer zu verwenden. Beim Einbau von Rauchbzw. Brandschutztüren ist der Einbau von Klemmschutz mit dem Hersteller abzustimmen. Keinesfalls darf die Brandschutzfunktion durch einen nachträglichen Einbau von Klemmschutz außer Kraft gesetzt werden.

Derzeit gelten die Sicherheitsanforderungen für Kindergärten ebenso wie auch für Bereiche, in denen sich Krippenkinder aufhalten. An speziellen Anforderungen wird gearbeitet.

  • Richtlinien für Kindergärten – Bau und Ausrüstung (GUV-SR 2002)
  • Naturnahe Spielräume (GUV SI 8014)
  • Außenspielflächen und Spielplatzgeräte (GUV-SI 8017)
  • Giftpflanzen – Beschauen nicht kauen (GUV-SI 8018).

Der Beitrag wird in unserer nächsten Ausgabe fortgesetzt.


Monika Kirsten

Noch Fragen: kirsten@unfallkassesachsen.com oder Tel. (0 35 21) 72 43 19

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