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Damit Sie sicher durch den Winter kommen

i-Punkt Ausgabe 03/2008

Sicherheit

 

Arbeitssicherheit beim kommunalen Winterdienst
Der Winter ist da. Um ihrer Verkehrsicherungspflicht nachzukommen, müssen die Kommunen ihre Verkehrsflächen schnell und kostengünstig begeh- und befahrbar machen. Dies setzt eine entsprechende Organisation, geeignete Technik und natürlich fachkundiges und motiviertes Personal voraus.

Die Tätigkeiten, die im Rahmen des sogenannten „Winterdienstes“ anfallen, sind von einer hohen psychischen Belastung geprägt. Nachtarbeit, extreme Witterungsverhältnisse, Ruf- und Arbeitsbereitschaft mit allen damit verbundenen Einschränkungen: Dies alles sind Faktoren, welche die Mitarbeiter häufig an ihre Belastungsgrenzen heranführen. Deshalb ist es wichtig, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie entlastend und nicht zusätzlich belastend wirken. Wir zeigen auf, was bei der Planung und Durchführung des Winterdienstes bedacht werden muss.

Allgemeines zur Organisation des Winterdienstes

Ein zentrales Element der allgemeinen Organisation ist der Räum- und Streuplan. Mit dem Streuplan werden die zu räumenden Strecken anhand verschiedener Dringlichkeitsstufen klassifiziert. Die Strecken und Orte mit der höchsten Dringlichkeitsstufe müssen zuerst geräumt werden. Außerdem ist ein Dienstplan für die ganze Winterdienstperiode erforderlich. Es müssen die Arbeitszeiten, der Ablauf bei einer Alarmierung und das Verhalten an besonders gefährlichen Stellen geregelt sein es wird festgelegt, ob und wann ein Beifahrer erforderlich ist, wer wann welche Fahrzeuge fährt und wie Ausfälle durch Krankheit oder Unfall kompensiert werden können.  

Weitere wichtige Hilfestellungen: Um die Alarmierung zu optimieren, kann es hilfreich sein, frühzeitig über verlässliche Wetterinformationen zu verfügen. Hier bietet sich z.B. der Deutsche Wetterdienst in Offenbach an. Ein ganz wichtiger organisatorischer Aspekt ist auch die Erste Hilfe bei einem Unfall. Ist der Fahrer in Bereichen unterwegs, in denen ihm bei einem Unfall nicht oder nur spät geholfen werden kann (z.B. Überlandfahrten), so muss diese Hilfe anders organisiert werden. Eine Möglichkeit wäre, dass er sich immer zu festgelegten Zeiten oder an festgelegten Orten melden muss. Bleibt die Meldung aus, muss man von einem Unglücksfall ausgehen und der Ort des Geschehens ist eingrenzbar. Den Fahrer lediglich mit einem Handy auszustatten, reicht unter Umständen nicht aus.

Anforderungen an Fahrzeuge und Geräte

Für die Räumung von Straßen gibt es sehr unterschiedliche Trägerfahrzeuge, die den Anforderungen an die jeweilige Verkehrssituation in den Ortschaften gerecht werden müssen. Für den kommunalen Einsatz kommen meist eher kleine, wendige Multifunktionsfahrzeuge oder Traktoren zum Einsatz. Dazu gibt es verschiedene Aufbauten und unterschiedliche Streusysteme. Eines haben aber alle Fahrzeuge und Anbaugeräte gemeinsam: Sie müssen regelmäßig, in jedem Fall aber vor der Wiederinbetriebnahme sachkundig geprüft werden. Die Prüfungen orientieren sich an den Hersteller- und den Vorgaben der Unfallversicherungsträger (als „UVV – Prüfung“ bekannt).

Beladen und Betanken der Fahrzeuge

Salzsilo mit Feuchtsalztank
Salzsilo mit Feuchtsalztank
Beladung mit Radlader
Beladung mit Radlader

Es gibt sehr unterschiedliche Beladesysteme. Bei größeren Kommunen ist in aller Regel ein Salzsilo vorhanden. Hier ist zu bedenken, dass eventuell Anschlüsse zu prüfen sind, die sich auf dem Dach des Silos befinden. Hier besteht für den Prüfer Absturzgefahr!

Bei offenen Lagerhallen wird das Streufahrzeug meist durch einen Radlader beladen. Salzförderbänder sind mittlerweile nur noch selten im Einsatz. Neben der Anfahr- und Quetschgefahr, welche durch das häufige Zurücksetzen entsteht, ist bei Radladern auch die Dieselemission als Gefährdung zu berücksichtigen. In jedem Fall darf sich neben dem unerlässlichen Bedienpersonal während der Beladung niemand in der Halle aufhalten.

Die am meisten verbreitete Variante ist die Feuchtsalzstreuung. Durch den Einsatz von Sole wird der Salzverbrauch minimiert. Konzentrierte Sole kann jedoch die Haut reizen, und Augenkontakt ist in jedem Fall zu vermeiden. Falls dennoch Sole ins Auge gelangt, muss sie sofort kräftig ausgespült und ein Arzt verständigt werden. In jedem Fall ist beim Betanken und beim Warten des Streuautomaten eine Augenspülmöglichkeit bereitzuhalten!

Beim Einsatz von Streu- und Räumfahrzeugen ist auch die Ladungssicherung zu bedenken. Neben der Lastverteilung und dem höchstzulässigen Gesamtgewicht ist zusätzlich auf eine sichere Befestigung des Streuautomaten auf dem Trägerfahrzeug zu achten. Informationen zum Thema „Ladungssicherung“ findet man u. a. auf den Seiten
www.ladungssicherung.de oder www.ladungssicherungskreis.de

Winterdienst von Hand und mit Kleingeräten

Beim Winterdienst von Hand und mit Kleingeräten ist die persönliche Schutzausrüstung (PSA) von großer Bedeutung: zweckmäßige wärmende Schuhe, eine warme und wasserdichte oder Wasser abweisende Jacke, gefütterte Handschuhe, die nicht sofort durchweichen und, bei Arbeiten im Verkehrsbereich, Warnkleidung gemäß DIN EN 471 unter Berücksichtigung der Straßenverkehrsordnung. Hier ist Warnkleidung, welche nur die Klasse 2 erfüllt, meist nicht ausreichend. Da bei der Beschaffung der PSA auch die Witterungsund Sichtverhältnisse berücksichtigt werden müssen, empfiehlt es sich, die PSA generell in Warnfarben gemäß DIN EN 471 anzuschaffen.

Bei Kleingeräten muss sichergestellt sein, dass die Sicherheitseinrichtungen einwandfrei funktionieren. Als persönliche Schutzausrüstung kann zusätzlich auch Gehörschutz erforderlich sein.

Unterweisung der Mitarbeiter

Um den Mitarbeitern den Einstieg in den Winterdienst zu erleichtern, aber auch, um den rechtlichen Vorgaben gerecht zu werden, ist eine qualifizierte Unterweisung unerlässlich. Dabei sollten neben allgemeinen Fragen zu Einsatz- und Routenplänen insbesondere die Handhabung der Geräte und Maschinen besprochen und nach Möglichkeit auch praktisch geübt werden. Es ist besonders wichtig, den vergangenen Winter aufzuarbeiten, konstruktive Rückschlüsse aus den damaligen Problemen zu ziehen und aus Fehlern zu lernen. In der Praxis hat sich dabei bewährt, die maßgeblichen Faktoren zunächst theoretisch durchzusprechen und sie anschließend praktisch zu üben. Auch sollten die im Streuplan festgelegten Routen abgefahren werden, um Besonderheiten zu erkennen, die im Vorjahr möglicherweise noch nicht vorhanden waren.

Erklären – Vormachen – Nachmachen – Üben

Diese Aspekte in genau dieser Reihenfolge umgesetzt, machen eine Unterweisung erfolgreich. Bei einer größeren Zahl an Mitarbeitern ist eine Schulung an verschiedenen Stationen eine wirkungsvolle Möglichkeit, viele Personen in kurzer Zeit effektiv zu unterweisen. Anhand eines Zeit- und Ablaufplanes werden die Mitarbeiter von Station zu Station in unterschiedlichen Themen unterwiesen.

Wichtige Themen:

1. Verhalten bei der Ruf- bzw. Arbeitsbereitschaft.

  • Was ist Ruf- und was ist Arbeitsbereit schaft?
  • Verhalten bei der Alarmierung

2. Erstellen eines Einsatzberichtes

  • Welche Daten werden vermerkt?
  • Wie wird der Streubericht abgefasst?

3. Bedienung des Funkgerätes

  • Handhabung
  • Wie hole ich Erste Hilfe?

4. An- und Abbau des Räumschildes oder Schneepfluges

  • Wie geht das? Auf was muss speziell geachtet werden?

5. Bedienung des Streugerätes

  • Einweisung in das Streupult
  • Abklappen des Streutellers
  • Betankung mit Sole und Umsetzung der Betriebsanweisung für den Umgang mit Sole

6. Ausbildungsfahrt

  • Parcours auf dem Betriebshof

7. Be- und Entladung

  • Wie gehe ich vor?
  • Lastverteilung/Ladehöhe

8. Winterdienst per Hand

  • Persönliche Schutzausrüstung
  • Verhalten im Verkehr
  • Streuen mit Salz
  • Arbeiten mit Hilfsmitteln wie z.B. Schneefräse

Alle diese Aspekte können natürlich auch in kleinerem Rahmen unterwiesen und sollten auch bei Kommunen mit nur wenigen Mitarbeitern entsprechend berücksichtigt werden.

Das Unfallgeschehen

Rüsten der Fahrzeuge
Rüsten der Fahrzeuge

Die gravierenden Unfälle haben meist ihre Ursachen im Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Es hat sich allerdings gezeigt, dass wegen der vielfältigen Aufgaben im Cockpit – Fahren, Bedienen des Steuerpultes, Streubericht führen – oft auf das Anlegen des Gurtes verzichtet wird. Dies stellt nicht nur einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) dar, es erhöht auch die Gefahr, bei einem Unfall schwere oder gar tödliche Verletzungen davonzutragen. Diese eigentlich nicht neue Erkenntnis ist auch durch Unfälle im Rahmen des Winterdienstes belegt.

Unfälle, die nicht durch Fremdeinwirkung verursacht werden, können im Einzelfall natürlich auch erhebliche Folgen haben. Ausrutschen beim Streuen und Räumen per Hand oder bei Tätigkeiten rund um das Beoder Entladen sowie Abrutschen beim Einoder Aussteigen aus Fahrzeugen beschreiben das betriebliche Unfallgeschehen. Beim Rüsten der Fahrzeuge kommt es häufiger vor, dass man sich an Hand oder Fuß quetscht, sich stößt oder an Ecken oder Kanten verletzt. Falls man von bewegten Teilen, wie Förderschnecken oder Streutellern, erfasst wird, ist die Unfallschwere deutlich größer. Die Gefahr, verletzt zu werden, ist dann besonders hoch, wenn Zeitdruck, schlechte Beleuchtung in den Fahrzeughallen und auf dem Betriebsgelände oder auch eine nicht ausreichende Unterweisung die psychische Belastung des Mitarbeiters erhöhen.

Beifahrer und Einweiser

Es gibt keine verbindliche Vorschrift, die den kommunalen Arbeitgeber dazu verpflichtet, ein Winterdienstfahrzeug mit einem Beifahrer zu besetzen. Geregelt ist in der StVO und der Unfallverhütungsvorschrift „Fahrzeuge“ lediglich, wann ein Einweiser notwendig wird, und zwar dann, wenn der Fahrzeugführer die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer nicht ausschließen kann (z.B. beim Wenden und beim Abbiegen; und in jedem Fall beim Rückwärtsfahren). Eine Kamera am Heck des Fahrzeuges kann dem Fahrer grundsätzlich helfen, sie ersetzt aber den Einweiser nicht. Ebenfalls muss berücksichtigt werden, dass der Einweiser in seiner Aufgabe fachkundig unterwiesen sein muss. Somit ist im Einzelfall zu entscheiden, wann ein Beifahrer einzusetzen ist. Bei der Entscheidung sind örtliche und topografische Verhältnisse, Art und Umfang der verwendeten Geräte sowie die „üblicherweise“ herrschenden Verkehrsbedingungen zu berücksichtigen.
Letztendlich trägt der Fahrer eines Winterdienstfahrzeuges während der Einsatzfahrt allein die Verantwortung für Folgen, die er durch Verkehrsunfälle mit anderen Verkehrsteilnehmern verursacht. Der Arbeitgeber muss genau prüfen, wann er den Fahrer durch einen Beifahrer zu unterstützen hat. Manche Streckenabschnitte können ohne Einweiser nicht geräumt werden.

Arbeitszeit

Die grundsätzlichen Regelungen bezüglich der Arbeitszeit stehen im Arbeitszeitgesetz. Für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst findet die Fahrpersonalverordnung – im Gegensatz zu gewerblichen Fahrern – keine Anwendung.

Das Arbeitszeitgesetz regelt u. a., dass eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden nur in Ausnahmefällen auf zehn Stunden verlängert werden darf, was aber innerhalb von sechs Monaten auf den Acht-Stunden-Durchschnitt angeglichen werden muss. Nach sechs Stunden Arbeitszeit ist eine Pause von 30 Minuten und nach neun Stunden von 45 Minuten einzulegen. Nach Beendigung der Arbeitszeit ist eine Pause von mindestens elf Stunden vorgeschrieben.

Das Arbeitszeitgesetz lässt Ausnahmen zu, die durch Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen oder durch die Tarifparteien vereinbart werden können. Für die Praxis ist es wichtig, dass der Fahrer vor und nach seinem Einsatz ausreichend Zeit zur Erholung (elf Stunden) hat. Der Arbeitgeber ist also gefragt, entsprechend vorausschauend zu planen und den Mitarbeiter, der voraussichtlich einen Einsatz zu fahren hat, rechtzeitig zur Erholung nach Hause zu schicken. Winterdienst ist grundsätzlich planbar; nur in besonderen Ausnahmefällen können besondere Ereignisse besondere Maßnahmen provozieren. Die letzte Verantwortung liegt aber beim Fahrer. Sobald er sich nicht mehr in der Lage sieht, das Fahrzeug zu bedienen, muss er die Einsatzfahrt beenden. Das bedeutet konkret: Der Vorgesetzte plant, aber der Fahrer entscheidet!

Thomas Rhiel

Der Autor ist Aufsichtsperson bei der Unfallkasse Hessen.

Nachdruck aus „inform“. Wir danken der Unfallkasse Hessen für die freundliche Unterstützung.

Weitere Informationen

Sie können die Broschüre „Unfallverhütung im Straßenunterhaltungsdienst (GUV-I 8569) unter www.unfallkassen.de Menüpunkt Publikationen herunterladen.

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
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+49 (0)3521 7240
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