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Der Trend: Pausenunfälle sinken

i-Punkt Ausgabe 03/2008

Information

 

Unfallgeschehen in Schulen und Kindertagesstätten
Unfälle passieren plötzlich und unverhofft, jedoch nie grundlos. Für zielgerichtete Prävention sind Unfallstatistiken ein wichtiger Ansatzpunkt. Wir haben Zahlen aus fünf Jahren (2003 bis 2007) ausgewertet und die Daten für Sie verständlich und übersichtlich aufbereitet. Analysen und Trends beruhen auf einer Hochrechnung einer 3-%-Statistik.

Anzahl der Schülerunfälle

2007 ereigneten sich 63.635 Schülerunfälle in Sachsen; davon 5.761 auf den Schulwegen. Das ergibt bezogen auf tausend Schüler 69,7 Schulunfälle und 6,9 Schulwegeunfälle. Dieser Bezug auf tausend Schüler, die sogenannte Tausend-Mann-Quote (TMQ), ist eine Kennzahl für die Unfallhäufigkeit. Sie gibt an, wie viele von 1.000 Versicherten im Jahr einen Unfall erlitten, unabhängig von Schwankungen der Versichertenzahlen. Nach einem stetigen Rückgang der TMQ über die letzten Jahre ist 2007 erstmals wieder ein leichter Anstieg der Schülerunfälle zu verzeichnen (Tabelle 1).

Tabelle 1: Meldepflichtige Unfälle für die Jahre 2003 bis 2007 1) Der Begriff Schüler umfasst hier Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder, Schüler allgemein- und berufsbildender Schulen sowie Studierende.
Tabelle 1: Meldepflichtige Unfälle für die Jahre 2003 bis 2007

Tabelle 2 zeigt die Anzahl der tödlichen Unfälle für die letzten fünf Jahre. Die meisten sind Straßenverkehrsunfälle von Gymnasiasten und Berufsschülern. Im Jahr 2007 sind zwei tödliche Fahrradunfälle darunter, wie schon 2005.

Tabelle 2: Tödliche Schülerunfälle 2003 bis 2007
Tabelle 2: Tödliche Schülerunfälle 2003 bis 2007

Unfallgeschehen und Schulart

Die Auswertung der Unfälle nach Schularten (Grafik S. 24) zeigt einen weiteren Anstieg der Unfälle in Kindertagesstätten (zum Vergleich: 2004 waren es 7,5 % weniger) sowie in Grundschulen.

Der Anteil der Unfälle in Mittelschulen und Gymnasien ist dagegen rückläufig (zum Vergleich: 2004 gab es 34,7 % Mittelschulunfälle und 19,2 % Unfälle in Gymnasien). Hier gehen die Verschiebungen stark auf die Veränderungen der Schülerzahlen in den jeweiligen Schularten zurück (s. Tabelle 3).

Tabelle 3: Schülerzahlen allgemeinbildender Schulen und TMQ ermittelt aus Hochrechnung
Tabelle 3: Schülerzahlen allgemeinbildender Schulen und TMQ ermittelt aus Hochrechnung

Dennoch haben Mittelschulen die höchste Tausend-Mann-Quote, dicht gefolgt von den Förderschulen. Deshalb sollen gerade Präventionsaktivitäten wie das Projekt „Bewegte und sichere Schule“ besonders diese Schularten erreichen.

Unfälle in Kindertageseinrichtungen

In Kindertageseinrichtungen ereigneten sich rund 15.000 Unfälle 2007, auf Wegen ca. 800. Davon entfallen 10,1 % auf die Krippe, 61,8 % auf den Kindergarten und 28,1 % auf den Hort. Etwa 3.200 Unfälle ereigneten sich an Spielplatzgeräten. Schwerpunkt ist das Klettergerüst. Unfallnachuntersuchungen von Sturzunfällen an Klettergerüsten zeigten, dass in fast der Hälfte der Fälle mangelhafter Fallschutz zur Schwere der Unfälle beigetragen hat. Die erforderliche Schicht loses Fallschutzmaterial von mind. 20 cm plus eines Zuschlages für den Wegspieleffekt (DIN EN 1176 und DIN EN 1177) war meist deutlich unterschritten; Verunreinigungen wie große Steine oder Hölzer erhöhten die Gefahr zusätzlich. Die Zahlen machen deutlich, dass durch eine qualifizierte Prüfung und Wartung von Spielplatzgeräten, insbesondere auch des Fallschutzes, Verletzungsgefahren beseitigt werden können.

Unfälle an Spielplatzgeräten

Unfälle an Spielplatzgeräten
Unfälle an Spielplatzgeräten
Dieser Fallschutz ist unwirksam. Die Schichtdicke am linken Pfosten beträgt nicht einmal 5 cm.
Dieser Fallschutz ist unwirksam. Die Schichtdicke am linken Pfosten beträgt nicht einmal 5 cm.

Unfälle in Schulen

Im Sportunterricht ereignen sich nach wie vor die meisten Unfälle. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Anteil der Sportunfälle jedoch leicht zurückgegangen. Erfreulich ist der niedrige Wert bei den Pausenunfällen, im Vergleich zum Bundesdurchschnitt (BRD 2007: 23 %). Präventionsmaßnahmen zur gezielten Bewegungsförderung in den Pausen und Neugestaltung von Pausenhöfen unter dem Aspekt der Sicherheit und Bewegungsfreundlichkeit tragen hier Früchte. Dafür hat sich der Anteil der Unfälle bei besonderen Veranstaltungen erhöht – eine Verlagerung, die sich auch auf Ganztagsangebote zurückführen lässt. Auch wenn sie zahlenmäßig nicht so sehr ins Gewicht fallen, sind Unfälle bei Schulwanderungen/ Klassenfahrten häufig von erheblicher Schwere, so gab es eine Reihe schwerer Sturzunfälle von Geländern und Treppen auf schulfremdem Territorium.
Hier sind Schule und Lehrkräfte besonders gefordert, bei Auswahl des Zieles auf sichere Einrichtungen zu achten und die Aufsicht und die Belehrungen den Gegebenheiten anzupassen.

Unfälle nach Unterrichtsart

Unfälle nach Unterrichtsart
Tabelle 4: Sportunfälle nach Sportart (Auswahl) 2007
Tabelle 4: Sportunfälle nach Sportart (Auswahl) 2007

Die Verteilung der Sportunfälle auf die einzelnen Sportarten ist in etwa konstant geblieben (Tabelle 5). Bei den Ballspielen entfielen auf Fußball 24,0 % der Unfälle, auf Volleyball 23,0 %, auf Basketball 14,8 % und auf Handball 7,1 % der Unfälle.

Tabelle 5: Straßenverkehrsunfälle 2007 nach Art der Verkehrsbeteiligung
Tabelle 5: Straßenverkehrsunfälle 2007 nach Art der Verkehrsbeteiligung

Wegeunfälle

Der Anteil der Fußgängerunfälle ist etwa konstant geblieben. Fahrradunfälle sind im Vergleich zu 2004 um 5 % zurückgegangen; Unfälle mit motorisierten Zweirädern haben zugenommen (2004 waren es 6 % weniger). Bei den anderen Kategorien gibt es keine wesentlichen Veränderungen zu den Vorjahren.

Das Verhältnis der Schul- und Wegeunfälle zeigt, dass sich Präventionsaktivitäten in Berufsschulen stark auf die Wegeunfallverhütung ausrichten müssen.
Das Verhältnis der Schul- und Wegeunfälle

Unfallauslösender Gegenstand

Fast ein Drittel der Unfälle i.e.S. stehen im Zusammenhang mit der Bodenoberfläche, d.h. Beschaffenheit (Glätte, Stolperstellen etc.). Immerhin rund 2.200 Unfälle auf Treppen/ Stufen zeigen Gefahrenpotenzial an. Unfälle im Zusammenhang mit Möbeln sind teilweise dem Kita-Bereich zuzuordnen. Hier sind (Klein-) Kinder besonders sturzgefährdet und scharfe Möbel- oder Türkanten mit weniger als 2 mm Kantenradius stellen ein Verletzungsrisiko dar. Bei unseren Besichtigungen und Beratungen legen wir von jeher großen Wert auf sichere Treppen, Absturzsicherungen, Sicherheitsverglasung, Vermeidung von Stolperstellen und scharfe Kanten etc. – und die Zahlen geben uns Recht. Um gezielte Prävention zu betreiben, sollte in jeder Kita oder Schule eine Unfallstatistik geführt, Unfallschwerpunkte ermittelt und Tausend-Mann-Quoten errechnet werden. Mit diesen Daten können vor Ort die konkreten Maßnahmen abgeleitet werden.

Tabelle 6: Unfälle 2007 nach unfallauslösendem Gegenstand
Tabelle 6: Unfälle 2007 nach unfallauslösendem Gegenstand

Beate Mierdel

Noch Fragen: mierdel@unfallkassesachsen.de oder Tel. (0 35 21) 72 43 16

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