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Sicherheit, Sauberkeit, Service …

i-Punkt Ausgabe 03/2008

Sicherheit

 

Arbeitsunfälle in kommunalen Bädern
Sonnenbebrillt und braungebrannt flirtet er am Beckenrand. Badeschlappen, weißes Shirt und Trillerpfeife. Der Kampf der Bademeister gegen Vorurteile beginnt schon bei ihrem Namen. Denn: Ein Bademeister ist kein Bademeister. Er möchte Fachangestellter oder gar Meister für Bäderbetriebe genannt werden. Ein Job, der von Klischees geprägt ist, die volle Aufmerksamkeit verlangt und so manches Risiko in sich trägt.

Die Fachangestellten oder Meister für Bäderbetriebe haben ein umfangreiches Tätigkeits- und Aufgabengebiet zu bewältigen. Neben der Beckenaufsicht, der Betreuung der Badegäste sowie im Notfall die Rettung und die Erste-Hilfe-Leistung zählt zum Aufgabenbereich eine Vielzahl von technischen Aufgaben. Sie kontrollieren und warten Betrieb und Steuerung der Badewassertechnik, wechseln Chlorbehälter und tauschen Behälter für die ph-Wertkorrektur. Außerdem gehören Instandsetzungsarbeiten, Reparaturen, Reinigungsarbeiten mit Desinfektionsmitteln und Grünflächenarbeiten zum Aufgabenspektrum.

Daraus ergeben sich ganz verschiedenartige Unfall- und Gesundheitsgefährdungen. Bei welchen dieser Tätigkeiten in den letzten vier Jahren Arbeitsunfälle passierten, ist den Übersichten zu entnehmen. Fast jeder zweite Arbeitsunfall ereignete sich bei Reinigungs- und Aufräumarbeiten inklusive der Rundgänge im Objekt (Zeile 1 und 2). Vor allem beim Umgang mit Hochdruckreinigern und Wischmaschinen gab es Verletzungen. So führte ein wegfliegendes Teil eines Kärchers zu einer schmerzhaften Prellung des Unterkiefers, das hätte auch – im wahrsten Sinn des Wortes – ins Auge gehen können! Häufiger kam es zu Ausrutschern und Stürzen auf nassen Böden. Es wurden aber auch Abrutschen von Treppenstufen, Böschungen und Leitersprossen öfters als Unfallursache genannt. Während glücklicherweise die Mehrzahl nur leichte Verletzungen mit geringen Arbeitszeitausfällen waren, gab es auch schwerere Verletzungen nach Stürzen.

Arbeitsunfälle in kommunalen Bädern in Sachsen
Statistik der Arbeitsunfälle in kommunalen Bädern in Sachsen

Verletzte Körperteile bezogen auf die Unfälle 2007, Mehrfachnennnungen möglich
Statistik Verletzte Körperteile bezogen auf die Unfälle 2007

So stürzte ein Beschäftigter in einen Schwallwasserbehälter, nachdem er von der Leiter abrutschte. Überhaupt sind Stürze von weggerutschten oder weggekippten Leitern nicht so selten und gehen mit teilweise schwerwiegenden Verletzungen einher, wie Knochenbrüche. Lange Ausfallzeiten sind die Folge. Damit ist die Wartung von technischen und baulichen Anlagen ein Schwerpunkt, auch was die Verletzungsfolgen betrifft.

Glücklicherweise gab es an Chlorungsanlagen nur Leichtfälle, bei denen die Beschäftigten nicht erkrankten oder zügig wieder genesen. Zum Glück nur leicht verletzt wurde ein Mitarbeiter, als Chlorgas austrat, weil sich beim Flaschenwechsel das Ventil nicht vollständig schließen ließ. Ein Loch in der Chlorgasflasche verursachte geringfügige Chlorgasinhalation bei drei Beschäftigten. Mithilfe der Feuerwehr bekam man bisher alle Fälle gut in Griff.

Hätte man bei Arbeiten an der Dosieranlage die PSA getragen, wäre die Augenverätzung vermieden worden.

2006 waren 9 Prozent aller Arbeitsunfälle Augenverletzungen, das ist jeder 11. Arbeitsunfall, das betraf Fremdkörper im Auge bei Arbeiten mit der Motorsense oder Heckenschere, Spritzer durch Schwefelsäure oder Natronlauge beim Behälterwechsel an der Dosieranlage und Desinfektionsmittelspritzer, weil der Behälter offen im Regal stand.

Auswertung 2007
Auswertung 2007

Diese Tendenz hat sich erfreulicherweise 2007 nicht fortgesetzt, es waren nur noch 1,7 Prozent. Wenn man bedenkt, dass Aufsicht ein wesentlichen Teil der Tätigkeit für Bäderfachangestellte ausmacht, ist es umso unverständlicher, wenn die persönliche Schutzausrüstung nicht benutzt wird, um Augenverletzungen zu vermeiden.

Aufgefallen ist, dass es in den letzten Jahren immer wieder bei Reinigungsarbeiten zu Verätzungen kam. Sollte dies auf nachlässigen Umgang mit basischen oder sauren Reinigungsmitteln oder einer eher „laxen“ Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung zurückzuführen sein?

Zugenommen haben auch die Arbeitsunfälle im Bereich der Badgaststätten und Bistros, wie Schnittverletzungen und Verbrennungen.

Der Unfall

Im Freibad der Stadt A. brannte es. Beim Löschen wurde auch der Kassenbereich unter Wasser gesetzt, wo sich mehrere beschädigte Kanister ohne Kennzeichnung befanden. Die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr halfen nach der Brandbekämpfung beim Aufräumen und trugen die Kanister hinaus. Dabei traten Säuren oder Laugen aus, die zu Verätzungen der Beine führten.

Dies ergab die Unfalluntersuchung: Um die Chemikalien frostfrei zu lagern, wurde eine erhebliche Anzahl von Plastebehältern während des Winterhalbjahres im Kassenraum abgestellt. Der Feuerwehr wurde weder die Abweichung vom Einsatzplan mitgeteilt noch erfolgte die vorgeschriebene Kennzeichnung des Raumes.

Mit dieser Unfallstatistik möchten wir die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in Bädern lenken. Wir appellieren an alle Unternehmer, Arbeitsunfälle gründlich zu untersuchen und Gefährdungsbeurteilungen zu aktualisieren. Dabei ist auf Reinigungs-, Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten besonderes Augenmerk zu legen, insbesondere bei Arbeiten an oder auf Filterbehältern, Tätigkeiten mit Gefahrstoffen oder beim Einsteigen in Schwallwasserbehälter oder in Schieberschächte.
Eine Auswertung der eingetretenen Arbeitsunfälle sollte in Ihrem Unternehmen ganz selbstverständlich dazugehören.

Carin Böhme

Noch Fragen: boehme@unfallkassesachsen.de oder Tel. (0 35 21) 72 43 09

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