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Wildtierhaltung – Gewusst wie?

i-Punkt Ausgabe 03/2008

Bekanntmachung

 

Immer wieder machen Anlagen der Wildtierhaltung wie Tierparks oder Wildgehege Schlagzeilen. Aber nicht immer sind neugeborene Tiere in einer für Mitteleuropäer eher spektakulären Tierart, wie Eisbären mit ihrem Knut in Berlin und dessen Nachfolger Flocke in Nürnberg, Auslöser der besonderen Aufmerksamkeit.

Leider lassen jährlich auch Meldungen über verletzte oder getötete Tierpfleger oder Besucher in Tierparks aufhorchen. Und das, obwohl  s aufgrund jahrelanger Erfahrungen mit der Haltung exotischer und auch weniger exotischer Wildtiere durch den Menschen ausreichend Material gibt, das sich tiefgründig mit dem sicheren Umgang befasst.

Die konkrete Umsetzung baulicher Anforderungen und die konsequente Erfüllung der an die Menschen gestellten Verhaltensweisen hätten das Eintreten bemerkenswerter Unfallereignisse in den meisten Fällen verhindert. Auf zwei aktuell geänderte bzw. neu erschienene Schriften zur Wildtierhaltung soll daher hier etwas näher eingegangen werden.

Sichere Anlagen für Wildtierhaltung - GUV-I 8635

Die im Mai 2006 erschienene Informationsbroschüre wurde erarbeitet, um praktische Hilfestellungen für die Umsetzung der einschlägigen und grundlegenden Regel für Sicherheit und Gesundheit „Haltung von Wildtieren“ (GUV-R 116) anzubieten. Sie entstand auf Wunsch der Betreiber von Wildtierhaltungen unterschiedlichster Art, um durch Hinweise und Empfehlungen von Fachleuten beispielhaft Umsetzungsmöglichkeiten bestehender Regelinhalte dargestellt zu bekommen.

Die Broschüre hat sich in der praktischen Anwendung bewährt. Allerdings wurde durch die Nutzung in der Praxis auch deutlich, dass es im Abschnitt 3.4, der Gehegeeinfriedungen und Umwehrungen behandelt, bei bestimmten bildlichen Darstellungen zu Missverständnissen kommen kann. Um dies auszuschließen und die Aussagekraft zu erhöhen, waren Ergänzungen bzw. Präzisierungen notwendig.

Die Fachgremien haben die aus der Praxis eingegangenen Hinweise beraten. Im Ergebnis wurden Änderungen der Darstellungen zur Gestaltung von Wassergräben und zur Gewährleistung eines ausreichenden Abstandes zwischen Mensch und gefährlichem Tier vorgenommen. Konkret betreffen die eingearbeiteten Änderungen im Abschnitt 3.4 immer die Anpassung der Anforderungen an bauliche Anlagen zur Verhinderung der Überschneidung der Reichweiten von Mensch und gefährlichem Tier bzw. das Erreichen des Menschen durch das Tier. Geändert bzw. ergänzt wurden dabei folgende Inhalte:

Abstand Mensch gefährliches oder besonders gefährliches Tier
Abstand Mensch gefährliches oder besonders gefährliches Tier

Anforderungen an Gehegeeinfriedungen (1. Abschnitt 3.4, S. 20)

Die vorgenommene Änderung lässt die Möglichkeit zu, dass bei Abständen einer festen Absperrung von mehr als 2 m zur nächst erreichbaren Gefahrenstelle die Höhe der Absperrung weniger als 1 m betragen kann. Voraussetzung für die Anwendung der reduzierten Höhe der Umwehrung ist, dass sich die Verletzungsrisiken für Zoomitarbeiter und Zoobesucher dadurch nicht erhöhen. In Bild 1 entfällt damit die Angabe einer Mindesthöhe der Umwehrung.

Anforderungen an Wassergräben (2. Abschnitt 3.4, S. 25, 26)

Am Wassergraben als Gehegeeinfriedung (Bild 2 u. 3) wird durch die in der Neufassung ergänzte Beschreibung, den Wassergraben in jedem Fall so tief anzulegen, dass die Tiere durch ihre körperliche Leistungsfähigkeit nicht auf die Besucherseite gelangen können, zusätzlich auf eine möglicherweise erforderliche Höhendifferenz zwischen Wasserfläche und Besucherebene hingewiesen. Daraus ergibt sich die veränderte bildliche Darstellung.

Im Begleittext zur Beschreibung eines Wassergrabens werden hinsichtlich des Schutzes vor Absturzgefahren zwei Varianten dargestellt.

Wassergraben als Gehegeeinfriedung und mit Mauer als Absturzsicherung
Wassergraben als Gehegeeinfriedung und mit Mauer als Absturzsicherung

Variante 1
Absturzkante ist durch Besucher erreichbar

Eine Absturzsicherung von 1 m Höhe ist in jedem Fall erforderlich. In der ergänzten Fassung wird auf die besonderen Anforderungen an eine wirkungsvolle Absturzsicherung eingegangen. Mit dem Hinweis auf eine kritisch hinterfragte Gestaltung der Schutzelemente, die den besonderen Verhaltensweisen von Kindern und „kinderführenden“ Eltern Rechnung tragen müssen, soll auf die Besonderheiten der hier unumgänglichen Sicherungsmaßnahmen aufmerksam gemacht werden.

Variante 2
Absturzkante ist durch Besucher nicht erreichbar

Sofern der Abstand zwischen Absturzkante und Besucherstandort 2 m oder mehr beträgt, wird die Möglichkeit der Anordnung einer festen Absperrung, die in der Höhe nicht festgeschrieben ist, als Element zur Wahrung des Abstandes zur Absturzkante für ausreichend gehalten. Sofern im Zwischenraum keine schwer überwindliche Bepflanzung (wie in Bild 3 dargestellt) vorliegt, muss die Absperrung allerdings durch ihre konstruktive Gestaltung ein Erreichen des absturzgefährdeten Bereichs zwischen Absperrung und Absturzkante deutlich erschweren.

Bildliche Darstellungen zum Trockengraben (3. Abschnitt 3.4, S. 27)

In Bild 4 wurde die dargestellte Reichweite des Tieres zeichnerisch richtig gestellt. In Bild 4 und 5 wird, wie beim Wassergraben Variante 2, anstelle der ursprünglich geforderten Umwehrung die feste Absperrung als begrenzendes Element zum Schutz vor der Absturzgefahr für die Besucherebene beschrieben, wobei die Rahmenbedingungen wie oben angegeben zu beachten sind.

Da ein kurzfristiger Neudruck der Informationsschrift GUV-I 8635 zu aufwendig erschien, wurde die geänderte Fassung vorerst ausschließlich als Pdf-Datei in das Regelwerk der Unfallkassen eingestellt (http://regelwerk.unfallkassen.de). Sie kann dort unter dem Menüpunkt „Informationen“ eingesehen und heruntergeladen werden.

Um auf die veränderte Fassung aufmerksam zu machen und eine fachgerechte Anwendung zu gewährleisten, schickte die Unfallkasse Ende 2007 bzw. Anfang 2008 allen Zoos und Tiergärten in Sachsen die Broschüre in einer Druckfassung (mit eingelegten Austauschblättern).

Bild 3: Wassergraben mit fester Absperrung und Strauchbepflanzung als Absturzsicherung
Bild 3: Wassergraben mit fester Absperrung und Strauchbepflanzung als Absturzsicherung
Bild 4: Trockengraben
Bild 4: Trockengraben
Bild 5: Trockengraben mit fester Absperrung und Strauchbepflanzung als Absturzsicherung für Besucher
Bild 5: Trockengraben mit fester Absperrung und Strauchbepflanzung als Absturzsicherung für Besucher

Zootiere

Artur Beck

Der Autor ist Aufsichtsperson bei der Unfallkasse Sachsen-Anhalt. Nachdruck aus Sicherheitsforum mit freundlicher Genehmigung.


Hinweis

Die Broschüre „Beurteilung von Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz des Tierpflegers in der Wildtierhaltung“ GUV-I 8770 wird nicht mehr verlangt.

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