Webcode dieser Seite: u192

Wo es sich lohnt, zweimal hinzuschauen

i-Punkt Ausgabe 03/2008

Sicherheit

 

Sicherheitsanforderungen für Kinderkrippen (Teil 2)
Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist schwer. Doch spätestens wenn das Elterngeld endet, stellt sich die Frage: Oma, Tagesmutter oder Krippe. In Sachsen beträgt die Betreuungsquote mittlerweile fast 40 Prozent und das Angebot soll noch steigen. Doch egal von wem betreut, wollen Eltern ihre Sprösslinge wohlbehütet wissen. Deshalb achten wir auf die Sicherheit in Krippen ganz besonders.

Unter Dreijährige besitzen noch kein Gefahrenbewusstsein. Erst ab vier beginnen Kinder Gefahren zu erkennen, haben aber noch nicht oder nur eingeschränkt die Fähigkeit, sich davor zu schützen. Erzieherinnen müssen auf viele Kinder achten. Gleichzeitig jedes Kind im Blick zu haben, ist aber gelegentlich unmöglich. Beim Bau und bei der Einrichtung von Kindertagesstätten ist deshalb in besonderem Maße auf eine sichere Gestaltung zu achten.

Stühle und Betten

Entfernt man eine Strebe, muss nicht jedes Kind aus dem Bett gehoben werden.
Kinderbett mit entfernter Strebe

Stühle und Betten dürfen Kinder bei ihrer Benutzung nicht gefährden. Stühle müssen stand- und kippsicher sein. Tische und Stühle sollen den Funktionsmaßen und den sicherheitstechnischen Anforderungen der DIN EN 1729 – Stühle und Tische für Bildungseinrichtungen – entsprechen. Tischhöhe und Sitzflächenhöhe sind aufeinander abzustimmen.
Der Einsatz von Hochstühlen ist bedenklich. Sie müssen stand- und kippsicher sein und den Vorgaben der DIN EN 14988 – Kinderhochstühle – genügen. Außerdem steigt die Belastung für die Erzieherinnen, die Kinder müssen in solche Stühle hineingehoben werden, Lebhafte sogar angegurtet.
Für das Schlafen eignen sich Kinderbetten nach DIN EN 716-1. Etagenbetten sind jedoch ungeeignet. Kleine Kinder können die Risiken noch nicht einschätzen und nicht sicher in ein Etagen- bzw. Hochbett steigen. Bei Kindern unter 3 Jahren liegt der Körperschwerpunkt sehr hoch, so dass sie dazu tendieren, mit dem Kopf voraus nach unten zu fallen.

Für Erzieherinnen ist wenigstens ein Stuhl vorzusehen, auf dem auch Erwachsene gut sitzen können, empfohlen wird ein höhenverstellbarer Stuhl.

Sanitärobjekte

Altersgerechte Sanitäranlagen
in verschiedenen Höhen angebrachte Waschbecken

Kinder brauchen Sanitärobjekte, die auf ihre Körpergröße abgestimmt sind. Beachten Sie dazu die VDI 6000 Blatt 6 „Ausstattung von und mit Sanitärräumen – Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen“. Allerdings sind die Einbauhöhen von Waschbecken und Klosettbecken, die in dieser VDI aufgeführt sind, erst ab einem Alter von 3 Jahren praktikabel. Hier wird die Höhe der Oberkante Keramik des Klosettbeckens bei wandgehängter Ausführung mit 35 cm angegeben. Für Krippenkinder ist dies zu hoch, hier wird eine Höhe von ca. 26 bzw. 30 cm für größere Krippenkinder bei Becken mit Standfuß empfohlen.
Handwaschbecken sollten so ausgeführt sein, dass sie den Kindern gut zugänglich sind. Für Krippenkinder wird eine Höhe von 45 cm für die einjährigen Kinder und eine Höhe von 50 cm für die älteren Krippenkinder empfohlen. Die Erreichbarkeit der Waschbecken kann nicht mit Podesten hergestellt werden. Spiegel, Ablagen und Handtuchhaken sind in kindgerechter Höhe anzubringen.

In den Sanitärräumen darf es keine scharfen Fliesenkanten geben. Wasch- und Toilettenräume sollten direkt dem Gruppenraum zugeordnet werden. Für zwei Gruppenräume können die Sanitärobjekte zusammengefasst werden. Die Anordnung soll so erfolgen, dass die Aufsichtspersonen ihrer Aufsichtspflicht nachkommen können. Für Bereiche, in denen Kinder von Körperausscheidungen gereinigt werden, sind geeignete Hygienemaßnahmen bei der Beseitigung der Abfälle zu treffen. Die Abfälle sind für Kinder nicht zugänglich aufzubewahren, in separaten, dicht schließenden Behältnissen.
Geräte zur Warmwasserbereitung sowie Waschmaschinen und Wäschetrockner sind außerhalb der Reichweite der Kinder aufzustellen, in abschließbaren Räumen oder Schränken.

Wickelplätze

Die Umwehrung verhindert ein Herunterfallen
Wickeltisch mit Umwehrung

Als geeignete Ausführungen können z.B. seitliche und rückwärtige Aufkantungen von 20 cm Höhe angesehen werden. Die notwendigen Utensilien müssen vom Wickeltisch aus leicht erreichbar sein.
Der Wickeltisch soll sich in der Regel auf einer Wickelkommode befinden. Wandgehängte klappbare Ausführungen sind für den Gebrauch in Kinderkrippen in der Regel ungeeignet. Wickeltische dürfen nicht vor Fenstern und Umwehrungen aufgestellt werden, wenn damit die notwendige Absturzsicherung nicht mehr gegeben ist und das Glas des Fensters nicht die erforderlichen Sicherheitseigenschaften aufweist.

Bauteile/Einrichtungsgegenstände

Kanten an Bauteilen und Einrichtungsgegenständen z. B. Türrahmen, Mobiliar, Heizkörper sind möglichst 5 mm zu runden, mindestens jedoch 2 mm. Insbesondere frei stehende Stützen sind mit der 5 mm Rundung zu versehen.

Küchen

Unter Dreijährige sollen zu Küchen keinen Zutritt haben. Lässt sich das nicht vermeiden, da in der Einrichtung altersgemischte Gruppen vorhanden sind, so werden an Küchen, die auch von Kindern genutzt werden, die nachfolgend genannten Anforderungen gestellt:
An Herden, die für Kinder zugänglich sind, müssen folgende Sicherheitseinrichtungen vorhanden sein:

  • Die Energiefreigabe erfolgt durch einen gesonderten Schalter, der außerhalb der Reichweite der Kinder (ca. 1,7 m Höhe) installiert ist.
  • Ein Gitter, das ein Herunterziehen von Töpfen verhindert.
  • Eine nicht heiß werdende Verglasung oder eine geeignete Gitterabschirmung am Backofenfenster.

Die Erreichbarkeit von Schränken, Arbeitsflächen u.Ä. darf nicht mit Podesten hergestellt werden, von denen neue Gefahren ausgehen. Auch in der Küche darf die Wassertemperatur an Entnahmestellen, die Kindern zugänglich sind, nicht mehr als 45° C betragen.

Erhöhte Spielebenen

Erhöhte Spielebenen sind in der Regel über Treppen zu erreichen. Da Treppen aber von unter Dreijährigen nicht sicher zu begehen sind, sollte im Krippenbereich darauf verzichtet werden. Werden dennoch Podeste vorgesehen, so sind sie keinesfalls höher als 60 cm auszuführen, besser niedriger. Sie müssen dann mit einer mind. 70 cm hohen Umwehrung versehen werden.

Kordeln/Schnüre

In Einrichtungen, in denen sich unter Dreijährige befinden, sollen bis in einer Höhe von 1,50 m keine Kordeln und Schnüre vorhanden sein, beispielsweise an Sonnenschutzeinrichtungen. Kinder könnten sich daran strangulieren.

Kleinteile/Spielzeug

So lassen sich Pinnnadeln oder Reißzwecken ersetzen
So lassen sich Pinnnadeln oder Reißzwecken ersetzen

Spielzeug ist altersgerecht auszuwählen. Spielzeug, welches im Krippenbereich nicht zum Einsatz kommen soll, ist mit einem Warnvermerk „Nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet“ oder „Nicht für Kinder unter 3 Jahren geeignet“ versehen oder es ist offensichtlich erkennbar, dass es aufgrund seiner Funktion, Abmessungen, Eigenschaften oder aus anderen zwingenden Gründen nicht zur Verwendung für Kinder unter 3 Jahren geeignet ist. Spielzeug muss mindestens mit dem CE-Kennzeichen versehen sein, besser noch mit dem GS-Zeichen.
Ob Spielzeug für Kleinkinder geeignet ist, regelt die DIN EN 71, Teil 1. So schreibt diese DIN die Prüfung mit einem Zylinder für Kleinteile vor, der dem Rachen eines Kindes nachempfunden ist. Alle Teile, die in diesem Zylinder vollständig verschwinden, können von Kindern verschluckt werden.

Dort, wo sich unter Dreijährige aufhalten, dürfen neben dem Spielzeug auch keine sonstigen Gegenstände vorhanden sein, die man verschlucken kann, an denen man ersticken kann oder von denen andere Gefahren ausgehen. Dazu gehören Pinnnadeln, Reißzwecken, Stecknadeln, die gern zum Anhängen von Bildern, Nachrichten u.Ä. verwendet werden. Sie haben im Aufenthaltsbereich von Krippenkindern nichts zu suchen.

Problematisch wird es bei gemischten Altersgruppen. Dann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass Spielzeug zum Einsatz kommt, das für kleine Kinder nicht geeignet ist. An die Gefährdungen, die von solchem Spielzeug ausgehen können, muss unbedingt gedacht werden, wenn die Entscheidung für altersgemischte Gruppen getroffen wird. Es ist dann durch eine verstärkte Aufsicht der Erzieherinnen sicherzustellen, dass die Kinder durch ungeeignetes Spielzeug keinen Schaden erleiden.

Außenspielflächen und Spielplatzgeräte

Die Außenspielflächen sind hinsichtlich der Gestaltung und altersgerechten Spielangebote so auszurichten, dass für Kinder unkalkulierbare Risiken vermieden werden. Wenn die Möglichkeit besteht, für Krippenkinder einen eigenen Spielbereich vorzusehen, so sollte dies getan werden. Eine Abgrenzung mit einer ca. 70 cm hohen Einfriedung ist sinnvoll. Für Krippenkinder geeignet ist insbesondere der Sandkasten. Er muss so angelegt werden, dass unter dem Sand eine ausreichende Wasserdurchlässigkeit gegeben ist.

Oberflächen von Sandkasteneinfassungen dürfen nicht aus scharfkantigem spitzen rauen Material bestehen. Geeignet sind schwer splitternde Hölzer oder Hartgummi, der wegen der Aufheizung durch Sonnenstrahlen eine helle Einfärbung haben soll, die sich vom Sand gut abhebt. Es können auch Betonsteine mit gerundeten Kanten verwendet werden. Weitere Spielfunktionen wie Sitzen, Spielablage, Balancieren sind bei der Auswahl der Einfassung zu bedenken. Die Kinder dürfen nicht der prallen Sonne ausgesetzt sein. Entweder gibt es eine Beschattung durch große Bäume oder ein Sonnensegel. Wird nicht gespielt, schützt eine Abdeckung durch Gitter und engmaschige Netze den Sand vor herabfallenden Blättern, Katzenkot o.Ä. Verwenden Sie bindigen Spielsand mit Korngrößen von 0 bis 2 mm. Bei der Anlage des Sandkastens ist darauf zu achten, dass der Sand problemlos anund abgefahren werden kann.

Für Krippenkinder geeignet sind Geräte zum Kriechen, Balancieren, Hangeln, Klettern, Rutschen, Malen und Ball spielen.
Besteht für die Kinder unter 3 Jahren nicht die Chance, einen eigenen Spielbereich abzugrenzen, so ist zu bedenken:
Spielplatzgeräte nach DIN EN 1176 sind grundsätzlich für Kinder ab 3 Jahren geeignet. Kinder unter 3 Jahren können sie nur unter spezieller Hilfestellung bzw. intensiver Beaufsichtigung durch Erzieherinnen benutzen.

Anforderungen an Spielplätze, die von altersgemischten Gruppen benutzt werden.

1. Um zu vermeiden, dass Kinder unter 3 Jahren an Geräte gehen, die sie noch nicht beherrschen, kann der Zugang zu den Geräten erschwert werden.
Das kann erreicht werden, wenn zwischen der Spielebene und der untersten Fußunterstützung ein Freiraum von 40 cm vorhanden ist. Dies wird bei Leiteraufstiegen beispielsweise dadurch erreicht, dass die unterste Sprosse nicht eingebaut wird.

Überwinden die Krippenkinder dieses Hindernis allein, kann man davon ausgehen, dass ihre körperliche und geistige Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dass sie sich auf dem Spielplatzgerät sicher bewegen können.

2. Bei leichtem Zugang zu den Spielplatzgeräten werden zusätzliche Sicherungsmaßnahmen vorgesehen, wie:

  • standflächen werden bereits ab einer Höhe von 60 cm mit Brüstungen versehen,
  • bereits ab der ersten Stufe ist ein Handlauf vorhanden,
  • Rampen haben bereits ab einer Brüstungshöhe von 60 cm eine Brüstung,
  • Fangstellen für den Kopf werden mit einer Prüfsonde für Kinder unter 36 Monaten geprüft.

Schaukeln, die für die Benutzung durch Krippenkinder vorgesehen sind, sollten von Schaukeln für größere Kinder räumlich voneinander getrennt aufgestellt werden. Von einer Kombination von Schaukelsitzen für Kleinkinder mit Schaukeln für größere Kinder wird dringend abgeraten.

In jedem Fall ist zu sichern, dass die Spielplatzgeräte funktionssicher aufgestellt sind, ein ausreichend großer hindernisfreier Bereich vorhanden ist und ebenso in Abhängigkeit von der Fallhöhe ein geeigneter Fallschutz (siehe DIN EN 1176 und DIN EN 1177).

Feuchtbiotope

In reinen Kinderkrippen sollen keine Feuchtbiotope angelegt werden. Bei kombinierten Einrichtungen dürfen Teiche und Feuchtbiotope für Krippenkinder nicht zugänglich sein. Dies erreichen Sie durch eine mindestens 1,00 m hohe Umwehrung, die nicht zum Klettern verleitet und keine Spitzen hat.

Pflanzen

Giftige Pflanzen wie Goldregen, Seidelbast, Pfaffenhütchen oder Stechpalme sind verboten. Ebenfalls darf es keinen Riesenbärenklau geben und keine Ambrosia. Bei der Auswahl der Pflanzen ist darauf zu achten, dass Kinder keine schweren oder bleibenden gesundheitlichen Schäden erleiden oder gar zu Tode kommen. Pflanzen mit Dornen oder Stacheln dürfen nicht im unmittelbaren Aufenthaltsbereich der Kinder angebaut werden, sie dürfen ebenso nicht als Absturzsicherung oder Einfriedung genutzt werden. Pflanzen und Sträucher, deren Früchte aufgrund von Farbe und Form Kinder zum Verzehr anregen können und die gesundheitsschädigende Stoffe beinhalten, dürfen nicht angepflanzt werden, zum Beispiel Liguster.

Derzeit gelten die Sicherheitsanforderungen für Kindergärten ebenso auch für Bereiche, in denen sich Krippenkinder aufhalten. An speziellen Anforderungen wird gearbeitet.
„Richtlinien für Kindergärten – Bau und Ausrüstung“ GUV-SR 2002 „Naturnahe Spielräume“ GUV-SI 8014, „Außenspielflächen und Spielplatzgeräte“ GUV-SI 8017 „Giftpflanzen – Beschauen nicht kauen“ GUV-SI 8018.

Erzieherin und Kinder im Kinderbett

Noch Fragen: kirsten@unfallkassesachsen.de oder Tel. (0 35 21) 72 43 19

Wir sind für Sie da.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen

+49 (0)3521 7240
Externer Link zur Überprüfung dieser Seite auf standardkonforme Programmierung nach XHTML 1.0  Externer Link zur Überprüfung von Style Sheets  Externer Link zur Erklärung der Stufe AAA der Web Content Accessibility Guidelines 1.0